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Perzonal War im Interview (März 2015)

„Man muss ja trotzdem nicht direkt Pussy werden…“

Perzonal War geben sich auch optisch kämpferisch

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Da sitzen wir also im Gernhart Studio in Troisdorf und hören uns die neue Perzonal War-CD „The Last Sunset“, Release am 28. Mai 2015, an. Nach einmaligem Durchlauf ist eine Beurteilung natürlich nicht oder kaum möglich, aber ein paar Fragen drängen sich schon auf. Gut, dass die komplette Band zugegen ist und Frontmann Metti sich auch in dem ganzen Getümmel die Zeit nimmt, Rede und Antwort zu stehen.

The-Pit.de: Hi Metti, ich habe den Eindruck nach dem erstmaligen Hören, dass du den Gesang ein wenig höher als bei den alten Scheiben angelegt hast. Liegt es an den vermehrten Midtempo-Parts oder hat das eine andere Ursache?

Metti: Ich glaube, dass es daran liegen könnte. Wir haben wieder viele Songs auf D-Stimmung gemacht, bei den letzten beiden Platten hatten wir alles in Drop C, also zwei Töne runter. Weil es eigentlich wieder ein bisschen old schooliger werden sollte, sind wir mit der Stimmung hochgegangen, aber die Melodiebreite ist eher ein bisschen mehr geworden als vorher. Vielleicht singe ich deswegen ein bisschen höher. Bei den anderen Dingern war es einfach eine tiefere Grundstimmung. Wo du das jetzt sagst, hast du theoretisch recht, mir selbst ist das gar nicht aufgefallen.

The-Pit.de: Im Grundtenor seid ihr grooviger, seid Midtempo-lastiger geworden, habt aber auch drei schnellere Nummern auf die CD gepackt. War der Soundwechsel eine bewusste Entscheidung?

Metti: Eigentlich war das nicht bewusst. Wir sind bei den letzten Platten von Platte zu Platte immer härter und auch irgendwo technischer geworden und wir haben uns gesagt, dass wir in unserem Härtegrad alles gesagt haben, was wir können. Wir wollten wieder ein bisschen einen Schritt zurückgehen und old schooliger werden, da kamen dann die Midtempo-Sachen einfach bei raus. Wir wollten einfach machen, worauf wir Bock haben, und das ist halt ein bisschen gemäßigter, sag ich mal so.

The-Pit.de: “Never Look Back“ ist dann aber schon ganz schön gemäßigt, weil balladesk…

Metti: …eigentlich reflektiert das ein bisschen meine Lebenssituation. Wir werden alle älter, wir merken, dass jetzt alle erschreckenderweise bei vielen Jubiläen dabei sind, 30 Jahre usw. Da denkst du dir: Das darf doch nicht wahr sein, Scheiße. Wir selbst haben ja nächstes Jahr unser 20jähriges. Ich kann mich noch erinnern, da hatten Iron Maiden ihr zehnjähriges, oder auch Sodom feierten ihr zehnjähriges. Da dachte ich schon: Boah, gibt es die schon lange, das sind ja schon Dinosaurier. Jetzt sind wir selbst bei 20 Jahren, was im Umkehrschluss auch heißt, dass du selbst krasserweise 20 Jahre mehr auf dem Buckel hast. Letzten Endes finde ich aber, dass es geil ist, dass wir noch hier sind und so etwas noch machen können. Deswegen gucken wir weiter nach vorne, auch wenn wir schon so viele Jahre hinter uns haben.

The-Pit.de: Eure Fans würden euch gerne mehr an der Livefront erleben, denn nach der Releaseshow der „Caprice Breeding“ habt ihr euch schon ein wenig rar gemacht. Was tut sich da als Planung auf?

Metti: Da hast du völlig Recht, das sehe ich genauso. Das Problem ist einfach, dass wir wirklich ein Zeitproblem haben. Ich habe mittlerweile zwei Kinder, ein Haus und bin selbstständig. Martin ackert hier im Studio wie bescheuert. Da ist dann wirklich die Sache, was man zeitlich auf die Kette bekommt. Wir hatten uns auch schon gesagt, dass wir die letzten fünf, sechs Jahre im Verhältnis zu früher wirklich wenig gemacht haben. Es werden aber auch wieder Zeiten kommen, wo wir mehr Zeit haben, wenn die Kinder etwas größer sind, wenn du aus dem Gröbsten wieder raus bist. Ich glaube, dass es wichtig ist, in dieser Zeit einfach auch am Ball zu bleiben, weiterhin Sachen zu machen, um nachher wieder besser ankurbeln zu können, dass wir wieder mehr Platten aufnehmen und auch mehr live spielen. Wenn man zehn Jahre raus ist, dann ist man weg vom Fenster, dann bekommst du den Arsch nicht mehr hoch. Man merkt ja selbst, dass es immer schwieriger wird, aktiv zu sein, auf Konzerte zu gehen, selbst was zu machen. Es wird die Zeit kommen, wo wir mehr machen, aber wann es genau sein wird, weiß ich nicht. Wir haben schon ein paar Livepläne für dieses Jahr und hoffen, dass wir ein bisschen was an den Start kriegen, müssen aber sehen, was wir letzten Endes auf die Kette kriegen.

The-Pit.de: Ich finde die Parallelen ein wenig lustig. Contradiction gehen auf ihrer neuen Platte „The Origin Of Violence“ gemäßigter ran, ihr halt auch, nur Cripper ballern wie verrückt weiter…

Metti: Ich sag mal so: Was mir in der Szene ein bisschen fehlt, das sind die ganzen Bands, die so einen geilen melodischen Thrash Metal wie früher machen, wie Death Angel, Testament, usw. Wo sind diese Bands hin, die schnelle Tracks mit groovigen Parts und melodischem Gesang verbinden? Wenn du dir alte Megadeth oder alte Anthrax anhörst, das war ja trotzdem super melodisch und trotzdem Thrash. Ich finde, so etwas spielt keiner mehr. Diese neue Welle, die kommt, die ist eben anders retro, zumindest denke ich so. Es fehlt vielen diese Kombination aus Melodie und trotzdem nicht ausgewimpt sein.

The-Pit.de: Denkst du, dass heute mehr denn je eher technisches Vermögen vor gefühlvollem Gitarrenspiel steht?

Metti: Der Grund, warum die Platte überhaupt so geworden ist, liegt daran, weil wir an sich gesagt haben, dass wir mit den letzten beiden Platten ziemlich technisch geworden sind. Aber letztes Endes ist das nicht unsere Stärke. Wir können solche Sachen zwar machen, aber es gibt Bands, die können es einfach besser. Und auch in Sachen Härte gibt es einfach Bands, die besser screamen, besser auf die Glocke sind. Was uns eigentlich von Anfang ausgemacht hat, ist die Mischung aus Thrash und Melodie. Ich kann melodische Sachen auch singen. Da haben wir uns gedacht, warum wir das eigentlich nicht machen sollen. Man muss ja trotzdem nicht direkt Pussy werden, man kann ja trotzdem diesen Spagat wagen. Beweisen müssen wir es ja auch keinem mehr, wir sind ja auch nächstes Jahr schon 20 Jahre dabei, was allein schon krass ist. Und irgendwie hast du trotzdem den Drang, dass man noch schneller, noch härter spielen kann, gerade weil man älter wird und erst recht Bock hat, die Sau herauszulassen. Das haben wir bisher auch kontinuierlich gemacht, jetzt aber haben wir uns gefragt: Warum muss das eigentlich sein? Es ist doch eigentlich viel geiler, die für sich coolste Musik zu machen, und genau das ist „The Last Sunset“.

The-Pit.de: Was sagst du denn zur heutigen Veranstaltung. Es ist gut voll hier, die Stimmung ist gelöst. Wie kommt das bei euch an?

Metti: Bisher gefällt es mir sehr gut. Es ist auch noch keiner abgehauen, was vielleicht daran liegt, dass die Türen abgeschlossen waren. Nein, ich find es super, es scheint die Platte auch keiner kacke zu finden. Man sieht wieder viele bekannte Leute, was mich echt freut. Alles super bisher.

Die Vorfreude auf ein neues Perzonal War-Album war ohnehin schon groß und man darf durchaus gespannt sein, wie sich „The Last Sunset“ dann im heimischen Dauerfeuer schlägt. Darauf müssen wir alle noch ein bisschen warten, aber der erste Lauschangriff zeigte schon auf, dass sich das Warten auch lohnen kann.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann