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Kratein im Interview (Juli 2010)

„Wir wollen Kratein definitiv als atmendes, langfristig angelegtes Gefüge beibehalten. Wir wollen Musik erschaffen, die es uns ermöglicht intakt zu bleiben.“

Schaffen bedrängende Atmosphäre: Kratein

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Nachdem das Debütalbum „Trauma“ der Band Kratein so zu überzeugen wusste, ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, die Band zu diesem Album einmal genauer zu befragen. Hysteriis, Gitarrist der Band, stellte sich wohlwollend zur Verfügung und ging mit uns die vielseitigen Aspekte von Band und Album durch. Dabei beleuchtete er nicht nur die tief reichenden Gedanken, die hinter dem Album stecken, sondern gibt uns auch ganz neue Erkenntnisse darüber wie sich Harry Potter mit Black Metal verknüpfen lässt.

 

The-Pit.de: Hallo Hysteriis, es freut mich, dass ich die Gelegenheit dazu bekomme mit dir ein Interview zu führen. Wie geht es dir momentan?

Hysteriis: Grüß dich und danke für dein Interesse. Mir geht es im Moment ganz gut, wenngleich natürlich immer Luft nach oben ist (lacht).


The-Pit.de: Im Februar ist das Album „Trauma“ von Kratein erschienen, bei der du als Gitarrist tätig bist. Kratein besteht dabei aus einem Zusammenschluss von Musikern, die bereits aus anderen Bands bekannt sind. Erklär doch bitte einmal, wer ihr seid und wie ihr euch für dieses Projekt gefunden habt? Darf man bei der zahlenmäßigen Überlegenheit der Mitglieder von Atras Cineris an diesem Projekt davon ausgehen, dass die Idee zu Kratein von euch ausging?

Hysteriis: Wer wir sind? Fünf Menschen, die sich in ein Kollektiv gewagt haben, um emotional fordernde Musik zu kreieren. Im Grunde ging der Impuls zur Bandgründung von Frederic aus, wenn ich mich recht entsinne. Dadurch, dass er berufsbedingt ein Jahr hier bei uns im Südwesten verbracht hat und man sich schnell kennen und schätzen lernte, war es nur eine Frage der Zeit, bis man zusammen im Proberaum landete. Es harmonierte von Anfang an unwahrscheinlich gut und mit der Zeit reifte die Idee, die Sache ernsthafter anzugehen. Tja, und knapp zwei Jahre nach den ersten gemeinsamen Gehversuchen führe ich dieses Interview mit dir. (grinst)


The-Pit.de: Jedem Nebenprojekt (und ich hoffe es ist in eurem Sinne, wenn ich Kratein als solches bezeichne) liegt eine Idee zu Grunde. Wie sah diese bei Kratein aus?

Hysteriis: Ich fühle mich nicht gut dabei, Kratein als Nebenprojekt zu sehen. Es ist zwar unbestritten, dass alle beteiligten Hauptbetätigungsfelder der Mitglieder oberste Priorität genießen, aber in vielen tiefer gehenden Gesprächen über den Platz der Band in unserem Leben ist schnell klar geworden, dass wir das Ganze definitiv als atmendes, langfristig angelegtes Gefüge beibehalten wollen. Der Grundgedanke ist also im Prinzip derselbe wie bei Todtgelichter, Signum:Karg oder eben Atras Cineris: Wir wollen Musik erschaffen, die es uns ermöglicht intakt zu bleiben. Ganz einfach.


The-Pit.de: Bei Musikern aus unterschiedlichen Bands kommen sicherlich die verschiedensten Ideen für Songs zusammen. Konntet ihr da genüsslich aus einem riesigen Topf von in sich stimmigen Material schöpfen oder musstet ihr eure Kombinationsgabe unter Beweis stellen, damit alle guten Ideen verarbeitet werden konnten?

Hysteriis: Ein bisschen von Beidem, behaupte ich. Manche Ideen standen für sich alleine schon außerhalb jeglicher Diskussion, während andere sich erst mit der Zeit und unter dem Einfluss jedes Bandmitglieds entwickeln konnten. Wir haben dabei unseren individuellen musikalischen Background allerdings nicht im Hinterkopf, sondern ordnen uns dem Gesamtkonzept Krateins unter.


The-Pit.de: Wie lief das Songwriting allgemein ab? Hat sich ein „Kopf“ herauskristallisiert, der diese Aufgabe übernommen hat?

Hysteriis: Frederic hat einen sehr großen Teil des Rohmaterials von „Trauma“ beigesteuert, welchen ich schließlich versucht habe, durch mein doch sehr gegenläufiges Gitarrenspiel auf eine andere Ebene zu führen. Das hat den Stil wohl im Wesentlichen geprägt, zusammen mit Lord Asgoroths feinfühligem Drumming, Nebulars extrovertierten Bassläufen und Metus' Gespür für obskure Gesangsarbeit.


The-Pit.de: Nach einigen Nachforschungen kann man feststellen, dass du selbst für ein Metal-Magazin tätig bist. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, stürmen da eine Menge musikalischer Impressionen auf einen ein. Inwiefern beeinflussen dich diese vielen verschiedenen Eindrücke bei deiner eigenen Musik?

Hysteriis: Ich glaube nicht, dass mich das wirklich stark im Musikmachen beeinflusst, um ehrlich zu sein. Das Gros der Veröffentlichungen, die ich bespreche, besteht leider meist aus halbgarem oder unterdurchschnittlichem Material. Es kommt immer seltener vor, dass mich eine aktuelle Veröffentlichung wirklich mitreißen kann und ich schätze, dass ich mich eher unbewusst von meiner Umwelt und den Bildern in meiner Birne beeinflussen lasse.


The-Pit.de: Kommen wir jetzt aber zu dem bereits erwähnten Album „Trauma“, das mich beim Reviewen zeitweise an die Grenzen meines Vokabulars hat stoßen lassen. Deswegen finde ich es fair, wenn du nun an der Reihe bist, dich darin zu versuchen. In deinen eigenen Worten: Was ist „Trauma“?

Hysteriis: Puh. Der Promotext trifft es ganz gut: „An oneiric voyage into the subconscious mind“.


The-Pit.de: Beim Hören wird ziemlich schnell deutlich, dass mehr dahinter steckt als nur Musik. Was ist die Grundaussage, die ihr mit diesem Album verfolgt?

Hysteriis: Eine Kernaussage gibt es eigentlich nicht direkt - „Trauma“ erzählt eine in sich geschlossene Geschichte, wenn du so willst.


The-Pit.de: Besonders auffällig am Album ist das Intro, welches aus überlagerten Mitschnitten besteht. Ein recht unüblicher Stil. Das Intro gehört dadurch aber zu der immer seltener werdenden Kategorie der Auftakte, die den Effekt innehaben, dass beim Einlegen der CD sofort alle Gespräche verstummen. Das spricht durchaus für dieses Intro, aber ich glaube kaum, dass das alles gewesen ist. Welche Intention hattet ihr als ihr das Intro „geschrieben habt?

Hysteriis: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich eine lange Zeit nicht für Intros begeistern konnte, eben gerade dadurch, dass es sich oftmals wirklich nur um plumpe Geräuschkulissen oder maue Keyboardklänge handelt. Bezüglich des Albums war es allerdings konzeptuell absolut unabdingbar, die Bilder auf Ton zu bannen. Die Vorstellung sich alleine in einer 15qm-Wohnung zu befinden, die Straßengeräusche permanent im Ohr haben zu müssen, weiter durch das Fernsehen zu zappen und sämtliche Abartigkeiten unseres modernen Lebens unter die Nase gerieben zu bekommen eben. Sich übermannen zu lassen…


The-Pit.de: Die zusammen geschnittenen Passagen drehen sich alle um gesellschaftliche Probleme. Habt ihr aus der Fülle der gesellschaftlichen Missverhältnisse einfach ein paar Mitschnitte herausgepickt, die euch passend erschienen oder habt ihr die Passagen ganz bewusst ausgewählt?

Hysteriis: Es war uns einfach wichtig, urbane „Grundgeräusche“ wie Verkehrsmittel mit Katastrophenmeldungen, Talkshows oder einer TV-Messe eines kurz vor dem Tod stehendem Papstes zu verbinden, um die ambientale Grundlage der Geschichte unmissverständlich offenzulegen. Dabei ging es uns eigentlich weniger um direkte Kritik als um den Versuch, sich direkt ins Geschehen zu katapultieren.


The-Pit.de: Welcher Abschnitt ist dir persönlich am wichtigsten bzw. welchen Aspekt findest du am tragischsten?

Hysteriis: Das kann ich pauschal nicht sagen. Tragik findet sich vielleicht am ehesten in den Schlussminuten des Albums wieder, wo sich die Geschehnisse tatsächlich inhaltlich zuspitzen. Ansonsten ist mir das gesamte Album, jedes Riff, jeder Beckenschlag und jeder Atemzug ungemein wichtig.


The-Pit.de: Was denkst du läuft in der Gesellschaft falsch?

Hysteriis: Gegenfrage: Was läuft nicht falsch?

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