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Night In Gales im Interview (Januar 2012)

"Aus künstlerischer Sicht bereuen wir gar nichts"

Die Gebrüder Basten kümmern sich um das Songwriting

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Die deutschen Melodic Metaller von Night in Gales haben mit „Five Scars“ nach einer sehr langen Pause ihr fünftes Album veröffentlicht. Im Interview mit Frontmann Björn geht es um das Album, Trends, Aufnahmetechniken und die Szene von gestern und heute.

The-Pit.de: Hi Björn, schön, dass Du Zeit für uns hast. Eine Frage brennt unter den Nägeln und kann deshalb auch nicht warten. Die Reaktion auf „Five Scars“ bei The-Pit.de fiel ja recht gut aus. Wie war das denn in anderen Fällen?

Björn:  Generell sind die Reviews recht gut ausgefallen. Wir haben bis jetzt so um die achtzig gelesen und die waren im Durchschnitt so bei 8.5 von 10 Punkten. Natürlich gibt es immer wieder einmal jemanden, der die Scheibe nicht mag. Manchmal fragt man sich allerdings schon, was sich die Journalisten bei dem einen oder anderen Satz denken. Jemand meinte, nur beispielsweise, wir seien eine junge Metalband, die auf den Melodic Death Metal Zug aufspringen will. Das ist natürlich in zweifacher Hinsicht Quatsch. Erstens gibt es uns ja schon recht lange und zweitens gibt es im Moment bestimmt keine Stilrichtung im Metal, die weniger in ist als den Melodic Death Metal. Diese Stilrichtung hat sich in den letzten Jahren ja nun wirklich sehr totgelaufen. Vielleicht kommt irgendwann ein Revival. Das muss sich aber erst noch zeigen. Zurückkommend zur eigentlichen Frage kann ich sagen, dass wir sehr zufrieden sind und wir in vielen Magazinen so im oberen Viertel abgeschnitten haben. Dann gab es auch einige, die uns die Höchstpunktzahl gaben und bei einigen waren wir sogar Album des Monats. Das ist schon eine coole Sache. 

The-Pit.de: Wenn der Rundling gut ist, dann darf man das ja auch sagen.

Björn:  (lacht) Ja, natürlich. Selbst eine schlechte Review ist ja irgendwie Promotion für die Band, aber eine gute liest man dann doch lieber.

The-Pit.de: Gab es bei „Five Scars“ ein Konzept oder stehen die Songs in sonst einem Zusammenhang zueinander?

Björn: Musikalisch gibt es eigentlich kein Konzept. Die Songs sind nicht voneinander abhängig und würden auch alle separat funktionieren. Der Ablauf der Scheibe ist natürlich schon überlegt. Man sitzt als Band schon zusammen und grübelt darüber, in welcher Reihenfolge man nun die Songs auf die CD packt. Grundlegend ist die Anordnung, so wie sie jetzt ist, aber kein Produkt eines großen Konzepts. Die Songs sind da wo sie sind, weil sie dort gut hingepasst haben. Textlich verhält sich die Sache recht ähnlich. Night in Gales hatten noch nie ein Konzeptalbum. Trotzdem kann man immer einen roten Faden in den Lyrics erkennen. Die Grundlage hierfür sind aber in der Regel äußere Umstände. Ein Album entsteht meist innerhalb weniger Monate und so sind die Texte meist aus der gleichen Zeitspanne. Meistens umfasst das Textspektrum Verluste, den Tod oder sonstige Arten menschlicher Tragödien. Dadurch, dass das Album innerhalb weniger Monate entstand, hört man schon, dass die Songs alle aus einem Guss sind. Das ist aber produktionsbedingt und war nie eine Grundvoraussetzung. 

The-Pit.de: Gemischt hat die Scheibe ja Dan Swanö. Das steht schon immer für Qualität. Wie gefällt dir der Sound der Scheibe?

Björn:  Der Sound klingt auf jeden Fall reifer. „Necrodynamic“ war vom Mix her leider der Tiefpunkt der bisherigen Veröffentlichungen. Zu der Zeit wollten wir viel zuviel mitreden und der damalige Produzent hat uns aber auch nicht in die Schranken gewiesen. Das Ergebnis kann man hören. „Five Scars“ klingt da schon deutlich traditioneller und ausgewogener. Manche behaupten, es gehe recht back to the roots. Das sehe ich nicht ganz so. Ich denke eher, es sind Elemente aller unserer Alben vertreten. Dan Swanö hat das Album gemischt, weil er es gerne machen wollte. Das soll heißen, dass er nicht nur seinen Job gemacht hat, sondern wirklich Lust hatte, genau dieses Album zu mischen. Ein wichtiger Grund mit Dan Swanö zu arbeiten war auch, dass er ja selbst aus dieser Musikrichtung kommt. 

The-Pit.de: Die CD hat den Titel „Five Scars“, zu deutsch: fünf Narben. Was wollt ihr mit dem Titel ausdrücken?

Björn: Zum einen gibt es da mehr oder weniger banale Gründe, wie eben, dass das Album unser fünftes ist. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die Scheibe zuerst nicht so nennen wollte. Ich bin kein großer Fan von Titelsongs weil der eine Song auf dem Album dann automatisch mehr Aufmerksamkeit erfährt als andere. Außerdem stellt man leicht die Vermutung auf: „Das ist das fünfte Album der Band, also haben sie es eben „Five Scars“ genannt. Das stimmt so natürlich nicht. Der Titel hat auch eine tiefere Bedeutung. Der Name steht auch für uns fünf Personen, unsere Erfahrungen und Lebenswege. Night in Gales gibt es jetzt so Pi mal Daumen seit 17 Jahren und wir gingen alle noch zur Schule, als die Band gegründet wurde. Auch wenn jetzt zwischen den letzten zwei Alben zehn Jahre liegen, hat uns die Gruppe doch immer begleitet, mal intensiver, mal nicht so intensiv. So haben wir alle mit der Band einige unserer großartigsten und aber auch beschissensten Momente erlebt. Diese Erfahrungen formen einen ja. Und somit formt die Band mit der Zeit die einzelnen Mitglieder. „Five Scars“ steht also auch für uns fünf und unsere Geschichten, die wir mit der Band verbinden. Die Narben sind damit nicht direkt als etwas Negatives anzusehen. Es geht dabei eher um ein Memento, eine Erinnerung. 

The-Pit.de: Wer die Scheibe gemixt hat, wissen wir schon. Der Ort des Geschehens ist uns aber noch unbekannt. Wart ihr bei Dan Swanö zum Recording?

Björn:  Nein. Dan wohnt ja größtenteils in Schweden und nur ab und zu in Deutschland. Wir haben uns zwar ein – zweimal getroffen, allerdings privat und nicht während des Arbeitsprozesses zum Album. Die Scheibe wurde in mehreren Studios aufgenommen. Einfach schon auch aus logistischen Gründen. Unser Schlagzeuger wohnt inzwischen in Süddeutschland. Da war es naheliegend, das Schlagzeug in einem ortsnahen Studio aufzunehmen, bevor man die Schießbude durch ganz Deutschland oder halb Nordeuropa karren muss. Die Gitarren und der Bass wurden größtenteils im Homerecording aufgenommen und der Gesang wurde in Wesel bei einer befreundeten Band eingefangen. Das Album wurde auch nicht an einem Stück aufgenommen. Die Arbeit erstreckte sich in Etappen über die gesamte zweite Hälfte des Jahres 2010. Mit den Drums wurde im Sommer angefangen und die letzten Gesangsparts habe ich Mitte November eingesungen. 

The-Pit.de: Wie ihr aufgenommen habt, dürfte jetzt klar sein. Wie schreibt ihr denn eure Songs?

Björn:  Das Songwriting läuft eigentlich ganz einfach. Wir waren nie die Band, die Songs großartig im Proberaum geschrieben hat. Natürlich werden die Lieder gemeinsam arrangiert, aber der musikalische Mastermind ist unser Gitarrist Jens. Er schreibt im Prinzip 95% der Songs und kommt im Prinzip mit fertigen Strukturen und Arrangements im Proberaum an. Wenn der Song dann steht, beginne ich den Text anzupassen. Dann kann es schon vorkommen, dass die Songstruktur noch mal modifiziert wird, um Text und Musik aufeinander abzustimmen. Also alles relativ unspektakulär. Für das aktuelle Album haben wir vor den Aufnahmen nicht ein einziges Mal zusammen im Proberaum gestanden. Jeder hat seine Parts im Studio eingespielt und jetzt zu den Konzerten spielen wir die Songs zum ersten Mal gemeinsam. Das ist schon eine interessante Erfahrung. 

The-Pit.de: Habt ihr vor auf Tour zu gehen?

Björn:  Wir hoffen es sehr stark. Fest ist zwar noch nichts, aber erste Verhandlungen laufen schon. Allerdings sind die bisherigen Angebote eher unpassend. Wir wollen uns definitiv nicht an dieser Pay to Play-Scheiße beteiligen, nur um mit einer größeren Band auf Tour gehen zu dürfen. Es spricht ja nichts dagegen sich ein wenig an den Unkosten zu beteiligen, die ja nun mal auftreten. Aber was momentan teilweise abläuft, ist nicht mehr in Ordnung. Ich bin mir aber sicher, dass wir es auch so schaffen werden. Wir hoffen auch, dass wir bei einigen Sommerfestivals spielen können. 

 

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