Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Mad Max im Interview (Juni 2012)

Steht die Donnerkuppel jetzt in Münster?

Frontmann Michael Voss

Zum Thema

The-Pit.de: In Münster seid ihr eher die Hard-Rock-Dinosaurier, steht die Stadt doch eher für Core oder Alternative. Wie seht ihr die örtliche Szene und inwieweit seid ihr auch informiert?

Jürgen: Wir haben viel Kontakt zu jungen Bands, aber ich muss es leider sagen: Nach uns hat sich keiner mehr in dem Genre, in dem wir uns bewegen, geschafft. Das ist ein Phänomen, die andere Band, die man aus Münster kennt, sind die H-Blockx, die im Crossover-Rock natürlich eine Hausnummer sind, dann noch Steffi Stephan als Bassistin bei Udo Lindenberg und Götz Alsmann als Fernsehikone, das sind die vier Acts, die noch immer das Aushängeschild von Münster sind. Momentan sehe ich keine aufstrebende Band in diesem Axel-Rudi-Pell/Mad-Max-Segment, da bewegt sich in Münster nichts. Wahrscheinlich liegt das wirklich an der Studentenkneipenszene, da laufen auch Blues-Rock oder Jazz-Rock gut, da laufen viele junge Leute im Bereich Hip Hop und House herum, es gibt super bekannte DJs und Rapper, die da in Münster Konzerte geben, aber Rock und Hard Rock ist ein ganz ganz schwieriges Pflaster. Vielleicht mal solch super Dinosaurier wie Uriah Heep und Nazareth, die mal kommen, aber sonst ist es schwierig. Das war schon früher schwierig, als wir in den Achtzigern angefangen haben und ist 2012 noch immer schwierig.

The-Pit.de: Ihr seid ja damals auseinander gebrochen, weil ihr den US-Markt nicht geknackt habt. Was hat sich da bei euch seitdem verändert?

Jürgen: Damals war es so, dass wir auf diese Amerika-Karte gesetzt haben. Das machen wir heute nicht mehr. Heute sehen wir uns noch immer als Global Player, wir gehen z.B. im Juni nach Brasilien, wir spielen also noch immer weltweit, aber damals so rundum '88, '89, da waren wir quasi schon mit einem Schritt durch. Dann hat uns die Plattenfirma aus dem Deal herausgekickt und unser Sänger war halt so gefrustet, dass er weg gegangen ist, da war man noch viel mehr von Amerika beeinflusst. Bei unseren Vorbildern wie Dokken und so haben wir gedacht, dass wir es entweder dort packen oder die ganze Sache macht keinen Sinn mehr. Das sehen wir heute natürlich nicht mehr so. Jetzt ist Deutschland genauso wichtig, oder Europa oder egal welches Land, wir sind da nicht mehr so Amerika fixiert wie in den Achtzigern.

The-Pit.de: Inwieweit musstet ihr als Band seit der Reunion Rückgrat beweisen und gab es Momente, wo ihr gesagt habt "Das hätten wir aber anders machen sollen"?

Jürgen: Wir haben ja ein paar Sachen probiert. Wir hatten mit den letzten zwei, drei Alben auch kleinere Labels, da hat man gemerkt, dass es ganz schwer ist, die Musik zu verbreiten. SPV hatte jetzt auch eine klare Vision, sie wollten Mad Max auch mit dem Sound von 1987 von der „Night Of Passion“-LP und sie wollten wenn möglich auch Mad Max in Original-Besetzung. Das ist eigentlich auch das Pfund, mit dem wir ein bisschen wuchern können, dass wir eigentlich eine der total wenigen Bands sind, die es noch in Original-Besetzung gibt. Wenn du bei deinen Lieblingsbands so durchkuckst, dann gibt es eigentlich keine mehr. Line-Up-Wechsel sind an der Tagesordnung. Wir sind also eine der wenigen originalen Bands und das ist gerade noch mehr im Ausland als in Deutschland, wo man merkt, dass die Fanbase noch da ist, aber sie haben uns in den letzten Jahren uns ein bisschen links liegen lassen, weil es nicht die Original-Band war und weil der Sound auf den letzten zwei, drei Alben nicht exakt dem des '87er Albums entsprach. Das neue Album ist ja quasi die Fortsetzung von dem '87er Album, auf einmal sind die Fans auch alle wieder da. Das ist wie in einem Kinofilm: Du stoppst und vier Jahre später geht es genau da weiter. Das ist ein Phänomen, aber man sieht ja an Axel Rudi, dass die Leute loyal sind und die gleiche Band wollen, sie möchten ihren Musikstil behalten und dann sind sie glücklich. Wir hatten ja ein paar Sachen probiert. Wir hatten zwei christliche Alben, die wir eigentlich schon immer machen wollten, weil wir damals große Stryper-Fans waren, das ist in der christlichen Szene super angekommen, ließ sich aber nur ganz schwer auf die normale Hard-Rock-Szene transportieren. Dann haben wir ein Jubiläums-Album mit ganz vielen Gästen von Accept bis Michael Schenker und Scorpions gemacht und wie wir fanden mit ganz tollen Songs, das ist aber bei den Fans auch nicht so rüber gekommen. Da kam mehr so rüber wie: Jetzt können die keine Songs mehr alleine schreiben, jetzt müssen sie sich schon die Prominenten ranzüchten, war überhaupt nicht so gemeint. Das letzte Album, was „Welcome America“ heißt, war eine Hommage von uns, weil wir zwei große US-Festivals gespielt haben und wir wollten so ein bisschen die Geschichte erzählen, wie wir unsere ganzen Heroes getroffen haben, Ratt, Warrant, Stryper, Night Ranger, das war wie im Kino, so geil war das, und da wollten wir so ein bisschen die Story erzählen, aber der Sound war eher ein bisschen amerikanisiert, mehr amerikanisiert als die Fans das bei uns mögen und da haben wir gemerkt, das ist nicht der Weg. Deswegen hat SPV dann auch gesagt, dass sie mit uns was machen können, weil eine super Fanbase da ist, aber die Leute möchten Mad Max haben wie 1987. Ob wir das könnten. Wir haben gesagt, dass wir das können, aber wenn wir das machen, dann nur im Original-Line-Up. Was wir auf gar keinen Fall wollen ist unsere Fans verarschen. Wenn wir draufschreiben, dass es so ist wie es früher war, dann wollen wir das mit der Originalband machen, ansonsten, finde ich, ist das eine Verarsche und das riecht dann so, als wollen wir mal eine schnelle Mark machen und das wollten wir auf gar keinen Fall. Deswegen bleibt die Band jetzt auch zusammen und im März 2013 gibt es gleich das nächste Album, damit die Fans auch wirklich sehen, dass es jetzt nicht nur eine einmalige Kiste war, sondern das die Band jetzt auch regelmäßig nach einem Album tourt. Das bleibt jetzt auch in der Besetzung und da gehen wir auch keine fünf Zentimeter mehr nach rechts oder links.

The-Pit.de: Wenn du dir die alten Spandex-Promofotos anschaust, wie würdest du die heute kommentieren?

Jürgen: Ja, es war halt die Zeit. Es war die Zeit, wo man sich die Klamotten aus dem Amerika-Urlaub mitbrachte, aus diesen Shops am Hollywood-Boulevard und man wollte natürlich so aussehen wie Ratt und wie Dokken. Auf der Bühne ist es eigentlich der Style wie wir auch privat herumlaufen. Jeans, Lederjacke und T-Shirt, es ist nicht mehr diese Verkleidungsgeschichte angesagt.

The-Pit.de: Nicht nur euer Album zeigt durch den Titel auf, wo ihr steht, sondern auch durch Tracks wie „Back And Alive“ oder „40 Rock“ mach ihr das deutlich. Sind die Querverweise auch für euch ein Zeichen von „Da waren wir, da sind wir nun“?

Seite
comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend