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Moonspell im Interview (April 2015)

Raus aus der Komfortzone!

The-Pit.de: Wo wir von Texten sprechen: Eure Lyrics waren noch nie wirklich die fröhlichsten und eher pessimistisch. Und da in der Welt wieder einmal viele schreckliche Dinge passieren, habt ihr da sicherlich erneut genügend Material, oder?

Fernando: Nicht nur in der Welt im Allgemeinen, auch in unseren persönlichen Leben. Ich möchte aber ganz klar sagen, dass ich kein Pessimist bin. Ich bin vielleicht ein Optimist, der in einer dunklen Welt lebt. Denn meiner Meinung nach ist ein Pessimist jemand, der nicht kämpft. Jemand Träges, dem es an Dynamik fehlt und der sich eigentlich nur beschwert. Meine Texte befassen sich zwar auch damit, wie Dinge zu Ende gehen – gerade auf „Extinct“ –, doch wenn man sich genauer damit beschäftigt, wird man erkennen, dass der Protagonist kämpft, dass es immer eine Reaktion gibt, so verzweifelt sie auch erscheinen mag. Ich glaube, auf der neuen Platte habe ich die ehrlichsten Texte überhaupt bislang geschrieben. Natürlich sind sie düster, die Welt ist beschissen düster, dennoch denke ich, was wirklich Erlösung bringt, ist für Dinge zu kämpfen. Und selbst wenn ich der Gothic-Stereotyp sein will; in einem völlig verrauchten Hotelzimmer sein oder so was – und ich bin gerne in einem verrauchten Hotelzimmer (allgemeines Lachen) – so ist die Welt nun einmal nicht. Das Leben ist komplett anders und ich kann nicht anders, als zu kämpfen, das ist in mir. Ich wäre auch gerne in einer Gothic-Disco, wo mich niemand nervt und ich Sisters Of Mercy hören kann, aber so ist es halt nicht. Dieser Gedanke inspiriert mich ebenso wie unsere düstere Welt.

The-Pit.de: Ihr habt wieder einige richtig gute Ohrwürmer auf der Platte. So beispielsweise „Medusalem“, das einen grandiosen Chorus beinhaltet, der sehr orientalisch gehalten ist und mich an Orphaned Land erinnert. Oder auch „Domina“, das sehr catchy ist und ständig in meinem Kopf herumspukt.

Fernando: (lacht) Sorry deswegen.

The-Pit.de: Schon gut, ist ja ein geiler Song. Sehr cool finde ich auch den Titel „Funeral Bloom“.

Fernando: Ja, das ist schon ein guter Titel. Alle Titel beziehen sich in gewisser Weise auf gefährdete Dinge, verlorene Erinnerungen oder den schon erwähnten Kampf. Und das Coole an dem Album ist, was mir bewusst wurde, als wir es schrieben, dass es eine solch dunkle Atmosphäre beinhaltet, die Songs aber trotzdem sehr eingängig und erlösend sind. Zum Beispiel beim von dir angesprochenen „Medusalem“: Ich finde, dieser Chorus klingt sehr frei; obwohl das Stück an sich dunkel ist, hat es doch etwas Hoffnungsvolles – und diese Andeutungen kann man mit Musik eben sehr gut anbringen. Was „Funeral Bloom“ betrifft, so hatte ich zunächst den Titel „Funeral Blue“ im Kopf, weil ich was mit einer Farbe haben wollte, aber dann suchten wir doch nach anderen Worten und entschieden uns schließlich für „Funeral Bloom“, da es dem Song mehr Kontrast verleiht. Das ganze Album lebt überhaupt von Kontrasten, so wie zum Beispiel nach einem kleinen Kuss zu fragen, bevor man ausstirbt. Und ich mag es, dass die Songs eingängig sind; manche Leute haben ja ein Problem damit und meinen, dass Metal oder meinetwegen Gothic beinahe schon kakophonisch sein müsste, aber das sehe ich nicht so, ich mag einfach gute Songs. Ich liebe „Can I Play With Madness“ von Iron Maiden und das ist eigentlich total der Popsong! (lacht)

The-Pit.de: Metal muss nicht immer komplex und kompliziert sein, das ist auf jeden Fall ausgemachter Blödsinn. Aber ich möchte noch mal auf „Funeral Bloom“ zurückkommen: Da musste ich natürlich sofort an die Musikrichtung Funeral Doom denken, auch wenn der Song absolut nichts damit zu tun hat. Magst du diesen Stil?

Fernando: Ehrlich gesagt, war mir nie so richtig klar, was genau der Stil „Funeral Doom“ jetzt eigentlich bedeutet. Aber ich habe Bands gehört, die in ihrer Underground-Zeit sehr langsam spielten wie Funebre oder Disembowelment und andere wie Necro Schizma aus Holland. All diese Gruppen gibt es nicht mehr, doch es scheint, als ob Funeral Doom wieder zurück im Geschäft ist. Die Bands von damals kennt allerdings irgendwie niemand – kaum einer hat was von Necro Schizma gehört.

The-Pit.de: Ich kenne sie nicht…

Fernando: Du solltest sie ruhig mal abchecken. Das ist Funeral Doom, noch bevor dieser Begriff als Musikrichtung überhaupt existierte. Jedenfalls mag ich doomige Musik, ich mag Musik voller Leid, denn geteiltes Leid ist halbes Leid (er sagt „I like miserable music, cause misery loves company“; Anm.d.Verf.). Aber ich denke, was ich in Bezug auf Doom immer am liebsten mochte, war „Epicus Doomicus Metallicus“ von Candlemass – was zwar Doom Metal ist, aber mit einer gewissen Hard-Rock-Schlagseite. Besonders das Hypnotische des Songs „Solitude“ hat mir immer das Gefühl gegeben, selbst auf einem Trauermarsch zu sein. Aber ja, ich kann mir gut Funeral Doom anhören; von den ganz langsamen Truppen mochte ich immer Winter besonders gerne.

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