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Steven Wilson im Interview (März 2013)

Ein Regisseur und seine Schauspieler

Porcupine Tree liegen weiterhin auf Eis - das letzte Album "The Incident" ist nun schon vier Jahre alt

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The-Pit.de: Wegen deiner Solokarriere liegen Porcupine Tree derzeit auf Eis. Hast du eine Ahnung, was die anderen Jungs so treiben?

Steven: Gavin (Harrison – Drums; Anm. d. Verf.) ist gerade auf Tour mit 05Ric (Fusion-Bass-Virtuose und -Sänger; Anm. d. Verf.), ich glaube, Richard (Barbieri – Keyboards; Anm. d. Verf.) geht auch dieses Jahr auf Tour – die sind alle gut beschäftigt. Gavin ist sowieso ständig gefragt, er spielt ja noch bei King Crimson und macht Drum-Demonstrationen etc. – er ist einer der besten Drummer der Welt und daher immer bei allem Möglichen begehrt.

The-Pit.de: Ich hab mal gehört, du benutzt keine Kopfhörer – stimmt das?

Steven: (stutzt): Ich benutze keine Kopfhörer? Im Studio, oder wie? Schön wär’s… Also, ich höre nicht besonders gerne Musik über Kopfhörer, aber… (überlegt) Ah, ich glaube, ich weiß, was du meinst: Alle Musiker heute Abend benutzen In-Ear-Monitoring, außer mir, ich habe noch die altmodischen Monitore vor mir auf der Bühne. Aber auch das stimmt nicht ganz, denn ich habe ein Teil in einem Ohr, das ich aber zwischendurch rausnehme, wenn ich meine Stimme lauter hören will. Alle anderen jedoch benutzen komplett In-Ear-Monitoring und hören überhaupt keinen Raumklang. Ich mag das nicht, ich will hören, wie sich die Luft bewegt.

The-Pit.de: Um mal ein wenig in der Vergangenheit zu wühlen: In den alten Porcupine-Tree-Zeiten gab es jede Menge Songs, die sehr verdrogt klingen – allen voran natürlich „Voyage 34“. Wie sehen deine Erfahrungen mit Drogen aus?

Steven: Eher überschaubar, muss ich sagen. Aber ich muss sagen, die Idee der Drogenkultur ist für mich interessant und ich habe Songs darüber geschrieben, ohne jemals selbst in diesen Lebensstil involviert gewesen zu sein. Du hast Recht, es gibt ein verdrogtes Feeling in manchen Songs, doch ich denke, dieses verdrogte Feeling kann man auch mit Traumlogik verbinden, nicht notwendigerweise Drogenlogik. Was ich damit sagen will, ist, dass dieses surreale, spacige Empfinden auch von der puren Vorstellungskraft kommen kann, so wie es auch davon kommen kann, wenn man Drogen nimmt. Viele Songs, von denen die Leute denken, dass sie ein verdrogtes Feeling haben, handeln in Wirklichkeit von Träumen und kommen von einer surrealen Annäherung – der Verstand ist sehr wohl dazu auch ohne Drogen in der Lage. Und ich glaube, manche Leute unterschätzen diese Kraft. Beispielsweise haben einige der für mich besten Filmemacher, die die verrücktesten, bizarrsten, abgefucktesten Filme gedreht haben, nie Drogen konsumiert: David Lynch oder Stanley Kubrick zum Beispiel. Diese Typen haben nie Drogen genommen, sondern nur ihre Vorstellungskraft benutzt und ich glaube, wir tendieren oft dazu, eigenartige Vorstellungen damit zu verbinden, dass irgendeine künstliche Hilfe notwendig gewesen sein muss, um das zu erreichen. Ich glaube das nicht; ich denke, das Gehirn ist auch so dazu in der Lage.

(In dem Moment macht der Tourmanager deutlich, dass die Zeit langsam abläuft und bittet mich, von den zwei, drei Fragen, die ich noch habe, eine auszuwählen.)

The-Pit.de: Vollziehen wir zum Abschluss doch noch einen kleinen Schwenk zu Blackfield: Du hast deine Aktivitäten dort sehr eingeschränkt und wirst mit der Gruppe nicht mehr auf Tour gehen. Welches ist retrospektiv betrachtet für dich das beste Blackfield-Album?

Steven: Puh, eine gute Frage… (überlegt) Ich mag das erste, das war wirklich gut... Das zweite ist ebenfalls wirklich gut (lacht). Das dritte hatte für meine Begriffe vielleicht nicht ganz die Qualität der Vorgänger. Aber das neue ist wirklich gelungen! Aviv (Geffen – Stevens Partner bei Blackfield; Anm. d. Verf.) hat schon ein neues aufgenommen und ich habe ihm beim Mixen und Produzieren geholfen und auch ein wenig darauf gespielt.

The-Pit.de: Wann soll das herauskommen? Ich meine, dass mal von April die Rede war.

Steven: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es wird wohl noch nicht April sein, so weit ist er noch nicht, denn Tracklist und ähnliches sind ja noch nicht bekannt – ich tippe eher auf irgendwann im Sommer. Aber es ist wirklich gut und erinnert mich ein wenig an die erste Platte.

Ein gutes Schlusswort, denn damit ist gewiss, dass in diesem Jahr noch ein Album mit Beteiligung von Steven Wilson erscheinen wird – wenn auch mit weniger Input als bei seinen sonstigen Projekten. Kurz wird beim Hinausgehen noch das Thema angerissen, dass heute Abend beim Konzert Sitzen angesagt ist: Der Verfasser meint, bei Rockkonzerten sitzen ginge mal gar nicht, woraufhin Wilson grinsend erwidert, ich könne mich ja hinstellen, wenn ich wollte – solange die Security mich nicht davon abhielte. Typisch britischer Humor.

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