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Opeth im Interview (Dezember 2012)

Anders als die anderen

Opeth-Mastermind Mikael Åkerfeldt

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The-Pit.de: Kommen wir aber zu eurer aktuellen Scheibe: Auf „Heritage“ gibt es bekanntermaßen keine Growls. Wie darf man sich da den Entstehungsprozess vorstellen – kam Mike irgendwann zu euch und meinte: Ich habe im Moment keinen Bock auf Growls?

Fredrik: Zunächst hatte er schon vorher eine andere Herangehensweise an den Gitarrensound. Wir wollten bei den heavieren Riffs lieber den Hals-Pickup verwenden, um einen dreckigeren Sound zu bekommen, eher rockig als metallisch. Und dann sagte er, dass auf dem Album möglicherweise keine Growls sein würden; er meinte: „Es gibt für mich keinen Grund, Growls zu verwenden, wenn der Song diese nicht unbedingt braucht“ – denn es sei cheesy, wenn man sie nur deswegen einbaut, damit sie eben da sind. Ich denke, das macht auch Sinn, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis ich mich daran gewöhnt habe, dass diesmal eben keine Death-Metal-Vocals dabei sein würden. Dafür, finde ich, entwickelt Mike seinen klaren Gesang mehr und mehr. Mit jedem Album scheint er ein neues Level zu erreichen; auf „Heritage“ hat er den Gesang zum Beispiel leicht verzerrt, sonst war er immer sehr sanft, hier hört er sich mitunter etwas kratziger an. Na ja, wie gesagt, es brauchte auch bei mir eine Weile, mich daran zu gewöhnen, aber ich bin sehr stolz auf das Album und denke, es ist sehr gut geworden. Natürlich ist es völlig anders und ich kann verstehen, wenn Old-School-Fans nicht zufrieden sind, auf der anderen Seite mögen aber auch viele Opeth-Fans die Platte, es dauert eben nur etwas länger, sich daran zu gewöhnen.

The-Pit.de: Es ist nur konsequent und durchaus mutig, die Sache dann auch durchzuziehen.

Fredrik: Ja, es ist gewagt und es ist nicht kommerziell. Es ist schließlich nicht so, dass wir jetzt ein Popalbum vorgelegt hätten – es ist immer noch sehr dunkel und beinhaltet nichts, das unter die Top ten der meistgespielten Radiohits passen würde. Ich glaube, dass wir mit der Scheibe immer noch unsere Integrität gewahrt haben; wir folgen keinen Trends und machen, was wir wollen.

The-Pit.de: Auf der letzten Tour habt ihr entsprechend sogar das ganze Set über nur Stücke ohne Growling gespielt.

Fredrik: Ja, es war gar nicht so leicht, da eine Liste zusammenzustellen. Wir mussten natürlich auch ältere Songs ohne Growls finden – mit der Setlist haben wir es auf die Spitze getrieben. Das auch auf der jetzt stattfindenden Tour noch einmal zu machen, wäre jedoch langweilig gewesen. Nun ja, vielleicht nicht langweilig, denn ich will nicht sagen, dass die Tour letztes Jahr langweilig war, aber hätten wir das jetzt wieder gemacht, hätten wir uns selbst wiederholt – deshalb spielen wir nun auch wieder jede Menge heftigen Scheiß.

The-Pit.de: Ich habe auch gehört, dass Mike vor „Heritage“ bereits ein oder zwei typische Opeth-Nummern mit Growls komponiert hatte, aber dann zu dem Schluss kam, dass ihm das momentan keinen Spaß bringt und kurzerhand alles weggeschmissen hat.

Fredrik: Ja, ich habe diese Riffs gehört, da war ich gerade bei ihm zu Hause. Und ich fand toll, was ich da zu hören bekam, Martin Mendez dagegen war nicht so begeistert und schlussendlich hat Mike dann alles gelöscht. Ein paar Riffs dieser Stücke wurden allerdings auch auf dem neuen Album untergebracht, zum Beispiel am Anfang von „Häxprocess“; wenn auch anders gespielt, ist diese Tonfolge immerhin erhalten geblieben. Aber Mendez hatte vermutlich recht damals und Mike wusste auch schon vor dem Schreiben, dass er diesmal etwas anderes machen wollte. Er hat sogar mal erwähnt, dass die Band möglicherweise sonst gar nicht mehr existieren würde – wir mussten einfach etwas anderes machen. Er hatte die Death-Metal-Vocals auf ein bestimmtes Level gebracht und es war letztlich nicht mehr möglich, diese noch weiterzuentwickeln. Bei Opeth geht es nicht darum, Alben herauszubringen, um ein Business aufrechtzuerhalten. Es ist ein großes Business, aber so denken wir nicht, es muss etwas Einzigartiges sein. Genug andere Bands bringen immer nur mehr oder wenige dasselbe Album heraus und das wollen wir nicht.

The-Pit.de: So wie meinetwegen AC/DC, die trotzdem eine coole Band sind.

Fredrik: Schon und ich kann das ja auch verstehen. Wenn Judas Priest ein neues Album herausbringen, bin ich immerhin auch einer, der dann gerne eine klassische Priest-Platte haben will. Trotzdem möchten wir lieber unvorhersehbar sein und der typische Opeth-Sound ist denke ich auch auf „Heritage“ immer noch hörbar.

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