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Leprous im Interview (Juli 2015)

Der Niedergang der Gesellschaft

"The Congregation", Leprous' aktuelles Album, kassierte bei The-Pit.de neun starke Punkte.

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The-Pit.de: Bei den angesprochenen „Rewind“ und „Slave“ gibt es außerdem Parts mit Growls und Screams. Bist du das selbst?

Einar: Ja.

The-Pit.de: Okay, ich war mir nämlich nicht sicher, weil sich das ein bisschen nach Ihsahn anhört.

Einar: Stimmt, das ist ein bisschen unglücklich. Ich habe ganz bewusst meinen Screaming-Style ein bisschen geändert, weil ich merkte, dass er meine Stimme während des Tourens kaputtmacht und dann könnte ich am Ende nicht mehr so singen, wie ich das will. Also musste ich etwas tun, um das zu ändern, probierte ein bisschen herum und fand schließlich einen Stil, der mir gefiel und meiner Stimme zupass kam. Allerdings realisierte ich schnell: Verdammt, das klingt wie Ihsahn! (lacht) Ich denke, diese Ähnlichkeit rührt wohl daher, dass er früher selbst dieses Problem hatte und etwas ändern musste. Er hat mich nicht unterrichtet oder so was, das hat sich tatsächlich einfach so ergeben.

The-Pit.de: Leprous waren ja außerdem die Backing-Band von Ihsahn, wenn er live gespielt hat, jetzt allerdings haben sich eure Wege getrennt. Warum habt ihr diesen Schritt unternommen?

Einar: Ach, wir planen nur, die Ihsahn-Songs ohne Ihsahn zu spielen, da ich es ja hinbekommen habe, genauso zu klingen wie er. Wir spielen alles: sowohl Ihsahn- als auch Leprous-Songs… Nein, ich mache natürlich nur Spaß… Es war so, dass es sich für ihn schwierig gestaltete, ständig von einer Band abhängig zu sein, die selbst regelmäßig tourt, und bevor alles noch komplizierter werden würde, entschlossen wir, uns zu trennen. Aber auf persönlicher Ebene sind wir nach wie vor gut befreundet.

The-Pit.de: Klar, immerhin ist er ja dein Schwager. Wo wir davon sprechen: War es deine ältere Schwester, die dich quasi in die Welt der Musik einführte?

Einar: Ja, durchaus. Ein bisschen allerdings auch meine Mutter, die Gesangslehrerin ist, und sie hat mich außerdem beinahe dazu gezwungen, sechs Jahre lang Trompete zu spielen (lacht). Aber das richtig echte Interesse an Musik entstand, als meine Schwester Heidi mir vorschlug, in einer Projektband mitzuspielen – aus der später tatsächlich Leprous hervorgingen.

The-Pit.de: Und wie ist es, gleichzeitig zu singen und Keyboard zu spielen? Das ist ja nicht unbedingt die Standardkombination.

Einar: Das stimmt, aber für mich ist das ganz normal, weil ich es immer so gemacht habe. Manchmal allerdings wünschte ich mir schon, ein bisschen mehr Freiheit auf der Bühne zu haben, mich dahin zu bewegen, wohin ich will – immerhin bin ich der Frontmann. Aber im Allgemeinen würde ich mich wohl irgendwie nackt fühlen ohne das Keyboard, weil ich einfach zu sehr daran gewöhnt bin. Es ist nicht schwieriger, Keyboard zu spielen und zu singen, als Gitarre zu spielen und zu singen, denke ich, es ist höchstens cooler, Gitarre zu spielen und zu singen (lacht).

The-Pit.de: Zum Abschluss würde ich gerne noch eines wissen: Emperor waren eine der Bands, die damals in den Neunzigern in diese ganzen Skandalgeschichten, die sich innerhalb der Black-Metal-Szene zutrugen, verwickelt waren: Wie siehst du das in der Retrospektive, was hast du für eine Meinung dazu, als logischerweise damals zwar Unbeteiligter, aber Verwandter von Ihsahn, Emperors Frontmann?

Einar: Nun ja, da ich eben nicht beteiligt war, kann ich dazu nicht so viel sagen. Es gab damals eben ein paar junge Rebellen mit einem Sinn fürs Extreme. Im Prinzip wurde das Ganze ja schon hundertmal analysiert… (denkt nach). In jedem Fall entstand zu der Zeit neue, innovative Musik, etwas ganz anderes als bisher – und das war sicherlich eine coole Sache. Was die ganzen Nebenaktivitäten anbelangt, die Kirchenbrände und Morde: Das sind Dinge, die selbstverständlich nicht zu unterstützen sind. Musikalisch dagegen war es wirklich eine spannende Zeit, während das Genre heutzutage stagniert.

Letzteres dürfte wohl auch auf die Engstirnigkeit und den Dogmatismus vieler Menschen in der schwarzmetallischen Szene zurückzuführen sein – Leprous hingegen haben sich von Album zu Album weiterentwickelt und diese Entwicklung sollte man definitiv unterstützen. Kauft „The Congregation“ und taucht ein in die Welt einer Band, die tatsächlich echte neue Impulse setzt, frischen Wind bringt und etwas zu sagen hat.

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