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Klabautamann im Interview (Februar 2012)

Voll Heavy Metal!

"Merkur" heimste 2009 bei The-Pit.de neun Punkte ein

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The-Pit.de: Könnt ihr eigentlich von dem Label und der Musik leben? Wahrscheinlich nicht, oder?

Tim: Nein, da sind wir auch weit von entfernt. Auf der einen Seite natürlich schade – aus der Traum vom Rockstar (lacht). Die meisten Leute, die mit ihrer Musik wirklich Geld verdienen, die haben das meistens auch schon mit Anfang 20 getan – es kommt eher selten vor, dass man das auch noch im hohen Alter schafft, damit Geld zu verdienen. Na ja, hohes Alter… ich bin jetzt 31, das ist für einen Rockstar ja fast schon ein Todesalter; eigentlich sogar schon drüber (lacht). Jedenfalls, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass es nichts wird mit dem Rockstardasein, ist es eigentlich ganz cool so, wie es ist. Ich meine, wir verdienen natürlich schon ein bisschen Geld, aber das reicht eben gerade so, um die neuen Aufnahmen zu finanzieren, um neue T-Shirts drucken zu lassen oder ein bisschen neues Equipment zu kaufen. Da müssen wir nicht mehr investieren, sondern dafür ist dann immer noch genügend Geld da. Am Anfang mussten wir natürlich alles erst mal selbst kaufen – Instrumente, Aufnahmeequipment, und wenn wir neue CDs hergestellt haben, mussten wir erst mal Vorleistung geben – und das fällt halt jetzt weg, was schon mal cool ist. Und der Vorteil daran, dass wir nicht davon leben müssen, sondern unsere „normalen“ Jobs haben, ist, dass wir einfach frei sind. Flo hat zum Beispiel mal mit dem Tom Gabriel Fischer (Frontmann bei Triptykon und früher bei Celtic Frost – Anm. d. Verf.), der auf Valborg steht und denen mal einen Festivalauftritt klargemacht hat, über dieses Thema gequatscht, und er meinte, dass es schon krass ist, wenn man davon leben muss. Denn man muss sich ja bei jedem Lied fragen, ob das nachher so erfolgreich ist, dass es genug Geld einspielt, damit man die ganzen Kosten, die man hatte, wieder reinkriegt, und davon leben kann. Das muss schon ganz schöner Stress sein. Wenn ich mir überlege, dass wir uns schon ohne diese finanziellen Aspekte in der Band rumgestresst haben, von wegen „Machen wir denn Song jetzt so oder so?“, es also schon Streit gab wegen unterschiedlicher künstlerischer Ideen, will ich mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn da auch existentielle Sachen dahinter gesteckt hätten. Nach dem Motto: „Wenn wir so entscheiden, könnte es dazu führen, dass wir nachher nicht genug Geld haben“ – das muss ein unglaublicher Druck sein. Davon sind wir halt frei und konnten daher auch so ein Album wie „The Old Chamber“ herausbringen, obwohl uns vorher klar war, dass es nicht das war, was die Fans von uns erwartet haben. Ich bin mir sicher, dass die meisten wieder so etwas wie „Merkur“ erwartet haben, also einen echten Nachfolger. Und das wäre ja auch möglich gewesen, es kann auch durchaus sein, dass so etwas noch kommt. Tja, und dann hat sich eben dieses Back-to-the-roots-Viking-Metal-Ding ergeben und wir konnten trotzdem sagen: „Yo, können wir jetzt machen!“ – Hätten wir uns wahrscheinlich gut überlegt, wenn wir auf das Geld angewiesen wären.

The-Pit.de: Wobei ein wahrer Künstler natürlich auch nicht die Erwartungshaltung erfüllen will. Opeth haben mit ihrem neuen Album ja auch viele Leute vor den Kopf gestoßen.

Tim: Stimmt. Ein sehr mutiger Schritt, wenn man bedenkt, dass die von der Musik leben und trotz hohen Bekanntheitsgrads auch nicht so viel verdienen. Ich habe mal gelesen, dass Mikael Åkerfeldt auch nur ungefähr 1600 Euro im Monat verdient.

The-Pit.de: Da ihr bei Zeitgeister so idealistisch seid, stellt sich automatisch die Frage nach Vinyl. Wird es von der neuen Klabautamann-Platte eine Vinyl-Version geben?

Tim: Von der neuen gibt es keine, ich weiß auch gerade gar nicht, ob das ernsthaft im Gespräch war. Von „Merkur“ haben wir eine gemacht, hatten ja auch zwischendurch diese 7“-EP. Bei „The Old Chamber“ gibt es aber bisher keine Bestrebungen in der Hinsicht, es hat uns aber auch niemand danach gefragt. Insofern vermute ich mal, waren die Anfragen nicht so hoch, als dass sich das lohnen würde. Denn LP-Produktionen sind doch noch etwas kostenintensiver als CD-Produktionen.

The-Pit.de: Vorhin erwähntest du, dass ein neues Album möglicherweise wieder mehr in die „Merkur“-Richtung gehen könnte…

Tim: Wir sind gerade dabei, neue Songs zu schreiben, und die gehen wieder eher in die ursprüngliche Klabautamann-Richtung. Das liegt auch schon mit daran, dass ich sie diesmal wieder gemeinsam mit Florian ausarbeite. Da sind wieder zweistimmige Gitarren und so was dabei und es ist auch insgesamt wieder deutlich schneller. Die Stücke, die wir bisher haben, sind aber weniger im „Merkur“-Stil gehalten, sondern gehen eher in die Ecke wie bei der EP, würde ich sagen. Auf jeden Fall ist es unser Plan, das Ganze wieder etwas vielfältiger zu gestalten, weil uns das persönlich besser gefällt. Also, wir sind mit dem neuen Album sehr zufrieden, aber es macht uns schon noch mehr Spaß, wenn das etwas vielschichtiger ist.

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