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Rainbow im Interview (August 2006)

Bob Daisley spricht über seine Zeit bei Rainbow
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Das Grandiose Rainbow Werk "Live in Munich 1977" machte es notwendig, eine Zeitreise anzutreten und ein wenig mit Bassist Bab Daisley über seine Zeit bei Rainbow zu plaudern.

 

 

 

The-Pit.de: Hallo Bob! Erst einmal danke, dass Du es „The Pit“ ermöglichst, ein Interview mit Dir zu führen wegen dem Release der Rainbow DVD- "Live In Munich".

Lass uns an Bord einer Zeitmaschine gehen und ab in die 70´s.

 

Du kamst 1977 in die Band Rainbow. Wie kam es zu all dem?

 

 

 

 

Bob Daisley: Ich tourte durch Amerika mit einer Band namens “Widowmaker”. Zum Ende der Tour kamen wir in Los Angeles an und ich besuchte einen meiner Freunde, Dick Middelton, der in den frühen 70ern in der Band “Mungo Cherry” spielte. Dick war außerdem Ritchie Blackmore´s Freund. Dick stammt aus England, lebte damals aber in L.A. Als ich ihn also besuchte, sagte er: “Ritchie Blackmore sucht gerade einen Bassspieler, hast Du Interesse?” Und ich antwortete: “In der Tat bin ich interessiert.”. Widowmaker waren großartige Jungs und ich mochte diese Band, aber irgendwie wirkten sie ein wenig unprofessionell. Sie stritten viel und gingen mir auf die Nerven. Das war schon stressig. Dick, Ritchie und ich gingen ein paar Bier trinken. Wir klönten ein wenig und dann fragte mich Richtie, ob ich mal zum Vorspielen für die Band vorbeikommen wollte. Also ging ich zum Vorspielen. Dabei fand ich heraus, daß zuvor schon ca. 40 Baßspieler zum Vorspielen dort gewesen waren und dass bislang niemand dabei gewesen war, den die Band wirklich mochte. Und als ich vorspielte, sagte jemand ( ich weiß jetzt nicht mehr, wer das war): wir mögen Deine Art, zu spielen, willst Du den Job? Und ich fühlte mich so geschmeichelt, denn sie hatten vorher ja schon ca. 40 Leute zum Vorspielen angehört, aber ich sagte: “Ich denke drüber nach”. Der Grund, warum ich das sagte, war, dass ich ja das kleine Problem hatte, dass ich ja noch bei Widowmaker engagiert war. Außerdem hatten ein paar Leute zuvor schon erwähnt, dass es schwierig sei, mit Ritchie zu arbeiten und daß ich wie ein „sideman“ behandelt werden würde, dass ich nach ein paar Monaten gefeuert würde und all das … Aber dann spielten wir einen weiteren Gig mit Widowmaker im Whisky A Go Go in L.A. und während dieser Show kam Ritchie, um sich den Gig anzuschauen. Wir verabredeten uns dann für nach der Show im Rainbow Club, der eine Straße weiter von der Location lag. Und nach dieser Show begannen die Jungs von Widowmaker wieder mit Streiten und Diskussionen und ich sagte mir “Ich glaube, ich halte das nicht mehr aus, die Entscheidung, zu wechseln, kommt für mich wie gerufen”. Also sagte ich zu den Jungs: “Jungs, ich gehe zu Rainbow”. Das hatte ja zwei Bedeutungen: daß ich zum Rainbow Club gehe und dass ich in die Band Rainbow wechseln würde.

 

 

The-Pit.de: In Deinen Augen: war es Deine konsequente musikalische Weiterentwicklung nach dem Verlassen von Widowmaker oder sahst Du eher die große Chance für Dich, mit dem Wechsel zu Rainbow das große Geld zu machen? 

 

Bob Daisley: Vorab: Ich habe nicht viel Geld verdient durch das Spielen bei Rainbow. Ich habe zu Rainbow gewechselt, weil ich einen karrieretechnischen Sprung machen wollte. Ich liebte die Band und deren Musik. Es war alles sehr professionell und die Jungs waren alle sehr diszipliniert. Ich liebte Widowmaker, es war eine großartige Band und in musikalischer Hinsicht hat es mir Spaß gemacht, aber es war nicht immer professionell. Und Rainbow war sehr professionell und das war das, was ich wollte. Ich bewunderte Ritchie dafür, so peinlich genau und diszipliniert zu sein und daß er von jedem immer alles forderte. Ich habe das wirklich gemocht.

 

 

The-Pit.de: Zwei Tage vor dem grandiosen Gig in München bekam Ritchie Schwierigkeiten mit einigen Fans wegen einer Flasche Bier. Was ist da wirklich passiert?

 

 

Bob Daisley: Ein paar Fans und eine Flasche Bier? Huh? Ritchie mußte in Österreich ins Gefängnis. Wir spielten diesen Gig in Österreich und wir hatten ein paar Probleme mit dem Kerl, der für die Halle zuständig war. Er hatte alle Scheinwerfer angeworfen und er provozierte Ritchie, indem er mit verschränkten Armen genau vor Ritchie stand und begann, sich wie ein Gegner aufzuführen. Deshalb trat Ritchie ihn, denn er stand ja genau vor ihm und er versuchte, nach Ritchie’s Bein zu greifen. Dann trat Ritchie ihn erneut und traf ihn genau im Gesicht und brach im den Kiefer. Daraufhin wurde die Polizei herbeigeholt. Die Roadies versuchten, Ritchie in einem Koffer aus der Halle zu schmuggeln, aber die Polizei hatte Spürhunde dabei, die Ritchie aufspürten und so wurde er verhaftet. Ritchie war dann ungefähr 2 bis 3 Tage im Gefängnis. An dem Tag des München-Gigs waren wir nicht einmal sicher, ob wir auftreten könnten oder nicht. Wir standen an diesem Morgen auf und warteten eine ganze Weile, ob dieser Gig nun stattfinden würde oder nicht. Und bis zum späten Nachmittag oder frühen Abend wußten nicht, ob der Gig stattfinden würde, als wir erfuhren, daß Ritchie wieder aus dem Gefängnis raus war und daß er auf dem Rückweg war. Wir konnten an diesem Abend also spielen. Aber es würde spät werden, wir hätten nicht bis 23:00 oder 23:30 spielen können.

Aber eine Flasche Bier? Ich kann mich nicht an einen Vorfall mit einer Flasche Bier erinnern.

 

 

The-Pit.de: Hat Ritchie Deiner Meinung nach damals überreagiert und was denkst Du über diesen Zwischenfall heutzutage? 

 

Bob Daisley: Überhaupt nicht! Der Hallen-Manager war ein Depp! Er führte sich Ritchie gegenüber wie ein Gegner auf und ich denke, daß irgendetwas im Publikum passiert war oder sonstwas, jedenfalls hat er die gesamte Beleuchtung angeschaltet und stand mit verschränkten Armen genau vor Ritchie. Er was ein Arschloch.

 

The-Pit.de: Wie denkst Du über eine CD/DVD-Veröffentlichung fast 30 Jahre nach diesem Gig?

 

 

Bob Daisley: ES ist für mich sehr erfrischend und eine Erleichterung, zu sehen, daß dies nun offiziell veröffentlicht wurde. Es gab viele schlechte Bootleg-Kopien dieses Gigs, die lange Zeit die Runde machten. Schlechte Bild- und schlechte Tonqualität. Aber das Ganze zu sehen, wie es ordentlich präsentiert ist, wie es ordentlich produziert ist, und daß es auf diese Weise veröffentlicht wird, ist großartig. Ich bin froh darüber, dass dies so gemacht wurde. Und das kleine Programm ist genau wie mein Tourprogramm, das ich immer noch von dieser Tour habe. Und in dieser DVD wurde es reproduziert. Daher ist dieses kleine Tourprogramm eine Reproduktion meines Tourprogrammes. Es ist das Programm, das damals bei dem Gig jeder kaufen konnte.

 

The-Pit.de: Und wie fühlst Du Dich, wenn Du Dich nach all dieser Zeit auf dieser DVD siehst?  

 

Bob Daisley: Ich habe es schon zuvor gesehen. Das war in den 80ern und 90ern auf echt schlechten Kopien. Wie eine Kopie eines qualitativ grauenvollen Tapes der 5ten Generation. Aber es ist großartig, das alles nun in guter Qualität zu sehen. Das Bildmaterial ist gut, und der Sound ebenfalls. Und es ist schon irgendwie traurig, nicht mehr so jung zu sein (lacht). Ich war damals ungefähr 27. Wir werden alle älter und es macht nicht wirklich Spaß, älter zu werden (lacht wieder). Ich werde Dir was sagen: Es ist sehr, sehr gut, die Double-CD wie ein Album zu hören, also ohne Bildmaterial dazu zu sehen. Letzte Nacht habe ich mich hingesetzt und habe mir das Ganze wie ein Live-Album nur angehört. Es machte mich stolz, in der Band gewesen zu sein, denn es war ein großartiges Spielen, es war alles live und nichts wurde ausgetauscht. Weißt Du, manche Bands gehen mit der Live-Produktion einer ihrer Shows ins Studio, um dort Dinge auszutauschen und Parts zu ersetzen und doktern an dem Material herum. Wir hatte nie die Gelegenheit, dies zu tun, denn die Aufnahmen hatten wir nicht. Also saß ich da und hörte mir das Album an und war stolz, denn wir waren gut, es war eine gute Band und es ist sehr, sehr gut, dies zu hören.

 

The-Pit.de: Wie würdest Du die Zusammenarbeit mit Ritchie beschreiben? 

 

Bob Daisley: Also, ich wollte den Job professionell weitermachen. Ich denke, er hat dies respektiert. Ich hatte niemals ein Problem mit Ritchie. Wir hatten niemals Krach miteinander. Ich kam gut mit ihm aus und ich respektierte ihn. Er war ein wenig schwierig, aber ich respektierte das. Er forderte von jedem das Beste und ich kann das verstehen. Und ich respektierte in dafür, daß er selbst auch sehr diszipliniert war und von jedem forderte, professionell zu sein. Daher habe ich diesen Job weiter gemacht, ich habe niemals für Ärger gesorgt, ich habe einfach weitergemacht und tat es, so gut ich konnte. Das ist es, warum ich niemals irgendwelche Probleme hatte.

 

The-Pit.de: In wie weit wurdest Du in den musikalischen Schreibprozess mit einbezogen? 

 

Bob Daisley: Überhaupt nicht. Ich war nur ein Spieler. Als ich in die Band kam, hatten sie das gesamte Material für das “Long Live Rock ‘n’ Roll” Album schon fertig. Und die Jungs waren so autark, was ihr Material anging, daß ich gar keine Chance hatte, irgendetwas zu schreiben. Ich akzeptierte das. Ritchie und Ronnie schrieben alles zusammen und das war mehr als fair. Ich war der Neue in der Stadt, der Neue in der Band, also besann ich mich darauf, meinen Job zu erledigen.

 

The-Pit.de: War es für Dich sehr enttäuschend, als Ritchie fast die komplette Band feuerte oder hast Du schon vorher damit gerechnet? 

 

Bob Daisley: Irgendwie wußte ich es, oder mir kam der Gedanke, daß so etwas passieren würde. Gegen Ende der America-Tour 1978 sagte Ronnie zu mir: “Paß auf, es ist durchaus möglich, daß Rainbow nach dieser Tour nicht mehr so sein wird wie bisher. Vielleicht werde ich selbst eine Band gründen, willst Du da mitmachen?” Und ich antwortete: “Also, ja klar.” Denn wenn es Rainbow nicht mehr gibt, dann ... weißt Du, ich mochte es auch, mit Ronnie zu arbeiten, also antwortete ich, “Sicher, auf mich kannst Du zählen.” Als die Zeit dann gekommen war, war es aber nicht so offensichtlich, als wenn jemand am Telefon zu dir sagt „ Ihr seid alle gefeuert“ oder das ist das Ende der Band, oder Ritchie hat neue Bandmitglieder oder so. Es passierte einfach nicht. Es bröckelte einfach vor sich hin. Es starb einfach und das war´s. Und dann bekam ich den Anruf von Ronnie, der mir sagte, daß er seine Band zusammenstellt und fragte, ob ich Interesse hätte, dabei zu sein. Ich antwortete “ja, sicher” und er sagte, “Laß Dich nicht unterkriegen. Ich werde einen Gitarristen in Amerika suchen und versuche, dort einen Support-Deal an Land zu ziehen.” Ich war in London und wartete. Ein paar Monate später, als ich ein paar Musikmagazine kaufte, stand auf einer Frontseite: “Ronnie James Dio joins Black Sabbath”.

Und ich dachte: “Oh, ich denke, wir werden nicht zusammen eine Band gründen!” (lacht) Das alles endete irgendwie ein wenig ironisch, denn Ronnie ging zu Black Sabbath und Black Sabbath feuerten Ozzy und schließlich gründete ich mit Ozzy eine Band.

 

 

The-Pit.de: Wenn Du eine Band zusammenstellen könntest mit den besten Musikern dieser Zeit: wer würden die Mitglieder dieser Band sein?  

 

Bob Daisley: Das ist eine schwierige Frage. Aus den 70ies? Lebendig oder tot? Mit mir? ...Mein Gott, ich weiß nicht… vielleicht… Einer meiner Lieblingsgitarristen war immer Jeff Beck. Ich mag Jeff Beck sehr, und an den Drums vielleicht John Bonham, er lebte damals noch,....Jeff Beck hatte in den 60ies die Jeff Beck-Band, in der damals Rod Steward am Micro stand, also vielleicht: Jeff Beck, John Bonham, ich und Rod Steward.

 

The-Pit.de: Gibt es Musiker, mit denen Du wirklich einmal gern zusammenarbeiten würdest?  

 

Bob Daisley: Wie ich schon sagte, ist Jeff Beck mein Lieblingsgitarrist und mit ihm habe ich noch nie zusammengearbeitet; ich war in der glücklichen Position, mit vielen großartigen Gitarristen und großartigen Musikern, Sänger, Drummer, wer auch immer, aber Jeff wäre der Eine, mit dem ich gerne zusammenarbeiten würde.

 

 

The-Pit.de: Wenn man Deine komplette Karriere betrachtet, sieht man, dass Du nie länger als 2-3 Jahre an einem Stück in einer Band gespielt hast. Was ist Deiner Meinung nach der Grund dafür?

 

 

Bob Daisley: Also, eine Menge davon lag außerhalb meines Einflußbereiches. Eine Menge davon war nicht wirklich meine eigene Entscheidung. Wie das Rainbow-Ding, Ritchie wollte nur ein komplett neues Line-Up…. Ich denke, das mit Ritchie und Ronnie konnte nur auseinander gehen, denn Ritchie wollte seine eigenen Songs, Ronnie war sein Songwriting-Partner, und als sich Ronnie und Ritchie trennten, musste er sich einen neuen Songwriting-Partner suchen. Das ist der Grund dafür, warum er Roger Glover zurückholte, weil er sein Songwriting-Partner in Deep Purple-Zeiten gewesen war. Die Situation lag oft nicht in meinen Händen. Wie das mit Ozzy: ich machte die ersten Alben, sie wollten Lee Kerslake loswerden und ich wäre damit nicht einverstanden gewesen, also warfen sie Lee Kerslake und mich raus. Also… (lacht) Aber dann holte Ozzy mich zurück und unsere Partnerschaft ging weiter, so ungefähr 12 Jahre mal mit mehr, mal mit weniger Kontakt, weißt Du. Oder das mit Gary Moore: Ich arbeitete von 1985 bis 1991 zusammen mit Gary Moore und dies waren 5 oder 6 Jahre mit Gary. Aber als ich in der Zwischenzeit mein Time Off hatte, arbeitete ich an einem Black Sabbath-Album, ich arbeitete auch an einem Yngwie Malmsteen Album… Es mag so ausgesehen haben, als wäre ich in anderen Bands gewesen, aber ich war nie bei Black Sabbath und ich war nie in Yngwie’s Band. Ich spielte ein paar Tracks auf seinem Album, ich spielte auf einem kompletten Black Sabbath-Album aber ich gehörte zu dieser Zeit immer noch zu Gary Moore ….ich hatte niemals mit irgendjemandem ein Problem, außer Sharon Osbourne… ich würde sagen, ich hatte ein kleines Problem mit ihr…sie ist eine rücksichtslose Person (Ellbogenmensch)… aber davon abgesehen habe ich niemals mit irgendjemandem ein Problem gehabt.

 

 

The-Pit.de: Ich danke Dir herzlich dafür, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns auf eine Zeitreise in die 70er zu begleiten. Möge bald auch ein Release von Ozzy Osbourne oder Gary Moore kommen, so dass wir auch diese Zeiten beleuchten können.

Wenn Du magst, kannst Du noch ein paar Worte an unsere Leser richten:

 

 

 

Bob Daisley: Da fällt mir eine Sache ein: Ich mache ja zusammen mit den Hoochie Coochie Men dieses Blues-Ding. In Sydney kam John Lord zu unserem Gig und spielte mit uns auf der Bühne. Deshalb entschlossen wir uns, ein Studioalbum der Hoochie Coochie mit John Lord aufzunehmen und wir planten, zusammen auf Tour zu gehen und auch ien paar Gigs in Deutschland zu spielen. Deshalb möchte ich den Lesern sagen: Kommt und seht uns dort mit John Lord und den Hoochie Coochie Men!

Vielen Dank für dieses Interview.

 

Wir bedanken uns bei Bod Daisley für dieses Interview und bei Birgit Bräckle (Brooke-Lynn Promotion), die uns dieses Interview durch ihre tatkräftige Hilfe überhaupt erst ermöglicht hat. In Kürze wird dann auch die DVD bei uns reviewed und damit unsere kleine dreier Berichterstattung aus den goldenen 70ern erstmal abgeschlossen werden.

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