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Moonspell im Interview (April 2015)

Raus aus der Komfortzone!

The-Pit.de: Sehr ungewöhnlich ist der Abschlusssong „La Baphomette“, bei dem ich wieder ein Bild im Kopf hatte. Irgendwie musste ich an diese Szene aus „Interview mit einem Vampir“ denken, in Paris bei diesem „Theatre des Vampires“ – vielleicht weil du in dem Song Französisch singst.

Fernando: Da hab ich selbst jetzt noch nicht dran gedacht, aber das Coole an Musik ist ja, dass man Bilder heraufbeschwören kann, die für jeden anders sind: „La Baphomette“ und viele andere Moonspell-Songs sollen und wollen atmosphärisch und cineastisch sein. Das Stück wurde mir von unserem Bassisten Aires (Pereira; Anm.d.Verf.) vorgestellt, der offenbar Mozart-Momente hatte und diese requiemartige Komposition schrieb mit den Hörnern usw., und Pedro (Paixão – Gitarre & Keyboards; Anm.d.Verf.) fügte dann später das Klavier ein. Das veranlasste mich dazu, das Ganze so zu singen, dass es einen starken Touch von Burlesque und Cabaret bekam. Daher entschloss ich mich auch, es in Französisch zu singen, denn ich liebe französische Literatur, vor allem französische Poesie. Und in der Generation meiner Eltern waren französische Lieder sehr angesagt – heutzutage interessiert das niemanden mehr, aber damals war dies eine wichtige kulturelle Referenz für Portugal. So wuchs ich beispielsweise mit Edith Piaf oder Jaques Brel auf – auch wenn der eigentlich Belgier war, aber er wird natürlich dem „Chanson francaise“ hinzugerechnet. Jedenfalls denke ich, mit dem Stück haben wir die Leute sicherlich sehr überrascht, aber es hat seinen Zweck erfüllt. Es unterscheidet sich total vom Rest des Albums und macht deutlich, dass das hier das Ende der Show ist. Für mich geht es hier – ich hoffe, es klingt nicht zu abgedreht – um eine kosmische Burlesquetänzerin, die „La Baphomette“ heißt, was nur ein Künstlername ist. Sie ist gelangweilt, verängstigt – und wenn das mit starken Frauen passiert, bricht das Chaos aus (lacht).

The-Pit.de: Auf der limitierten Auflage gibt es außerdem einige Bonustracks, bei denen ihr sehr clevere Anspielungen auf Titel des regulären Albums macht, wie beispielsweise „Doomina“.

Fernando: Nun, Pedro, unser Keyboarder, ist ein sehr talentierter Mensch und in verschiedenen Bereichen zu Hause. Obwohl er selbstverständlich Metal liebt, mag er auch Sachen im Alternative-Sektor wie The Cure oder Fields Of Nephilim. Also hat er einige Stücke des regulären Albums für sehr eigene Versionen überarbeitet, wie eine Art Remix. Er schuf dann Verbindungen mit dem Album wie „The Past Is Darker“ oder eben „Doomina“, denn an sich handelt es sich um Songs aus dem Album, die aber eben ganz anders klingen als die regulären Versionen – einfach für Leute, die open-minded sind und die Songs von einer anderen Perspektive betrachten möchten. Wir haben mit diesen Bonustracks also eine andere musikalische Tür geöffnet; es handelt sich hier um so etwas wie Clubversionen wie in den Achtzigern oder so.

The-Pit.de: Ah okay. Ich hab die Bonustracks auch noch nicht gehört, weil wir in der Promoversion nur die reguläre Variante bekommen haben und dachte erst, ein Song wie „Until We Are No Less“ könnte vom aktuellen Problem der Überbevölkerung handeln.

Fernando: Darüber hab ich einiges gelesen, zum Beispiel das Alan-Weisman-Buch „Countdown“, tatsächlich auch, als ich mich an die „Extinct“-Songs heransetzte. Das ist auf jeden Fall ein Problem, besonders in bestimmten Teilen der Welt, wo es schon fast eine Art Bevölkerungskrieg gibt. Manche Familien haben acht oder neun Kinder; ich hab nur eines, das ist meine Strategie.

(Zu diesem Zeitpunkt signalisiert der Tourmanager, dass die Zeit leider um ist, erlaubt nach kurzem Betteln aber zumindest noch eine Frage.)

The-Pit.de: Ihr habt diese VIP-Ticket-Geschichte, wie auch manch andere Band – was hältst du davon?

Fernando: Ich hatte gemischte Gefühle dazu, weißt du, aber letztlich war ich doch überzeugt davon, denn die Leute wollten das. Die Welt hat sich verändert, wir müssen uns anpassen – ich würde Geld bezahlen, um Peter Murphy (Frontmann von Bauhaus, der den Beinamen „Godfather Of Goth“ verpasst bekam; Anm.d.Verf.) zu treffen (lacht) – und die Idee entstand letztlich aufgrund der öffentlichen Nachfrage. Von uns aus hätten wir das nie gemacht, aber die Leute sind so glücklich, nicht nur uns zu treffen, sondern was sie auch sonst noch erleben dürfen, zum Beispiel beim Soundcheck dabei zu sein. Dinge, die für uns völlig normal sind, bedeuten anderen Menschen so viel, und so entschlossen wir uns, es zu tun. Letztlich haben wir uns darüber nicht beschwert, aber sicherlich werde ich trotzdem immer gemischte Gefühle zu diesem Thema haben.

Es standen noch weitaus mehr Fragen auf dem Zettel, aber die müssen dann wohl oder übel aufs nächste Mal verschoben werden. Immerhin zeigt dies, dass Fernando jede Frage sehr ernstgenommen und entsprechend ausführlich darauf geantwortet hat. Ein total entspanntes Gespräch geht zu Ende und man gibt mir sogar noch ein Bier „für den Weg“ mit. Auch wenn der Weg lediglich vom Bus zum Eingang des Clubs kein besonders langer ist…

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