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Steven Wilson im Interview (November 2011)

Ertrinken in Information

Er ist zierlich und unscheinbar, wirkt auf manche fast arrogant. Doch Letzteres trifft nicht im Entferntesten zu – Steven Wilson ist ein schüchterner, zurückhaltender Mensch, der wenig von seinem Privatleben in der Öffentlichkeit preisgibt, im Gespräch aber immer Interessantes zu erzählen hat und trotz des inzwischen doch recht großen Erfolges von Porcupine Tree völlig auf dem Teppich geblieben ist. Fest steht: Er ist ein ganz großer Künstler, einer der innovativsten Visionäre, die unsere Szene zu bieten hat. The-Pit.de traf ihn im Rahmen seiner Solotour vor dem Konzert in Hamburg.

The-Pit.de: Hi Steven. Jeder weiß, dass du der Hauptkomponist bei Porcupine Tree bist; du schreibst fast alle Songs im Alleingang, spielst Gitarre und singst – so mancher könnte sich da die Frage stellen: Wozu nimmt der Mann überhaupt Soloalben auf? Ich könnte mir vorstellen, dass es auch daran liegt, dass Porcupine Tree über die letzten Jahre sehr gewachsen sind, manche Leute vielleicht gewisse Erwartungen haben und du dich bei deinem Soloprojekt musikalisch in einem noch breiteren Spektrum ausdrücken kannst.

Steven: Es ist befreiender, ja, und du hast nicht ganz unrecht, wenn du von gewissen Erwartungen an Porcupine Tree sprichst, aber um ehrlich zu sein: Das ist mir egal, ich kümmere mich nicht um die Erwartungen von Fans und ich glaube, das sollte ich auch nicht tun, denn man sollte niemals ein Album machen, um Leute zufriedenzustellen. Aber es gibt da noch einen anderen, ganz entscheidenden Faktor: Porcupine Tree ist eine Band, die aus vier Leuten besteht und diese Leute müssen alle darin übereinstimmen, was wir spielen. Obwohl ich die Musik schreibe, würde ich den anderen nie vorschreiben, Musik zu spielen, die ihnen nicht gefällt. Und auf diesem Album zum Beispiel, „Grace For Drowning“, ist ein sehr starker Jazz-Einfluss vertreten und ich weiß von einem Porcupine-Tree-Mitglied, das Jazz hasst, also würde er das niemals spielen oder hätte zumindest keinen Spaß daran. Also, obwohl ich für Porcupine Tree schreibe, bin ich mir der Musik bewusst, die ich für diese Band schreiben muss – in gewisser Weise –, so dass jeder Freude daran hat, diese zu spielen. Bei meinem Soloprojekt muss ich solche Überlegungen nicht anstellen, ich mache wirklich nur Musik, um mich selbst zufriedenzustellen. Wenn ich Jazz mit Industrial und Psychedelic kombinieren will oder eine Pianoballade mit (überlegt) was auch immer, dann mache ich das und muss nicht überlegen: Ach, na, ich weiß nicht, ob die Jungs das gut finden. Dennoch kann man nicht sagen, dass es bei Porcupine Tree in dieser Hinsicht irgendwie restriktiv zugehen würde, es gibt schon jede Menge Flexibilität, aber es ist vielleicht nicht ganz so offen wie es bei meinen Soloplatten sein kann.

The-Pit.de: Und wo siehst du die Unterschiede zwischen „Insurgentes“ und „Grace For Drowning“?

Steven: Nun, der Ausgangspunkt von „Insurgentes“ war die Musik, die ich als Kind liebte und die auch meine Freunde hörten. Ich meine, ich bin in den Achtzigern aufgewachsen; wir hörten Bands wie The Cure, Joy Division, Cocteau Twins, The Smiths – Post-Punk-Zeug, wie man das damals nannte; wie immer das jetzt bezeichnet wird, jedenfalls so experimentellen Achtziger-Alternative-Kram. Und ich liebte diese Sachen, als ich aufgewachsen bin, war ich in meinem Freundeskreis allerdings wohl der einzige, der irgendwann quasi in die Vergangenheit ging und auch Progressive Rock hörte. Während „Insurgentes“ also mehr in die Richtung der Achtziger-Musik geht, die ich damals hörte, befasst sich „Grace For Drowning“ mehr mit Musik, die mich zurück in der Zeit katapultierte, wenn man so will – also Artrock und Progressive Rock aus den späten Sechzigern und Siebzigern, Bands wie King Crimson, Van der Graaf Generator, Soft Machine. Das Album ist also mehr in den Siebzigern verwurzelt, „Insurgentes“ dagegen eher in den Achtzigern.

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