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Ihsahn im Interview (Februar 2010)

"Wenn ich im Alter von elf Jahren einen Gitarrenlehrer wie mich gehabt hätte, würde ich verdammt noch mal lieber üben"

Coverartwork von Ihsahns drittem Streich "After"

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Mit seinem dritten Soloalbum hat es Ihsahn wohl endgültig geschafft, aus dem übermächtigen Schatten von Emperor herauszutreten und sich von der Vergangenheit zu emanzipieren – ohne diese jedoch zu leugnen. Zwar ist nicht mehr allzu viel Black Metal auf „After“ zu hören, die Wurzeln sind aber immer noch klar erkennbar; ansonsten ist die Scheibe sehr progressiv und sehr vielfältig geworden. Um mit ihm über dieses Werk, seine Tätigkeit als Musikpädagoge und einiges mehr zu plaudern, machten wir mit dem Norweger einen telefonischen Termin klar.
    

The-Pit.de: Hi Ihsahn, wie geht’s?

Ihsahn: Danke, bis auf ein wenig Halsschmerzen ganz gut.


The-Pit.de: Oh, dann schon mal gute Besserung. – Als erstes möchte ich dir gerne zu deinem neuen Album „After“ gratulieren, ich denke, du hast deinen Stil klar erkennbar weitergeführt; auf „The Adversary“ hörte man noch  deutlich die Emperor-Einflüsse heraus, während „angL“ schon ein ganzes Stück eigenständiger klang. Und „After“ ist sehr vielfältig geworden, sehr progressiv. Einige Tracks sind sehr melodisch, einige haben immer noch Black Metal-Affinität etc. Wie siehst du selbst diese Entwicklung?

Ihsahn: Ich stimme da mit dir überein. Ich habe natürlich gehofft, dass die Leute eine Steigerung erkennen würden und das ist es natürlich auch, was ich erreichen will: Ich will mich mit jedem Album weiterentwickeln und stets besser werden. Wenn ich fühlen würde, dass ich mit einem Album alles gesagt habe und dies nicht mehr überbieten oder etwas gleichwertiges erschaffen kann, könnte ich genauso gut einfach einen Schlussstrich ziehen. Daher ist für mich der Prozess, ein Album zu machen, der Versuch, mich weiterzuentwickeln, Herausforderungen anzunehmen – diese ganzen spannenden Dinge, darum geht es. Deswegen hatte ich auch die Idee, als ich damals das Material für „The Adversary“ schrieb, dass die ersten drei Alben eine Trilogie bilden sollten und daher beginnen auch alle Albumtitel mit einem A. Außerdem musste ich so nicht alles auf ein Album packen sozusagen, sondern konnte mir etwas Raum geben, neue Standards für mich selbst zu setzen.
Ich denke daher, bei „The Adversary“ habe ich eine Menge Metalzeug ausprobiert, das bei Emperor keinen Platz hatte – es war quasi der Versuch, meinen eigenen Metalstil zu kreieren, während „angL“, wie du bereits erwähntest, eine etwas fokussiertere Version war, meinen persönlichen Stil zu erschaffen. Und das dritte Album ist denke ich zwar eine natürliche Weiterentwicklung zu den vorherigen; musikalisch gesehen aber nicht zwangsweise der logische nächste Schritt. Vom Konzept her unterscheidet es sich stark und ich habe es „After“ genannt, da es das Ende der Trilogie darstellt. Und ich persönlich fühle mich außerdem sehr befreit anhand der Tatsache, dass ich nicht zu konkret eine spezielle musikalische Richtung einschlage, da meine Optionen für ein viertes Ihsahn-Album so sehr offen sind, was den Gedanken an eine vierte Platte noch um einiges aufregender für mich macht.


The-Pit.de: Verstehe. Du sagtest gerade, „After“ markiere das Ende einer Trilogie und trüge daher auch diesen Titel. Die Frage hatte ich so ähnlich auch vorbereitet, nämlich ob sich das auch auf das Leben nach dem Tod („Afterlife“), falls es das gibt, beziehen könnte. Dem ist aber nicht so?

Ihsahn: Ich denke, da gibt es quasi mehrere Level – auch wenn man es mit den beiden vorigen Alben vergleicht. Das erste Album heißt ja „The Adversary“, auch weil ich sozusagen im „Metal-Sinn“ ein Gegner sein wollte, ein Gegner von dem, was man gemeinhin erwartete – im Geiste dessen, worum es im Metal immer ging. Deswegen sind sowohl das erste, als auch das zweite Album „angL“ maßgeblich von Nietzsches Schriften beeinflusst, der sehr direkt und sehr hart in seinen Kritiken und Statements war – beide Alben sind also voll von Konflikten und Konfrontationen. Um zu erklären, wie ich diese drei Alben im Zusammenhang sehe, könnte man mein Lieblingsbuch von Nietzsche „Also sprach Zarathustra“ heranziehen. Das ist auch sehr klar und direkt, aber auf der anderen Seite sind die Sprache und die Atmosphäre des Buches, und was darunter verborgen liegt, beinahe religiös. Und in vielerlei Hinsicht geht es im neuen Album darum, was unter diesen Konflikten verborgen liegt. Meine Kräfte basieren hier auf der Essenz der Person, die ich bin, die diese Musik seit annähernd 20 Jahren macht. Das ist ein direktes Fundament meiner Inspiration, was ich nach und nach mit der Zeit erreicht habe, auch, weil ich mich als Solokünstler immer wohler fühle und es auf persönlicher Ebene hinbekommen habe, eine Art Distanz zu den ständigen Vergleichen mit Emperor zu schaffen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann