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Soul Demise im Interview (September 2017)

Den Metal mit der Muttermilch aufgenommen

Es hat schon eine Weile gedauert. Ganze sieben Jahre haben sich die Todesmetaller Soul Demise Zeit gelassen, um den Nachfolger zum letzten Album einzuzimmern. Viel ist seitdem passiert und so bietet die Veröffentlichung der aktuellen Scheibe „Thin Red Line“ eine wunderbare Grundlage, um einmal bei den Jungs vorbeizuschauen und ein paar Takte zu plaudern. Gut, es sind ein paar mehr Takte geworden, aber lest selbst:

The-Pit.de: Hi zusammen! Freut mich sehr, dass sich die komplette Band Zeit nimmt für das Interview. „Thin Red Line“ ist euer erstes Album seit recht langer Zeit, da interessiert es natürlich brennend, wie die Platte denn so abgeschnitten hat (bei The-Pit.de hat das Album 8,5 von 10 Punkten eingefahren - Anm. d.Verf.).

Roman: Beschweren dürfen wir uns nicht. Einzig ein Magazin aus Italien hat eine schlechte Kritik verfasst.

Jan: Beim Metal Hammer waren wir im Soundcheck Platz sieben.

Roman: Auch beim Legacy haben wir ganz gut abgeschnitten. Auffällig ist, dass oft die Texte besser klingen, als es die vergebene Punktzahl vermuten lässt. Das ist aber wohl kein Phänomen, das nur Soul Demise betrifft.

Alex: Als Band hat man ja immer den Anspruch, dass das Ergebnis zum Beispiel neun von zehn Punkten ist, aber eigentlich ist ja auch eine sieben von zehn Wertung noch völlig ok. Man fühlt sich dabei aber dann schon wieder nicht mehr so toll.

The-Pit.de: Prinzipiell sind diese Wertungen ja immer sehr schwierig zu konkretisieren. Anders sieht es da schon mit dem Titel eurer Platte aus. Erklärt doch mal, was es mit „Thin Red Line“ auf sich hat. Handelt es sich hierbei etwa gar um ein Konzeptalbum?

Roman: (schüttelt schon den Kopf) Nein, es ist kein Konzeptalbum. Es hat sich so ergeben, dass viele Texte aus einer Lebensphase stammen, in der es nicht so richtig rund lief. Dabei kristallisierte sich der Titel des Albums heraus, denn es ist oft nur ein klitzekleiner Unterschied zwischen einer schlechten und einer guten Entscheidung, zwischen Streit und Versöhnung oder eben auch zwischen Leben und Tod. Es war aber wirklich nicht so geplant, das Songwriting fiel eben genau in diese schwere Zeit für einige von uns und so ergaben sich die Titel. Du kannst es auch ein bisschen als Bewältigungsstrategie sehen. Mir persönlich ist es lieber, über Themen zu schreiben, die mich betreffen und/oder direkt berühren als über eher fremde politische Themen oder ähnliches. Dabei versuche ich aber immer so viel Freiraum zu lassen, dass sich jeder Hörer selbst in die Figur des Protagonisten eindenken und einfühlen kann.

The-Pit.de: Lasst uns ein paar Songs ein bisschen analysieren. Vielleicht wird die Sache dann etwas plastischer. Was gibt es zum Beispiel zum Opener Plaqued by Fear zu erzählen?

Roman: Der Titel behandelt die Thematik, dass es einem durchaus passieren kann, dass man sehr viel Positives um sich hat, dieses aber wegen konkurrierenden negativen Eindrücken nicht mehr wahrnimmt. Depressionen bahnen sich ja manchmal so an. Oft sind es traumatische Erlebnisse, die sich so brutal ins Hirn einmeißeln, dass am Schluss jeder Gedanke zuerst mit dieser Erfahrung abgeglichen werden muss, um als nicht gefährdend eingestuft zu werden. Das kostet unglaublich viel Energie und Lebensfreude.

The-Pit.de: Dann interessiert mich noch die Story zum Titeltrack…

Roman: Eigentlich war anfangs gedacht, die CD „The Thin Red Line Of Suicide“ zu taufen, da es ja immer um die Thematik geht, dass man durch gewisse Geschehnisse und Vorkommnisse ganz schnell aus der Bahn geworfen werden kann und am Abgrund oder vor dem Scherbenhaufen des eigenen Lebens steht. Nach einiger Überlegung haben wir den Titel dann auf „Thin Red Line“ gekürzt, weil wir nicht den Suizid als Problemlösung darstellen wollten. Uns war wichtiger zu zeigen, dass es, egal wie tief du nun in der Scheiße steckst oder wie groß dein Schmerz ist, immer der bessere Weg ist zu kämpfen und nicht aufzugeben. Dennoch ist „T.R.L.O.S.“ die abgekürzte Version des ursprünglich gedachten CD-Titels.

Andi: Prinzipiell heißt es ja immer, man soll immer nach vorne gehen, aber genau an diesem Punkt muss man einen Schritt zurück machen.

Jan: Was mir daran immer recht gut gefällt, ist, dass, baut man an der richtigen Stelle ein O, ein S und ein T ein, man das Wort trostlos erhält. Damit beschreibt man die Situationen, in denen sich unsere Protagonisten befinden ganz gut.

Roman: Wir haben den Namen absichtlich so abgekürzt, weil wir nicht wollten, dass er als Titeltrack angesehen wird. Jetzt kommst du und bezeichnest die Nummer als genau solchen. Das kann es ja jetzt auch wieder nicht sein! (lacht)

The-Pit.de: Ja, äh. Sorry! Lassen wir das Thema. Dennoch hätte ich von euch gerne einen weiteren und letzten Songtitel erläutert. Und zwar „Purity Of Soul“.

Roman: Hier geht es darum, dass ich mir angesehen habe, wie unvoreingenommen und ohne Dogmen Kinder die Welt betrachten. Leider geht diese Weltoffenheit bei den meisten Menschen mit zunehmendem Alter immer mehr verloren. Die Gründe sind mannigfaltig, aber das Resultat ist, dass man die Welt und das Leben mit der Zeit immer mehr als Last empfindet, weil man die kleinen Wunder, die uns überall umgeben, nicht mehr erkennen kann. Nur Kinderaugen können das.

The-Pit.de: Wechseln wir doch mal auf die technische Seite der Scheibe. Wie habt ihr das Teil denn produziert, und wer war alles involviert?

Jan: Wir haben mit den Drums begonnen und waren wieder bei Christoph Brandes in den IGUANA Studios. Ich habe schon öfter bei Christoph aufgenommen und weiß, dass er sehr sauber und zuverlässig arbeitet. Ich bin auch der Meinung, dass er bei den Aufnahmen eine richtig gute Arbeit gemacht hat, weil es mir wichtig war, dass die Drums etwas rotziger und nicht so ganz klar klingen. Es sollte also etwas in Richtung Rock gehen. Chris ist aber dafür bekannt, dass er viel Wert auf einen ganz sauberen Sound legt. Dennoch hat er sich echt viel Mühe gegeben, um den Sound so hinzudrehen, dass er meinen und unseren Wünschen entspricht. Es wurde auch nicht zu viel bearbeitet, was einen sehr natürlichen Sound zur Folge hat. Darüber bin ich schon sehr glücklich. Chris meinte bei den Aufnahmen selber, dass er von dem sterilen Sound (man bringt ihn ja immer mit Necrophagist in Verbindung) weg möchte. Wenn man sich seine aktuelleren Produktionen ansieht, dann scheint er da schon seinen Weg zu gehen.

Andi: Wir wollten einfach keinen sauberen Sound mehr. Es sollte etwas mehr rockig und wütend klingen, nicht mehr zu technisch und damit zwangsweise auch etwas steril. Wir wollten nicht mehr das gleiche machen wie bei „Acts Of Hate“ oder auch „Sindustry“.

The-Pit.de: So richtig habe ich das Album „Sindustry“ nicht mehr im Kopf, aber ich glaube nicht, dass ich sie als flach gemischt bezeichnen würde.

Andi: Gehe einfach mal weiter zurück. Vergleiche doch mal die „Acts Of Hate“ oder auch die „Sindustry“ mit der „Blind“, dann verstehst du, was ich meine.

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