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Pain Of Salvation im Interview (Oktober 2010)

Ohne Salz geht gar nichts

Allüren sind für den sympathischen Sänger ein Fremdwort

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Dass Schweden eines der wichtigsten Metalländer der Welt ist, das einige der erfolgreichsten, besten und innovativsten Bands unserer Lieblingsmusik hervorgebracht hat, dürfte wohl jedem bekannt sein. Pain Of Salvation aus Eskilstuna wiederum gehören zweifellos zur Speerspitze, klingt doch jedes ihrer Alben deutlich anders als das jeweils vorangegangene, obwohl diese einzigartige Band stets herauszuhören ist. Gerade die neue Scheibe „Road Salt One“ markiert wieder einen deutlichen Einschnitt in der Discographie des Quintetts. Als ob dies nicht schon genug wäre, glänzt man außerdem mit tiefgängigen, teils philosophisch angehauchten Texten, wo andere nur mit platten Klischees um sich werfen. Wir von The-Pit.de bekamen die Gelegenheit, mit Bandleader Daniel Gildenlöw im Rahmen der Show in Hamburg von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das für 18:30 Uhr angesetzte Interview wurde zwar immer weiter nach hinten verschoben und fand letztlich erst um 19:50 Uhr statt, doch von Rockstar-Allüren kann bei dem 37-jährigen Gitarristen und Sänger trotzdem keine Rede sein – im Gegenteil: Der POS-Mastermind entpuppte sich als äußerst sympathischer und umgänglicher Zeitgenosse, der unsere Fragen ausführlich beantwortete.


The-Pit.de: Hi Daniel, es freut mich, dich zu treffen. Zunächst würde ich erst einmal gerne wissen, wie es dazu kam, dass du angefangen hast, Gitarre zu spielen.

Daniel: Nun ja, bei den Bands, die ich damals hörte, gefiel mir der Gitarrist immer am meisten und daher fing ich an, Gitarre zu spielen. Und im Alter von neun Jahren kann man in Schweden ein Instrument wählen, das man umsonst spielen kann; allerdings sagte man uns, es sei besser, Gitarre, Klavier und Schlagzeug zu vermeiden, da es schwierig wäre, da heranzukommen, weil das jeder will. Also wählte ich Gitarre, Klavier und Schlagzeug (lacht). Und ich bekam eine Gitarre.


The-Pit.de: Du hast die Band bereits mit elf Jahren gegründet. Das ist verdammt früh!

Daniel: Stimmt, aber das war mir damals nicht bewusst. Ich wollte einfach nur eine Band haben.


The-Pit.de: Und hast du dir das Gitarrespielen selbst beigebracht oder hast du das an irgendeiner Musikschule gelernt?

Daniel: Na ja, an der Schule hat man vor allem Akustikgitarre gelernt, was sich sehr stark von der E-Gitarre unterscheidet. Von daher habe ich mir, was die E-Gitarre angeht, das eigentlich hauptsächlich selbst beigebracht. Bis zum Alter von 13 oder 14 habe ich Akustikgitarre gelernt, dann hatte ich auch einen E-Gitarren-Lehrer. Aber zunächst habe ich den anderen in der Band gezeigt, wie sie ihre Instrumente spielen sollen und als ich etwa 14 war, haben wir den anderen Gitarristen gegen Daniel (Magdic – Anm. d. Verf.) ausgetauscht, der auch auf dem ersten Album von 1997 („Entropia“ – Anm. d. Verf.) spielt. Dieser hatte zwei ältere Brüder, die ebenfalls Gitarre spielten und von denen er die ganzen Rocksachen lernte. Wir haben uns also das meiste gegenseitig beigebracht.


The-Pit.de: Und den Gesang hast du dir auch selbst beigebracht? Ich meine, dein Stimmumfang ist ja schon beeindruckend.

Daniel: Das ist im Prinzip dasselbe gewesen. Ich habe schlichtweg deswegen angefangen zu singen, weil ich sonst niemanden kannte, der das tat. Und als ich elf war, dachte ich immer, Mädchen wären diejenigen, die singen sollten und Jungs könnten zwar singen, aber müssten dies nicht unbedingt tun. Und da ich wie gesagt niemanden kannte, der singen konnte, musste ich es halt selbst machen. Was den Stimmumfang angeht, so kam dieser sicherlich nicht aus einer natürlichen Veranlagung heraus, sondern deswegen, weil ich sehr früh mit dem Singen anfing und meine Grenzen immer wieder gepusht und ausgelotet habe.


The-Pit.de: Okay. Jedes eurer Alben klingt sehr einzigartig. Gerade das neue hat einen total anderen Sound im Vergleich zu den anderen, aber auch einschneidende musikalische Veränderungen. Es klingt völlig anders als alles, was ihr bisher veröffentlicht habt, obwohl man selbstverständlich immer noch dieselbe Band heraushört. Und da die Veränderung auf „Road Salt One“ doch ziemlich deutlich ist – wie kam das?

Daniel: Nun, ich muss sagen, dieser moderne Sound hat mich wirklich ziemlich angekotzt. Mit jedem neuen Jahr wird die Musik immer statischer, kälter und langweiliger; zum Beispiel durch getriggerte Drums oder Auto-Tuning beim Gesang. Es ist schwierig, überhaupt die Musik zu hören, weil es unmöglich ist zu bestimmen, ob zum Beispiel der Drummer gut ist oder nicht, weil man nicht das Spielen hört, sondern nur den Sound; alles ist so steril und nachkorrigiert. Und es fiel mir auf, wenn ich meinen Weg zur Musik ergründe - Musik, die mich berührt, die mich packt -, endete ich meistens bei den späten Sechzigern und Mitte der Siebziger, was sicherlich damit zusammenhängt, dass man damals quasi eine neue Art des Aufnehmens gefunden hatte. Man war an dem Punkt angelangt, wo man mit mehreren Kanälen aufnehmen und verschiedene Sounds isolieren konnte, aber trotzdem nicht alles mit Effekten abtötete. Und wenn man Effekte verwendete, dann nur, um einen besonderen Vibe zu erzeugen.

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