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Rage im Interview (März 2010)

Und auch nach 25 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Peavy gesellte sich spontan zum Interview dazu

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Einfach herrlich – da feiern Rage in der Zeche Bochum zum Jahresausklang eine 25-Jahr-Feier, und nehmen sich vor dem Gig noch richtig viel Zeit, um ein paar Fragen zu beantworten. Den Termin hatte The-Pit.de mit dem Rage-Gitarristen Victor Smolski, später gesellte sich Peavy dazu und mischte fleißig mit.

 

The-Pit.de: 25 Jahre Rage. Auch wenn du noch nicht ganz so lange dabei bist - wie fühlt sich das an?

Victor: Bei mir sind das genau zehn Jahre, und zehn Jahre sind ja auch schon verdammt lang. 25 Jahre sind schon eine unglaubliche Geschichte. Es gibt sehr wenige Bands, die überhaupt so lange überlebt haben. Speziell bei Rage ist das eine sehr interessante Geschichte, denn das sind nicht nur 25 Jahre Metal. Da sind so viele verschiedene Sachen, die Rage gemacht haben. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, mit Peavy zu arbeiten, hat es mich sehr fasziniert, dass sie als erste Metalband mit einem Orchester gearbeitet haben, dass sie stilistisch sehr viel experimentiert und ausprobiert haben; wir haben in den zehn Jahren so viele Sachen gemacht. Wir haben thrashige, progressive und klassische Elmente verarbeitet. Wir waren überall auf der Welt und haben alles mögliche ausprobiert – und Gott sei Dank nie den Spaß verloren.

 

The-Pit.de: Das bereichert doch auch persönlich. So viele Sachen, die man ausprobieren konnte, so viele eigene Visionen umzusetzen.

Victor: Wir haben das Glück, dass wir keinen Druck seitens der Plattenfirma haben. Im Prinzip können wir machen was wir wollen, und wir machen wirklich nur, auf was wir Bock und woran wir Spaß haben. Es ist auch sehr schön zu sehen, dass jede Platte von den Fans akzeptiert wird. Es läuft einfach super.

 

The-Pit.de: Da findet ihr dann sicherlich auch eure Motivation. Es stellt sich generell die Frage, wie man sich nach den ganzen Jahren immer wieder motiviert.

Victor: Genau das ist es ja – unsere Motivation sind die Fans. Dass sie mögen, was wir machen, dass sie sich dafür interessieren, das Feedback, welches wir von Fans und Presse auf unseren Touren bekommen. Wir müssen uns bei den Fans bedanken, dass Rage 25 Jahre überlebt haben.

 

The-Pit.de: Es hat sich ja auch seit damals einiges in der Szene verändert. Wenn man mal in die Achtziger zurückgeht, dann gab es da den klassischen Heavy Metal, den Thrash Metal oder Speed Metal. Heutzutage ist die Szene ja in unzählige Subgenres aufgesplittet. Wie beurteilst du die Entwicklung?

Victor: Ich finde diese Vermischung der unterschiedlichen Stile sehr interessant, weil es die Möglichkeiten, stilistische Ideen umzusetzen, erweitert. Ich finde aber auch gut, wenn Bands wie beispielsweise Kreator im Prinzip in die gleiche Richtung arbeiten. Nicht alle Bands haben genug Ideen, den Stil beizubehalten ohne sich selbst zu covern. Da könnte ich viele Beispiele aufzählen; Bands, die seit zehn Jahren immer die gleichen Songs komponieren, und du weißt schon vor dem Release, wie die Scheibe klingen wird. Das ist für mich total langweilig. Ich bin für Überraschungen, für neue Versuche – das ist aber auch gefährlich und riskant, denn wenn du experimentierst und etwas Neues suchst, dann gibt es keine Garantie, dass es gut wird und auch angenommt.

Bei uns war es so, dass wir vielleicht bei ein paar Platten experimentierten und Fans reagierten: „Hey, das war besser – das war schlechter!“. Mein Motto ist: Wer nicht sucht, der nicht findet. Wir wollen uns verbessern, unseren Sound und unsere Songs – wir probieren sehr viel aus, und zu unserem Glück funktioniert das auch bei uns. In den letzten Jahren sind sehr viele Bands aufgetaucht, die viele Prog-Elemente einbauen und gerade im spielerischen Bereich auf sehr hohem Niveau sind.

 

The-Pit.de: Aber nur frickeln reicht doch nicht, da haben die Songs doch keine Seele…

Victor: Ganz genau. Viele sehen die ganze Technik als Sport. Für Solo-Geschichten geht das noch gerade, aber für eine Band ist das nicht gut. Für mich persönlich stehen die Songs im Vordergrund. Natürlich, als Gitarrist sind die 30 Sekunden auch sehr wichtig, aber die restlichen vier Minuten sind Song, und das ist doch das Wichtigste. Darauf konzentrieren wir uns beim Songwriting sehr, und bei der Songauswahl für die CD sitzen wir sehr lange beisammen.

 

The-Pit.de: Also könnte man sagen, dass ihr in dem Moment auch das Maximum an Leistung aus euch herausgeholt habt?

Victor: Wir geben immer alles. Wir machen überhaupt keine Kompromisse und setzen uns selber sehr unter Druck, was die Qualität unserer Songs betrifft. Auch wenn wir ins Studio gehen, dann gehen wir richtig an unsere Grenzen. Danach müssen wir viel üben, damit wir das auch live 'rüberbringen, und das ist es auch, was mich persönlich motiviert, weiterhin zu üben, üben, üben.

 

The-Pit.de: Welches Album von Rage ist deiner Meinung nach am unterbewertetsten?

Victor: Es ist schwierig, darüber zu reden, was vor meiner Zeit passiert ist, das ist nicht meine Baustelle… (überlegt sehr lange) … In den letzten zehn Jahren „Welcome To The Other Side“. Da haben wir soviel experimentiert, wir hatten so viele interessante Ideen. Die Frage ist schwer zu beantworten. Wenn wir live diese Songs spielen, gefallen sie den Fans sehr, viele Kritiker und Magazine haben geschrieben, dass die Scheibe nicht so toll sei – ehrlich gesagt: Ich lege nicht ganz so viel Wert auf die ganzen Magazine. Sehr oft habe ich Verrisse über eine Platte gelesen, die ich gekauft habe und sehr toll finde, und umgekehrt natürlich auch.

 

The-Pit.de: Das kann ich gut nachvollziehen. Interessant waren doch die Bands, die immer eine Arschbombe kassiert haben.

Victor (grinst): Solche Scheiben habe ich auch immer gekauft. Ich glaube, dass es nicht so wichtig ist, wie die Platte reviewt wird. Für mich sind alle Platten wie Kinder, da kannst du nicht sagen, welches Kind du schöner findest. Ich habe bei jedem Song alles gegeben, und ein Song funktioniert eben besser als der andere. Das ist leider so. Bestes Beispiel ist doch die Nummer „Straight To Hell“. Die Plattenfirma wollte die Nummer streichen, und alle haben gesagt, dass dieser Song überhaupt nicht passt, weg damit, er sei scheiße. Und wir haben gesagt: Nein, das ist etwas völlig Interessantes und Neues, und am Ende ist es der erfolgreichste Song von Rage geworden.

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