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In Extremo im Interview (August 2005)

"Man muss noch in den Spiegel schauen können"
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The-Pit.de: Ihr seid mit Eurer Single-Auskopplung "Nur Ihr Allein" auf einige Vorurteile gestoßen, sowohl aus Fankreisen wie auch aus Nicht-Eingeweihten-Kreisen. Der Vorwurf lautet auf „zu punkig“.

Micha: Kunststück. "Nur ihr allein" gehört zu unseren Wurzeln. Diese Art von Musik habe ich von 1984 bis 1989 in der DDR gemacht, genau solche Musik. Man muss ja auch nicht immer alles erklären. Dieses Stück ist einfach ein Augenzwinkern: Wir können über uns selbst lachen. Und natürlich ist es ein Dankeschön an die Fans. Wer das nicht versteht, der hat Pech gehabt.

The-Pit.de: Das Video ist ja auch einigermaßen ironisch gehalten. 

Micha: Ja, das ist schwarzer Humor, so wie wir eben sind. Und wer uns kennt, der weiß das. Aber Du kannst es nie jedem recht machen. Immer wenn ne Band, egal welche das nun ist, ein bisschen mehr Erfolg hat, wird ihr vorgehalten, dass sie meint, sie wäre was Besseres oder hätte einen Verrat begangen. Man kann es nie jedem recht machen. Es gibt Fans, die haben einen ein Leben lang fürs Wohnzimmer gemietet und wenn Du dann auf den Balkon gehst, bist Du schon ein Verräter. Es tut mir leid, dass es solche dummen Menschen gibt. Wir wollen uns eben weiterentwickeln. Und wir können nicht wieder anfangen, in der Art „macht doch mal wieder ne Platte wie Weckt die Toten“. Warum? Die haben wir schon gemacht. Warum sollen wir die noch mal machen?

The-Pit.de: Wenn Du gerade von Fortschritt sprichst: Worin siehst Du selber Euren größten Fortschritt, im Vergleich zur letzten Platte? 

Micha: Das kann ich dir nicht sagen. Es ist einfach eine Weiterentwicklung. Diese Platte ist anders als alle anderen Platten, aber wenn Du sie einlegst hörst Du trotzdem sofort, dass es In Extremo ist. Und das ist wichtig.

The-Pit.de: Du hast angesprochen, dass einige Leute Euch ganz gern als Verräter abstempeln, wenn ihr nicht das macht, das sie von Euch erwarten. Wie steht ihr dazu? 

Micha: Wir haben diese Musik ins Leben gerufen. Wir brauchen uns nicht selbst zu verraten.

The-Pit.de: Gab es bei Euren Auftritten bei Viva oder MTV ebenfalls solche Reaktionen? 

Micha: Überhaupt nicht. Es gibt von 1000 E-Mails vielleicht vier oder fünf, die negativ sind. Aber ich finde, das ist ein Prozentsatz, den man vernachlässigen kann.

The-Pit.de: Es gibt ja einige Musiker, die mit der Mainstream Musikindustrie der Meinung sind, dass solch eine Art von Musik nicht ins Fernsehen gehört. Bist Du auch der Meinung? 

Micha: Nein. Ich meine, Metallica spielt im Fernsehen, die Ärzte spielen im Fernsehen, Korn, Manson, alle spielen im Fernsehen. Warum soll In Extremo nicht im Fernsehen passieren?!

The-Pit.de: War der Schritt, in eine breite Öffentlichkeit zu gehen, für Dich / Euch ein Risiko? 

Micha: Nein. Wir sind ne Band, wir machen Musik. Wir machen Musik für uns und für Leute, die das interessiert. Und je mehr Leute das hören, umso schöner ist das für ne Band. Wenn Du Verkäufer bist, und Du verkaufst Schuhe, dann freust Du Dich auch, wenn Du nicht fünf Paare am Tag verkaufst, sondern 20. Das ist ganz logisch und dieses ganze Genörgele geht mir langsam ganz schön auf ’n Sack. Stell doch mal bitte ne andere Frage.

The-Pit.de: Unverkennbar ist auch der In Extremo Stil bei eurer Bühnenshow, bei der ihr Euch ja nicht auf die aktuelle Platte fixiert, sondern immer ein wenig durchmischt. 

Micha: Ja, wir gehen ja im September auf Deutschland-Tour und da werden wir auch ne breite Mischung bieten. Wir haben dann auch eine komplett neue Bühne und werden viele neue Songs spielen. Momentan haben wir nur vier oder fünf im Programm. Im September werden wir dann richtig viele spielen – aber natürlich auch viel von den älteren Stücken.

The-Pit.de: Seit wann arbeitet ihr eigentlich auf Euren Alben mit Gastsängern zusammen? 

Micha: Das machen wir schon lange. Alles schon mal dagewesen. Das erste Mal ist jetzt sechs Jahre her. Da haben wir auch schon Gastmusiker gehabt. Sowas entwickelt sich einfach aus Freundschaften heraus. Marta von Die Happy hat zum Beispiel bei Horizont mitgesungen. Wir mögen uns total, kennen uns schon über acht Jahre. Und bei diesem Track passte dann zum ersten Mal ne Frauenstimme mit drauf. Die Plattenfirmen haben uns daraufhin etliche Mädels angeboten, die alle... hoch schreien, sag ich mal – ohne Namen zu nennen. Aber das war nicht unser Ding. Wir wollten ne Rock’n’Roll-Röhre haben und die suchen wir uns dann auch lieber selber aus. Auch Rea von Reamonn wird ja eigentlich immer mehr als Pop-Typ eingeordnet. Rea ist ein Freund von uns, der von der Straße kommt, der Straßenmusik gemacht hat und das ist einfach Schule, was Authentisches. Und das hatte mehr Heavy Metal als manch einer der Metaller, die hier sind. (Geste ins Pressezelt)

The-Pit.de: Gibt es schon Pläne für weitere Musiker, die mit Euch etwas machen wollen? 

Micha: Wir spielen jetzt erst mal ab Dezember die neue Platte komplett und dann sehen wir weiter. Wir haben zwar schon Anfragen, zum Beispiel von Tito und Tarantula. Aber mal sehen, was kommt, das ist alles ist offen.

The-Pit.de: Wie sieht bei Euch die Fernplanung für 2006 aus? 

Micha: Ich denke, wir werden ne DVD machen. Kann auch sein, dass wir die DVD dieses Jahr noch machen, aber das ist noch nicht raus. Wir haben grade immer ne Kamera dabei. Sind aber alles noch ungelegte Eier, da red ich nicht gern drüber. (lacht)

The-Pit.de: Noch ne Frage zu Deiner neuen Kapitänsjacke: Ist das jetzt dein neuer Style? [Anmerkung: Micha trug zum Interview eine blaue Marine Uniform-Jacke mit Kapitänsabzeichen] 

Micha: Ne, die hab ich vorhin auf’m Festival-Gelände gesehen und hab sie gekauft, weil sie mir gefallen hat, ganz einfach.

The-Pit.de: Passt aber auch gut zu Eurer jüngst thematisierten Ozean-Romantik. 

Micha: Ja, aber die Jacke hätte ich mir auch ohne die gekauft. (lacht)

The-Pit.de: War das eigentlich eine bewusste Zielvorgabe, dass ihr diese Ozean-Mystik auf Mein Rasend Herz mit verarbeitet habt? 

Micha: Ne, das hat sich so ergeben. Wir planen so was nicht. Es kommt alles in einen Topf rein, wird umgerührt und was dann rauskommt, das ist In Extremo.

The-Pit.de: Ich hab neulich jemanden sagen hören, wer In Extremo wirklich erleben will, der müsse Euch live im Open Air sehen – wie hier beim Summer Breeze. Stimmst Du dem zu? 

Micha: In Extremo kann man auch gut in der Halle sehen. Manchmal kann es sein, dass die Pyro-Show untersagt wird. Aber wir haben jetzt gleich ne Besprechung. Ich denke, wir werden heute hier schon ne Pyro-Show machen.

The-Pit.de: Habt ihr ein Problem damit, bei Regen zu spielen – wie die meisten Bands heute? 

Micha: Vielleicht regnet’s nachher ja nicht. Optimismus. (lacht)

The-Pit.de: Ihr seid jetzt zum dritten Mal hier in Abtsgmünd mit dabei. Was ist für Euch das Besondere am Summer-Breeze? 

Micha: Also ich kenn den Veranstalter sehr gut. Das Festival ist für mich, wie auch das Taubertal-Festival, sehr familiär. Auch der Backstage-Bereich; den find ich total klasse.

The-Pit.de: Noch ne Frage zu Eurer Sportlichkeit: Ich liege dem Thomas von Schandmaul schon seit letztem Jahr immer wieder in den Ohren, wann denn nun das einst geplante große Fußball-Spiel gegen Euch steigt. Wie sieht’s aus? 

Micha: Da sind wir natürlich dabei. Das muss mal einer richtig organisieren.

The-Pit.de: Bist Du Fußball-Fan? 

Micha: Manchmal. WM schau ich mir schon an, aber so Bundesliga-Zeug nicht. Wenn ich Zeit hab schau ich mir 2006 ein Fußballspiel an – wenn nicht, dann halt nicht. Ich bin da nicht so fanatisch. Aber ein schönes Spiel, so’n Endspiel, schau ich mir immer gern an.

The-Pit.de: In Amerika ist es ja üblich, das vor großen Events und Spielen immer Musiker auftreten. Wäre es für Euch auch denkbar, dass In Extremo bei sowas mal spielen? 

Micha: Ja, auf alle Fälle, aber es kommt natürlich drauf an, bei was genau. Wenn’s ne gute Sache ist, auf alle Fälle.

Wir danken Michael Rhein für das Gespräch und dass er sich die Zeit für uns genommen hat.Fotos: Sandra Eichhorn 

Technische Umsetzung: Mathias Schwappach und Sandra Eichhorn

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