Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Pain Of Salvation im Interview (Oktober 2010)

Ohne Salz geht gar nichts

Ein Bild fürs Fotoalbum, an dem sich auch die Enkel noch erfreuen können: Unsere Toni mit dem Frontmann von Pain Of Salvation

Zum Thema

The-Pit.de: Da das Album „Road Salt One“ heißt, wird es auch ein „Road Salt Two“ geben?

Daniel: Ja.


The-Pit.de: Das macht natürlich Sinn. Um mal auf ein älteres Album zurückzukommen: Mein Eindruck ist, dass „Remedy Lane“ deine persönlichste Platte ist. Es scheint mir jedenfalls sehr autobiographisch zu sein.

Daniel: Hm, das ist so eine weitere Sache mit „Road Salt“: Vor dieser Scheibe tendierte ich dazu, auf alles, was ich tat, von einem kreativen Standpunkt aus fiktional oder autobiographisch zu blicken. Aber über die Jahre hinweg kam ich schließlich zu der Erkenntnis, dass es keine Fiktion in dem Sinne gibt, denn für jedwede Fiktion benutzt man sich selbst, denn man filtert alles durch sich selbst, was bedeutet, jede Fiktion ist eine Autobiographie in Verkleidung. Und dasselbe gilt für Autobiographien, denn alles, was man tut, was autobiographisch ist, wird überarbeitet und man trifft eine Auswahl, so dass es letztlich gewissermaßen eine fiktionale Story, basierend auf etwas Realem wird. Das habe ich bei einem neuen Album immer mit mir selbst ausgefochten – ob es eine fiktionale oder eine autobiographische Geschichte wird. Bei „Road Salt“ aber habe ich mich entschieden, diese Grenzen zu ignorieren. Dass ich autobiographisch sein kann, wenn mir danach ist, und wenn ich merkte, die Story wäre auf diese oder jene Art besser, könnte ich sie justieren oder umkehren – das hat mich nicht wirklich gekümmert, ich würde einfach Anhaltspunkte aus beiden Seiten einbringen. Ich habe diese Unterschiede sozusagen einfach aufgegeben.
Ich dachte, „Remedy Lane“ wäre autobiographisch, aber heute sehe ich, dass, wenn man an den Sachen etwas herumbastelt und eine Auswahl trifft, man das fiktionale Selbst abdecken kann, in gewisser Weise.


The-Pit.de: Das ist eine interessante Betrachtungsweise. Wo wir vorhin von zweiten Teilen sprechen, wird es auch ein „The Perfect Element Part 2“ geben?

Daniel: „Scarsick“ ist eigentlich „The Perfect Element Part 2“. Wenn du dir die Innenseite des Booklets anschaust, siehst du, dass da „The Perfect Element Part 2“ steht. (Notiz an mich selbst (David): Nächstes Mal keine dummen Fragen stellen, sondern wenigstens bei Wikipedia gucken, wenn man schon das Original nicht hat. – Anm. d. Verf.)


The-Pit.de: Könntest du dir vorstellen, noch einmal so etwas wie „12:5“ zu machen?

Daniel: Ja, auf jeden Fall, das hat Spaß gebracht und mir sehr gefallen. Ich schätze, InsideOut wären nicht allzu begeistert von dieser Idee; bei „12:5“ und „BE“ sagten sie nur: „Warum, Daniel, warum?“


The-Pit.de: „BE“ ist überhaupt so ein Album, von dem viele Fans dachten, dass es ein bisschen zu viel des Guten sei.

Daniel (lacht): Natürlich, absolut, das war ja auch praktisch die ganze Idee dahinter. Man muss dabei bedenken, dass es als Bühnenproduktion angelegt war, eine Art Theaterstück. Es funktioniert auf der Bühne völlig anders, weil alles viel melodramatischer ist.


The-Pit.de: Ich meinte jetzt aber auch das Album an sich (zur Information: Es gab neben der eigentlichen CD „BE“ noch eine opulente Live-DVD des (über)ambitionierten Werkes, auf der Daniel mit verschiedenen Verkleidungen etc. auftritt – Anm. d. Verf.), weil da doch sehr viel auf den Hörer einströmt, mit den ganzen gesprochenen Sequenzen und so weiter.

Daniel: Ja, aber ich denke, auf der Bühne funktioniert das sogar eher noch besser, da man sich umziehen kann, während zum Beispiel die gesprochenen Passagen kommen – während man beim Album nur das Gesprochene wahrnimmt.


The-Pit.de: Na gut. – Ich weiß, dass das jetzt eine ziemliche Standardfrage ist, aber: Hast du unter den Songs auf dem neuen Album einen Favoriten?

Daniel: Ich denke, die meisten meiner Lieblingssongs auf der neuen Scheibe sind hauptsächlich in der ersten Hälfte zu finden; die für die meisten Hörer wohl eher untypischen Pain Of Salvation-Songs. Mit jedem neuen Album aber hat man so viel Zeit verbracht, dass, wenn es herauskommt, man jedes Stück schon tausendmal gehört und daher das Gefühl hat, man kann einige Tracks erst nach zwei oder drei Jahren das nächste Mal wieder hören. Meine Frau treibe ich manchmal in den Wahnsinn damit, dass ich mich ständig mit irgendwelchen kleinen Details aufhalte. Aber es gibt auch Songs, die immer noch richtig gut sind, und einer davon, den ich immer wieder hören kann, ist „Tell Me You Don’t Know“, der als ganz kleine Sache anfing, wenn man so will. Ich war gerade dabei, einen anderen Track in unserem kleinen Proberaum zu mixen – wir haben einen kleinen Proberaum, in dem ich mixe, und einen größeren – und ich ging in den größeren, weil ich Equipment davon brauchte, und fing dann an, Akustikgitarre zu spielen, genauer eine Dobrogitarre, und ging dabei von einem Raum zum anderen und fertigte dabei diesen Song an, schrieb die Lyrics und so weiter. Eigentlich sollte ich den anderen Track mixen, dachte aber: Hm, irgendwie habr ich das Gefühl, ich sollte lieber das hier jetzt aufnehmen, was ich dann auch tat. Und zu dem Zeitpunkt war es so nach dem Motto: Ja, es war ganz lustig, aber letzten Endes entpuppte es sich als der Song, der sozusagen über Monate hinweg überlebte und immer noch einer meiner Favoriten ist. Ansonsten aber mag ich noch zum Beispiel „No Way“ oder natürlich „Sleeping Under The Stars“ und „She Likes To Hide“.

Seite
comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging