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Letzte Instanz im Interview (Januar 2006)

"Eine x-beliebige Nu-Metal-Band wollten wir nicht werden. Das können andere besser als wir!"
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Holly D., Gitarrist der Letzten Instanz, stand uns im Interview Rede und Antwort und verriet einige interessante Dinge über das neue Album, musikalische Experimente und den Wunsch, "endlich mal zwei Instanz-Alben mit derselben Besetzung zu machen".

The-Pit.de: Hi, wie geht es dir? 

Holly D.: Danke der Nachfrage, es liegt ein arbeitsreiches, erlebnisreiches und schönes Jahr hinter mir. Ich bin einfach gespannt, was nun 2006 so bringt. Zunächst einmal kommt unser Baby an die Öffentlichkeit. Wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen. Es ist schon ein gewagtes Experiment, mit einem neuen Sänger an den Start zu gehen. Allerdings haben wir ja in dem neuen Line-Up schon ein paar Gigs gespielt und deshalb ein gutes Gefühl. Auch die ersten Reaktionen auf das neue Album lassen hoffen.

The-Pit.de: Bald erscheint das besagte Album "Ins Licht". Seid ihr zufrieden damit? 

Holly D.: Ja, sehr sogar. Wir wollten ein ehrliches und direktes Album, das uns als Band so darstellt, wie wir sind. Die Songs sollten genau so sein, wie wir sie auch auf der Bühne spielen, keine Tricks, kein doppelter Boden. Außerdem sollten die Streicher wieder mehr Platz bekommen. „Ins Licht“ ist bei allen düsteren Momenten ein sehr positives Album geworden.

The-Pit.de: Drei eurer Mitglieder haben sich vor knapp zwei Jahren nach Veröffentlichung vom Album "Götter auf Abruf" von der Band getrennt. Darunter auch Robin, euer damaliger Sänger. Nun ist mit Holly ein neuer Sänger gefunden, und auch der Platz am Bass ist belegt worden. Wie hat sich das Line Up-Wechsel auf die Musik ausgewirkt? Was sind die Hauptunterschiede im Vergleich zu früheren Alben? 

Holly D.: Zunächst sehen wir den Neuanfang vor allem als Chance, alte Muster über Bord zu werfen und wieder mehr Spaß am Musikmachen und Spielen zu haben. Holly, unser neuer Sänger, benutzt seine Stimme wieder mehr als Instrument. Robin neigte vor allem bei „Götter auf Abruf“ zu Rezitationen. Das hatte seinen Reiz, macht aber ein Bandkonstrukt von so vielen Leute überflüssig. Wir setzen jetzt wieder viel mehr auf Melodien, Harmonien und Stimmungen. Der neue Mann am Bass, Micha ist einfach ein Pfeiler der Rhythmusgruppe. Er hat unsere Visionen sofort verstanden, obwohl er eher aus dem Jazz und Soul-Bereich kommt. Es ist phantastisch, mit Leuten Musik zu machen, deren Horizont wirklich weit ist. Das bringt einen weiter.

The-Pit.de: Wie ist die Stimmung innerhalb der Band? 

Holly D.: Sehr gut. Wir wissen, was wir wollen und respektieren uns gegenseitig. Mir ist schon klar, dass wir uns diese Frage auf Grund der zahlreichen Personalwechsel noch oft gefallen lassen müssen. Haben wir uns ja selbst eingebrockt. Ich habe den großen Wunsch, endlich mal zwei Instanz-Alben mit derselben Besetzung zu machen. Ich denke auch, die Chancen stehen jetzt so gut wie noch nie.

The-Pit.de: Euer Lable spricht von einer reiferen und intensiveren Letzten Instanz, die sich selbst durch das neue Album "endlich gefunden" habe. Nimm bitte einmal Stellung zu dem Kommentar. 

Holly D.: Dem kann ich nur zustimmen. Wir hatten beim Machen der Platte eine unheimliche Sehnsucht nach Harmonie. Ich finde auf „Ins Licht“ gibt es in der Tat eine unheimlich intensive Verzahnung von Musik, Klang, Arrangement, Text und Stimme. Wir wollten einfach mal irgendwo ankommen und zu Hause sein. Seit Jahren haben wir mit verschiedensten Einflüssen experimentiert. Vielleicht hatten wir einfach das Bedürfnis nach einem eigenen Stil. Ein Album, das von A bis Z Letzte Instanz ist.

The-Pit.de: Ich finde das Cover- und Booklet-Design der CD äußerst gelungen. Schöner als alle vorherigen. Soll der Himmel den CD-Namen weiter ergänzen und bedeuten, dass ihr als Band mit neuem Line Up nun wieder "ins Licht" tretet? 

Holly D.: Es ist schon visuell eine Weiterentwicklung von „Götter auf Abruf“. Dort sind wir im Cover- Artwork gestrandet, im Wüstensand versunken. Das Tal ist durchschritten, mit einem neuen Erfahrungshorizont geht es nun sozusagen „Ins Licht“. Allerdings ist das deutlich breiter zu sehen. Es geht dabei viel um Weite, um Freiheit, um Raum - ein Gegenentwurf zu unserem überladenen Leben. Es geht darum, sich frei zu machen von den ständigen Reizen und Impulsen der Konsumgesellschaft. Die Suche nach dem Sinn in der Weite, dadurch neu atmen und neu denken lernen. Wichtig war es uns auch, uns diesmal im Artwork nicht zu überhöhen: Wir gehen auf dem Frontcover vom Betrachter weg, Schattenrisse nur. Es geht nicht um uns, wir als Band, als Musiker sind Protagonisten.

The-Pit.de: Warum habt ihr gerade "Sonne" als erste Single ausgewählt? Und sind noch weitere Auskopplungen geplant? 

Holly D.: Gute Frage. Weil wir den Song sehr repräsentativ fanden. Wir waren noch nie so eine ausgeprägte Single-Band. Alles in einen Song zu legen und sich dabei auf Parameter zu beschränken, die einen Hit machen, müssen wir noch lernen. Wir sind nicht mit der Einstellung an das Album gegangen, dass wir jetzt unbedingt ein paar Single-Kandidaten brauchen. „Sonne“ entsprach dem Raster am ehesten. Es wir noch eine zweite Single geben, die aber nur für DJ- und Radiopromo, also nicht für den Verkauf, da wird „Das Stimmlein“ und „Ohne Dich“ drauf sein.

The-Pit.de: Auf dem neuen Album lassen sich gar keine Rap-Einlagen mehr finden, wie ihr sie z.B. in "Position im Kosmos" (Götter auf Abruf) verwendet habt. Habt ihr euch die verstörten Reaktionen eurer Fans zu Herzen genommen? 

Holly D.: Wie schon gesagt, wir haben gern experimentiert, wollten das aber auf dem neuen Album nicht mehr so krass machen. Vielleicht haben wir uns auch einfach ausgetobt. Ein relativ großer Teil unseres Publikums kommt aus der schwarzen Szene. Da ist es zugegeben nicht sonderlich clever, HipHop-Songs zu machen. Das haben uns viele übel genommen und ich kann das sogar verstehen. Wir haben daraus gelernt. Trotzdem muss ich sagen, wir hatten viel Spaß dabei.

The-Pit.de: Wieso habt ihr das überhaupt gemacht? Dass es bei Fans eures Musikgenres nicht gut angekommen würde, hätte man sich ja irgendwie denken können. Aus Gründen der Vielseitigkeit? Experimentierfreude? Man konnte ja auch schon Technoklänge bei euch vernehmen. 

Holly D.: Musik entsteht in Momenten, da kommt man auf die schrägsten Ideen. Die Frage ist: Welche schaffen es dann auf ein Album? Das hatte immer etwas mit der aktuellen Bandbesetzung zu tun. Eigentlich möchte ich das aber jetzt gar nicht mehr analysieren. Dazu müsste ich jetzt lesen, was wir 2003 in Interviews dazu gesagt haben. Ich kann mich nämlich ehrlich gar nicht mehr so genau daran erinnern.

The-Pit.de: In "Das Stimmlein" werdet ihr von Eric Fish (Subway to Sally), Sven Friedrich (Zeraphine) und Thomas Lindner (Schandmaul) unterstützt. Gleich drei Gastsänger auf einmal - wie kam es zu der Zusammenarbeit? Warum gerade bei diesem Lied? 

Holly D.: Zuerst war da der Song, den hat Herr Stolz, unser Geiger, geschrieben. Dann kam der Text, da geht es um Individualität, Respekt voreinander und das Bewusstsein, dass man nur in der Gruppe etwas bewegen kann. Der Text hat also viel mit uns als Band zu tun, aber auch mit der Szene als solche. Als der Song fertig war haben wir uns überlegt, dass er glaubwürdiger mit ein paar Kollegen rüber kommt. Wir haben Thomas, Eric und Friedel gefragt und alle drei haben sofort zugesagt. Uns war es sehr wichtig, Künstler dabei zu haben, vor denen wir auch Respekt und Achtung haben. Es ging nicht vordergründig um Promotion, sondern um ein Statement innerhalb der Szene.

The-Pit.de: Das Lied ist textlich recht leicht zu erschließen. Wie sah es denn generell beim Schreiben der Songtexte aus? Normal hatte ja Robin, euer alter Sänger, viel Textarbeit geleistet. Wie habt ihr euch jetzt inspirieren lassen? Wer hat die Texte und Musik geschrieben? 

Holly D.: Die Texte stammen alle von Holly und wir sind sehr glücklich, dass er da wirklich ein Händchen für hat. Gute Texte sind immer ein Stück autobiographisch. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber Holly weiß schon, wovon er schreibt und singt. Ich finde die Texte dabei gar nicht so düster. Es ist immer ein Hintertürchen da. Musikalisch haben sich diesmal vor allem Herr Stolz und Oli ausgetobt. 80 Prozent der Songs entstammen ihrer Feder. Da wir ja über die halbe Republik verteilt wohnen, haben wir viel am Rechner gearbeitet. Wir haben alle Cubase von Steinberg und tauschen die Tracks übers Internet aus. Zu den Proben haben wir uns dann in Hof getroffen. Da waren die Grundgerüste der Songs zumeist schon klar.

The-Pit.de: Nach eurem ersten Album "Brachialromantik" gab es 1998 schon einmal einen Sänger-Wechsel. Wie seid ihr im Vergleich dazu mit der Situation vor zwei Jahren klar gekommen? 

Holly D.: Ich finde nicht, das man das vergleichen kann. Die Band stand damals am Anfang, Herbie war nicht wirklich Sänger, er konnte sich gut verkaufen und hat bei einer Band mitgemacht, um an Frauen ran zu kommen. Mit Robin hat die Instanz ein Gesicht bekommen, ab da wurde es interessant. Das hat ja auch lange Zeit super geklappt. Irgendwie hat sich das Ganze dann aber auseinander gelebt. Das ist wie in einer Beziehung. Ich kann auch nicht garantieren, dass dies nicht wieder passiert, aber ich denke, dass wir auch menschlich dazu gelernt haben. Gegenseitige Achtung ist gerade auch in einer Band ein sehr hohes Gut. Kommt der Respekt abhanden, dann ist das der Anfang vom Ende.

The-Pit.de: Warum habt ihr euch entschlossen, die zweite E-Gitarrenposition nicht neu zu besetzen? 

Holly D.: Die beiden E-Gitarren haben die Musik der Instanz sehr fett und breit gemacht. Das hat für Songs wie „Salve Te“ oder „Bittere Nacht“ bestens funktioniert, nur unsere Streicher, die in der Regel eher solistisch angelegt sind, hatten in der Musik immer weniger Platz. Die völlige Umstrukturierung der Band bot dabei die Chance, da etwas zu ändern. Wir mussten und konnten nach Tins Ausstieg eine Entscheidung fällen und die ist natürlich zu Gunsten der Streicher ausgefallen. Eine x-beliebige Nu- Metal- Band wollten wir nicht werden. Das können andere auch besser als wir. Wir haben uns bei „Ins Licht“ ganz bewusst wieder auf unsere musikalischen Möglichkeiten und auf unsere Wurzel besinnt.

The-Pit.de: Dann bedanke ich mich für das Interview. Die letzten Worte gehören dir! 

Holly D.: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Esst kein Fleisch und empfehlt Letzte Instanz!

Wir bedanken uns bei Holly D. für das informative Interview!

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