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Saltatio Mortis im Interview (August 2006)

über zukünftige Pläne, rasierte Beine und Moulin Rouge
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Beim diesjährigen Burgfolk Festival in Mülheim an der Ruhr nahmen sich Falk und Lasterbalk von Saltatio Mortis Zeit für ein ausführliches Interview. Die gerade verklungenen Klänge des Auftritts der finnischen Folk Metaller von Korpiklaani hatten die Headliner des Abends wohl schwer begeistert, aber mehr dazu im Interview:

 

The-Pit.de: Hallo, wie geht’s euch beiden? 

 

Falk: Sehr gut!

 

Lasterbalk: *zustimmendes Nicken*

 

The-Pit.de: Wenn man sich eure musikalische Entwicklung mal genauer anschaut, dann seid ihr angefangen mit akustischer Musik. Mit „Das Zweite Gesicht“ habt ihr jede Menge elektronische Elemente in die Musik eingebaut, die ihr beim aktuellen Album „Des Königs Henker“ komplett wieder rausgeschmissen habt. „Erwachen“ war da so ein Zwischending. Nun frage ich mich, wie lange es noch dauert, bis ihr euer erstes Black Metal Album mit Dudelsäcken veröffentlicht? 

 

Falk: (bricht in schallendes Lachen aus)

 

Lasterbalk: Gegenfrage: Was gefällt dir denn am besten?

 

The-Pit.de: Eure aktuelle Platte. 

 

Lasterbalk: Uns auch. So wird es weitergehen. Wir sind gerade dabei, kräftig am Album zu schrauben. Elektronik wird sich weiterhin durch Nicht-Existenz auszeichnen und textlich und inhaltlich geht es so weiter wie beim „Henker“ [Anm.: „Des Königs Henker“]. Allerdings werden wir einen Tick mehr auf Mittelalterinstrumente achten. Wir versuchen momentan, ein möglichst breites Spektrum an Mittelalterinstrumenten, die bei uns im Keller rumliegen, einzubauen. Es wird vielleicht ein Lied geben, in dem kein Dudelsack mitspielt, dafür dann aber zum Beispiel Drehleiern oder Schalmeien oder so. Also „Henker“ mit mehr Mittelaltereinflüssen und stärkeren Melodiebögen.

 

Falk: Wir haben aber das Mittelalterspektrum nicht so stark in den Vordergrund gerückt, wie man jetzt vielleicht denken könnte. Auch das Gitarrenspiel wird viel erwachsener sein.

 

Lasterbalk: Genau, die Reaktionen, die wir bisher bekommen haben, haben alle etwas gesagt wie: „Hoppla, das klingt alles viel erwachsener!“. Das hat mit der Musik zu tun und auch mit den Texten. Es zeichnet sich schon ein eigenes Ding ab. Die „Henker“ war ja etwas, nunja, düsterer, wurde mir vorgeworfen, etwas morbid.

 

Falk: Ochjoa… ein bisschen…

 

Lasterbalk: Die neue CD wird nicht so düster werden. Zwar sind ein paar harte Themen aufgegriffen, aber alles in allem ist sie dann doch mittelalterlicher, melodiöser, rockiger und mehr nach vorne.

 

Falk: Perfekt, das kann man so stehen lassen.

 

Lasterbalk (zu Falk): Findest du?

 

Falk: Großartig!

 

Lasterbalk: Da hat sich das Interviewtraining doch gelohnt!

 

The-Pit.de: Wisst ihr schon konkret, wann man mit dem Album rechnen kann? 

 

Falk: Wir sind gerade fleißig am Vorproduzieren. Es gibt Songschreibephasen, dann wird es zusammengefasst in einer Vorproduktion. Das heißt, dass man alles schon mal grob aufnimmt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es nachher wirklich klingt. Und da sind wir gerade. Momentan warte ich auch auf einen Anruf vom Management, was den Studiotermin angeht. Ich kann also keinen genauen Termin geben, aber mit ein bisschen Glück ist es im Frühjahr soweit, oder vielleicht auch im Sommer, wenn’s etwas länger dauern sollte.

 

The-Pit.de: Seid ihr innerhalb der Band denn alle mit dieser Entwicklung zufrieden oder gibt’s auch welche, die am liebsten bei „Das Zweite Gesicht“ stehen geblieben wären? 

 

Lasterbalk: Ja, also wie das in einer Band so ist... Wie lange seid ihr beiden denn zusammen?

 

The-Pit.de: (etwas verduzt) Ein bisschen mehr als ein Jahr. 

 

Lasterbalk: Wir sind sieben Jahre zusammen.

 

Falk: (lacht lauthals los)

 

Lasterbalk (lacht mit): Also in der Band! Und hattet ihr schon Streit?

 

The-Pit.de: Klar. 

 

Lasterbalk: Ach! Wir auch! Ich könnte mal weitergehen und fragen, wie viel Zeit du mit ihr in Stunden am Tag verbringst. Wir haben das mal ausgerechnet, wie viele Stunden das bei uns sind…

 

Falk: (unterbricht durch plötzlich noch lauteres Lachen)

 

Lasterbalk: Nicht mit ihr! Nicht mit deiner Freundin! Wir haben es bei uns und unseren Lebensgefährtinnen ausgerechnet. Wir haben festgestellt, dass unsere Bandbeziehung jede andere getoppt hat. Wir sind auch länger zusammen als jeder von uns mit einer Frau zusammen gewesen ist. Ich glaube, das beantwortet alles. Natürlich gibt’s mal Unstimmigkeiten, aber irgendwie beruhigen wir uns dann immer wieder.

 

The-Pit.de: Wie lange habt ihr denn gebraucht, um zu eurem heutigen Bandgefüge zu finden? Nicht nur vom personellen oder der musikalischen Entwicklung, sondern auch vom gegenseitigen Verstehen auf spielerischer Ebene. 

 

Lasterbalk: Wie? Haben wir schon gefunden?

 

Falk: Ich glaube, das ist eine ewige Entwicklung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir den Sound von der „Henker“-CD auch in 20 Jahren noch haben.

 

Lasterbalk (geschockt): 20 Jahre!? Um Gottes Willen! Es gibt Bands – ohne jetzt Namen zu nennen -, die fangen an und kopieren sich dann irgendwann tot. Sie können erfolgreich damit sein, es ist jetzt keine Frage des monetären Erfolgs. Dann gibt es Bands wie uns, die nicht primär auf den monetären Erfolg gucken, sondern Spaß an der Sache haben. In sieben Jahren entwickeln sich Leute. Was anfangs Begeisterung für einen Dudelsack ist, kann ganz schnell in Begeisterung für eine E-Gitarre umschlagen. Für uns ist klar: Unsere Alben sind so wie sie sind jedes für sich abgeschlossen. Nur weil der „Henker“ keine Elektronik hat, heißt es nicht, dass es nie wieder Elektronik geben wird. So gesehen sind unsere Platten wie Wundertüten: Mal gucken, was passiert!

 

Falk: Wer unserer Konzerte aufmerksam verfolgt, der wird feststellen, dass wir unsere alten Sachen – der „Dunkle Engel“ zum Beispiel – anders spielen als auf Platte. Die Stücke wachsen mit uns mit und verändern sich entsprechend, wie wir es gerade empfinden. Deswegen wollen wir dann natürlich auch mal eine Live-Platte...

 

Lasterbalk: Was für nächstes Jahr feststeht, ist eine Live-Version von „Sehnsucht“ aufzunehmen. Das ist das älteste selbst geschriebene Lied, das wir haben. Das wird es in Zukunft öfters geben, dass wir alte Songs, die wir auch lange nicht mehr live gespielt haben, neu aufgreifen und in einem neuen Gewand präsentieren. Entweder akustisch oder rockig. Wir haben uns auch schon mal Gedanken darüber gemacht, ob wir da vielleicht eine Internet-Abstimmung machen und die Fans entscheiden lassen. Für nächstes Jahr haben wir aus eigener Arroganz entscheiden, aber vielleicht ja 2008…

 

The-Pit.de: Ihr sagt, ihr wollte den Stil also beibehalten. Wie sieht es mit rein akustischen CDs aus? Wollt ihr da noch weitermachen? 

 

Lasterbalk: Wenn wir noch mal so etwas machen sollten, dann auf jeden Fall live. Im Moment können wir uns nicht vorstellen, mit einer Akustik-Platte ins Studio zu gehen. Das hat mehrere Gründe. Wir beide sind ja z.B. DJs und legen nebenher auch im Rahmen des Veitstanzes auf. Da spielen wir Mittelaltersachen rauf und runter und beobachten schon seit längerer Zeit, dass es einfach keine reinen Dudelsackalben mehr gibt. Auch Corvus Corax kopieren sich letzten Endes selber. Naja, die Carmina Burana…

 

Falk (ergänzt): … war ein ganz, ganz großes Highlight. Aber was will man da mehr auch machen?

 

Lasterbalk: Die „Heptessenz“ war für uns ein Soundexperiment im Sinne von: Wie weit kommt man mit akustischen Quellen? Und wie weit kommt man an den Diskosound ran? Das haben wir gemacht und soweit möglich auch geschafft. Aber irgendwie fehlt bei so einem Akustikalbum der Kick. Wir werden Akustiksachen auf die Rockplatten mit draufpacken, je nachdem wie viel Spaß wir gerade daran haben. Aber ein komplettes Album so aufzunehmen und dass es auch spannend bleibt, das können wir uns einfach nicht vorstellen.

 

Falk: Sagen wir so: Wenn mal eine Hammeridee kommt, dann werden wir die sicherlich auch umsetzen, aber jetzt kommen die Ideen eher in Bezug auf die Rockalben.

 

Lasterbalk: Eine andere Sache ist die, dass wir dennoch auf jeden Fall ab nächstem Jahr ein neues Akustikprogramm auf die Märkte bringen werden. Wir werden zum Beispiel verstärkt auch Akustik-Versionen unserer Rockplatten spielen. Wenn das gut angenommen wird und wir es auch schaffen, uns nah genug an diese Thematik ranzutasten, dann kann ich mir durchaus etwas, wie „Manufactum 2“ vorstellen. Da gäbe es dann neue Dudelsackstücke, aber live.

 

Falk: Bei normalen Mittelalteralben, aufgenommen im Studio, da fehlt einfach die Stimmung der Leute. Was passiert vor der Bühne? Wie gefällt es den Leuten? Und das ist es, was man da einfangen muss.

 

Lasterbalk: Die erste Mittelalterplatte, die mich gefangen hat, war die „Live auf dem Wäscherschloss“ der Kollegen aus Berlin [Anm.: von Covus Corax]. Momentan ist die „Manufactum“ meine Lieblings-Dudelsack-CD. Es trifft die Stimmung und das kriegst du im Studion nicht hin.

 

The-Pit.de: Welche Konzerte kommen denn bei den Zuschauern besser an? 

 

Lasterbalk: Naja, je nachdem, woran man es festmacht…

 

The-Pit.de: Wo ist die Stimmung besser? 

 

Falk: Mittelaltermärkte haben eine ganz besondere Stimmung, ein besonderes Flair. Die Leute rocken auf eine ganz bestimme Art und Weise. Bei Auftritten wie heute oder auch beim WGT, wo die Halle plötzlich voll war und die Leute am pogen waren, ist eine andere Dynamik zu sehen. Da denkt man sich dann: Wenn wir da jetzt Mittelalter gespielt hätten, wäre es wahrscheinlich nicht so gut angekommen, aber wenn wir jetzt gar nichts Mittelalterliches gespielt hätten, wäre es auch schade gewesen. Die Abwechslung macht’s. Beim Rock-Set denken die Leute dann plötzlich: Holla! Die können ja alle Dudelsäcke spielen! (kurze Pause mit Seitenblick zu Lasterbalk) … oder Trommeln! (lacht los)

 

Lasterbalk (gespielt beleidigt): Trommler sind die besseren Menschen…

 

Falk (tröstend): Ja, ich weiß, ich weiß! Ich lern es ja auch gerade.

 

Lasterbalk (lacht): Trommeln oder ein besserer Mensch zu sein?

 

The-Pit.de: Corvus Corax haben ja einen ähnlichen Weg eingeschlagen und auch Akustik- und Rock-Alben veröffentlicht. Allerdings ließen sie das Rock-Projekt unter dem Namen „Tanzwut“ laufen. Hattet ihr euch auch über eine namentliche Trennung Gedanken gemacht? 

 

Falk: Wir haben mal darüber gesprochen, ob es schlau wäre, dem einen einen anderen Namen zu geben. Mittelalter so, Rock so. Aber das ist eine ganz doofe Geschichte, weil es sind ja alles wir. Und keiner hatte Bock auf ein Seiteprojekt, bei dem man dann ja auch wieder bei 0 anfangen müsste.

 

Lasterbalk (leiser): Außer natürlich mein Geheimplan, von dem die Band aber noch nichts weiß. Ich möchte irgendwann einmal Lasterbalkos Cocoon machen und im Moulin Rouge mit 20 Damen auftreten.

 

Falk (lacht): Er arbeitet schon schwer daran und seine Beine sind rasiert!

 

Lasterbalk (stolz): Wenn ich meine Beine hochwerfe, komm ich schon auf Brustwarzenhöhe!

 

The-Pit.de: (nachdem das allgemein Gelächter halbwegs abgeklungen ist) Aber die Rock-Sparte habt ihr nicht – wie bei Corvus Corax – quasi als letzte Rettung eingeschlagen? Denn Corvus Corax hätten sich vor Gründung von Tanzwut ja fast aufgelöst. 

 

Falk: Ne, wir haben furchtbar viel Spaß an beiden Sachen. Das zeigt schon allein die riesige Anzahl an Auftritten, die wir übers Jahr verteilt im Mittelalterbereich haben. Wir wollen auch genauso weitermachen und haben das namentlich nie getrennt, weil, wie gesagt: Beides sind wir.

 

Lasterbalk: Außerdem geht der Weg ja jetzt auch in die Richtung, die beiden Dinge näher aneinander zu führen. Wir spielen schon jetzt auf der Rockbühne Klassiker, wie „Dessous Le Pont De Nantes“, und auch nächstes Jahr werden wir im Rockset den ein oder anderen Akustik-Song haben. Genau wie der ein oder andere Rocksong dann auch auf den Märkten als Mittelalter-Version performed werden wird. Damit verwächst ohnehin alles noch stärker.

 

The-Pit.de: Stellt euch vor, ihr müsstet zusammen Urlaub machen… Wo würdet ihr hinfahren und welche Dinge würdet ihr euch anschauen? 

 

Lasterbalk (lacht): Ich würde mir angucken, wo die anderen hinfahren, und dann geometrisch den Punk auswählen, der am weitesten davon entfernt liegt!

 

Falk (irritiert): Urlaub!? (lacht und fügt nach kurzer Pause hinzu: ) So etwas gibt’s gar nicht! In diesem Jahr im Januar hatten wir seit sechs Jahren das erste Mal zwei Wochen frei.

 

Lasterbalk (zu Falk): Es waren vier…

 

Falk (entrüstet): AHA!! Ne, also wir haben gar keine Zeit, Urlaub zu machen. Aber wenn dann doch, dann wäre es schön, mal auf einem geilen Festival zu sein, geile Bands zu hören und dann auch mal bis zum Schluss bleiben zu können. Und nicht wieder weg zu fahren, weil wir schon wieder zum nächsten Auftritt müssen…Das wäre schon Hammer!

 

The-Pit.de: Und welche Bands guckt ihr euch dann an? 

 

Lasterbalk (lacht): Ich würde mir Saltatio Mortis angucken! Ich hab uns ja noch nie von unten gesehen…

 

Falk (stimmt ein): Ja! Das wäre mal spannend! Aber jetzt ganz aktuell [Anm. Korpiklaani hatten 15 Minuten früher ihren Auftritt beendet] würde ich mir gerne Korpiklaani von Anfang bis Ende anschauen. Die machen echt geile Mucke! Und ansonsten…

 

Lasterbalk: Also wenn ich einen Nekromanten kennen würde, würde ich mir Queen gerne mal anschauen.

 

Falk: Da sind immer Sachen, da denkt man sich: Schade, dass ich die noch nie gesehen habe!

 

Lasterbalk (ergänzt): … und niemals sehen werde…

 

Falk: Dadurch, dass wir selbst Musik machen, sind wir auch ein bisschen vorbelastet. Man kennt fast alles und es gibt Sachen, die schön sind, aber man verfällt leicht in so ein Musiker-Denken: „Wie machen wir’s? Wie machen die’s? Wo ist der musikalische Reiz?“. Da ist der Party-Konzert-Gedanke minimiert. Das muss schon was ganz Besonderes kommen, um den auszuschalten.

 

The-Pit.de: Ihr wollt euch selbst live sehen, sagt ihr. Da läge es doch nahe, eine DVD aufzunehmen… 

 

Lasterbalk: Das ist so eine Sache. Im Prinzip wollen wir sehr, sehr gerne eine machen. Das Projekt DVD spukt auch schon seit ein paar Jahren in unseren Köpfen herum. Aber konkret ist so eine DVD ein sehr, sehr großer Aufwand. Finanziell, personell, materiell… Zumal die Messlatte sehr hoch liegt. Wir wollen keine DVD aufnehmen, mit der wir selber später unzufrieden sind. Da ist einfach die nötige Vorarbeit noch nicht da. Von Seiten der Plattenfirma, von uns, vom Management… Da gibt es noch viel zu tun. Wir haben es uns nach der „Henker“-CD ganz konkret noch mal ins Gedächtnis geholt, uns aber dagegen entschieden, weil wir als nächstes wieder eine CD aufnehmen wollen.

 

The-Pit.de: Ihr sprecht viele verschiedene Szenen an. Die Mittelalter- und Gothic-Szene am meisten, aber auch die Rock/Metal-Szene. Was fehlt den Szenen in euren Augen am meisten? 

 

Lasterbalk (nach längerer Denkpause): Also eigentlich find ich die Szenen toll. Man merkt, dass die Leute aus verschiedenen Szenen immer anders drauf sind. Wir waren beim Summer Breeze, neulich irgendwann…

 

The-Pit.de: Vorgestern. 

 

Lasterbalk: Joa, keine Ahnung.

 

Falk: Ja, vorgestern!

 

Lasterbalk (lacht): Achja … Jedenfalls war da das Publikum sehr metallastig. Die haben einen ganz eigenen Spaßfaktor, hier [Anm.: Burgfolk Festival] ist es ja eher gotisch angehaucht, was wiederum einen ganz anderen Flair hat. Optisch ist mir das übrigens auf jeden Fall lieber. Also bei Damen (lacht). Und Mittelalter ist wieder ein ganz anderes Gefühl. Man ist näher an den Leuten dran, hat auch mehr Zeit, in der Taverne abzuhängen. Vergleichen kann man es eh nicht. Es ist alles toll, alles auf seine Art und Weise geil.

 

The-Pit.de: Ich habe neulich irgendwo ein Interview von euch gelesen… 

 

Falk (erschrocken): Oh oh …

 

The-Pit.de: … da habt ihr Ingo Hampf von Subway to Sally zitiert, wie er gesagt hat, man dürfe nicht auf die Fans hören, wenn es darum geht, eine neue Platte zu machen. Für mich hört sich das so an, als würde man dann ja jegliche Kritik zurückweisen. 

 

Lasterbalk: Ne, so war das nicht gemeint.

 

Falk: Am Beispiel von Subway to Sally: Wenn Subway nur nach dem Feedback gehen würden, das sie von ihren Fans bekommen, dann hätte es eine Platte, wie die „Engelskrieger“ nie gegeben. Und die ist musikalisch für mich ein Brecher! Vielleicht ist sie bei den Fans nicht unbedingt gut angekommen, aber ich dachte mir dabei: „Hoppla! Geil! Neue Wege, neue Ideen!“. Und nur durch diese Platte konnten sie die neue [Anm.: „Nord Nord Ost“] so machen, wie sie klingt. Das hat nichts mit Arroganz oder Ignoranz zu tun. Man muss sich nur folgendes Vorstellen: Bevor man als Musiker die erste Platte gemacht hat, hat man sich auch alles selber ausgedacht und entwickelt und stellt es dann auf einmal auf die Bühne. Und damit setzt man sich der Kritik aus. Wenn keine Menschen mehr auf die Konzerte kommen, dann weiß man: „Irgendwas mach ich falsch!“. Wenn jetzt jemand sagt: „Euer Sound ist scheiße!“ oder irgendwas anderes, dann ist das Kritik, die muss man sich schon anhören und danach handeln. Aber wenn Subway nach den Fans gegangen wären, würde sich jeder Song anhören, wie „Julia und die Räuber“.

 

Lasterbalk: Dazu kommt noch die Sache mit den Szene, nach der du gerade auch schon gefragt hattest. Metal/Rock, Mittelalter, Gothic. Stell dir vor, wir vier, wie wir hier sitzen, gehen jetzt los und fragen die Leute, was sie sich wünschen. Die wären sich nicht einig. Wem willst du es dann recht machen? Letztendlich ist der Maßstab für die eigene Musik man selbst. Das hat nichts mit Arroganz zu tun. Ganz konkret sind auf der neusten Platte zwei Texte, bei denen ich mir überlegt, habe, ob ich die überhaupt veröffentlichen will, weil es zwei sehr private und intime Texte von mir selbst sind. Und wenn ich so etwas an die Öffentlichkeit gebe, dann ist es wichtig, dass ich auch selbst die Entscheidung darüber habe, wie es klingt und wirkt. Das ist der musikalische Prozess, auch wenn es sich jetzt wahnsinnig hochgestochen anhört. Es ist nicht so gemeint. Wir sind die Band und wir machen die Musik. Man kann so einen Volltreffer landen, es kann aber auch mal voll daneben gehen. Damit muss man dann eben leben. Man hört natürlich, was die Leute sagen. Aber zum alleinigen Maßstab darf man es nicht machen. Und so muss man den Satz von Ingo verstehen.

 

The-Pit.de: So viel kann man ja eigentlich gar nicht falsch machen. Vor allem im Moment, wo die Mittelalterszene ja immer mehr aufblüht… Habt ihr eine Ahnung, warum das wohl so ist? 

 

Falk: Für mich ist das eigentlich ganz klar. Als Beispiel nehme ich jetzt Korpiklaani. Die nehmen finnische Folklore, finnische Volksmusik und verändern sie so, dass auch Jugendliche sie hören können. So eine Musik haben wir nicht. Wir haben keine traditionelle Musik, die jeder toll findet. Ich mein: Wer will schon „Zum Krug im grünen Kranze“ singen und abgehen?

 

Lasterbalk (trocken): Ich habe das mal probiert!

 

Falk (lacht): Das war der Teil mit den 20 Frauen und den rasierten Beinen, stimmt’s? (nach kurzer Pause) Naja, es war bei mir eine Identitätssuche, in der ich immer weiter zurückgegangen bin, zeitlich. Es gab einfach nichts, was mich davor gepackt hat. Und da bin ich irgendwann beim Palästinalied hängen geblieben, als Beispiel. Es dachte: „Hoppla! Da gibt es was, das mir etwas gibt und die Wurzeln aufzeigt!“. Da konnte ich mich reinfühlen. Und weil ich glaube, dass ich nicht der einzige bin, bei dem das so ist, glaube ich auch, dass das Thema noch lange nicht tot, sondern erst in der Anfangsphase ist. Es gibt da so viele kreative Leute, die daran arbeiten und es verändern werden. Ich denke, da wird ein eigenen und auch sehr großes Genre entstehen.

 

The-Pit.de: Damit sind wird dann auch am Ende. Habt ihr noch irgendwelche letzten Worte an die Fans? 

 

Lasterbalk: Oh… Hört ins neue Album rein, kommt zu den Konzerten! Und jeder, der das macht, soll mir bitte auch einen Wein oder ein Bier spendieren!

 

Falk: Ich freue mich riesig über jeden, der sagt, er sei Saltatio Mortis-Fan. Wir haben das vor zwei Tagen auf dem Summer Breeze erlebt. Als wir vor zwei Jahren da waren, saßen wir im Bus bei so einer komischen Signierstunde und es waren vielleicht 20 Leute da. Wir haben uns gedacht, das wäre diesmal vielleicht wieder so, doch jetzt stand da eine riesige Schlange von Menschen. So riesig, dass wir in den 30 Minuten nicht einmal ein Drittel geschafft haben. Und daher danke ich jedem, der da in der Schlange stand. Das war super! Nächstes mal schreiben wir schneller und wir werden geilere Songs machen!

 

Wir bedanken uns bei Lasterbalk und Falk für das sehr amüsante und ausführliche Interview und bei Tourmanagerin Anja für den Kuchen und das Mitgefühl, als es wieder raus in den Regen ging...

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