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Steven Wilson im Interview (März 2013)

Ein Regisseur und seine Schauspieler

"The Raven That Refused To Sing" markiert den bisher höchsten deutschen Chartseinstieg in Wilsons Karriere

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The-Pit.de: Ich denke hier vor allem an den sehr bewegenden Titeltrack mit Zeilen wie „I’m afraid to love“ und natürlich der Geschichte über die verlorene Schwester.

Steven: Diese Story ist nicht meine Lebensgeschichte – ich habe meine Schwester nicht verloren, als ich jung war, aber der Hauptcharakter ist jemand, der dem Ende seines Lebens entgegensieht und deswegen über seinen eigenen Tod, seine eigene Angst vor der Sterblichkeit und Verlust nachdenkt. Den Verlust, den er in seiner Kindheit erlitten hat und wie er damit umgeht. Und ich denke, das ist etwas, was ich nachempfinden kann – ich meine, jeder ist, ob er es nun zugibt oder nicht, irgendwo von der eigenen Sterblichkeit und der Angst vor dem Tod besessen. Und wir wägen alles, was wir im Leben tun ab, ob es sich um unser Glück oder Unglück, unsere Beziehungen oder Jobs handelt, was immer es ist, wir wägen es ab gegen den Fakt, dass die Zeit davonläuft und dass irgendwann der Tod hinter dem Horizont lauert und wir nur so und so viel Zeit haben, unserem Leben einen Sinn zu geben. Das ist ein Thema, das durch alle Songs hindurchgeht und das mich beschäftigt, wie es aber wohl bei vielen Leuten der Fall ist.

The-Pit.de: Das Video zu dem Song gefällt mir sehr. Es ist gleichzeitig traurig, aber auch niedlich.

Steven: Ja, ihm haftet so ein Gefühl von Märchen an. Es ist nicht dunkel im Gothic-Stil oder so, es besitzt mehr dieses unschuldige Märchen-Gefühl, wie im Übrigen bei vielen klassischen Geistergeschichten der Fall. Aber es ist ein wunderschönes Video, ja, und wurde von zwei wunderbaren Regisseuren, Jess Cope und Simon Cartwright, umgesetzt.

The-Pit.de: Für die Aufnahmen zu „The Raven…“ hast du die Bandbesetzung von der letzten Tour übernommen, bis auf den Gitarristen, hier spielt nun Guthrie Govan. Wie kam es dazu?

Steven: Nun, ich habe nach etwas in der Band gesucht, das ich in meinem Kopf hörte, und das einzige, was sich für mich nicht komplett richtig angehört hat, war die Gitarre. Und Niko Tsonev, den wir auf der letzten Tour dabei hatten, ist ein fantastischer Gitarrist, aber ich habe doch nach etwas anderem gesucht, und ich fühlte, ich könnte es durch Guthrie erreichen. Ich glaube, das habe ich auch. Weißt du, es ist nicht einfach, von Anfang an die richtige Band zusammen zu haben. Wenn man das gleich beim ersten Mal schafft, kann man sich sehr glücklich schätzen (lacht). Und ich habe das nicht gleich geschafft. Das meiste fühlte sich gleich richtig an, nur die Gitarre nie so ganz. Nun habe ich den dritten Gitarristen, aber ich denke, Guthrie ist nun tatsächlich der Richtige.

The-Pit.de: Er hat auch alle Gitarrensoli auf dem Album gespielt, du hast dich sozusagen ein wenig zurückgenommen. Überhaupt meintest du mal, du würdest dich als eine Art Regisseur oder Architekt von Musik betrachten. Das erinnert ein wenig an die Vorgehensweise klassischer Komponisten, die eine Oper oder Symphonie schreiben. Magst du eigentlich klassische Musik?

Steven: Das tue ich. Allerdings ist es nicht ganz genauso, denn ich bin ja immer noch der Sänger. Aber du hast schon Recht, es gibt da Ähnlichkeiten, indem ich Musik komponiere und sie anderen zum Performen gebe. In einer Weise ist es auch das, was ich letzten Endes an sich schon immer wollte; ich wollte nie ein Gitarrist, Keyboarder oder Bassist sein. Doch als ich in den Achtzigern anfing, Musik zu machen, gab es niemanden, den ich kannte, der die Art Musik machen wollte, die mir vorschwebte. Daher musste ich selbst ein bisschen Gitarre hier, ein bisschen Keyboard da, also ein bisschen von dem einen und ein bisschen von dem anderen lernen, was damit endete, dass ich 15 Jahre lang Gitarrist war, weil ich ja bei Porcupine Tree Gitarre spielte. Aber ich hatte es nie darauf angelegt, Gitarrist zu sein, was ich wollte, war Komponist und Produzent zu sein, ein Regisseur oder meinetwegen auch Architekt. Ich wollte Platten machen und der Typ sein, der das Sagen hat bei diesen musikalischen Reisen. Es interessierte mich weniger, ob ich oder jemand anders spielte, aber ich wollte derjenige sein, der anderen sagt, was sie zu tun haben (lächelt verschmitzt). Im Prinzip bin ich dem inzwischen etwas näher gekommen und in einer Situation, wo ich der Regisseur bin und die Schauspieler dirigiere, dabei aber nicht unbedingt selbst Schauspieler bin. Na ja, außer dass ich’s doch bin, weil ich singe. Und auch immer noch etwas Gitarre spiele.

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