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Sodom im Interview (Januar 2011)

„Mich wundert nichts mehr heutzutage“

Tom beim Rock im Loch 2010

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Sodom sind ohne Frage mittlerweile eine der Institutionen im deutschen Thrash, aber auch international ist diese Band nicht mehr wegzudenken. Mit „In War And Pieces“ überraschten die Gelsenkirchener einmal mehr wieder Presse und vor allem Fans, und umso glücklicher waren die Reaktion in den heiligen The-Pit.de-Hallen, Frontmann Tom an die Strippe zu bekommen. Was Tom selbst zur neuen Scheibe meint, wie es um seine Politikverdrossenheit steht, und ob ihr im Proberaum schlafen möchtet – die Antworten stehen auf den nächsten Seiten. Dass aber auch die Schlagwerker-Position kurze Zeit später vakant wurde – davon hat er dann kein bisschen angedeutet.

The-Pit.de: Tom, zuerst will ich mich natürlich bedanken, dass du anrufst. Wir hatten zwar für ein Videointerview angefragt, aber das hat dann leider doch nicht geklappt.

Tom: Ich bin ja fast immer unterwegs jeden Tag, aber das können wir ja auch noch nachholen.

The-Pit.de: Sodom feiern nächstes Jahr dreißigjähriges Bestehen. Als alter Medienfuchs hast du schon sicher mit der Planung anfangen – gibt es etwas Konkretes?

Tom: Ich nehme mal an, dass die Plattenfirma irgendetwas veröffentlichen wird, und da gibt es ein paar Ideen, was man machen kann; ansonsten klar, versuche ich mal wieder ein Konzert zu machen mit ein paar Ex-Musikern, das werden leider immer weniger, aber so geplant haben wir noch nichts. Ich will das auch schnell abhandeln, weißt du, so etwas will ich nicht immer an die große Glocke hängen. Das ist mir immer so ein bisschen peinlich.

The-Pit.de: Die Band Sodom besteht ja in den unterschiedlichen Konstellationen schon sehr lange – trauerst du manchmal den 80ern hinterher, als die Szene, der Zusammenhang, noch anders, intensiver war?

Tom: Ja, ich trauere der immer nach. Wenn ich zurückdenke und so, da war wirklich ein familiäres Verhältnis, jeder kannte jeden. Heute ist alles so unübersichtlich geworden, früher hat man Metal gehört oder nicht. Die, die Metal gehört haben, hielten halt zusammen, die haben ihre eigenen Clubs gehabt, wo man sich getroffen hat, man ist zusammen zu Konzerten gefahren und so, egal, von welcher Stadt man kam, es gab keine Fehden, alles war irgendwie schon etwas ganz ganz anderes. Wir waren so ein bisschen Revoluzzer. Hör mal, ich war der einzige in der Berufsschule, der Metal gehört hat, und alle anderen waren ein bisschen auf deutsche Welle, New Wave und so etwas. Adam And The Ants, New Order, was weiß ich, was es damals alles gab, DAF, ist ja nicht schlimm, muss ja jeder glücklich werden. Das war wirklich schon etwas Besonderes. Und heute, wenn mein Sohn von der Schule kommt, dann sagt er: „Papa, da waren so viele mit einem Sodom-Patch auf dem Rucksack drauf…“. Da kommt die jüngere Generation, das merken wir auch auf Konzerten - Metal ist jetzt halt in aller Munde, es wird mir manchmal ein bisschen zu viel und zu unübersichtlich.

The-Pit.de: Ich habe heute noch ein bisschen im Buch „Kumpels in Kutten“ herumgeblättert und bin natürlich an dem 82er Promobild von euch hängen geblieben. Wenn du solch alte Bilder siehst, musst du dann nicht auch manchmal schmunzeln?

Tom: Ich guck auch manchmal mit Wehmut ein bisschen zurück. Schmunzeln? Na klar, über die Haarschnitte, was wir uns angezogen haben, das war eine ganz andere Philosophie, ich weiß auch nicht. Das war so: Wir haben das gelebt von morgens bis abends, das war halt wirklich ganz etwas anderes. Die Zeit war wesentlich besser, gar keine Frage. Aber zum Glück habe ich sie erleben dürfen. Das ist auch schon was wert. Heute ist mehr Business als Musik, heute bin ich auch mein eigener Manager, man muss viele Sachen erledigen, Papierkram und alles was dazu gehört. Es ist ja nicht nur die Musik, man ist den ganzen Tag damit beschäftigt. Früher waren wir im Proberaum, wir haben da gepennt und so, wir haben uns eine Kiste Bier mitgenommen, haben dann durchgerockt, das macht etwas ganz anderes. Aber so ist das, wenn man die Zeit erlebt hat, und wir versuchen immer den Spirit herüberzuretten. Da versuche ich noch immer, meine alten Seilschaften aufrecht zu erhalten, Sodom-Klassentreffen, wie wir mal früher schon ein paar Mal hatten; dass man über alte Zeiten klönt. Über alte Zeiten klönen macht ja mehr Spaß als über die Zukunft, oder die Gegenwart.

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