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Nucleus Torn im Interview (März 2008)

Vier Stücke namens "Knell"
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Im Zuge des gerade veröffentlichten zweiten Teils einer Trilogie, erteilte mir Nucleus-Torn-Mastermind Fredy Schnyder, der sich als äußerst angenehmer Gesprächspartner entpuppte, etliche interessante Details zum Album "Knell", zum lyrischen Konzept, zur Band und zu seinen Einflüssen.

 

The-Pit.de: Hallo, hier ist David von The-Pit.de. Zunächst mal die Frage: Wie war denn der Urlaub?

 

Fredy: Sehr gut, danke der Nachfrage.

 

The-Pit.de: Das hört sich doch gut an, dann können wir ja gleich zur Musik übergehen. Ich hab ja euer Album „Knell“ rezensiert und fand es sehr beeindruckend, muss ich sagen. Es erschien mir ziemlich visionär, zumal es ja Teil einer Trilogie darstellt. Es enthält nur vier Stücke, die teilweise ziemlich lang und episch sind und deswegen wäre meine erste „richtige“ Frage, ob du diese Vision schon länger vor Augen hattest und ob du möglicherweise die Band auch deswegen gegründet hast, um diese Vision umsetzen zu können?

 

Fredy: In gewisser Hinsicht schon. Denn wenn man zurückschaut, wird man merken, dass die ältesten Ideen auf „Knell“ bereits 1997 entstanden sind. Und auch viele andere Ideen stammen aus den Jahren 1998 – 2001. Insofern ist „Knell“ ein gewisses Erarbeiten von Material, das man als Musiker gesammelt, aber nicht verwendet hat, weil man den Rahmen dazu bisher nicht hatte. Auf einer künstlerischen Ebene könnte man sicherlich sagen, dass „Knell“ der Versuch war, diesen Ideen Raum zu geben, ein Konzept zu kreieren, in dem diese Ideen dann verwendet werden konnten und da hat sich dann diese Riesenstruktur ergeben, was ursprünglich nicht geplant war und plötzlich ergab sich da diese 56-minütige Riesenwelt aus vier Stücken. Im Endeffekt waren diese alten Ideen, die wir ursprünglich verarbeiten wollten, nur die Grundlage für einen weitaus größeren kreativen Prozess. Zum Beispiel sollte das Stück III eigentlich nur 12 Minuten lang werden; eigentlich wollte ich aus den Stücken I und III eine Episode machen, etwa 20, 25 Minuten lang und wenn du es dir jetzt III anschaust, ist es fast 30 Minuten lang geworden. Ich hab mich einfach intensiv mit dem Material beschäftigt, sodass es schließlich eine Eigendynamik entwickelt hat, die so nicht vorauszusehen war und es war schon spannend zu sehen, wie nach „Nihil“ eine Energie, eine Perspektive da war, über alle Strenge zu schlagen und genau das ist dann auch passiert.

 

The-Pit.de: Gibt es denn auch ein lyrisches Konzept zu dem Ganzen? Auf euer Internetseite habe ich nämlich keine Texte gefunden.

 

Fredy: Könnten wir eigentlich mal reinstellen, hast du recht. – Es gibt sicherlich ein textliches Konzept und das Spannende ist eigentlich, dass ich nie geplant habe, eine Trilogie zu machen. Ich hab „Nihil“ eigentlich als Fragment geschrieben und im Endeffekt gab es diesen Bogenschlag über verschiedenste musikalische Stile und auch über Stimmungen hinweg. Ich denke, „Nihil“ ist – bei aller Diversität verschiedener Einflüsse – ein extrem homogenes Album und die Texte hab ich dann auch ähnlich fragmentarisch verfasst, aber irgendwie habe ich den Eindruck, die Texte wollen mir aus dem Unterbewusstsein heraus etwas sagen und dann entstand die Idee, diese Texte weiter zu verfolgen, diese Stimmungen, diese Bilder – und in dem Moment war das Konzept von „Knell“ geboren. Ich habe einfach geschaut, was sich daraus ergibt und plötzlich hatte ich eine Art Geschichte und die habe ich dann auf „Knell“ ziemlich konsequent umzusetzen versucht. 30 bis 40 Prozent der Texte auf „Knell“ existierten bereits in einer Rohfassung, bevor ich das musikalische Konzept begonnen habe auszuarbeiten.

Und zum lyrischen Inhalt selber: „Nihil“ ist wie gesagt diese Ansammlung von Fragmenten und Bildern geblieben, weil ich noch nicht wusste, wohin ich überhaupt gehen möchte. Man hat Bilder, man hat Ideen, aber sie wollen etwas sagen. Auf „Nihil“ findet man zwei Charaktere, die in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen, die aber durch eine Art, ich sag mal, Weltenbrand auseinander getrieben werden und einer der beiden steht dann tatsächlich am Ende des Albums und „Knell“ befasst sich auf einer sehr metaphorischen Ebene mit einer Art Seelenwanderung des zweiten Charakters, der sich auf die Suche nach der anderen Person macht. Eine sehr bildliche Wanderung, manche würden sie vielleicht naturmystisch nennen, und die führt diese zweite Person durch verschiedenste Orte und Stimmungen usw.

 

 

The-Pit.de: Stimmungen sind wirklich viele auszumachen und Bilder entstehen beim Hören quasi von selbst, allein schon durch die unglaubliche Dynamik, was ich sehr interessant fand: Mal brachiale E-Gitarren-Wände, mal akustische, ruhige Parts, was die verschiedenen Einflüsse beweist. Man merkt, dass du vor allem auch ziemlich viele klassische Einflüsse hast, gerade in so etwas neoklassisch Angehauchtem wie Stück IV mit seinen außergewöhnlichen Intervallsprüngen und Skalen.

 

Fredy: Ich bin in erster Linie auch klassischer Musiker. Natürlich bin ich auch Rockmusiker, aber in erster Linie eben klassischer Musiker. Ich hab mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu lernen – das prägt einen, wahrscheinlich bis ans Ende des Lebens. Ich habe an mehreren Instrumenten eine klassische Ausbildung, ich höre sehr gerne klassische Musik, ich benutze Notenmaterial. Das Stück IV wurde Ton für Ton in Noten aufgeschrieben, ebenso die letzten 15, 20 Minuten von III; zu 80 Prozent oder noch mehr ist sogar alles in Partitur aufgeschrieben. Ich verwende klassische Formen von Themenentwicklung, was mir ermöglicht, für diese diversen Einfälle auch gewisse Formen zu finden. Andere Musiker würden eben die Form eines klassischen Pop- oder Rocksongs wählen; Opeth wählen eine ganz komische Art von Form; einfach eine Ideenaneinanderreihung, die aber dann doch irgendwie einen natürlichen Song ergibt und ich persönlich orientiere mich halt an diesen klassischen Modellen.

 

The-Pit.de: Also ich mag ja auch sehr gerne Klassik und gehe nach wie vor gerne in die Oper und auf Konzerte – was sind denn so deine Lieblingskomponisten? Oder was hat dich am meisten beeinflusst?

 

Fredy: Das geht querbeet. Von mittelalterlicher Musik bis zu extremem Metal. Ich mache gar keinen großen Unterschied zwischen Stilen. Wenn Musik berührt, dann ist es okay. Dann interessiert es mich auch nicht, ob das virtuos gespielt ist oder ob der Komponist eine Riesenahnung hat, das ist absolut sekundär. Aber um zurück zur klassischen Musik zu kommen: Ich kann mich genauso für die Renaissancemusik begeistern wie für Skrjabin oder Mahler oder auch andere Komponisten des 20. Jahrhunderts; ich denke, Béla Bártok und Alfred Schnittger gehören da zu den wichtigsten Leuten, die ich nennen sollte. Aber als Jugendlicher habe ich viel Beethoven gespielt und auch das begeistert mich wie am ersten Tag. Oder letztens habe ich wieder eine Mozart-Messe an der Orgel begleitet und auch das war ein wunderbares Erlebnis, wo ich wieder eine neue Seite an Mozart kennengelernt habe.

 

The-Pit.de: Könntest du dir eigentlich vorstellen, „Knell“ auch live umzusetzen? Du spielst ja den Großteil der Instrumente...

 

Fredy: Das wäre eine tolle Sache. Die Frage ist: Wie führen wir es auf? – Was ziemlich wahrscheinlich ist, ist, dass wir irgendwann als Quartett oder Quintett eine akustische Aufführung spielen werden. Dazu ist allerdings nötig, dass wir noch etwas mehr Material, also ein paar Alben mehr haben, damit sich so eine Aufführung lohnt. Wir haben eigentlich bereits mit dem Proben angefangen, das Problem ist aber, dass wir seit einem halben Jahr ziemlich weit auseinander wohnen, auch für Schweizer Verhältnisse. Trotzdem laufen die Planungen und wir hoffen, dass wir da bald was auf die Beine stellen können, wie gesagt, akustisch als Quartett oder Quintett. – Der große Traum wäre natürlich schon, das Ganze quasi mit klassischem Ensemble plus Rockband live aufzuführen, aber dann bräuchten wir schon drei, vier zusätzliche Musiker, die dann meine Parts eben auch lernen müssten. Dann wären wir schon etwa zu elft auf der Bühne und außerdem bei so vielen Leuten gemeinsame Probetermine zu finden, einen entsprechenden Proberaum und eine Location, die genügend Raum für uns bietet – da bin ich doch sehr skeptisch, ob das jemals umsetzbar wäre. Natürlich wäre es möglich, aber dazu müssten Nucleus Torn sicher noch etwas größer werden.

 

The-Pit.de: Außerdem will man ja sicherlich auch, dass alles zu 100 Prozent klappt, wenn man ein solches Werk zum ersten Mal aufführt.

 

Fredy: Du bringst es auf den Punkt. Wir haben sicherlich einen gewissen Standard mit diesen beiden Alben vorgelegt – ob perfekt oder nicht, das muss ich zum Glück nicht selbst beurteilen, aber ich bin zumindest zufrieden damit. Aber wenn du quasi nicht eine Liveband bist, die zum ersten Mal ins Studio geht, sondern umgekehrt – da sind die Probleme einfach riesig. – Ich meine, Porcupine Tree waren damals etwas völlig anderes, als sie auf die Bühne gingen. Sie hatten eine recht simple Musik, als Steven Wilson noch alles alleine gemacht hat. Es war keine Hexerei, Musiker zu finden, die das auch live umsetzen konnten.

 

The-Pit.de: Porcupine Tree sind eine meiner absoluten Lieblingsbands und live nach meiner Erfahrung sehr beeindruckend, muss ich sagen. Inzwischen sind die Arrangements von denen ja auch recht komplex geworden und das setzen sie live auf jeden Fall immer ziemlich gut um.

 

Fredy: Ja, phantastische Musiker, die wissen genau, was sie wollen. Aber die haben ja auch schon vor „Signify“ live gespielt, was glaube ich ’96 erschienen ist, also hatten die ja sehr lange Zeit, sich aneinander zu gewöhnen.

 

The-Pit.de: Ja, das stimmt. – Aber um auf euer Album zurückzukommen: Was mir noch aufgefallen ist: Direkt am Anfang, wo es ja eher ruhig zugeht, kommt gleich darauf ziemlich abrupt eine brachiale Passage und da hab ich mir die Frage gestellt – da die Musik ja auch ziemlich düster ist – ob ihr euch eigentlich irgendwann auch Growls vorstellen könnt.

 

Fredy: Gute Frage. Die wird mir immer mal wieder gestellt und interessanterweise wünschen sich das auch ziemlich viele Leute. Viele Leute kritisieren den Gesang unseres Sängers, weil er eben clean ist und bei mir provoziert das so eine gewisse Verweigerungshaltung, denn ich wollte Nucleus Torn eigentlich immer ausschließlich mit cleanem Gesang machen, weil ich das menschliche Element doch immer ein bisschen mehr herausstellen wollte, denn die Growls und auch die Black-Metal-Schreie haben ja etwas sehr Unmenschliches und ich möchte Nucleus Torn fast schon übertrieben menschlich halten; zumindest den Gesang. Was das Umfeld betrifft, die Umwelt, in der sich diese Leute bewegen, das ist dagegen völlig feindlich, völlig anti-menschlich. Hör dir mal diese Welten auf „Knell“ an – also ich möchte da nicht sein! Das ist sehr stürmisch, quasi wie eine Naturkatastrophe, eine Welt, die sich geradezu gegen die Menschheit verschworen hat. Und als Gegenpol haben wir eben diese Menschen, die mit einer natürlichen Stimme darüber singen, was mit ihnen vorgeht. Musikalisch könnte ich Growls zwar nachvollziehen, aber es ist nicht das, was ich mit Nucleus Torn erreichen möchte.

Und das nächste Album „Andromeda Waiting“, der Abschluss der Trilogie, wird wesentlich ruhiger sein als „Knell“ und ich könnte mir vorstellen, dass dann vielen Leuten auch klar wird, warum wir nie auf die Growl-Schiene aufgesprungen sind.

 

 

The-Pit.de: Sollte jetzt auch nicht unbedingt Kritik sein, sondern nur eine Frage. Grundsätzlich finde ich es auch gar nicht so schlecht, weil man gerade in der Gothic-Szene ja im Moment Standard-mäßig einen Grunzer hat und eine Frau, die normal singt; insofern ist das in gewisser Weise auch mal etwas Abwechslung – auch wenn ihr mit Gothic jetzt eher weniger zu tun habt.

 

Fredy: Da bin ich froh, dass du das so siehst! Im Moment machen das quasi alle so – und manche machen es ja auch richtig gut –, insofern wäre es schade, wenn wir da nur den Standard kopieren würden.

 

The-Pit.de: Stimmt. Aber mal was ganz anderes: Ich würde gerne mal wissen, warum die Songs eigentlich nur die Bezeichnungen I-IV haben und keine richtigen Titel?

 

Fredy: Vielleicht hast du ja schon von der „Krähenkönigin“-Mini-CD gehört, die ich 1998 aufgenommen habe?

 

The-Pit.de: Die habe ich noch nicht gehört, muss ich zu meiner Schande gestehen...

 

Fredy: In einem halben Jahr werden Prophecy diese CD wiederveröffentlichen und das war ein Werk für solo klassische Gitarre, also wirklich nur ein Instrument, und das waren auch vier Stücke und die habe ich ebenfalls mit I-IV betitelt. – Und bei „Knell“ war mit dem Titel alles gesagt (zu deutsch: „Totenglocke“ – Anm. d. Verf.): Ich wollte quasi ein Album namens „Knell“ schreiben und jedes Stück heißt eigentlich „Knell“, und da wollte ich mir das gar nicht antun, jedes Stück neu zu betiteln, weil ja im Prinzip jedes Stück einen Titel hatte und in dieser Reihenfolge eben auch das Album „Knell“ ergab. Man könnte sagen, ich unterteilte das Album in vier Kapitel und habe für jeden Abschnitt ganz konkrete Musik geschrieben bzw. eingefügt, wenn sie bereits vorhanden war, denn die einzelnen Passagen können nicht ausgetauscht werden. Man kann auf diesem Album die Songreihenfolge nicht ändern, ohne die musikalische Struktur kaputtzumachen. Ganz im Gegensatz dazu, wie die meisten Bands vorgehen, die 12, 13 Stücke im Studio aufnehmen, davon einige auswählen und sie dann in einer beliebigen Reihenfolge auf die Platte packen.

 

The-Pit.de: Was das weitsichtige Konzept untermauert... – Was ich übrigens auch noch zu der beklemmenden, bösen Stimmung sagen wollte: In dem Song „Summer Bled“ auf „Nihil“ kommen Akkorde vor, die sind so was von dissonant – das fand ich ebenfalls ziemlich cool gemacht...

 

Fredy: Freut mich, dass du das sagst. Du hast ja vorhin schon die auf „IV“ verwendeten, speziellen Skalen angesprochen und das zeigt schon meinen Faible für moderne Klassik – denn warum sollen alles immer nur Dur- und Moll-Skalen sein? Damit kann man phantastische Musik machen, aber es gibt einfach noch so viel mehr, z. B. wenn man sich die osteuropäische Folklore anschaut, da werden die unmöglichsten Skalen verwendet, die man so in unserer Musik nicht kennt. Ich könnte mir auch vorstellen, mich mit türkischer Musik zu befassen, denn das fasziniert mich und das ist etwas Neues, was ich in der Rockmusik oft auch vermisse, denn seien wir ehrlich: Wer außer King Crimson hat das denn sonst ausprobiert? Nach King Crimson kam doch eigentlich gar nichts Neues mehr.

 

The-Pit.de: King Crimson haben schon definitiv eine Menge ausprobiert und selbst die zugänglicheren Sachen wie „In The Court Of The Crimson King“ sind teilweise ja auch schon recht schräg...

 

Fredy: Da steckt einfach Originalität drin. Gewisser Willen auch: Statt den Standard zu wählen, eben nicht den Standard zu wählen. Und von daher sehe ich persönlich auch Parallelen zwischen King Crimson und Nucleus Torn, auch wenn man das musikalisch jetzt nicht unbedingt heraushört. Aber ein gewisser Approach ist sicherlich vorhanden.

 

The-Pit.de: Das kann man sicherlich so sehen. – Was mich noch interessieren würde, ist, wie du denn zu deinen Mitmusikern gekommen bist. Ich meine, du hast ja alles geschrieben und spielst wie erwähnt den Großteil der Instrumente und da könnte ich mir vorstellen, dass du genau geguckt hast, was für Leute du nimmst, dass der Gesang passt usw....

 

Fredy: Wahrscheinlich wirst du jetzt überrascht sein: das Ganze hat sich eigentlich sehr natürlich ergeben, was mich selbst ein bisschen überrascht hat. Mit unserem Sänger habe ich bereits vor etwa 12 Jahren in einer Band gespielt und als ich dann Nucleus Torn gegründet habe, dachte ich einfach, Patrick hat eine spezielle Stimme, da müssen wir mal etwas zusammen machen und dann hat sich das einfach so ergeben und jetzt sind wir wieder seit etwa acht, neun Jahren zusammen am arbeiten.

Mit unserem Schlagzeuger war es noch zufälliger; ich habe ihn nie spielen gehört, bevor ich ihn gefragt habe! Er war eigentlich Sänger in einer Funkband, ich wusste aber, dass er ebenfalls Schlagzeug spielt. Menschlich hat es sofort funktioniert und von anderen wusste ich außerdem, dass er ein toller Drummer ist. – Und wir fühlen uns gut in der Zusammenarbeit, er ist mittlerweile auch professioneller Jazz- und Pop-Schlagzeuger, sehr experimentierfreudig, mit vielen Ideen, mit Begeisterung auch für andere Dinge und wenn es menschlich so gut klappt, kann es auch auf künstlerischer Ebene funktionieren, wenn man eben darüber spricht und wenn die Leute auch Freude haben am Experimentieren.

 

 

The-Pit.de: Das ist ja echt ungewöhnlich – Sänger in einer Funkband und dann Schlagzeuger bei euch, auch witzig... Und du selbst; spielst du eigentlich, außer klassische Sachen, was du ja bereits angesprochen hast, noch in anderen Bands, z. B. Jazz, wo du ja gesagt hast, dass du so unglaublich viele verschiedene Dinge hörst?

 

Fredy: Jazz ist etwas, mit dem ich mich, als Musiker zumindest, noch zu wenig beschäftigt habe; das wäre dann mal ein neues Feld, wenn ich mal wirklich Lust auf etwas Neues habe.

Und Band-mäßig eigentlich eher nein. Ich habe mal vor einem halben Jahr bei einer Mittelalter-Folkband am Dulcimer ausgeholfen und das war zwar eine tolle Erfahrung, aber gleichzeitig bin ich nicht unbedingt der Band-Mensch; ich kann mich auf Dauer nicht in so ein Kollektiv einbringen. Ich denke, daher auch dieses Ensemble mit Nucleus Torn, bei dem ich die Fäden doch ziemlich fest in der Hand halten kann. Denn wenn etwas nicht klappt, dann liegt es an mir und an niemandem sonst. In einer Band muss man halt mehr Rücksicht nehmen auf andere Leute und jedem geht es mal nicht so gut und das muss man dann auch verstehen. Aber ich muss gestehen, ich habe als Musiker in solchen Situationen ein bisschen mehr Mühe. Deswegen ist es besser für mich und die Band, wenn ich nicht in einer Band spiele, sozusagen.

 

 

The-Pit.de: Es kommt ja sicherlich auch darauf an, was man für ein Typ ist; wenn man selbst die Fäden in der Hand hat und selber schreibt, hat man ja eine genaue Vorstellung davon, wie etwas klingen soll, im Gegensatz dazu, wenn einem andere erzählen, wie sich dieses oder jenes anhören soll. Das ist dann mit Sicherheit schwieriger umzusetzen...

 

Fredy: Das ist sicherlich einer der wichtigsten Punkte. Ich denke auch, dass die Musik von Nucleus Torn zwangsweise einfacher werden müsste, weil ich nicht wirklich glaube, dass man so eine komplexe Vision als Kollektiv erarbeiten kann. Ich habe große Zweifel, dass sich Leute finden, die so etwas anstreben können und vielleicht wäre die Zusammenarbeit dann trotzdem weniger effizient. Viele Bands arbeiten wirklich sehr hart und sind Tag für Tag im Proberaum, aber die schaffen es dann möglicherweise nur, alle drei Jahre eine Platte herauszubringen. Und ich selbst habe schon viel damit zu tun, dass die Leute sich umso genauer absprechen und miteinander kommunizieren müssen, bis sie überhaupt diese komplexe Vision umsetzen können. – Die Songwriting-Phase muss in einem solchen Fall fürchterlich schwierig sein, wenn da drei oder vier Ansichten miteinander konfrontiert werden. Ich kann bei Nucleus Torn einfach Dinge selber einspielen und wenn ich damit auf die anderen Musiker zugehe, klingt das Ganze bereits ein bisschen nach dem, was ich möchte und es fällt dann leichter, Dinge zu vermitteln, die man in Worten kaum beschreiben kann.

 

The-Pit.de: Und wenn eure Musik auch noch teilweise in Partiturform vorliegt – so was kann man ja nicht mal eben im Proberaum erarbeiten, das ist klar... Eine Frage hätte ich noch: Gibt es denn schon einen Veröffentlichungstermin für den dritten Teil? Oder arbeitet ihr da noch dran?

 

Fredy: Wir arbeiten noch dran; das Album ist fertig komponiert, die Gitarren habe ich bereits eingespielt und nächste Woche folgt nun das Klavier (Stand: 25. März 2008 – Anm. d. Verf.). Aber dann sind die Pläne eigentlich sehr offen, denn wir arbeiten immer nur alle paar Monate, es folgt einfach immer dann etwas, wenn’s mal klappt. Schlagzeugaufnahmen vor November sind eher unrealistisch, aber ich denke, dass man in zwei Jahren regelmäßig mit einem Album von uns rechnen kann. Aber ich will nichts beschreien, nur so viel: Wir sind dran!

 

The-Pit.de: Alles klar! – Dann bedanke ich mich herzlich für das Interview und wünsche dir alles Gute!

 

Fredy: Ich danke auch und alles Gute!

 

Wir bedanken uns bei Fredy Schnyder, dass er sich für uns Zeit genommen hat für das informative Interview und bei Stefan Belda von Prophecy Productions, der es uns erst ermöglichte.

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