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Holy Moses im Interview (Juni 2012)

30 Jahre und keinen Deut leiser

Gitarrist Olli zeigte sich sehr aufgeschlossen im Interview

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Drei Dekaden gibt es die Band Holy Moses nun schon. Zur Feier dieses Anlasses hat die Gruppe eine Compilation mit dem Namen „30th Anniversary – In The Power Of Now“ veröffentlicht. Auf der Doppel-CD hat die Gruppe eine Zusammenstellung der prägnantesten Songs der Vergangenheit gesammelt. Beim Walpurgis Metal Days Festival spielten Holy Moses eine CD-Release-Headlinershow, die groß angekündigt wurde und viele Fans ins malerische Hauzenberg locken konnte.Vor der besagten Show nahmen sich Sängerin Sabina und Gitarrist Olli die Zeit, mit The-Pit.de draußen im Grünen und abseits des Festivallärms über die Vergangenheit, das Musikbusiness und die nahe Zukunft der Band zu plaudern.

The-Pit.de: Ihr feiert euren 30. Geburtstag. 30 Jahre sind auch für eine Metalband eine sehr lange Zeit. Mit Sicherheit habt ihr währenddessen viele Höhen und Tiefen erlebt. Gibt es welche, an die ihr euch wahrscheinlich ewig erinnern werdet?

Olli: Ja, da gibt es einige. Ich möchte mit etwas Positivem beginnen. Die Tour in Japan im Jahr 2009 war schon ein ganz besonderes Ereignis. Überhaupt nach Japan zu kommen ist ja schon etwas Besonderes, das aber noch mit Auftritten zu verbinden, war schon richtig gut. Interessant war dort vor allem das Publikum. Vom Kuttenträger bis zum Geschäftsmann im Anzug und zu den Manga-Mädels war alles vertreten. Das war schon ziemlich abgefahren. Das war, für mich jedenfalls, eine unvergessliche Sache. In die negative Richtung gab es auch unvergessliche Momente. Dazu gehört auf jeden Fall die Chaos-Tour mit Benediction. Allerdings nicht wegen Benediction. Die Planung dieser Tour hat mich und uns alle fast an den Rand des Wahnsinns getrieben. Da gab es alles, was auch in einem schlechten Film vorkommen würde. Veranstalter wussten nicht, dass wir bei ihnen spielen werden, der Bus brannte und war ständig defekt, Werbung war vorab keine gemacht worden und ansonsten hat auch einfach gar nichts funktioniert.

The-Pit.de: Es gab ja zum Jubiläum eine Doppel-CD, auf der ihr 20 Stücke aus eurer Vergangenheit neu aufgenommen habt. Nach welchen Kriterien habt ihr die Lieder ausgesucht?

Sabina: Wir haben unsere Fanclub-Mitglieder gefragt und uns dann mit der Band zusammengesetzt und die genaue Auswahl getroffen. Ich habe mich bei der Auswahl etwas zurückgehalten, weil ich ja mit allen Alben einen ganz bestimmten Lebensabschnitt verbinde und somit praktisch alle Songs geil finde. Ich war dann der Meinung, dass die Band die Auswahl einfach objektiver treffen kann als ich, weil die anderen Bandmitglieder einfach nicht so befangen sind wie ich. Da gab es dann sogar Listen, die wir uns gegenseitig gemailt haben.

Olli: Die Endauswahl haben wir dann im Studio getroffen, indem wir uns alle Platten noch einmal durchgehört haben und dann wirklich versucht haben, eine Mischung aus Liedern, die die Fans unbedingt hören wollen, und Songs, die wir selber unbedingt neu auflegen wollten zu kreieren. Titel wie „Finished With The Dogs“ oder auch „World Chaos“ kann man einfach nicht weglassen. Wir wussten ja, welche Tracks unbedingt auf die Scheibe mussten. Aber durch diese Listening Session wurden wir auch wieder auf Lieder aufmerksam, die inzwischen etwas in Vergessenheit geraten waren. „Corroded Dreams“ ist zum Beispiel so eine Nummer. Die Compilation ist also eine Mischung aus Liedern, die wir selber schon immer geil fanden oder auch erst wieder entdeckt haben und Stücken, die unbedingt auf eine Best-Of-Scheibe müssen. Dazu gibt es ja auch noch zwei neue Stücke, die extra für die Scheibe geschrieben wurden.

The-Pit.de: Fiel die Auswahl der Lieder schwer?

Sabina: Ja, das war eine wahre Tortur. Ich hatte noch einige Lieder mehr auf der Liste, die ich so gerne auf „30th Anniversary – In The Power Of Now“ gehabt hätte. Wir möchten aber ja auch noch das 35-jährige Jubiläum feiern und dann gibt es ja wieder die Möglichkeit, eine neue Compilation zu veröffentlichen (lacht).

The-Pit.de: Wie geht es weiter? Kommt demnächst ein reguläres, neues Album?

Sabina: Ja, das möchten wir. Unser Plattendeal ist auch so ausgelegt, dass wir die Option haben, noch eine Scheibe zu machen. Das Songwriting läuft auch schon. Die Männer schreiben schon fleißig Musik und ich arbeite bereits an den Texten. Mit den zwei neuen Songs auf „30th Anniversary – In The Power Of Now“ haben wir ja schon gezeigt, welchen Weg wir weiter gehen möchten. Holy Moses sollen sich auf keinen Fall verändern. Für mich ist dabei immer sehr wichtig, dass wir nur gute Sangs machen. Lückenfüller und dergleichen möchten wir alle nicht auf unseren Alben haben. Lieber dauert die Produktion etwas länger, wenn danach das Ergebnis stimmt. Die jungen Fans, die jetzt erst auf uns gestoßen sind, die sollen auch ihre CD haben, mit der sie uns kennenlernen. Die Fans, die schon lange dabei sind, wollen natürlich vorrangig die älteren Sachen. Das kenne ich ja von mir selber. Man muss aber auch den jungen Fans die Möglichkeit geben, sich mit einer Schaffensphase von Holy Moses zu identifizieren und dazu brauchen wir eine neue CD. Es ist eigentlich ganz einfach.

Olli: Ich muss mich hier mal kurz einklinken. Das größte Kompliment, das ich in vielen Reviews zu „30th Anniversary – In The Power Of Now“ gelesen habe, war die Aussage, dass sich die beiden neuen Songs nicht von den alten unterscheiden und sie sich wunderbar zwischen den Klassikern einreihen. Das ist für uns ein großes Kompliment, denn wir wollen ja auch als Holy Moses erkannt werden und nicht als alte und neue Band mit zwei unterschiedlichen Ausrichtungen. Deshalb bin ich sehr zufrieden, dass viele Rezensenten, aber auch Fans der Meinung sind, dass wir unserem Stil sehr treu bleiben.

The-Pit.de: Sabina, du warst eine der allerersten Frauen, die sich der harten Musik annahmen. Das muss doch zur Anfangszeit unglaublich hart für dich gewesen sein.

Sabina: Am Anfang eigentlich nicht. Ich wusste nämlich gar nicht, dass ich die einzige bin (lacht). Mir war nicht wirklich bewusst, dass ich ein Feld betreten hatte, auf dem ich als Frau völlig alleine stand. Growls waren damals allgemein noch nicht so verbreitet. Ich habe zu der Zeit Bands wie Venom, Celtic Frost oder auch Possessed für mich entdeckt. Damit war ich auch ganz glücklich, denn da waren auch noch andere Sänger, die mit Growls arbeiteten. Erst in zweiter Instanz machte ich mir dabei Gedanken über das Geschlecht. Dann wurde mir schlagartig klar, dass ich wirklich alleine auf weiter Flur war. Ich habe das zu Beginn immer verdrängt, dass mich andere Musiker schräg angesehen haben, weil ich eine Frau bin und mich nun in ihre Welt vorgewagt hatte. Für mich persönlich war mein Verhalten völlig normal. Zwischendurch war es schon manchmal recht hart, weil ich wirklich nicht immer und überall akzeptiert wurde.

The-Pit.de: Wie denkt ihr über die Entwicklung der Metalszene über all die Jahre?

Sabina: Früher war die Szene nicht so durchsichtig und transparent. Wir mussten alles erst ausprobieren. Es gab das Tapetrading, Flyer wurden kopiert und dann mit der Schere ausgeschnitten. Getippt wurde auf der Schreibmaschine. Das ist heute natürlich alles völlig anders. Ich kann mich noch erinnern, als wir das erste mal im Studio direkt einen CD-Rohling brennen konnten. Kopieren ging zu der Zeit aber noch nicht zu Hause. Dazu musste man in ein Kopierwerk, das eine ganz schöne Summe für die Duplikation verlangte. Ich bin sehr froh, dass ich diese ganze Entwicklung der Szene miterleben durfte. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar.

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