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Leprous im Interview (Oktober 2017)

Himbeeren aus Georgien

Beim fünften Studioalbum sind Leprous mit „Malina“ angelangt. Gingen die Norweger auf ihrem Debüt „Tall Poppy Syndrome“ und dem Nachfolger „Bilateral“ noch experimenteller zu Werke, kristallisierte sich spätestens ab dem dritten Album „Coal“ ein völlig eigenständiger Sound heraus, der sich vor allem durch die dichte Atmosphäre, das Spielen mit Polyrhythmik und natürlich Einar Solbergs emotionale Wunderstimme auszeichnet. Die Band agiert durchgängig auf hohem Niveau und kann auch mit „Malina“ wieder voll überzeugen. Die sich bietende Gelegenheit, mit Bassist Simen Daniel Lindstad Børven ein paar Fragen auszutauschen, nahmen wir da natürlich gerne wahr.

The-Pit.de: Hallo Simen, schön, dass du die Zeit gefunden hast, ein paar Fragen zu beantworten. Gratulation zu eurem wunderbaren neuen Album „Malina“. Erst 2015 kam euer letztes Album „The Congregation“ heraus. Was habt ihr im Vergleich dazu bei eurer aktuellen Platte anders gemacht, in Bezug auf Songwriting, Aufnahmen und Produktion?

Simen: Erstmal vielen Dank für das Lob. „The Congregation“ war das erste Album, auf dem ich mit der Band spielte. Es waren einige verrückte Jahre seit unserer letzten Scheibe. Was das Songwriting betrifft, so ist Einar (Solberg – Gesang/Keyboards; Anm.d.Verf.) der Hauptkomponist seit den letzten drei Alben. Bislang bin ich noch nicht ins Songwriting involviert, bis darauf, Entwürfe durchzusehen und mich der Bassparts anzunehmen. Die erste Phase war der der letzten paar Alben recht ähnlich: Einar schreibt rudimentäre Riffs und Akkorde in MIDI, Baard (Kolstad – Drums; Anm.d.Verf.) fügt einige rhythmische Ideen hinzu, ebenso wie Tor Oddmund (Suhrke – Gitarre; Anm.d.Verf.). Nachdem sie 20 bis 30 Entwürfe gemacht haben, entscheiden wir gemeinsam, mit welchen Entwürfen es sich lohnt weiterzumachen. Die anschließende Reihenfolge der Aufnahmen ist ebenfalls relativ standardmäßig: Wir fangen mit dem Mitschnitt von Drums und Gitarre an, dann fügen wir Bass, Synthesizer und schlussendlich Einars Melodien hinzu. Das, was diesen Prozess von unseren vorigen Werken unterscheidet, ist die verbrachte Zeit im Studio. Zum Beispiel anstatt Pre-Recordings von allen Gitarren zu machen, hat Robin (Ognedal – zweiter Gitarrist seit diesem Jahr; Anm.d.Verf.) viele Parts im Studio Gröndahl in Stockholm aufgenommen. Diese Detailfreude wirkte sich auf den Sound und die Richtung des Albums aus. „Malina“ ist das am besten klingende Leprous-Album meiner Meinung nach, allerdings habe ich die erste EP, von der Die-Hard-Fans oft sprechen, noch nicht gehört (lacht).

The-Pit.de: Was bedeutet der Titel? „Malina“ hört sich fast wie der Name eines Mädchens an.

Simen: Könnte es tatsächlich sein. Wenn man es sich überlegt, könnte auch „Chlamydia“ ein schöner Frauenname sein („Chlamydiose“ ist eine Infektionskrankheit; Anm.d.Verf.), aber nein… (lacht). „Malina“ bedeutet „Himbeere“ in slawischen Sprachen. Einar sah einige alte Damen in Georgien Himbeeren verkaufen, als er die Hochzeit seines Bruders im letzten Jahr besuchte. Die Tatsache, dass sie ihren Lebensunterhalt mit Beerenverkaufen bestritten, hatte in Einar eine emotionale Ebene angesprochen, der er sich einfach nicht entziehen konnte.

The-Pit.de: Und was ist „Bonneville“? Ist das eine bestimmte Stadt irgendwo?

Simen: Keine Stadt. „Bonneville“ beinhaltet eine persönliche Geschichte und hat persönliche Bedeutung. Aber das ist das Coole an Kunst – wenn ein Komponist in Bildern und Parabeln schreibt, hat der Hörer die Freiheit, die Bedeutung hinter diesen Worten selbst zu interpretieren. „Bonneville“ ist das zweitplatzierte Stück unter meinen Favoriten auf „Malina“. Es ist allerdings verdammt schwer auf dem Bass zu performen. Aber der Weg des geringsten Widerstandes ist niemals der lohnendste…

The-Pit.de: Ihr seid eine Band, die stets Texte hatte, welche vom inneren Kampf einer Person handeln, von Isolation, Emotionen etc. Ist dies auch hier der Fall oder seid ihr auch von den schlimmen Dingen, die in der Welt passieren, beeinflusst? Denn Leprous’ Musik klingt immer noch wenig glücklich und so scheinen die schlechten Dinge ein guter Quell an Inspiration zu sein.

Simen: Ich tendiere dazu, dieser Beschreibung zuzustimmen, aber wie erwähnt: Einar ist der Hauptkomponist und ich weiß, dass seine musikalischen Präferenzen sehr exklusiv sind. Er fühlt sich zu Melancholie und den ernsthaften Aspekten von Musik hingezogen. Ich denke, es hängt alles davon ab, was für eine Person man ist…

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