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Phobiatic im Interview (Februar 2018)

"Es ist natürlich ein Unterschied, ob du Berufsmusiker bist und weltweit Gigs spielst oder ob..."

The-Pit.de: Jetzt growlst du ja nicht nur über Blut und Eiter, sondern machst dir durchaus auch politisch Gedanken. Was sagst du zu den Bands, die sich immer als unpolitisch darstellen wollen und geht das überhaupt auch?

Sebastian: Ich finde es vollkommen legitim, wenn Bands keine politischen Themen oder Inhalte haben. Ich finde allerdings, dass die Welt sich sehr verändert hat, die ruhigen Zeiten sind definitiv vorbei. Und die Leute merken, dass die Welt sich verändert. Gerade wenn man mal schaut, was die Leute in den sozialen Medien schreiben, dann merkt man, dass die Menschen sich über allerlei Dinge Sorgen machen. Die Grundstimmung hat sich verändert. Ich würde sogar sagen, dass eine latente Kriegsangst wieder in den Köpfen der Leute ist. Ich habe eigentlich keine politischen Statements oder Messages in meinen Texten, ich drücke eher genau diese Stimmung aus. Meine persönliche Meinung ist auch, dass wir den großen Knall noch erleben werden und das thematisiere ich auf die eine oder andere Weise in meinen Texten.

The-Pit.de: Mit „Scarecrow“ habt ihr es schon deutlich angedeutet, mit „Insomniac“ zieht ihr dann den fetten Groove tatsächlich komplett durch. Wie seht ihr dieses „Experiment“ so im Nachhinein?

Sebastian: Mir gefallen die beiden Songs immer noch sehr gut. „Scarecrow“ spielen wir auch live und wir bekommen auch mit, dass das Publikum den Song hören will. Ich finde schon, dass das einer unserer Trademarks geworden ist. „House In Cleveland“ von der „Fragments Of Flagrancy“ kam ebenso gut an. Und auf der nächsten Scheibe haben wir auch wieder was Ähnliches drauf.

The-Pit.de: Robert hat die Platte auch produziert – kostentechnisch ist das natürlich praktisch, aber fehlt dann nicht vielleicht auch der Input von außen?

Sebastian: Wir müssen die Kosten natürlich gering halten, wenn wir eine neue Platte machen. Das ist ganz normal, wenn man in einer Underground-Band spielt. Anders ist es einfach nicht möglich. Aber das Ergebnis muss sich vor anderen größeren Kapellen nicht verstecken. Ich muss dir aber in gewisser Weise widersprechen, denn der Mix vom Carsten Bennighoff ist geil und das ist dann auch Input von Außen.

The-Pit.de: Kannst du schon in Aussicht stellen, wohin die weitere Entwicklung geht?

Sebastian: Wie bereits erwähnt, die nächste Platte wird wieder sehr abwechslungsreich werden. Wir sind da auch schon sehr weit fortgeschritten. In den nächsten Monaten geht es wieder ins Studio, um Platte vier einzuholzen, sind schon wieder ein paar fette Nummern dabei (und kichert vor sich hin).

The-Pit.de: Wir hatten ja schon beim letzten Mal darüber gesprochen, dass es nicht einfach ist, dauerhaft erfolgreich auf sich aufmerksam zu machen. Wie haltet ihr die Motivation oben?

Sebastian: Ich habe mich vor einiger Zeit mal mit dem Adrie Kloosterwaard von Sinister genau darüber unterhalten, als wir mal zusammen in Holland gespielt haben. Es ist natürlich ein Unterschied, ob du Berufsmusiker bist und weltweit Gigs spielst oder ob du eine reine Underground-Kapelle bist. Das ist in der Tat nicht immer so leicht. Manchmal hast du einfach eine Durststrecke, spielst weniger Gigs, vor kleinerem Publikum etc. Aber wenn du dann wieder diesen einen geilen Gig hast, dann weißt du, warum du das machst. Letztendlich bist du ein Adrenalinjunkie, wenn du in einer Band spielst. Das ist deine Droge, die du brauchst. Und es ist auch ein Ausgleich zum normalen Alltag und Berufsleben. Robert meinte mal auf der Fahrt zum Proberaum zu mir: „Wenn ich keine Musik mehr mache, bin ich wahrscheinlich tot“. Ich glaube, das sagt alles.

The-Pit.de: Nicht mehr lange hin, dann besteht die Band schon seit zehn Jahren. Gibt es da einen kleinen Umtrunk oder wird das wild gefeiert?

Sebastian: Wir wissen es noch nicht. Erstmal machen wir die neue Platte, dann schauen wir weiter.

The-Pit.de: Wie geht es eigentlich mit Warfield Within weiter? Letzter Eintrag auf Facebook ist auch schon weit über ein Jahr her... und der Kontakt war ja auch schon eher eingeschlafen. Sind sie damit eigentlich schon zu Grabe getragen?

Sebastian: Ja, Warfield Within ist definitiv vorbei. Ist natürlich schade, ich werde immer noch regelmäßig darauf angesprochen. War eine geile Band und ich finde die Mucke immer noch geil, aber man muss nach vorne schauen.

Underground bleibt Underground – wie wahr. Aber ist das nicht gerade auch heute mehr denn je wieder ein Markenzeichen? Darf man nicht gerade darauf stolz sein, weil man durch so viel Einsatz reichlich Herzblut verspritzt? Phobiatic sind unangepasst kompromisslos, spielen kilometerweit am Massengeschmack vorbei und sind genau deswegen jedes Tech-Death-metallische Ohr wert.

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