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Moonspell im Interview (April 2015)

Raus aus der Komfortzone!

Portugals erfolgreichste Metalband ist zurück und hat nach den bärenstarken Alben „Night Eternal“ (2008) und „Alpha Noir“ (2012) in Form von „Extinct“ wiederum eine hervorragende Platte veröffentlicht, die trotz aller bekannten Trademarks eine klare Weiterentwicklung aufzeigt. Mit Septicflesh sind die Iberer nun auf Headlinertour gegangen, um die Scheibe überall in der Welt vorzustellen. Auf ihrer Station in Hamburg hatte The-Pit.de die Möglichkeit, ein Interview mit Sänger Fernando Ribeiro zu führen; während der sympathische Frontmann sich während des Gesprächs mit Tee und Wasser begnügt (man muss schließlich abends noch eine Show spielen und daher die Stimme schonen), wird der Magazin-Delegierte äußerst zuvorkommend von der ebenfalls supernetten Crew mit Bier versorgt. Im Tourbus der Band kommt dabei eine interessante und entspannte Unterhaltung zustande, denn Fernando ist definitiv ein Mensch, der abseits des üblichen Promo-Blablas wirklich etwas zu sagen hat.

The-Pit.de: Hey Fernando, wie ist die Tour bislang?

Fernando: Super. Alles passiert irgendwie total schnell. Ich bin jetzt so lange in dieser Band und manchmal vergeht die Zeit extrem langsam, doch dieses Mal – wahrscheinlich wegen des Albums; ich weiß es nicht, aber ich hoffe es – passt irgendwie alles zusammen. Wir haben in Holland mit der Tour begonnen, wo wir das Risiko eingingen, viele neue Songs zu spielen; ein Risiko insofern, als dass das Album erst eine Woche draußen ist. Aber die Reaktionen darauf werden jeden Abend euphorischer, besonders jetzt, nachdem wir die Grenze nach Deutschland überschritten haben. Und das ist großartig für uns; ich meine, wir kommen praktisch gerade erst aus Schweden, wo wir die Scheibe aufnahmen und spielen nicht einmal sechs Monate danach schon die neuen Stücke on the road. Das ist sehr intensiv, was eine gute Sache ist, denn Intensität ist ein Zeichen von Vitalität, gerade nach so vielen Jahren zusammen als Band.

The-Pit.de: Ihr habt euch klar weiterentwickelt mit der Zeit, was auch das neue Album beweist. Einst startetet ihr mehr oder weniger als Black-Metal-Band – ein weiter Weg bis zu eurem heutigen Sound. Findest du, dass „Extinct“ euer bis dato bestes Album geworden ist, so wie die meisten Musiker immer sagen, dass ihre neueste Platte die beste ist?

Fernando: (lacht) Ja, das ist so ein Klischee, nicht wahr? Ich weiß nicht, ob ich es als bestes oder meinen persönlichen Favoriten sehen würde, aber ich habe auf jeden Fall immer gefühlt, dass „Extinct“ ein sehr spezielles Album sein würde. Zunächst einmal ist es die erste Platte, die wir aufgenommen haben, seit ich die 40 überschritten habe, und es war sehr wichtig für uns, etwas aufzunehmen, das natürlich ist und gleichzeitig reif klingt. Von daher mussten wir ein bisschen mit der Aggressivität von Alben wie „Alpha Noir“ oder „Night Eternal“ brechen, was wir bereits auf der „Omega White“ ein wenig ausgetestet haben. Die Intention dahinter hat mehr etwas mit einem Gefühl zu tun, mit Instinkt – um ein Album namens „Extinct“ aufzunehmen (schmunzelt). Wir planen eigentlich nie wirklich etwas großartig, wir sind immer noch ziemlich romantisch veranlagt, wenn es darum geht, Musik zu schreiben. Deswegen sind wir auch stets für Veränderungen offen, wir wollen uns nicht verschließen. Wir haben zwar als eine Art Black-Metal-Band angefangen, das ist richtig, aber selbst damals war schon relativ klar, dass wir uns dieses Stils nicht derart annehmen würden wie zum Beispiel die norwegischen Bands. Wenn du dir unser Debüt „Wolfheart“ anhörst, wirst du feststellen, dass es sich eigentlich um ein recht vielseitiges Album handelt. Da sind Elemente vorhanden, die heutzutage populärer sind, wie Folk-Metal- und Gothic-Metal-Einflüsse; vor allem jedoch hört man bei „Wolfheart“, dass hier eine kreativ betrachtet rastlose Band am Werke war. Um nun auf „Extinct“ zurückzukommen: Wir wollten uns als Musiker weiterentwickeln. Wenn man über 20 Jahre zusammen in einer Band spielt, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann neue Herausforderungen suchen, was wir meiner Ansicht nach getan haben, oder man begibt sich in die Komfortzone, was wir ebenfalls hätten tun können. Wir haben unsere Fans, wir hätten noch ein Album wie „Night Eternal“ aufnehmen und damit auf Tour gehen können, doch wir hatten das Gefühl, dass Moonspell die Leute immer noch herausfordern und überraschen können. Noch vor ein paar Jahren wollte niemand überrascht werden; man wollte, dass ein Mädchen singt, wenn es Gothic ist und einen Typen mit hoher Stimme, wenn es Power Metal ist usw. Und dieser Überraschungsfaktor, den „Extinct“ besitzt, wirkt sich sehr zu unseren Gunsten aus. Ich denke, die Leute sind gelangweilt vom Entertainment; nicht alle, aber zumindest diejenigen, die aufmerksam sind und nach wirklichen musikalischen Erfahrungen suchen und nicht nur nach etwas, das sie auf einem Festival unterhält.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“