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Steven Wilson im Interview (November 2013)

Das zweite Kapitel

The-Pit.de: Auf deiner Website gibt es eine Playlist, auf der man sehen kann, was du gerade so hörst. Da sich das Jahr schon wieder dem Ende zuneigt: Was waren für dich bislang die stärksten neuen Platten in 2013?

Steven: Hm, ich höre ja vor allem viele alte Sachen, in den Playlists tauchen daher auch viele ältere Veröffentlichungen auf, die ich bislang nur noch nicht entdeckt hatte. Aber von den neuen Sachen mochte ich die neue Boards Of Canada sehr gerne. Die sind im Vereinigten Königreich recht groß, ein Elektro-Duo. Außerdem fand ich die neue Soloplatte von John Grant, „Pale Green Ghosts“, sehr gut; John Grant war mal in einer Band, die The Czars heißt, der aber jetzt auf Solopfaden wandelt. Ich denke, das sind meine beiden Favoriten in diesem Jahr bisher, wobei ich zugeben muss, dieses Jahr bislang nicht so viel neues Zeug gehört zu haben. Ich glaube, ich werde alt; ich mag es, in die Vergangenheit zu reisen und diese Dinge zu entdecken, aber die Platten von Boards Of Canada und John Grant fand ich wirklich stark.

The-Pit.de: Da du so ein Musikverrückter bist – hattest du schon mal eine Freundin, die dich vor die Entscheidung gestellt hat „Ich oder die Musik?“

Steven: Nein, es wäre auch sinnlos, diese Forderung an mich zu stellen (lacht). Die meisten Leute, die ich treffe, oder die Frauen, mit denen ich zusammenkomme, lerne ich über die Musik kennen. Es ist wie bei einem normalen Job: Die meisten Leute, die man trifft, lernt man über seinen Job kennen, ob das nun Freundinnen oder einfach Freunde sind. Bei mir ist es dasselbe: Die Leute, die ich zu meinen engsten Freunden zähle und die Frauen, die ich treffe, habe ich über die Musik kennengelernt. Daher ist es praktisch auch nie passiert, dass mir jemand gesagt hätte: „Keine Musik!“

The-Pit.de: Ich weiß, dass es vielleicht ein etwas nerviges Thema ist, aber vor ein paar Wochen hat Gavin Harrison in einem Interview versichert, dass Porcupine Tree nicht tot sind, wobei er da ja eigentlich nur wiederholt hat, was du schon vorher meintest, dass die Band halt nicht aufgelöst ist, man nur nicht weiß, wann sie wieder zusammenkommt…

Steven: …Oder ob überhaupt. Wir haben nie etwas Dramatisches verlauten lassen, dass wir uns auflösen oder so was, aber ehrlich gesagt kann ich nicht erkennen, wo der Sinn in diesem Statement liegt. Ich meine, wir machen vielleicht irgendwann ein neues Album; möglicherweise in fünf Jahren, möglicherweise nächstes Jahr oder in zehn Jahren – oder nie. Der Punkt ist, die Tür ist immer offen. Insbesondere würde ich gerne wieder mit Gavin zusammenarbeiten – ob das nun bei Porcupine Tree oder auf andere Weise passiert. Jedenfalls ist die Band nicht tot, sondern immer noch da und das Interesse am Backkatalog ist nach wie vor sehr hoch.

The-Pit.de: Wo wir bei Drummern sind: Wir sind mittlerweile wohl alle sehr froh, dass Marco Minnemann nicht zum neuen Dream Theater-Schlagzeuger gekürt wurde, da er sonst ja kaum Zeit gehabt hätte, mit deiner Band zu spielen.

Steven: Inzwischen nicht mehr. (Der The-Pit.de-Delegierte muss dumm aus der Wäsche geguckt haben:) Oh, du wusstest noch gar nicht, dass es da einen Wechsel gab: Ich habe nun Chad Wackerman als Drummer.

The-Pit.de: Oh Fuck, das wusste ich in der Tat nicht! Chad Wackerman, der früher bei Frank Zappa gespielt hat?

Steven: Ganz genau. Ja, Chad ersetzte Marco bereits im Mai, weil Marco mit Joe Satriani unterwegs ist.

The-Pit.de: Okay. Na ja, der ist ja auch sehr gut; jeder, der mit Frank Zappa gespielt hat, muss automatisch gut sein, schließlich war Zappa sehr anspruchsvoll.

Steven: Genau wie ich (grinst). Jeder, der bei mir spielt, muss richtig gut sein. Ob Gavin bei Porcupine Tree, ob Marco, jetzt Chad oder auch Tomer von Blackfield – das sind alles fantastische Schlagzeuger. Und in gewisser Weise ist der Drummer für mich der wichtigste Teil der Band, denn er legt schließlich die Basis. Wenn man einen großartigen Drummer hat, kann dieser den Rest der Band dazu inspirieren, auch auf einem sehr hohen Level zu agieren.

Der Tourmanager macht nun langsam aber sicher deutlich, dass die Zeit abgelaufen ist – nicht ohne sich für das terminliche Chaos zu entschuldigen, wie fairerweise gesagt werden muss. Mit den Fragen bin ich prinzipiell auch durch, allerdings fallen mir bereits kurz nach dem Konzert schon wieder etliche weitere ein, die ich hätte stellen können, und ich ärgere mich ein bisschen. Aber gut, was soll’s, da bereits neues Material vorgestellt wurde, kann es ja nicht so lange dauern, bis das vierte Steven Wilson-Soloalbum ansteht, wo es dann hoffentlich die nächste Gelegenheit für ein dann garantiert wieder sehr entspanntes Interview geben wird. Eins steht definitiv fest: Authentischer als Wilson kann man nicht sein, denn wer eine Offerte von Arjen Lucassen ablehnt (andere würden töten für das Angebot, auf einem Ayreon-Album zu singen), obwohl er – auch wenn die Musik nicht ganz sein Ding ist – zumindest großen Respekt vor dessen Schaffen hat, ist entweder verrückt oder wahnsinnig prinzipientreu.

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