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Moonspell im Interview (April 2015)

Raus aus der Komfortzone!

Ist sowohl für Keyboards als auch Gitarre zuständig: Pedro Paixão.

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The-Pit.de: Ich finde es trotzdem gar nicht so einfach zu sagen, was ihr genau verändert habt. Es gibt auf jeden Fall mehr Keyboards und vielleicht ist es nicht ganz falsch zu sagen, dass ihr, nachdem ihr damals mit „Alpha Noir“ und „Omega White“ quasi zwei völlig unterschiedliche Alben gleichzeitig veröffentlicht habt, diesmal Elemente aus diesen beiden Scheiben für „Extinct“ zusammengeführt habt. Übrigens musste ich bei diesem Doppelrelease damals ein bisschen an „Deliverance“ und „Damnation“ von Opeth denken.

Fernando: Ja, ich bin auch gut mit Mikael (Åkerfeldt; Anm.d.Verf.) von Opeth befreundet. Seit den Underground-Tagen, wir haben damals gemeinsam Tapetrading betrieben. Zu Opeth sehe ich zweifellos auf, denn sie haben etwas sehr Gewagtes getan und kamen damit durch. Mit solchen Bands kann ich mich bestens identifizieren. Sie sind exzellente Musiker und ihr sogenannter „Progressive Death Metal“ erwies sich als sehr erfolgreich – aber sie haben sich nicht auf der faulen Haut ausgeruht, weswegen ich sie bewundere. Wir haben mit ihnen ein paar Mal getourt, vor allem in den Staaten, und man hat gesehen, dass die Leute ganz verrückt nach ihnen waren, was auch seine Gründe hatte. Als sie damals diese Idee hatten, gefiel uns das, und wir wollten unsererseits vielleicht nicht so eine klare Trennung zwischen härterem und sanfterem, akustischerem Material wie bei ihnen, aber etwas, das uns als Band widerspiegelte. Aber „Alpha Noir“/„Omega White“ war auch ein musikalisches Projekt für uns; wir wollten uns damals selbst diese Grenzen auferlegen, und ein „Alpha“- und ein „Omega“-Album machen, was vom Titel her ja ziemlich selbsterklärend ist. Dennoch liegen unsere größten Stärken sicherlich darin, diese beiden Atmosphären zu vermischen, und das trifft auf jeden Fall auch auf „Extinct“ zu – als was für ein Album es man ansonsten auch betrachten will –, bei dem diese klare Trennung natürlich nicht vorliegt.

The-Pit.de: Außerdem experimentierst du ein wenig mit deiner Stimme, was man besonders in „Malignia“ hören kann. Im Refrain klingst du ganz anders als man es je zuvor gehört hat.

Fernando: Richtig. Einige Leute glauben, es handele sich um einen anderen Sänger (lacht).

The-Pit.de: Ehrlich gesagt, ich hab vorsichtshalber auch nachgeguckt. Aber ich denke doch, dass man das als Kompliment betrachten sollte, da es deine Vielseitigkeit unterstreicht.

Fernando: Definitiv. Ich hab als Sänger denselben Weg eingeschlagen wie die gesamte Band. Ich bin jetzt 40, ich habe viele Stile ausprobiert, ich habe meine Stärken und Schwächen als Sänger, ich liebe es, Texte zu schreiben – auch ein Grund, warum ich singe –, und versuche natürlich stets, jeder Note und jedem Wort den angemessenen Ausdruck zu verleihen. Von daher: Ja, ich habe die Herausforderung angenommen, mich als Sänger weiterzuentwickeln. Ich war nicht immer glücklich mit meiner Performance und musste etwas Neues ausprobieren. Und als Musiker ist man die meiste Zeit allein, auch wenn man ständig von Leuten umgeben ist. Doch die wirklich harten, schweren Entscheidungen muss man letztlich selbst treffen. Als wir „Extinct“ aufnehmen wollten, trat ich an die Band mit Ideen heran, an denen ich teilweise schon lange gearbeitet hatte, und als ich Jens (Bogren; Produzent von „Extinct“; Anm.d.Verf.) traf, verstand er sofort, dass ich etwas anderes mit meinen Vocals anstellen wollte und war sehr hilfreich. Ich würde zwar nicht sagen, dass er gelangweilt oder müde war, denn er hat ja eine riesige Kundenliste, aber er wollte wie auch wir mal etwas anderes machen, und so passte das ziemlich gut zwischen uns. Auch er wollte sozusagen aus der Komfortzone ausbrechen und wir trafen uns zum genau richtigen Zeitpunkt. Seine Produktion des Albums war sowohl auf musikalischer als auch menschlicher Ebene großartig, doch uns war klar, dass die Platte mit ihm gemeinsam schlicht noch besser werden würde. Als Sänger musste ich angesichts dieser Herausforderung natürlich mithalten und tatsächlich habe ich noch nie zuvor so hart für ein Album gearbeitet wie in diesem Fall. Doch mit Jens zusammen war es mir möglich, so zu singen und mich auszudrücken, wie es mir vorschwebte, und dass die Lyrics diesmal nicht so fiktional ausgefallen sind, half ebenfalls beim Ausdruck. Um die Livesituation habe ich mir zuerst etwas Sorgen gemacht, aber Tag für Tag und Schritt für Schritt mache ich mich auch da, denke ich (lacht).

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