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Rage im Interview (März 2006)

"Wenn man sich persönlich überhaupt nicht mehr leiden kann, wird eine Band zur Farce!"
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Rage sind eine feste Größe in der Metalszene, hierzulande wie auch international. Für mich persönlich sind sie neben Metallica und Blind Guardian der Einstieg in die bunte Welt des Schwermetalls gewesen. Deswegen habe ich mich sehr über die Möglichkeit gefreut, Bandkopf Peavy einige Fragen stellen zu dürfen. Selbiger entpuppte sich bei nachfolgendem Telefoninterview als äußerst symphatischer Zeitgenosse, den man wegen seiner kumpelhaften Art gerne interviewt.

 

The-Pit.de: The Pit: „So, dann mal gleich in die Vollen. Ich hab euer neues Album leider noch nicht hören können (Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews.), aber vielleicht hast ja ein paar kurze einführende Worte dazu.“ 

 

Peavy: „Ja, ich kann ja mal versuchen, es ein bisschen zu beschreiben. Mich wundert nur, dass du das noch nicht gekriegt hast. Nuclear hat doch die Promos rausgeschickt. Das ist wohl gerade noch auf dem Weg.

Das ist ein zweigeteiltes Album. Der erste Teil bzw. die ersten 22 Minuten bestehen aus einem Werk, was wir in 8 Einzelteile unterteilt haben und heißt „Suite Lingua Mortis“, eine Nummer für ein hundertköpfiges Orchester und Band, in der Tradition, wie schon vor 10 Jahren auf der „Lingua Mortis“ und auf der „XIII“. Nur denke ich, dass wir das jetzt auf einem höheren Qualitätsniveau gemacht haben. Die zweite Hälfte schlägt dann in eine andere Kerbe und geht in die volle Power Metal Richtung, vielleicht sogar ein wenig aggressiver als bei unseren letzten Veröffentlichungen

 

The-Pit.de: Der Name „Speak of the dead“ lässt mich vermuten, dass es wieder um dein Lieblingsthema „Leben nach dem Tod“ geht. Kommt das ungefähr hin? 

 

Peavy: Ja, so in der Art. Im Grunde kamen wir mit ein wenig Wortspielerei auf den Titel. Erst hatten wir die „Suite Lingua Mortis“, die vom Titel an die Sachen von vor 10 Jahren anlehnen sollte. Und da „Lingua Mortis“ auf deutsch „Die Sprache des Todes“ bedeutet, haben wir da ein wenig mit herumgespielt. Den Titel „Speak of the dead“ fanden wir dann alle ziemlich geil und das hat mich auch zum Titelstück inspiriert.

Thematisch geht die „Suite“ um ein klassisches Stück „Der Tod und das Mädchen“, zu der ich eine kleine Story geschrieben habe. In dem Stück geht es ja auch um Sterblichkeit und die Verletzlichkeit des Lebens. Die anderen Songs sind aber eher persönlicher oder politischer Natur.

 

The-Pit.de: War es eigentlich seltsam für dich das Lied „Full Moon“ auf deutsch einzusingen oder ist das einfach nur ein lustiges Experiment gewesen? 

 

Peavy: Das war ganz witzig. Ich hab die englische Version gesungen und dann haben wir da rumgeblödelt und ich hab eine Herbert Grönemeyer mäßige Version gemacht. Alle haben sich kaputtgelacht und dann sind wir auf den Trichter gekommen, dass wir auch mal eine richtige deutsche Version machen sollten. (Einwurf von mir „Schade!“ - Peavy lacht ein wenig) Also ich finde, das Ding ist ganz gut geworden und geht so ein wenig in die Subway to Sally Richtung. Und da wir noch vertraglich gebunden einen Bonustrack für Japan brauchten, hab ich noch eine Freundin aus Tokio angehauen, ob sie mir den Song übersetzt. Dann haben wir auch noch einen russischen Text verzapft und kurz darauf noch einen spanischen, weswegen es jetzt 5 Versionen von der Nummer gibt.

 

The-Pit.de: Na, das sind ja dann einige Bonustracks. Ging die Idee mit dem Orchester von Viktor aus, der sich ja sehr in der Richtung auskennt, oder war das eine kollektive Entscheidung? 

 

Peavy: Letzteres. Das lag ja auch auf der Hand, dass wir irgendwann wieder sowas machen würden, zumal die Fans auch immer wieder danach gefragt haben. Außerdem wäre es ja eine Verschwendung von Talent, wenn wir Victor so etwas nicht auch mal lassen machen würden. Wir wollten erst das ganze Album orchestrieren, aber wir haben uns gedacht, dass das zu sehr nach Stilwechsel aussieht. Ich meine, die einen Fans freuen sich tierisch und die anderen fanden dann z.B. die „Soundchaser“ geiler. Dann machen wir lieber ein Album, auf dem wir das Beste aus beiden Welten vereinigen.

 

The-Pit.de: Könnt ihr die „Suite“ überhaupt umsetzen? Also habt ihr Planungen mal wieder mit dem Orchester aufzutreten? 

 

Peavy: Das ist nur ein Kostenfrage, spielen können wir das auf jeden Fall. Du kannst dir ja vorstellen, dass es ziemlich teuer ist, mit einem Orchester zu spielen. Wir arbeiten dran und vielleicht können wir das zu Weihnachten hinkriegen, mal so ein paar Einzelshows zu spielen. Aber für die anstehende Tour wäre das nicht realisierbar.

 

The-Pit.de: Ich denke, Victor hatte großen Anteil an der ganzen Sache. War die Arbeit mit ihm anders als mit Christian Wolff (Anm.: verantwortlich für das Orchester auf den alten Rage Platten)? Also, abgesehen davon, dass Victor Teil von Rage ist? 

 

Peavy: Ja, klar. Victor ist in der Band, kommt also nicht von außerhalb. Er ist Metalgitarrist und Klassiker in einer Person, ist in beiden Welten aufgewachsen und kann beides wirklich perfekt umsetzten, ganz im Gegenteil zu Christian Wolff. Der kannte nur die klassische Geschichte und hatte von Metal wirklich wenig Ahnung. Ich will seine Arbeit nicht schmälern, der hat das damals schon nicht schlecht gemacht, aber Victor hat es dann doch um einiges besser drauf und insofern ist das ganze jetzt ein homogeneres Werk geworden. Damals hatten wir erst die Metal-Nummern und dann kam Christian von außen und hat das orchestriert. Jetzt ist die ganze als Einheit konzipiert und klingt deswegen auch qualitativ besser.

 

The-Pit.de: Du hast mit Victor und Mike jetzt 3 Alben aufgenommen, auf denen es so gut wie gar kein Orchestern zu hören gab. Habt ihr das auch so geplant gehabt, um euch ein wenig freizuschwimmen, weil ihr ja mit dieser Schiene sehr erfolgreich gefahren seid? 

 

Peavy: Ja, wir hatten ja 3 Veröffentlichungen mit Orchester und haben auch fast nur damit live gespielt. Da brauchte ich einfach mal eine Pause von. Außerdem war das ganze ja auch sehr kostspielig und wir konnten uns das nur leisten, weil wir ein Sonderbudget hatten. Und ohne Orchester konnten wir den Leuten die damals neue Band auch besser vorstellen.

 

The-Pit.de: Mit welcher Band würdest du gerne mal touren? Oder vielleicht denkst du mal ein paar Jahre zurück und denkst dir: „Mit der Band....das war wirklich klasse! 

 

Peavy: Also, alleine als Headliner ist das natürlich toll, weil man dann machen kann, was man will. Mit Rush mal spielen, das wäre was. Das sind halt schon meine Helden seitdem ich klein bin. Das wäre aber vielleicht auch desillusionierend, wenn man seine alten Heroes mal kennenlernt.

 

The-Pit.de: Was mir vorhin erst auf eurer Homepage aufgefallen ist: Du hast zur letztjährigen DVD gesagt, dass ihr dieses Akkustikset ja leider nicht mit drauf packen konntet, aber das ihr eventuell eine CD davon herausbringen wollt. Gibt es da schon weitere Planungen? 

 

Peavy: Nee, gar nichts. Die Idee steht aber nach wie vor im Raum. Das müsste man mal richtig aufnehmen, aber es findet sich nie die Zeit dafür. Es wäre natürlich schön, wenn man sowas vor Weihnachten veröffentlichen könnte, weil das ja gut in die Zeit reinpasst.

 

The-Pit.de: Glaubt ihr, dass Nuclear Blast es schaffen können euch auf ein höheres Level zu hieven, was die Popularität angeht? Bei Nightwish oder Manowar hat das ganze ja gut funktioniert. 

 

Peavy: Na ja, eine Plattenfirma kann nichts erzwingen, wenn die Massen das nicht in die Top 10 kaufen. Bei Manowar und Nightwish haben die ja nur das aufgegriffen, was eh passiert wäre. Die haben halt nur im richtigen Moment die Band gesignt und dann abgesahnt. Andererseits will ich natürlich nicht die Arbeit von Nuclear Blast schmälern, denn das ist wirklich das momentan stärkste Metallabel. Die arbeiten wirklich sehr professionell und auch effektiv. Rage sind da in guten Händen und wären nirgendwo besser aufgehoben. Vor allem was den Vertrieb angeht, dann damit hatten wir ja in der Vergangenheit öfter mal Ärger gehabt mit anderen Plattenfirmen. Da konnte man die Platten mal nicht kaufen oder es wurde keine Promotion gemacht. Die BMG hat hier einen guten Job gemacht, aber hat das im Ausland ziemlich verfallen lassen. Bei SPV gabs auch oft Kommunikationsprobleme, aber das sind interne Dinge. Mit Nuclear Blast sind wir bis jetzt sehr zufrieden. Man hat sich vorher natürlich bei anderen Bands umgehört und die meisten sind überzeugt von der Firma.

 

The-Pit.de: Mir kommt es so vor, als bestünde die Firma wirklich aus Metalfans, was ja bei vielen anderen großen Plattenfirmen nicht der Fall ist. 

 

Peavy: Das ist mir auch aufgefallen. Die Leute sind echt Fans von der Musik Natürlich wollen die auch ihr Geld verdienen, aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen. (lacht)

 

The-Pit.de: Ich wollte dich mal nach der Nightwish Geschichte fragen. Ihr wart ja '99 mit denen auf Tour. Habt ihr da schon was von diesen angeblichen Spannungen in der Band mitbekommen oder habt ihr nicht soviel mit denen zu tun gehabt? 

 

Peavy: Ja, '99 waren die unsere Vorband! (lacht) Das muss man sich mal vorstellen. Das war ja deren erste Europatour und die wurden noch mehr als Band gesehen. Der große Hype, vor allem um Tarja, war da noch nicht so groß. Direkt nach der Tour ging es ja so los, dass die Medien sich so auf die Tarja gestürzt haben. Ich glaube, das das Ganze so von außen an die Band herangetragen wurde, denn eigentlich ist das ja die Band vom Tuomas. Der macht da alles und Tarja war ja eigentlich nur die Sängerin für Nightwish. Und die Medien haben sich fast ausnahmslos auf das Mädel gestürzt. Das haben die Jungs 4 Jahre lang mitgespielt, weil es ja auch für sie lukrativ war, aber irgendwann war da so ein großer Bruch drinnen, dass die Kommunikation aufgehört hat. Wir haben noch letzten Herbst mit denen gespielt. Das waren mit die letzten Shows und da hat man schon gemerkt, dass den Jungs da echt was auf der Seele lastete. Die wollten nur nicht raus mit der Sprache. Die haben ja erst später die Bombe platzen lassen, aber du kannst ja nicht des Geldes wegen deine Gefühle komplett ausschalten. Wenn man sich persönlich überhaupt nicht mehr leiden kann, wird eine Band zur Farce!

 

The-Pit.de: Hast du noch Kontakt zu deinen alten Bandkollegen? Am interessantesten ist natürlich die Besetzung, die während der „Ghost“ Produktion abgehauen ist. 

 

Peavy: „Nein, also zu den Leuten hab ich keinen Kontakt und will ich auch keinen Kontakt haben. Die können mir echt noch nicht mal im Mondschein begegnen. Zu früheren Mitgliedern hab ich wohl noch guten Kontakt. Zum Manni Schmidt z.B. (Anm.: heute bei Grave Digger) hab ich ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis, ebenso zu Jörg Michael (Anm.: Ex-Running Wild, Stratovarious). Auch zum ersten Schlagzeuger der Band oder den ersten Gitarristen, die sind zwar alle nicht mehr aktiv in der Musikszene, aber wenn man sich mal wieder trifft, geht man auch gerne mal einen trinken. Also, ich hab eigentlich mit niemandem ein Problem, nur mit den entsprechenden Leutchen da, die haben mich so verladen und so mies behandelt, dass ich mit denen nichts zu tun haben will. Was die da gemacht haben, fand ich wirklich schlimm. Dieses Beleidigen war wirklich unfair und ich kann überhaupt nicht verstehen, was die dazu getrieben hat. Die müssen echt nen Sockenschuss haben.

 

The-Pit.de: Das ging ja gut durch den Blätterwald damals. 

 

Peavy: Das ist damals auch ziemlich undifferenziert dargestellt worden zum größten Teil. Ich konnte damals ja auch nicht viel dazu sagen, weil ich gar nicht mitbekommen habe, wie die mich ein Jahr hinter meinem Rücken verarscht haben. Die haben dann ihre Pop-Band zusammengebastelt (Anm.: Peavy meint Sub7even) und haben mich dann echt mies behandelt. Was nicht nötig war, denn die hätten mit mir offen über alles reden können.

 

The-Pit.de: Dann will ich dich mal nicht weiter damit aufregen. Jetzt hast du ja wesentlich bessere Musiker in der Band. Man sieht auf der Bühne auch, dass du menschlich mit denen super klar kommst. 

 

Peavy: Tja, da sieht man, dass es eigentlich sogar gut gewesen ist, dass die abgehauen sind. Denn die heutige Band ist für mich ein riesiger Schritt nach vorne gewesen.

 

The-Pit.de: Gut, dann bedanke ich mich mal ganz herzlich, dass du dir für uns Zeit genommen hast und wünsche ich euch viel Spaß auf der Tour. 

 

Peavy: Ja, danke schön. Wir sehen uns dann auf Tour!

 

Das werden wir sicherlich,Peavy. Und nicht nur einmal...

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