Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Leprous im Interview (Juli 2015)

Der Niedergang der Gesellschaft

Nach dem sehr starken „Coal“ haben Leprous in Form von „The Congregation“ jüngst ihre nunmehr vierte offizielle Full-Length-Platte unters Volk gebracht und machen damit einen weiteren Schritt nach vorne. Hauptsächliche Merkmale der inzwischen völlig eigenständig tönenden Combo: Die komplexen Rhythmen, die das Grundgerüst für die meisten Songs bilden sowie die vielschichtigen Vokalarrangements von Frontmann und Keyboarder Einar Solberg, einem der begabtesten und innovativsten Sänger der gesamten Metalszene zurzeit. Wir sprachen mit dem 30-Jährigen und durften uns über ein entspanntes Gespräch mit einem sympathischen und bodenständigen jungen Mann freuen, der offenkundig gerne lacht und dem man anmerkte, dass für ihn Interviews keineswegs nur lästige Promoarbeit sind.

The-Pit.de: Hallo Einar, willkommen zum Interview. Zunächst einmal Glückwunsch zur neuen Platte „The Congregation“, die ich für sehr gelungen halte. Doch bevor wir über das neue Album sprechen, begeben wir uns doch erst noch ein wenig in die Vergangenheit: Mich würde interessieren, wie ihr auf den Namen „Leprous“ gekommen seid.

Einar: Erst einmal vielen Dank für das Lob. Was den Namen betrifft: der hat eigentlich keine besondere Bedeutung. Damals, als wir noch Teenager waren und die Band gerade gegründet hatten, suchten wir nach einem möglichst coolen Namen. Wir wälzten Wörterbücher und blieben schließlich bei „Leprous“ hängen; das, fanden wir, klang irgendwie düster und nach Metal (lacht). Wir hätten den Namen später vielleicht noch ändern können, aber schließlich hatte sich die Band unter diesem Namen in der Szene einigermaßen etabliert und da war es dann zu spät.

The-Pit.de: Was waren eure musikalischen Einflüsse, als ihr die Band gegründet habt? Ich meine, gerade zu Beginn hattet ihr doch einen ziemlichen Opeth-Vibe, inzwischen aber habt ihr euren eigenen Stil entwickelt.

Einar: Der tatsächliche Beginn ist schon sehr lange Zeit her; wir existierten ja schon acht Jahre als Band, bevor wir unser erstes offizielles Album veröffentlichten. Damals waren wir 15, 16 Jahre alt und sogen alles Mögliche auf, was unseren Weg kreuzte – vor allem Melodic Metal, etwas später dann auch proggiges Zeug; und du hast schon Recht, als unser erstes Album erschien, standen wir sehr auf Opeth und ähnliches… Ich denke, als junge Band bist du sehr viel mehr abhängig von fremden Einflüssen, sage ich mal, und wenn man sich mit der Zeit weiterentwickelt, denkt man nicht mehr so viel darüber nach, weil man sich selbst findet und natürlich weiterentwickelt.

The-Pit.de: Ich finde auch, dass es zwischen „Bilateral“ und „Coal“ einen Cut gibt. „Bilateral“ ist irgendwie…

Einar: …querbeet?... (lacht)

The-Pit.de: …nun, proggiger und abgefahrener. Das Songwriting auf „Coal“ dagegen ist straighter, aber das Album ist düsterer. Wie siehst du das?

Einar: Ich stimme mit dir überein, dass das wohl die größten Veränderungen zwischen „Bilateral“ und „Coal“ sind. Auf „Bilateral“ verspürten wir das Bedürfnis, auf einem einzigen Album alles zu zeigen, was wir können. Und ich denke, das war sicherlich zu der Zeit eine gute Entscheidung, denn wir wollten einfach ein bisschen von allem auf der Platte haben. Bei „Coal“ war es eine ganz andere Herangehensweise: Dies ist für meine Begriffe ein wesentlich emotionaleres Album, dunkler, wie du schon erwähntest, und wir haben die Dinge mehr reduziert. Es liegt mehr Fokus auf den einzelnen Parts, ohne jedoch zu viele Zutaten hineinzumischen. Es fand schon eine durchdachte Veränderung innerhalb der Band statt und das Album ist näher an dem dran, was wir damals hörten und bevorzugten.

The-Pit.de: Und was habt ihr zu der Zeit so gehört?

Einar: Wenig Metal auf jeden Fall. Ich stand schon immer zum Beispiel auf Massive Attack, diese englische Trip-Hop-Truppe, und ich finde, es ist leichter, sich von Sachen inspirieren zu lassen, die außerhalb des Genres liegen, in dem man selbst musiziert. Wenn man nur Sachen von Leuten hört, die sich sehr nahe an dem befinden, was man selbst macht, fängt man sofort automatisch an, alles auszuwerten und zu beurteilen, was die machen, und sie kriegen nicht wirklich eine faire Chance (lacht).

Seite
comments powered by Disqus

Vigilance, Erazor & Spiker im Konzert (Essen, Oktober 2017)

„Bisschen Bier, bisschen Headbangen, bisschen Metal“

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg