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Porcupine Tree im Interview (Oktober 2009)

Ein wohlwollender Diktator
Zum Thema

The-Pit.de: Ich hab auch schon mal reingehört und finde, dass es sich teilweise ein bisschen nach Porcupine Tree zu ganz alten Zeiten anhört. – Du sagtest ja eben, dass es auf Sufi-Geschichten basiert. Würdest du dich selbst als spirituelle Person bezeichnen?

Colin: Ich bin nicht religiös und wurde nicht in einer religiösen Familie erzogen. Ich hatte an der Schule zwar Kontakt mit sehr religiösen Lehrern, aber das ist kein Teil von mir. Ich habe mich lediglich schon immer für diese Themen interessiert. An diese Sufi-Geschichten wurde ich herangeführt, als ich noch relativ jung war, aber die sind eher wie Märchen, ich sehe sie für mich nicht als traditionell religiöse Parabeln an, auch wenn ich glaube, dass sie das eigentlich sind. Aber ich denke, Spiritualität ist eine sehr persönliche Sache und sollte nicht etwas sein, das jemandem aufgezwungen wird. Gerade heute haben wir darüber gesprochen. Richard Dawkins, das ist dieser atheistische Typ in England, der sich für etwas einsetzt, das „the humanist society“ heißt, hat eine interessante Aussage gemacht, er meinte: Wenn man die Zeitung aufschlägt und sieht da ein Bild, worunter steht: „Ein christliches Kind“ oder „Ein muslimisches Kind“, dann sagt niemand etwas. Aber wenn man dieselbe Zeitung aufschlägt und darunter steht: „Ein kommunistisches Kind“, dann würde man sagen, dass das lächerlich ist, da das Kind viel zu jung ist, um sich seine eigene Meinung zu bilden. – Und ich sehe das absolut genauso, ich denke, religiöse Erziehung sollte möglicherweise komplett verboten werden, bis man 16 ist.


The-Pit.de: Da stimme ich absolut mit dir überein. – Kommen wir noch mal zurück zu Porcupine Tree. Es gibt einige Songs bei euch im Repertoire, die Titel tragen wie „Chloroform“, „In Formaldehyde“ oder „Voyage 34“. Hast du selbst Erfahrung mit Drogen gemacht?

Colin: Ja, ich hatte Erfahrungen mit psychedelischen Drogen und ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben, aber ich habe nicht das Bedürfnis, mich immer wieder darüber auszulassen.


The-Pit.de: Na gut. Wie ist das eigentlich mit dem Material, das du beisteuerst? Das meiste schreibt ja Steven, nur ein paar Songs sind von der gesamten Gruppe komponiert worden. Sind diese Stücke aus Jams entstanden?

Colin: Also, wir hatten auch in der Vergangenheit immer mal Gruppensessions, aber diesmal, beim neuen Album, hatten wir eine Zwei-Wochen-Periode im Studio auf dem Land. Diese war sehr produktiv: fast die gesamte zweite CD und einige der späteren Stücke auf „The Incident“ kamen dabei heraus. Und es ist großartig, zusammen in einem Raum zu spielen. Es kann Morgende geben, an denen quasi nichts passiert: Irgendjemand hatte eine Idee, man arbeitet daran, kommt aber irgendwie nicht weiter. Und dann geht man kurz weg auf eine Tasse Tee, kommt zurück, und sieht, dass jemand eine neue Idee hatte, die einen ganz woanders hinführt. Das ist sehr spannend, denn manchmal hat einer eine ganz einfache Idee, wie irgendeinen Groove oder einen Akkordwechsel, woran wir dann gemeinsam arbeiten und was dann am Ende dabei herauskommt, kann völlig anders sein als das, womit man begonnen hat. Was ich zum Beispiel beigesteuert habe, war die Bassline zu „Flicker“, wovon ich ein Demoband hatte. Ursprünglich sollte da ein Tribal-Drumming drauf, so richtig heavy – und am Ende entstand ein sehr verträumter Song. Das finde ich sehr interessant, weil das in eine Richtung ging, die ich mir vorher nie vorgestellt hätte.
Das meiste von „The Incident“ hatte Steve allerdings schon entwickelt und wir arbeiteten einzeln daran. Auch das kann jedoch interessant sein, denn wie ich vorher schon erwähnte, hatte ich so die Möglichkeit, viele verschiedene Ideen auszuprobieren, auch wenn ich mich natürlich nicht zu weit von der originalen Idee wegbewegte, da es schon etwas gab, worauf Steve bestand. Er wollte nicht, dass wir zu sehr vom Original abweichen und das ist auch okay, weil es schließlich sein Song ist. Um erfolgreich Bass zu spielen, muss man sowieso unterstützend spielen. Das ist für mich kein Problem, ich muss meine Persönlichkeit nicht um jeden Preis durchsetzen.
Aber es ist schwierig zu sagen, ob ich das eine oder das andere besser finde. Es ist sicherlich befriedigender, wenn wir zu viert miteinander arbeiten, aber ich schätze es genauso, wenn jemand eine richtig starke Idee hat, damit weiterzumachen oder Kompromisse einzugehen. Das ist manchmal ebenso ein erfolgreicher Weg.


The-Pit.de: Wie sieht’s denn mit Metalbands aus? Kannst du was empfehlen, was du gerade hörst? Du sagtest ja vorhin, du hast viel Klassik und Jazz gehört – wie ist denn mit Metal?

Colin: Ich mag sehr gerne das extreme Zeug. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Fantomas, wo unter anderem Mike Patton von Faith No More spielt – die ich übrigens ebenfalls sehr schätze und die sich gerade wieder reformiert haben. Ich liebe The Mars Volta – auch wenn das jetzt weniger Metal ist... Hm, was noch? Metal... ich glaube, du hast mich erwischt (lacht). Ich hab zuletzt im Bus nicht so viel Metal gehört... (denkt nach). Oh, Gojira, von denen haben wir eine DVD im Bus.
Es gibt halt so Phasen, wo ich viel Musik höre und welche, wo ich weniger Musik höre. Wenn ich auf Tour bin, tendiere ich dazu, nicht so viel Musik zu hören, weil ich das sowieso schon jeden Abend um die Ohren bekomme (lacht). Auf eine wirkliche Empfehlung kann ich daher jetzt nicht kommen, du bist vielleicht mehr up to date als ich (lacht erneut).


The-Pit.de: Okay, damit bin ich dann auch mit meinen Fragen durch und bedanke mich herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich freue mich schon auf das Konzert.

Colin: Super, vielen Dank. 

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