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Steven Wilson im Interview (November 2011)

Ertrinken in Information

The-Pit.de: Wir sprachen ja schon darüber, wie oder was du für Porcupine Tree und wie für deine Solosachen komponierst – auf dem neuen Album allerdings scheint sich mir einiges aus Jams entwickelt zu haben. Meine Frage wäre daher, was der Unterschied der Herangehensweise ans Komponieren für Porcupine Tree und für deine Solosachen ist bzw. ob es überhaupt einen Unterschied gibt?

Steven: Oh ja, die Herangehensweise ist sehr unterschiedlich. Ich denke, auf diesem Album habe ich sehr viel Platz gelassen, damit sich die Solisten richtig ausdrücken können. Bei Porcupine Tree, oder auch bei meiner ersten Soloplatte, war es so, wenn ich einen Song schrieb und ein Solo darin wollte – für Gitarre oder was auch immer –, sagte ich mir: „Okay, hier gibt es jetzt acht Takte Solo, du hast also vielleicht 15 Sekunden Zeit, um zu sagen, was du sagen willst“. Das ist aber natürlich nicht die Art und Weise, wie Jazzmusiker arbeiten: Sie fangen an, dir mittels ihres Instruments eine Geschichte zu erzählen – und die Geschichte endet, wenn sie enden muss, man kann diese Geschichte nicht in 15 Sekunden beenden. Hier war also mehr der Versuch da, sozusagen mehr zu erlauben, die Spiritualität von Jazzmusik einzufangen, den Solisten – besonders Theo (Travis – Anm. d. Red.), der Flöten- und Saxophonsoli auf der Platte spielt – mehr Raum zu geben, das zu beenden, was sie sagen wollen. Und wenn das 47 Takte braucht oder drei Minuten – dann machen wir das eben.

The-Pit.de: Oder 20 Minuten wie in „Raider II“.

Steven: Genau, wenn es 23 Minuten dauert, die Geschichte zu erzählen, dann ist das eben so lange, wie es dauert, die Geschichte zu erzählen. Und ich muss sagen, das ist etwas, das ich eigentlich sehr vermisst habe, denn das war ein wichtiges Element der frühen Porcupine Tree, als wir noch so eine Art Space-Rock-Band waren. Da gab es weitaus mehr Ambient-Gewebe und Improvisation. Allerdings war es damals mehr Improvisation auf einem Akkord oder so, auf „Grace For Drowning“ sind die Improvisationen intensiver, komplexer und die Harmonien sind jazziger; es sind dunklere Harmonien. Ich habe in gewisser Weise also eine ganze Menge in den letzten 15 Jahren gelernt, aber es ist schön, wieder ein bisschen diesen psychedelischen, spirituellen Aspekt zurückzubringen.

The-Pit.de: Wie war es, mit Legenden wie Tony Levin und Steve Hackett zu arbeiten?

Steven: Großartig. Ich bin schon länger mit Tony und Steve befreundet – fantastische Typen.

The-Pit.de: Steve hat ja dieses Jahr ebenfalls ein neues Album herausgebracht.

Steven: Ja, ein tolles Album. Die beiden sind wunderbare Persönlichkeiten, bei ihnen dreht sich alles um die Musik, und für mich bedeutet es einfach, Musik mit Freunden zu machen. Aber ich würde auch nicht Musik mit jemandem machen, den ich nicht als Freund betrachte. Ich würde nie zu jemandem gehen und sagen: „Hey, ich kenne dich zwar nicht, aber willst du nicht auf meinem neuen Album spielen?“ – Habe ich das jemals getan? (überlegt kurz). Na ja, vielleicht habe ich das mal getan, aber auf diesem Album sind das alles Leute, die ich kenne, mit denen ich schon gearbeitet habe oder schon mal einen Gefallen getan habe. Zum Beispiel habe ich mit Steve auf seiner letzten Tour gespielt, nun erschien er auf meinem Album – es ist also einfach so: „Du hast das für mich getan, nun tue ich etwas für dich, und das hier macht bestimmt Spaß“ – es war also wirklich großartig.

The-Pit.de: Auf dem Album gibt es außerdem einen Song, der „Track 1“ heißt – hierbei handelt es sich allerdings um den dritten Track der zweiten CD. Wie kam es denn zu dieser merkwürdigen Bezeichnung?

Steven: (grinst): Das werde ich nicht erklären. Manche Dinge sollten nicht erklärt werden.

The-Pit.de: Na gut. Und können wir irgendwann eine DVD erwarten?

Steven: Hm, wir haben gerade angefangen, darüber zu sprechen, aber um ehrlich zu sein: Wir haben bislang gerade mal sieben Shows hinter uns und ich hatte keine Ahnung, ob das alles überhaupt funktionieren würde. Fünf Musiker, mit denen ich noch nie zuvor live zusammen gespielt hatte, ein neuer Film, komplexes visuelles Zeug, Musik machen, die ich zunächst nie geplant hatte, live aufzuführen – es hätte ein Desaster werden können. Ist es zum Glück nicht, es ist fantastisch, worüber ich sehr froh bin, und deswegen haben wir auch bereits angefangen, uns zu sagen, dass wir eine Bluray/DVD machen sollten. Die Antwort lautet also: Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Bluray/DVD geben wird, aber es gibt noch keine konkreten Pläne.

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