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Porcupine Tree im Interview (Oktober 2009)

Ein wohlwollender Diktator

Cover von Colin Edwins Soloalbum "Third Vessel"

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The-Pit.de: Okay, dann lass uns doch mal zum neuen Album „The Incident“ kommen. Ich denke, es ist wieder etwas psychedelischer geworden, auch wenn die Metalelemente natürlich immer noch klar durchschimmern. Wie betrachtest du die Scheibe in Bezug auf die gesamte Discographie? Was ist neu, was habt ihr verändert?

Colin: Okay, ich denke, wenn du „psychedelisch“ sagst, meinst du, es ist wieder ein bisschen mehr an der Vergangenheit orientiert... Da stimme ich mit dir überein. Ich finde, es ist die beste Mischung aus unseren neueren Elementen mit dem härteren, Metal-beeinflussten Material und älterem Stoff zum Beispiel aus der „Stupid Dream“-Ära. Ich weiß nicht, ob das eine bewusste Entscheidung war, es war wohl eher so, dass die Dinge sich einfach dahingehend entwickelt haben. Es gibt wohl etwas mehr sanftere Momente als auf den letzten beiden Alben. Ich denke, es ist die kompletteste Repräsentation des Porcupine Tree-Sounds, die es bisher gab. Wenn man sich nur für ein Porcupine Tree-Album entscheiden müsste, sollte man wohl das neue nehmen, denn die anderen gehen vielleicht zu sehr nur in eine Richtung. Ich bin jedenfalls sehr glücklich mit der Platte, ich denke, sie ist wirklich gut geworden.

 
The-Pit.de: Ich meine auch gehört zu haben, dass bald eine weitere DVD herauskommen soll. Habt ihr bereits eine Show gefilmt oder plant ihr noch, das zu tun? Oder gibt’s schon ein Veröffentlichungsdatum?

Colin: Ende letzten Jahres haben wir zwei Shows in Holland gefilmt, in Tilburg. Es handelte sich damals um eine Minitour, hinter der die Idee steckte, Orte abzugrasen, an denen wir bisher noch gar nicht gewesen sind, wie Spanien oder Portugal. Außerdem wollten wir dokumentieren, was wir für „Fear Of A Blank Planet“ getan haben, welches unsere bis dato erfolgreichste und längste Tour gewesen ist. Wir haben also einiges an Material, das gefilmt wurde, und momentan editiert jemand das Ganze, nämlich Lasse (Hoile – Anm. d. Verf.), der bereits einige Cover für uns gemacht und schon einiges zusammengeschnitten hat; ich glaube, ein Video ist auf der Porcupine Tree-Website schon zu sehen.
Der Plan war jedenfalls eigentlich, die DVD schon früher in diesem Jahr herauszubringen, aber es ist schwierig, ein neues Album und etwas aus der Vergangenheit zur gleichen Zeit zu veröffentlichen, da die Presse dazu tendiert, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren. Deswegen entschieden wir uns, die DVD für das nächste Jahr aufzuheben, was einige Leute ein wenig enttäuscht hat, denn manchmal werde ich danach gefragt, aber wir hielten das nun mal für besser. Auch, weil es für Lasse zeitlich schwierig wurde – er hat sich nämlich darauf konzentriert, Filme für unsere neue Show zu machen, und kam daher mit dem Editieren nicht mehr hinterher. So wird sie erst im nächsten Jahr herauskommen, voraussichtlich im April.


The-Pit.de: Na ja, so kann man sich immerhin darauf freuen, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Porcupine Tree-Produkt erscheinen wird... Bevorzugst du es eigentlich, im Studio zu arbeiten oder live zu spielen oder magst du beides gleich gerne?

Colin: Das sind für mich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das Gute am Studio ist, man kann viel ausprobieren. Ich mache sehr viel bei mir zu Hause, da habe ich zehn Bässe, mit denen ich herumprobieren kann, verschiedene Pedale und so weiter. Es hat sich auch so ergeben, dass meine besten Ideen entweder sofort kommen oder zwei Wochen später. Und bei diesem Album hatte ich viel Zeit, um Verschiedenes auszuprobieren und wenn ich das tat, endete ich wieder da, wo ich begonnen hatte – ich ging also durch den gesamten Prozess. Bei einem Track zum Beispiel probierte ich fünf oder sechs Bässe aus und im Endeffekt benutzte ich denselben, den ich auch auf der Demoversion verwendete. Trotzdem war ich froh darüber, die Möglichkeit gehabt zu haben, das alles auszuprobieren.
Im Studio jedenfalls malst du quasi ein Soundbild. Und dieses Bild wird für immer dasselbe sein; wer immer diese Aufnahme hört – sie wird sich niemals ändern, aber jedesmal, wenn du live spielst, auch wenn es derselbe Song ist, ist es jedesmal völlig anders. Man ist an einem anderen Ort, man hat ein anderes Publikum – es kann sein, dass ich die ganze Zeit dasselbe spiele, aber dann vielleicht irgendein Fill am Ende einbaue, was sich unterscheidet, oder es gibt zum Beispiel irgendeinen spontanen Einschub in der Mitte – live und Studio sind also zwei völlig unterschiedliche Dinge.


The-Pit.de: Gut. Steven spielt noch bei Blackfield, No-Man und Bass Communion, Gavin bei King Crimson und jetzt habe ich herausgefunden, dass du gerade ein Soloalbum veröffentlicht hast, das den Titel „Third Vessel“ trägt. Spielst du darauf alle Instrumente?

Colin: So ist es. Ja, das ist so eine Kombination von mir, wie ich etwas Bass spiele, etwas Gitarre, ein bisschen mit Keyboards herumdaddele – ich bin nicht wirklich ein ernsthafter Keyboarder –, es gibt Samples, gesprochene Passagen und so weiter. Zum Konzept, das hinter „Third Vessel“ steckt: Ich fing mit einigen Instrumentalstücken an und dachte, dass da irgendetwas fehlt. Und so als eine Art Experiment versuchte ich... hm, ich rede nicht oft darüber, aber ich hab mich mal mit Poesie beschäftigt und Poesie vorgetragen und zu der Zeit habe ich ein Buch gelesen, welches – das klingt jetzt vielleicht prätentiös, aber ich sage es trotzdem – auf Sufi-Geschichten basiert. Sufismus ist eine islamische Sekte, die eine große, tausende Jahre zurückgehende Tradition in der Geschichtenerzählung hat. Das Besondere an den Geschichten ist, dass sie oberflächlich betrachtet einfach unterhalten, aber an sich können sie auch einen sehr ernsthaften Punkt ’rüberbringen. So ähnlich, wie auch Comedy manchmal einen sehr ernsthaften Punkt ’rüberbringen kann. Allerdings sind das jetzt keine lustigen Geschichten oder Witze, sie sind eigentlich so konstruiert, dass sie einen Punkt haben, den sie vermitteln wollen, was sie mitunter sehr indirekt tun und von daher scheinen sie hin und wieder auch keine richtige Auflösung zu haben.
Jedenfalls: Als eine Art Experiment vertonte ich eine dieser Geschichten und fand dann, dass das ziemlich gut zu den anderen Stücken passte. So gibt es nun fünf Geschichten auf der CD und noch ein bisschen instrumentales Zeug. Ich hatte damals diese Idee von Kommunikation, was sich durch das Album zieht, und fand das sehr interessant: Du kannst jemanden unterhalten oder etwas haben, das sehr leichtgewichtig erscheint, aber einen letztlich doch zum Nachdenken bringen kann.

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