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Queensrÿche im Interview (Juni 2013)

Alte und neue Magie

The-Pit.de: Dann lass uns doch mal zu Queensrÿche übergehen: Wie kam es dazu, dass du eingestiegen bist und wie seid ihr auf den Namen Rising West gekommen, den ihr zunächst verwendet hattet?

Todd: Nun, ich habe Michael Wilton (QR-Gitarrist; Anm.d.Verf.) bei einer Music Convention in Kalifornien getroffen. Quasi zufällig stießen wir an einem Buffettisch bei einer Dinner Party aufeinander. Wir stellten uns vor, tauschten Informationen aus und blieben in Kontakt. Schließlich schickte er mir einiges von dem Material, an dem er arbeitete, ich beschäftigte mich damit und das hat viel Spaß gemacht. Zu der Zeit promotete Geoff (Tate – Ex-QR-Sänger; Anm.d.Verf.) gerade sein Solozeug und hatte dafür jede Menge Tourdaten, sodass Queensrÿche nur eine Handvoll Shows das ganze Jahr über hatten und sonst nichts. Also stellte Michael mich und meinen Gesang den anderen vor und sie sagten: „Hey, warum stellen wir nicht einfach eine Band zusammen, unter einem anderen Namen?“, denn ursprünglich wollten sie es so handhaben, dass Queensrÿche weitermachen, sobald Geoff mit seinem Solokram durch war. Dies war außerdem eine Möglichkeit für sie, die Sachen zu spielen, die sie mit Geoff sonst nicht spielten. Natürlich sagte ich sofort zu.

Was den Namen Rising West betrifft, so war die ursprüngliche Idee, noch bevor Parker (Lundgren – Gitarre; Anm.d.Verf.) in die Geschichte involviert war, einfach nur „WEST“, was für Wilton, Eddie, Scott & Todd steht. Doch als feststand, dass auch Parker bei der Sache mitmacht, war er ja nicht in dieses Akronym eingebunden, also mussten wir uns etwas anderes überlegen. Eddie (Jackson – Bass; Anm.d.Verf.) kam dann auf die Idee mit „Rising West“, so als würden wir uns erheben, um diese alten Songs wieder zu hören; das hatte eh einen schöneren Klang als nur „West“. Unsere einzigen beiden Shows, die wir unter diesem Namen spielten, waren innerhalb von 48 Stunden ausverkauft, und das Merchandise, das wir extra für diese Shows haben anfertigen lassen, war nach der ersten Nacht bereits vergriffen. Die Fans meinten dazu nur „Das sind Queensrÿche! Wie immer ihr das sonst nennt, das sind Queensrÿche!“

Dann eskalierte das Theater und der Streit mit Geoff und sie kamen an einen Punkt, an dem sie sich sagten, dass es einfach nicht mehr möglich ist, so weiterzumachen. Sie hatten diese zwei Shows gespielt und so machte es für sie Sinn, weiter diese Richtung zu verfolgen. Es gab keine Egos, keinen Zank, sie hatten das erste Mal seit langem wieder richtig Spaß, und so kam es dann, dass ich Teil der Band Queensrÿche wurde.

The-Pit.de: Das muss für dich ja wie ein wahrgewordener Traum sein, in dieser Combo singen zu dürfen.

Todd: Es ist mehr als das. Manchmal fällt es schwer, das in Worte zu fassen, aber andererseits habe ich ein so gutes Verhältnis zu den anderen Bandmitgliedern und ihren Familien entwickelt, dass ein Teil dieses surrealen Gefühls, dieses „Heilige Scheiße!“-Gefühls inzwischen abgeklungen ist. Man sieht sie nicht mehr auf dieselbe Art wie früher, denn man kennt sie inzwischen, es ist eine ganz andere Dynamik. Deswegen ist die Antwort, wenn mich Leute fragen, ob ich nicht komplett ausflippe, „nein“. Ich finde es großartig und supercool, aber ich fühle mich nicht mehr wie ein Kind, das zu diesen großen Rockstars aufsieht. Es gibt zwar diese Momente, wo ich mir sage: „Wow!“ und mich selbst kneifen muss, aber meistens ist es einfach so, dass ich eben jetzt ein Bandmitglied bin und es fühlt sich schlichtweg richtig an. Wir haben eine tolle Chemie untereinander und es ist so, als würde ich mit den Jungs schon seit 20 Jahren zusammenarbeiten.

The-Pit.de: Ich hab euch dieses Jahr auf dem Rock Hard Festival gesehen und dieser grandiose Auftritt vermittelte tatsächlich, dass ihr viel Spaß hattet. Im Fernsehen dürfen wegen der rechtlichen Lage vom Set leider nur die zwei neuen Songs übertragen werden, was mich zu einem unerfreulichen Thema bringt: Diese Schlammschlacht in den Medien zwischen Geoff und dem Rest der Band war wirklich eine traurige und schlimme Angelegenheit, wenn man bedenkt, wie lange diese Leute schon miteinander musizieren.

Todd: Ja, das ist wirklich sehr traurig. Weißt du, Michael, Eddie und Scott (Rockenfield – Drums; Anm.d.Verf.) haben immerhin noch versucht, einen gewissen Grad an Respekt und Klasse zu wahren. Sie gaben keine Interviews zu dem Thema, während Geoff meinte, sie seien Pussys, zu nichts zu gebrauchen usw. Die anderen aus meiner Band wollten nicht so abschätzig reden und haben sich nicht dazu geäußert. Meiner Meinung nach ging das Ganze von der anderen Seite aus los; Michael, Eddie und Scott hingegen bissen sich auf die Zunge und blieben auf einem professionellen Niveau. Aber natürlich ist das eine sehr bedauerliche Geschichte. Ich selbst wurde zwar nur gefragt, ob ich in einer Band singen will, muss aber trotzdem natürlich auch mit der Situation umgehen. Persönlich habe ich nichts Schlechtes, was ich über Geoff sagen kann. Eigentlich kann ich nur darüber reden, was er als Sänger geleistet hat, und in dem Bereich war er ohne Zweifel einer der besten. Ich hab ihn zweimal getroffen und da war er nett zu mir – im Prinzip habe ich mit diesem Streit gar nichts am Hut. Da ich aber nun mal der neue Sänger bin, wurde ich in diese Situation irgendwo mit hineingezogen und es ist frustrierend zu sehen und zu hören, was er sagt und tut. Ich widme dem zwar nicht so richtig Aufmerksamkeit, doch es ist halt offensichtlich, wenn mich Leute in Interviews fragen, was ich vom Albumcover halte (auf dem Album von Tates Queensrÿche-Version „Frequency Unknown“ ist eine Faust mit drei Ringen zu sehen, neben dem Queensrÿche-Logo in der Mitte stehen links und rechts die Buchstaben „F“ und „U“; Anm.d.Verf.), davon, dass er das Handy eines Fans ergreift und wegwirft, oder davon, dass er Fans sagt, dass sie scheiße sind. Ich will diese Fragen nicht beantworten und nur „Kein Kommentar“ dazu sagen, aber die Realität ist, dies scheint nicht der Typ zu sein, den ich früher mal verehrt und unglaublich respektiert habe. Jedenfalls ist es für alle Beteiligten eine sehr missliche Lage, doch mit dem noch ausstehenden Gerichtsurteil wird dies hoffentlich bald zu einem Ende kommen. Ich bin zuversichtlich, dass Michael, Eddie und Scott die Oberhand behalten und wir unter dem Namen Queensrÿche unbekümmert weitermachen können; ich kann mir nicht vorstellen, dass einer alleine den Namen behalten dürfte.

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