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Long Distance Calling im Interview (Dezember 2019)

Schweigen ist Gold

The-Pit.de: Du hast ja bereits erwähnt, dass ihr auch Gastmusiker dabei habt und ich finde es ja auch ganz cool, dass die da ihre Momente kriegen, wie bei „359°“ oder dem „Interlude“, wo er am Cello noch so ein kleines Solo spielt, bei „Black Paper Planes“, wo man schön die Perkussion raushört – das sind nette Details.

Janosch: Vielen Dank. Das war auch für uns eine neue Erfahrung und so was inspiriert eine Band auch definitiv; neue Leute reinzuholen, ohne dass man da jetzt irgendeine Verpflichtung hat. Die Band besteht zwar aus vier Leuten, aber es macht auch Spaß, sich Inspiration von außen zu holen, auch mal mit anderen Menschen Musik zu machen – das gibt auch Input für kommende Sachen. Von daher wird das auf keinen Fall das letzte Mal gewesen sein, wir haben gerade die Tour fürs nächste Jahr angekündigt, die in einem ähnlichen Rahmen stattfinden wird, auch wieder in sehr besonderen Venues. In Hamburg wird es zum Beispiel die Elbphilharmonie sein, die sich jetzt auch gerade erst für solche Art von Produktionen geöffnet hat – wir versuchen da eben wieder, den Leuten etwas Besonderes zu bieten und uns selbst letzten Endes auch. Man ist da sicherlich auch etwas egoistisch unterwegs, denn es ist ja total wichtig, dass die Musiker sich auch wohlfühlen und Spaß haben und man ihnen anmerkt, dass das etwas Besonderes ist. Nur wenn man das selbst fühlt, kann man den Leuten das ja auch vermitteln. Da freuen wir uns total drauf; die Konzerte in diesen Venues waren für uns etwas ganz Tolles und das wollen wir im September 2020 gern weiterführen.

The-Pit.de: Wo du vorhin erwähntest, dass euer Soundmann euch bat, nicht die härtesten und schnellsten Stücke auszuwählen, fällt mir ein, dass du bei der Performance von „Apparitions“, das sich kontinuierlich steigert, ja sogar Blastbeats einbaust, die in der Studioversion ja nicht vorhanden sind.

Janosch: Nein, aber das zeigt ja im Prinzip, dass wir bei Long Distance Calling unsere kompletten musikalischen Werdegänge ausleben können und das, was wir selber gerne hören. Wir haben zwar alle einen Rock- und Metal-Background, aber es ist zumindest bei mir definitiv so, dass ich an einem Tag, zum Beispiel zum Sport, Terror auf die Ohren haue, also was Hardcore-mäßiges, am nächsten Tag höre ich dann aber Hip Hop oder auch andere Rock- und Metal-Sachen… Wir haben inzwischen aber alle einen breitgefächerten Musikgeschmack und es ist schön, dass man das in dieser Band so ausleben kann. Sobald man aber einen Sänger hat, wird es deutlich schwieriger, all diese verschiedenen Stile zusammenzubringen ohne dass es komisch klingt. Und bei uns ist es schon so, dass wir teilweise in einem einzigen Song mehrere Stile unterbringen können, ohne dass jemand denkt: „Haben die einen an der Waffel, oder was?“ – Und ja, gerade so ein Song wie „Apparitions“, der zum Teil eben sehr ruhig, zum Teil aber auch sehr hart ist, macht sehr viel Spaß zu spielen und auch zu schreiben.

The-Pit.de: Ich fand auch schön zu sehen, dass das Publikum offenbar ein gutes Gespür gezeigt hat: Bei den leisen Stellen kann man geradezu eine Stecknadel fallen hören, gleichzeitig legen die Zuschauer aber auch einen ziemlichen Enthusiasmus an den Tag.

Janosch: Ja, das ist ein total geiles Gefühl muss ich sagen, wenn du als Musiker auf der Bühne stehst und genau das passiert. Normalerweise hört man bei ruhigen Stellen immer irgendjemanden quatschen, aber sobald die Leute sitzen, sind sie halt viel fokussierter. Das ist ein bisschen wie im Kinosaal, wo man denkt, ich darf nichts sagen, weil sich sonst derjenige hinter mir beschwert. Auch ist die Hemmschwelle viel höher, das Handy rauszuholen und darauf zu glotzen. Gleichzeitig war es so wie du eben gesagt hast: Zwischen den Songs wurde laut gejubelt, sodass wir merkten, dass wir die Leute auf jeden Fall auch abgeholt haben. Diese Mischung ist für uns als Musiker total genial.

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