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Holy Moses im Interview (Juni 2012)

30 Jahre und keinen Deut leiser

Sabina hat jede Menge interessante Geschichten auf Lager

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The-Pit.de: Wenn du an die Zeit vor und nach der „Pause“ von Holy Moses denkst, was sind dann Deine Eindrücke bezüglich der Band? Wie hat sich euer Arbeiten und Wirken verändert, beziehungsweise eben nicht verändert?

Sabina: Eigentlich arbeiten wir genauso wie früher, mit dem einen Unterschied, dass die Band inzwischen in Deutschland verstreut lebt. Die Proben gestalten sich dadurch natürlich sehr viel aufwändiger, als wenn wir alle in der Nähe wohnen würden. Dafür sind diese Treffen einfach sehr intensiv, weil wir eben nicht die Möglichkeit haben, so mir nichts, dir nichts einfach mal auf die Schnelle zusammenzukommen. Wenn wir uns treffen, ist es wie früher, zumindest fühle ich mich immer noch gleich.

Olli: Es ist auf jeden Fall momentan sehr angenehm, wenn wir uns treffen. Es macht sehr viel Spaß zusammen zu musizieren und Zeit miteinander zu verbringen.

Sabina: Wir gehen jetzt nicht mehr alle gemeinsam jeden Abend in den Proberaum. So war das früher, als dieser noch in der Schule war. Das war auch nur möglich, solange wir eben noch zur Schule gingen. Wenn wir jetzt aber zusammen sind, dann fühlen wir uns genauso wie früher.

The-Pit.de: Holy Moses haben sich nie irgendeinem Trend ergeben und immer ihr eigenes Ding durchgezogen – mit allen, manchmal nicht schönen Konsequenzen. Findest du diese Entscheidung heute noch richtig?

Sabina: Ich denke, wenn wir irgendetwas geändert hätten oder irgendetwas anders gemacht hätten, dann würden wir jetzt nicht hier gemeinsam sitzen. Hätten wir unsere Musik mehr in Richtung kommerziell ausgerichtet, dann hätten wir uns immer mit einem großen Erfolgsdruck beladen. Wir hätten dann einen Status zu halten gehabt. Dieser Leistungsdruck hätte der Band sicherlich nicht gut getan. Wir hatten die Möglichkeit, immer genau das zu machen, worauf wir gerade Lust hatten. Diese Tatsache ist dafür verantwortlich, dass Holy Moses immer noch existieren.

The-Pit.de: Der Metal hat sich vom finanziell untragbaren Musiksektor zum wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die Musikindustrie entwickelt, was man nicht zuletzt an der immer stärker werdenden Kommerzialisierung einiger Bands merkt. Wie denkt ihr, geht diese Entwicklung weiter?

Sabina: Man merkt schon stark, welche Bands unter Druck stehen, weil sie von der Musik leben müssen und man kann das Gefühl bekommen, dass die Musik da dann nicht mehr im Vordergrund steht. Da geht es eher um Besucher- und Verkaufszahlen. Da werden die Gigs dann schnell zur notwendigen Routine. Bei uns ist das noch immer anders. Ich bin jetzt zum Beispiel schon wieder total nervös, weil es dann gleich auf die Bühne geht.

The-Pit.de: Kannst du dich noch an die Zeit von „Queens Of Siam“ erinnern? Wie war es damals, das erste Album herauszubringen?

Sabina: Wir wussten ja gar nicht, was mit uns geschieht. Wir waren da ja zum ersten Mal in einem Studio und sollten dann auch getrennt aufnehmen, was ja der normale Weg ist. Zu der Zeit wussten wir das aber gar nicht. Wir waren sehr überfordert mit der Situation. Die Aufnahmesituation war damals ja auch noch eine ganz andere. Den damaligen Plattenvertrag haben wir uns gar nicht erst durchgelesen. Zu der Zeit hat man sich noch nicht so viele Gedanken gemacht. Auch die ganze Presse lernte ich erst mit „Queens Of Siam“ kennen, als die ersten Reaktionen kamen. Als ich die Platte dann das erste mal in der Hand hielt, da konnte ich das erst gar nicht fassen. So geht es mir aber heute noch. Zu der Zeit konnte ich nicht glauben, dass Nachfrage nach unserer Musik auf Platte besteht. Bands mit Schallplatten waren AC/DC, Iron Maiden oder Black Sabbath.

The-Pit.de: Lässt man die Zeit noch mal Revue passieren, wenn man die Songs für eine solche Compilation aussucht?

Sabina: Ja, natürlich. Ich konnte mich dann beim Einsingen der neuen Aufnahmen auch wieder voll in die damalige Situation versetzen. Das war schon ziemlich abgefahren. Vor allem die Songs, die wir lange Zeit nicht live gespielt haben, gingen mir am nahesten. Das war eine interessante Erfahrung. Mir sind auch viele Bilder und Namen aus der jeweiligen Zeit beim Singen wieder eingefallen; oftmals hatte ich an diese Ereignisse oder Menschen seit Jahren nicht mehr gedacht.

The-Pit.de: Die meisten Songs auf „30th Anniversary – In The Power Of Now“ sind von den Alben „The New Machine Of Liechtenstein“ und „Reborn Dogs“. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Sabina: Das ist mir erst aufgefallen, als ich die ersten Reviews gelesen habe.

Olli: Das hat sich einfach so ergeben. Wir haben nicht auf das Album geachtet, als wir die Lieder ausgesucht haben. Die „Reborn Dogs“ und die „The New Machine Of Liechtenstein“ sind zwei sehr gute Alben mit sehr guten Songs und so kam das eine zum anderen. Als wir uns die Platten durchgehört haben, hatten wir oft diesen Aha-Effekt und wir fragten uns mehr als nur einmal, warum wir eigentlich die oder die geile Nummer nicht mehr spielen. Das Mischungsverhältnis der Lieder auf „30th Anniversary – In The Power Of Now“ war nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben.

The-Pit.de: Ihr spielt hier auf dem Walpurgis Metal Days Festival heute Abend eine CD-Release Show. Könnt ihr uns vorab schon etwas verraten, was uns gleich erwartet?

Sabina: Es wird eine typische Holy Moses-Show werden. Wir haben keinen Schnickschnack geplant, sondern wir wollen einfach die Hütte rocken und zeigen, dass wir die letzten drei Dekaden musikalisch vereinen können. Wir möchten mit den Fans feiern und Spaß haben.

Olli: Es werden natürlich einige der Songs in der Setlist auftauchen, die auf dieser Best-Of waren und die wir schon sehr lange nicht mehr gespielt haben. Das wird somit für uns alle heute Abend eine interessante Erfahrung (lacht).

Sabina: Deshalb bin ich ja auch so nervös!

Olli: Wir kriegen das schon hin, aber das ist eben das Besondere heute Abend. Außerdem stehen noch einige Lieder auf der Setlist, die wir spielen möchten, um auch den letzten Alben ihren Platz heute Abend einzuräumen. Lasst euch überraschen!

The-Pit.de: Vielen Dank für eure Zeit und das nette Gespräch. Wir wünschen euch eine tolle Headlinershow heute Abend!

Olli: Danke und bis gleich dann.

Sabina: Bis gleich bei der Show!

Nun ist es nicht verwunderlich, dass die Band beim Konzert abgefeiert wird. Holy Moses werden von zahlreichen Fans frenetisch empfangen und spielen ein extrem energetisches Set. Der Auftritt endet mit einer Massenparty auf der Bühne und dem Titel „Too Drunk To Fuck“. Die Gruppe macht ihr Versprechen wahr und spielt wirklich Lieder aus allen Schaffensphasen, was für große Begeisterung sorgt. Holy Moses gehören nach wie vor zur Speerspitze des deutschen Thrash Metals, daran besteht kein Zweifel.

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