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Soul Demise im Interview (Mai 2006)

Einmal Schweden und zurück
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Soul Demise haben sich in den letzten Jahren eine treue Fanbasis erspielt. Und das nicht nur in Germany. Sei es nun durch die zahlreichen Einzelgigs oder durch das Touren mit Bands wie Napalm Death oder Dismember. Fakt ist, dass jeder Death Metal-Freak, dem die melodische Schweden-Variante am Herzen liegt, mindestens schon einmal ein Ohr riskiert haben sollte. Und sei es nur, um festzustellen, dass eine Band nicht unbedingt aus skandinavischen Gefilden kommen muss, um diesen Stil perfekt zu beherrschen.

Da trotzdem eine neue Platte noch Monate auf sich warten lassen wird, nahm ich das Protzen Open Air als Gelegenheit wahr, um mich über die anstehenden Neuigkeiten, über die bisherige Vergangenheit und über die Zukunftsvisionen von Soul Demise zu unterhalten. Herausgekommen ist ein nicht gerade kurzes, jedoch ehrliches und offenes Interview mit Roman (Gesang), Tom (Bass) und Andi (Gitarre).

 

 

The-Pit.de: Eure Homepage ist zur Zeit nicht sehr ergiebig, weil sie gerade umgebastelt wird. Deshalb gleich meine erste Frage, welche Neuigkeiten es im Hause Soul Demise gibt?

 

Tom: Homepage ist aktuell und seit Dienstag online. Komplett neu, alles super. Ein paar Details fehlen noch, aber das wird in den nächsten Tagen komplettiert.

 

The-Pit.de: Und mal abgesehen von der Homepage?

 

Roman: Also geplant haben wir eigentlich, dass wir im September ins Studio gehen oder zumindest neue Songs aufnehmen wollen. Einziges Problem, das wir halt im Moment haben, ist ein Line-Up-Wechsel, weil unser neuer Schlagzeuger, den wir eigentlich seit Februar hatten, wieder abgesprungen ist. Deswegen müssen wir jetzt mal schauen.

 

Andi: Abgesprungen…(spricht und grinst)

 

Roman: Abgesprungen… na sagen wir mal „abgesprungen worden ist“. Jetzt müssen wir halt schauen, wie wir das bis September auf die Reihe bekommen mit einem neuen Schlagzeuger. Das ist das Problem, was wir jetzt haben.

 

The-Pit.de: Das heißt also, dass sich ambitionierte Leute mal auf eurer Homepage nach einer E-Mail-Adresse umschauen sollten. Vielleicht hat ja jemand Lust, bei euch zu trommeln.

 

Andi: Ja, genau die wollen wir haben. Besonders die, die unser Zeug auch spielen können. Aber gleich im Voraus… die Leute sollten so die Richtung The Black Dahlia Murder spielen können, ansonsten brauchen sie sich erst gar nicht melden.

 

The-Pit.de: Hört man da die berüchtigte Nachtigall trapsen? Klingt so, als ob die Marschrichtung für das neue Album bereits klar ist.

 

Tom: Schneller, aggressiver, immer noch Schweden-Tod, melodisch.

 

Andi: Es wird Soul Demise bleiben, aber es wird sich technisch wieder ein bisschen was ändern. Einfach eine Weiterentwicklung von dem, was wir bis jetzt gemacht haben. Keine Experimente oder irgendwas.

 

Roman: Es wird zumindest anspruchsvoller und schneller.

 

The-Pit.de: Da bin ich als bekennender Hörer natürlich mehr als gespannt. Zumal Soul Demise bisher auch nicht gerade eine „langsame“ Band waren.

Gerade den ultrabrutalen Sound vom immer noch aktuellen Album „Blind“ finde ich sehr gelungen. Wird die nächste Scheibe wieder von Jakob Hansen produziert werden?

 

 

Andi: Wissen wir noch nicht.

 

Tom: Das steht noch in den Sternen. Sicher wäre der Jakob ein guter Producer, den wir auch wieder gerne hätten, aber wir haben uns so weit noch nicht entschieden. Mal schauen.

 

The-Pit.de: Und wie sieht es mit dem Label aus? Bleibt es dasselbe oder gibt es dort Änderungen?

 

Andi: Im Moment ist alles beim alten. Wir werden mal sehen. Wenn wir uns einig werden, dann bleibt natürlich alles beim Alten. Ansonsten mal schauen.

 

The-Pit.de: Soll heißen, dass es neue Vertragsverhandlungen gibt oder wie darf ich das verstehen?

 

Andi: Nee, der läuft halt einfach noch.

 

Roman: So wie er ist, läuft er momentan. Jetzt schauen wir erst einmal, dass wir einen neuen Schlagzeuger herbekommen…

 

Andi: Erstmal unser Zeug auf die Reihe bekommen und dann können wir den Rest klären.

 

The-Pit.de: Saubere Einstellung. Schließlich will ja ein Label auch eine adäquate Gegenleistung für ihr Geld haben. Und die Fans sowieso. Wo sich andere Bands nur Sorgen um den Businesskram machen, fangen Soul Demise genau da an, wo es sein sollte. Bei der Musik.

Aber kommen wir auf euer letztes Album „Blind“ aus 2005 zu sprechen. Da verweisen einige Reviews auf die Wurzeln der Band. Trotzdem bescheinigen sie euch eine konstante Weiterentwicklung. Wo liegen eigentlich eure so genannten Wurzeln?

 

 

Roman: Ich denke mal, die Wurzeln, die wir haben, sind auf jeden Fall in der Schwedenmusik zu finden. Und dass wir keinen Bock haben, irgendwelchen Trends wie z.B. Metalcore, was im Moment recht angesagt ist, zu folgen. Bloß weil wir mitbekommen, dass die Bands aus dem Metalcore-Bereich mehr Erfolg haben als die „normalen“ Death Metal-Bands. Wir haben keinen Bock darauf, den Weg einzuschlagen, nur um mehr Erfolg zu haben. Wir bleiben der Linie, mit dem was wir angefangen haben, treu.

 

The-Pit.de: Was mich zu einem ähnlichen Gedanken veranlasst… Nicht nur mir fällt auf, dass in letzter Zeit viele Labels mit dieser Trendreiterei arbeiten. Es werden z.B. immer mehr Metalcore-Bands unter Vertrag genommen. Darum denke ich so bei mir, dass auch der Rock- und Metal-Bereich im Moment extrem von Trends beeinflusst wird, was es in früherer Zeit nicht so gab.

 

Roman: Ich weiß nicht, da steckt mittlerweile einfach viel mehr Geld hinter und die Labels müssen halt schauen, wo sie bleiben. Wenn die Bands kein Geld einbringen, gehen die Labels unter. Sie müssen deshalb zusehen, Geld mit diversen Bands rein zu bekommen.

 

Tom: Also ich denke, vor allem Metalcore ist im Moment so ein Schlagwort. Es werden auch Bands als Metalcore verkauft, die meiner Meinung nach nicht unbedingt Metalcore spielen. Wie z.B. Cataract, die einfach als Metalcore verkauft werden und doch schon irgendwo moderner Thrash Metal im Stil von The Haunted sind. Oder auch Neaera, die von Metal Blade immer noch als Metalcore-Band verkauft werden, aber größtenteils eigentlich schon melodischen Schweden-Death machen.

 

Roman: Du hast so das Gefühl, sobald nur ein Riff in Richtung Metalcore geht, dann wirst du komplett als Band als Metalcore abgestempelt. Und das ist es, was etwas nervig ist mittlerweile.

 

Tom: Obwohl es bei den meisten jungen Kids heute mittlerweile auch so ist… oh, Etikett Metalcore… kauf ich, find ich cool. Passt schon.

 

Andi: Der Verkaufsschlager ist heute eben, eine Band in Richtung Metalcore zu schieben und das funktioniert scheinbar.

 

Roman: Es scheint wirklich so, dass du eine Band Richtung Metalcore anbietest und du weißt, dass du mehr Zielgruppen erreichst, als wenn du es nicht mit rein nimmst.

 

Tom: Oder auch so äußere Sachen wie das Outfit. Auch Fall Of Serenity… ich mein… kurze Haare größtenteils, Baggi-Pants, Turnschuhe… und schon bist du nur irgendwie der Skater-Junge, der Metalcore macht. Dass das kein Metal sein soll, ist idiotisch.

 

Andi: Aber es ist halt schade, dass es da nicht um die Musik geht, sondern um den Verkauf. Wie verkaufe ich, wie mache ich am besten Promotion für jemanden, der das vielleicht gar nicht ist. Wenn ich mich so verkaufen würde, dann könnte ich auch sagen, Soul Demise haben Metalcore-Riffs. Das ist nun mal so… es ist Schweden-Metal und wir könnten uns genau so verkaufen, doch das wäre traurig.

 

The-Pit.de: Da kann ich nichts weiter hinzufügen. Mir selber ging es schon so, dass ich mir das Album einer Band nicht angehört und demzufolge nicht gekauft habe, weil sie den Stempel Metalcore von ihrem Label bekommen hat. Warum sollte ich mir die Scheibe kaufen, wenn ich Metalcore nicht mag? Doch als ich die Truppe dann live zu sehen bekam, hat es mich doch gewundert. Das war lupenreiner Schweden-Stahl.

Aufgefallen ist mir noch, dass euch Schreiberlinge hier und da auch mit At The Gates verglichen haben. Komischerweise muss ich dabei immer lächeln, denn irgendwie vergleicht man jede Band, die den gleichen Stil zockt wie ihr zwangsläufig mit At The Gates. Auch so eine Art bequeme Assoziation.

 

 

Tom: Haben At The Gates einen einzigen Blastbeat gehabt?

 

Andi: Welche Leute stellen solche Behauptungen auf? Das ist ziemlich traurig, denn derjenige, welcher solche Behauptungen aufstellt, der hat eigentlich nie At The Gates gehört.

 

The-Pit.de: Das ist mir mittlerweile bei vielen Reviews zu Platten und Bands aufgefallen. Immer At The Gates… das kommt mir wie so ein Schlagwort vor.

 

Andi: Das ist halt so ein Kultstatus. Harte Musik machen und Melodien haben. Ich denke, daher kommt es wahrscheinlich. At The Gates waren harte Musik, waren krasse Musik für damalige Zeiten und haben Melodien gehabt. Ich denk, vielleicht wird es deswegen auch assoziiert oder so. Wie auch immer.

 

Tom: Man kann mit dem Vergleich schon leben. Ich empfinde es jetzt nicht als Beleidigung, mit At The Gates verglichen zu werden, weil die Band schon ein großer Einfluss für mich war. Mich wundert viel mehr, dass wir noch nicht mit Bands wie The Black Dahlia Murder verglichen worden sind, die ja auch nach At The Gates klingen. Nur schneller, halt mit Blastsbeats. Denen stehen wir stilistisch eher nahe. Weil wir doch relativ viele Blastbeats haben. Aber die Leute müssen wohl heute anscheinend den At The Gates-Stempel draufhauen…

 

Andi: Ah, das wir doch auf alles gestempelt momentan. Zu allem, was mit Schweden-Metal zutun hat, sagt man At The Gates.

 

The-Pit.de: Vergleiche hin, Vergleiche her. Schließlich benutzt man die auch nur, um einem Leser den Höreindruck zu vermitteln. Ob das dann im Endeffekt hinhaut, muss derjenige selbst entscheiden, der dann in den Plattenladen stürmt.

Wie sieht es eigentlich außerhalb von Germany für Soul Demise aus? Im eigenen Lande ist ja der Name schon sehr gut bekannt. Werden eure Platten weltweit vertrieben?

 

 

Roman: Also sagen wir mal so… man bekommt schon recht viel Feedback vom Ausland. Wir bekommen Bestellungen über die Homepage, das schon. Das Problem ist, dass wir außerhalb von Europa noch nicht gespielt haben. Aber Feedback anhand von Bestellungen haben wir auf jeden Fall, so dass die CD weltweit rum geht.

 

Andi: Wir bekommen das im Nachhinein mit, was sehr traurig ist, da wir davon nie etwas gesehen oder sonstiges gehabt haben. Von unserem letzten Label wurde aber die „In Vain“-Scheibe lizenziert in Russland, Amerika…(grübelt weiter).

 

Tom: Man bekommt ab und zu schon mal E-Mails aus Singapur oder so, wo jemand sagt: „Jo, geile Scheibe“. Also die Leutz müssen ja irgendwie an die Sachen rankommen… durch Lizenzpressungen auf jeden Fall.

 

Roman: Letztens haben wir eine Anfrage von den Philippinen bekommen. Die CD scheint auf jeden Fall rumzukommen.

 

Tom: Die Undergroundszene ist wohl doch überall und in der Undergroundszene ist Soul Demise wohl schon ein Name, der nicht ganz unbekannt ist. Auch im Ausland.

 

The-Pit.de: Davon gehe ich aus. Schließlich hat die Band schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ist immer konstant gewachsen. Doch kommen wir jetzt mal auf die Anfänge von Soul Demise zu sprechen. Sicherlich interessant für alle, die euch noch nicht oder erst seit kurzem kennen. Ihr hießt ja früher mal Inhuman. Warum habt ihr euren Namen gewechselt?

 

Andi: Als wir anfingen gab es eine amerikanische Band, die Inhuman hieß. Es war wie gesagt zu unserer Anfangszeit, wo wir auch noch keinen Deal hatten. Wir haben nur versucht, Musik zu machen. Dann kam eine amerikanische und ich glaub eine portugiesische Band, die beide den gleichen Namen hatten. Und von den Amis wurden wir angeschrieben aufgrund des Namens. Wir wollten keine Probleme haben und es war dann unsere Entscheidung, bevor es Stress gibt, den Namen zu wechseln. Im Nachhinein war es ziemlich dumm, weil beide Bands sich aufgelöst haben. Da hätten wir den Namen auch behalten können.

 

Tom: Doch es gibt auch eine Hardcore-Band, die Inhuman heißen…

 

Andi: Ja, es gibt einfach viele. Klar, ist ein einfacher Name. Da kommen scheinbar viele Leute drauf.

 

The-Pit.de: Was mich zum nachdenken gebracht hat, sind die in der Bandinfo angesprochenen finanziellen Verluste.

 

Roman: Also ich denke, dass es keine Band gibt, die, will sie einigermaßen Erfolg haben, kein Geld rein steckt in das ganze Zeug.

 

The-Pit.de: Das ist logisch, klar. Ich dachte, dass da irgendetwas Großes oder Schlimmes passiert ist und ihr fett abgezockt worden seid.

 

Roman: Nein, dass nicht. Aber du musst davon ausgehen, dass wenn du ohne Deal eine gescheite CD aufnehmen willst, dann musst du halt Geld investieren. Das ist es, was wir unter finanziellen Verlusten verstehen.

 

Andi: Weil wir dann immer so ehrgeizig waren. Etwas, wo wir feststellen mussten, dass das andere Bands gar nicht erst machen würden, wir aber einfach sagen: „Ach scheiß egal. Wir wollen das und wir ziehen das durch. Und eine Tour kommt dann auch noch und wir versuchen, das irgendwie hinzubekommen“. Das war in der Anfangszeit, wo du wirklich alles in die Band gesteckt hast.

 

Roman: Uns war es wichtig…bevor du in den Urlaub fährst, nimmst du lieber eine CD auf und steckst das Geld in die CD.

 

Andi: Genau. Ich kaufe mir kein neues Auto, ich geh lieber auf Tour.

 

The-Pit.de: Eine Einstellung, die so mancher sicherlich nicht nachvollziehen kann. Aber besucht ein Konzert von Soul Demise und ihr könnt erleben, was es heißt, wenn Musiker ihre Musik leben. Dann versteht ihr auch die Aussage von Gitarrist Andi.

Aber zurück zur Vergangenheit. Von vorübergehender Desillusionierung stand da noch etwas??!!

 

 

Andi: Boah, wo war das? (schallendes Gelächter von allen dreien)

 

The-Pit.de: Im Pressematerial von euch…

 

Andi: Ja…wo hast du das her? (Gelächter wird immer lauter). Sehr geil ist das, dass kenn ich so nicht.

 

Tom: Das steht in der alten Bandinfo…

 

Roman: (sinniert vor sich hin)…vorübergehende Desillusionierung…

 

Andi: Wann soll das gewesen sein?

 

The-Pit.de: Keine Ahnung. Was fragst du mich da, hehe? Ich hab das nur so bekommen und deshalb frage ich EUCH ja.

 

Andi: Was schickst du denn da für Zeug rum? (deutet auf Roman und lacht - der kann sich vor Lachen kaum noch halten).

 

Tom: Das ist die Seasons Of Mist – Bandinfo (zum Verständnis…das ist das altes Label der Band)

 

The-Pit.de: Ok ok, vergessen wir die Frage. So kann es gehen, wenn Bandinfos mehr preisgeben als einem lieb ist, hehe.

Was natürlich bei Soul Demise immer ein großes Thema war und auch ist, dass sind Touren. Ihr wart ja nun schon öfters unterwegs. Mit welcher Band hat das Touren besonders viel Spaß gemacht.

 

 

Andi: Napalm Death!

 

Roman: Napalm Death war ultrageil.

 

Andi: Das war die geilste Tour überhaupt.

 

Roman: Rein von den Leuten her. Die waren superlocker und ultrageil drauf. Egal wie lange sie das schon machen, aber so professionell…es war einfach geil, dass mitzuerleben, wie die das ganze durchziehen

 

Andi: Aber das ist genau der Punkt. Du bist halt als Vorband bei denen auch wer.

 

Roman: Die gehen mit den Leuten super um. Du bist halt ein Mensch und kein Depp von einer popeligen Vorband. Sie haben dich voll akzeptiert und das war einfach geil. Du warst ein Teil von der ganzen Tour und keiner, der mal eben eine halbe Stunde ein Set spielt oder so. Das fand ich richtig geil.

 

The-Pit.de: Das hat ja schon AC DC-Charakter. Die sind ebenfalls dafür bekannt, dass sie sich schon fast mütterlich um ihre Vorbands kümmern. Schön zu wissen, dass es noch Bands gibt, die wissen wo sie herkommen und wie sie selber angefangen haben.

Wie muss man sich das aber eigentlich vorstellen? Mit den Bands, mit denen man auf Tour war, bleiben die Kontakte hinterher bestehen oder verläuft sich so was im Sande?

 

 

Tom: Teils, teils würde ich sagen. Von unserer letzten Dismember-Tour besteht schon noch Kontakt und auch noch zu ein paar anderen Bands.

 

Roman: Also es ist jetzt nicht so, dass du vielleicht regelmäßig schreibst. Du schreibst halt ab und zu, wie es dir geht und was du so machst oder sonst irgendwas. Der Kontakt wird gehalten und man hofft, dass man sich auf einem anderen Konzert mal wieder trifft.

 

The-Pit.de: Da mir keine sinnvolle Überleitung einfiel, brachen wir kurzerhand mit der Vergangenheit und wechselten zur aktuellen Zukunft.

Ich wollte von den Anwesenden wissen, welche Bands sie aktuell richtig gut finden.

 

 

Roman: The Black Dahlia Murder. Das ist eine Band, die finde ich einfach geil. Die kannst du tausendmal hören und es wird nie langweilig. Man hört immer was Neues. Es ist einfach eine ultrageile Scheibe.

 

Tom: Auch The Black Dahlia Murder auf jeden Fall. Trivium für mich persönlich auch noch, was einfach moderner, melodischer Metal ist. Und vieles andere halt.

 

Andi: Ja, ich möchte mich da momentan auch nicht beschränken. Es kommen verdammt viele geile Sachen raus, aber The Black Dahlia Murder brauch ich nicht sortieren. Ist momentan so für uns musikalisch das, was wir haben wollen oder was wir die ganze Zeit schon machen. Deshalb…geilste Scheibe, die momentan draußen ist.

 

The-Pit.de: Wie ich also schon einmal bemerkte. Die Marschrichtung für das neue Album sollte doch eigentlich feststehen…

 

Roman: Kann man direkt davon ausgehen, hehe.

 

Andi: Dass ist ja eigentlich das, was wir die ganze Zeit machen.

 

Tom: Soundmäßig ist ja der Unterschied nicht all zu groß…

 

Andi: Wie gesagt. Dass ist das, was wir machen, bloß keiner sehen will, hehe.

 

The-Pit.de: Von den Bands zu den Scheiben. Was sind eure fünf Alltime-Faves?

 

Roman: Das wird schwierig, da muss ich erst einmal überlegen…

 

Andi: Ok, dann fang ich an. „Slaughter Of The Soul“ (At The Gates). Die geilste Platte, die wird niemals todgespielt werden. Dann gibt es noch die „Reign In Blood“ (Slayer). So, dass aus den alten Zeiten. Ja gut…neue Sachen: The Black Dahlia Murder, die neue Maroon finde ich ziemlich geil. Momentan sehr aktuell für mich. Und was haben wir noch….ich passe. Der Rest ist dann alles so auf dem gleichen Level irgendwie.

 

Tom: At the Gates – “Slaughter Of The Soul”, Edge Of Sanity – “The Spectral Sorrow”, Tiamat – “Wildhoney”. Jetzt muss ich überlegen…Death – „Symbolic“, Carcass – „Hearwork“. Das sind fünf, die mir spontan wirklich einfallen, die ich immer hören kann.

 

Roman: Es ist schwierig. Ich höre momentan, muss ich ehrlich sagen, nicht so viel Musik. Tool z.B. find ich arschgeil. Dann, ok „Slaughter Of The Soul“ (At The Gates), Gorefest, dann…was find ich noch so geil…Spiritual Beggars, Kyuss…so mehr die 70er-Schiene. Also das und das Album kann ich vielleicht nicht so genau sagen, aber von der und der Band. Wie Cataract z.B. Je öfter ich mir die anhöre, umso geiler find ich’s halt auch.

 

The-Pit.de: Nun habt ihr alte Kracher und auch Platten neueren Datums genannt. Drängt sich mir die Frage auf, wann ihr das erste Mal Begegnung mit harter Musik hattet?

 

Roman: Da war ich…wie alt war ich denn da? 12? Das heißt so vor 18 Jahren. Mein Bruder hat damals angefangen mit Iron Maiden, Accept und Kiss und so ein Zeug und das hab ich das dann von meinem Bruder mitbekommen. Bis ich meine Nena-Poster alle von der Wand gerissen habe, hahaha.

 

Andi: Nena war geil.

 

Roman: Und dann ging es los mit Iron Maiden, Accept. Später weiter mit Benediction, Napalm Death, Cannibal Corpse und das ganze Zeug. So hat es eigentlich angefangen. Dann musste unbedingt ne Gitarre her. Irgendwann bin ich am Gesang hängen geblieben.

 

Tom: Bei mir war es Anfang der 90er Jahre. Ganz klassisch mit Guns ´N Roses, Kiss, Iron Maiden. So ´91/´92 Sepultura, Slayer und dann die ganze Schweden-Death-Schiene und Ami-Death. Dann auch noch relativ viel Hardcore aus dieser Zeit.

 

Andi: Bei mir war das…keine Ahnung…so mit 14/15. „Ride The Lightning“ (zweites Album von Metallica) war damals die erste Scheibe, die ich bekommen habe. Auf Kassette überspielt. Und dann Helloween. Das war alles noch ok. Im Plattenladen habe ich mir die Obituary und Celtic Frost nur aufgrund des Covers gekauft, weil es halt einfach cool, böse und schön war. Von Obituary war ich anfangs schwer geschockt, Celtic Frost waren arschlangweilig. Dann fängt man halt an, weiterzusuchen. Aber das waren die Roots, wie man sagt. Spontan irgendwas gekauft.

 

The-Pit.de: Wir haben jetzt schon so viel über Soul Demise und Musik überhaupt geredet. Der Stellenwert der Musik muss doch für euch unermesslich hoch sein. Was würdet ihr denn machen, wenn die Musik plötzlich nicht mehr für euch greifbar wäre? Sei es nun allgemein oder auf Soul Demise bezogen. Was wären die Alternativen für euch? Schach spielen oder dem örtlichen Dackelclub beitreten?

 

Roman: Könnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Also ich kann mir nur vorstellen, dass mir dann arschlangweilig ist und ich meiner Frau ziemlich auf den Sack gehen würde und ich einfach nicht wüsste, was ich mit meiner Zeit anfangen würde. Ich kann es mir nicht vorstellen, sich nicht regelmäßig im Proberaum zu treffen oder irgendwelche Gigs zu spielen. Definitiv wüsste ich nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Keine Ahnung.

 

Tom: Definitiv keinen Plan. Das gleiche…mir würde die Decke auf den Kopf fallen. Ich mein, wir machen das jetzt auch schon ein paar Jährchen, jetzt Soul Demise, davor andere Bands, man gewöhnt sich irgendwo dran. Also definitiv keinen Plan.

 

Andi: Bei mir das gleiche. Wieder neue Musik suchen, ansonsten wäre es glaube ich ganz schwer. Natürlich auf sich selbst konzentrieren, auf die Familie…aber Musik sein lassen würde nicht funktionieren.

 

The-Pit.de: Trotz aller schönen Ereignisse in und um Soul Demise gab es doch sicherlich auch so manches Negative, was eine Karriere im Business mit sich bringt. Welche Illusionen sind für euch im Laufe eurer Karriere geplatzt?

 

Roman: (sitzt grinsend in der Ecke) Vielleicht das, was viele Bands denken, wenn sie anfangen. Dass sie gleich nach zwei Monaten auf dem Titelblatt der Rock Hard stehen und ohne Ende die Kohle scheffeln. Das denke ich mal ist die größte Illusion, die du vielleicht hast, wenn du mit der Musik anfängst. Wenn du halt meinst, du wirst halt relativ schnell berühmt, und man muss fast nix dafür machen. Du wirst sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Du musst einfach Zeit investieren, anfangs auch Kohle…und wenn du dann nicht am Ball bleibst, bist du auch gleich wieder weg. Es geht nicht einfach so…du spielst ein Konzert und einer kommt und meint: „Du bist so toll, du kommst auf ein Titelblatt“. Es gibt immer noch, was ich mitbekommen habe, genug Leute, die denken, sie kassieren ihre 1000 Euro je Gig. Das gibt’s leider immer noch. Und die Illusion haben wir einfach nicht. Wir machen das, was uns Spaß macht und nicht weil wir meinen, wir werden reich und berühmt. Es macht einfach Spaß und ich will das so durchziehen, wie es ist.

 

Tom: Das ist eigentlich der Grundtenor, denke ich mal, für uns alle. Es ist einfach so, wenn du hier Musik machst. Gerade auf Deutschland bezogen. In Amerika hast du andere Möglichkeiten, da du viel länger auf Tour gehen kannst und andere Absatzmärkte hast. Aber als deutsche Metal- insbesondere Death Metal-Band, sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man die dicke Kohle verdient. Das schaffst du auch nach Jahren im Geschäft nicht. Du hast immer noch deine Ausgaben. Sei es, dass du irgendwo ein Schlagzeugbecken oder Felle kaufst, oder Röhren für deinen Verstärker oder auch Saiten. Also Kohle machen und davon leben können? Es ist irgendwo Hingabe sag ich mal, eine Passion. Entweder du machst das, weil du Bock drauf hast und weil du dahinter stehst. Aber wenn du damit irgendwie Geld machen willst oder Mädels abgreifen…vergiss es.

 

Andi: Wobei ich sagen muss, dass meine größte Illusion, die kaputtgegangen ist, die ist, wenn jemand kommt und sagt: „Es gibt einen Underground“. Dann stimmt das nicht. Ich bin eigentlich ziemlich viel enttäuscht worden von den Leuten, die sagen: „Es gibt einen Underground, wir halten alle zusammen“. Und das gibt es eigentlich nicht. Darum ist es total schade. Die Illusion ist mir genommen worden. Beziehungsweise, sobald es ein bisschen über den Underground hinausgeht, wirst du eigentlich nur verarscht und musst immer aufpassen, mit wem du es zutun hast und mit was. Es ist dann einfach kein Spaß mehr, wo ich sag: „Ok, ich kann dir vertrauen“. Ich vertraue einfach keinem. Und das ist die Illusion, die mir genommen worden ist. Wo ich eigentlich immer davon überzeugt war, dass es das gibt und das alle zusammenhalten. Aber es ist nicht so.

 

Tom: Ich denke, es hängt auch viel damit zusammen, dass Metal in den letzten 10-15 Jahren so groß und so gewinnbringend geworden ist, dass es für viele Leute wirklich nur noch Mittel zum Zweck ist, damit irgendwie Geld zu verdienen. Und das hat halt schon viel den Underground kaputtgemacht.

 

Andi: Woran auch viele Bands draufgehen…

 

Tom: Es ist nicht wirklich jeder so, doch zu viele, die meinen, ich schau mal, dass ich jetzt so viel wie möglich aus der Sache rauspresse und dann heuschreckenmäßig ins nächste musikalische Lager weiterziehe. Um da dann möglichst viel Saft rauszupressen. Das sind aber Leute, denen eigentlich die Szene wahrscheinlich scheißegal ist, solange sie da Kohle verdienen können. Sei es jetzt ein Plattenlabel, seien es irgendwelche Tourveranstalter, wo es dann heißt: „Tour? Ja klar. Zahl 5000 Euro und du kannst spielen“. Aber so ist es ja nicht nur in der Metal-Szene, so ist es überall. Es ist alles ein riesiges Geschäft geworden. Jeder versucht sich das größte Stück Kuchen abzuschneiden.

 

Andi: Es ist schade drum. Der Grundgedanke vom Metal ist das nicht. Einfach schade drum…

 

Roman: Das ist das, wo ich immer gemeint hatte, der Underground hält einfach zusammen. Und sobald du aber mal eine Band hast, die vielleicht über den Tellerrand hinausschaut, merkst du erstmal, wie viele Bands oder angebliche Kumpels dir das eigentlich gar nicht gönnen, weil du schon viel weiter bist als die. Das hat mich eigentlich ziemlich depressiv gestimmt muss ich sagen.

 

Andi: Teilweise da, wo du wirklich gemeint hast, das sind Kumpels. Vergiss es. Das ist verdammt schlecht.

 

The-Pit.de: Aber sehen wir das mal so: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen. Und auf das, was Soul Demise bisher erreicht haben, können sie mehr als stolz sein. Nur verwechseln einige Leute das „stolz auf etwas sein“ mit Arroganz. Doch Bekehrungsversuche in die Richtung solcher Leute bleiben doch eh meistens erfolglos. Also was soll’s.

Doch jetzt wird es so langsam Zeit, sich dem Ende zu nähern. Der auftritt von Soul Demise rückt auch schon immer näher.

Nach all den zerplatzten Illusionen…was sind eure Träume, wenn ihr an Soul Demise denkt?

 

 

Roman: Also den nächsten Traum, den wir jetzt verwirklichen wollen, ist unsere nächste CD raus zu bringen. Ich denke mal, dass wir unsere Ziele und Träume, die wir uns zu Beginn steckten, schon weit übertroffen haben. Das heißt, mit der und der Band zu spielen und dass wir überhaupt eine Tour spielen konnten. Zum Anfang von Soul Demise war ich aber noch nicht mit dabei. Die Ziele haben wir trotzdem schon lange übertroffen. Jetzt ist eigentlich das Ziel, das wir weitermachen, weiter Touren spielen…

 

Andi: Ein bisschen mehr Erfolg vielleicht, was weiß ich. Wir sind zufrieden mit dem, was wir tun und hoffen, dass wir den Kick, den wir die ganze Zeit haben, einfach beibehalten können.

 

Tom: Erfolg sicherlich in musikalischer Hinsicht. In materieller Hinsicht wäre es wie gesagt sehr tagträumerisch. Sei es, gute Konzerte zu bestreiten, gute Videos zu der Scheibe. Sei es nur, dass irgendjemand zu dir herkommt und meint: „Hey, ich finde die Scheibe geil. Die hat mir in der und der Hinsicht irgendwas gegeben, irgendwas bedeutet. Ich hab mir das gerne angehört“. Deswegen schreibt man Musik. Klar, wir schreiben Musik erstmal für uns selbst. Wenn es dann noch jemand anderes, gefällt freut es uns umso mehr.

 

Roman: Also ich denke, er meint den Erfolg, den wir haben wollen, wenn wir sagen, wir haben eine neue CD herausgebracht, präsentieren die und es kommen danach Leute zu uns und sagen: „Das war geil, die neuen Songs sind arschgeil“. Das ist für uns Erfolg.

 

Andi: Wir sind realistisch und wir freuen uns über alles, was kommt. Wir lassen uns gerne überraschen. Aber ansonsten passt es so, wie es ist. Wir träumen nicht. (Gelächter von allen drei Protagonisten)

 

The-Pit.de: Ok, kommen wir zum Ende und zur Schnell-Rate-Runde…

Whiskey oder Wodka?

 

 

Roman: Wodka.

 

Tom: Nix davon.

 

Andi: Wodka.

 

The-Pit.de: Clubgigs oder Festivalauftritte?

 

Roman: Clubgigs.

 

Tom: Clubgigs definitiv.

 

Andi: Clubgigs.

 

The-Pit.de: Metallica oder Manowar?

 

Roman: Metallica.

 

Tom: Slayer.

 

Andi: Nix davon.

 

The-Pit.de: Psycho- oder Splatter-Movies?

 

Roman: Psycho.

 

Tom: Beides.

 

Andi: Psycho.

 

The-Pit.de: Buch oder Hörbuch?

 

Roman: Hörbuch.

 

Tom: Buch.

 

Andi: Auch nix davon.

 

The-Pit.de: Schnitzel oder Wurst (wegen der anstehenden Grillsaison)?

 

Roman: Gar nix davon, ich bin Vegetarier.

 

Tom: Sojaschnitzel.

 

Andi: Schnitzel…und Wurst…egal…auch aufeinander…

 

Dann bleibt mir nur noch, für das interessante Frage-Antwort-Spiel zu danken. Besonders bei der Schnell-Rate-Runde hat sich so manch Anwesender köstlich amüsiert und vor Lachen weggehauen.

Hoch den Wodka und die Sojamilch und auf ein erfolgreiches nächstes Album angestoßen. Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt darauf. Und ich freue mich, wenn mir die Leutchens von Soul Demise mal wieder über den Weg laufen…bis dahin also.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“