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Helloween im Interview (Juni 2021)

Sieben Alpha-Hein-Mücks

The-Pit.de: Du bist ja neben Weiki das einzige Mitglied, das immer dabei war und hast viel erlebt. Eine solche Art Reunion dürfte aber wohl auch für dich etwas Besonderes gewesen sein.

Markus: Auf jeden Fall. Ich fand es cool, dass man mal so was macht. Bei den meisten Band-Reunions ist es so, dass dann zwei Leute, die lange dabei waren, rausfliegen und dafür zwei neue Alte wieder rein, was irgendwie doch relativ langweilig ist und das wäre bei uns ja außerdem ziemlich dumm gewesen. Andi (Deris; Anm.d.Verf.) ist ja damals mit der „Master Of The Rings“ eingestiegen (1994; Anm.d.Verf.) und hat bei uns große Erfolge gefeiert, außerdem ist er einfach ein arschgeiler Sänger, und auch Sascha (Gerstner; Anm.d.Verf.) ist ein super Gitarrist und Songschreiber – es wäre ja megadumm gewesen, zwei supergute Leute rauszuschmeißen, um zwei supergute wieder reinzuholen. Da haben wir gedacht, dass es doch viel bereichernder wäre, wenn einfach alle drin bleiben, dann können alle zusammen singen und alle zusammen spielen. Ich fand die Idee geil und hab mich riesig drauf gefreut. Natürlich ist das ein Risiko, denn niemand weiß was passiert, aber Andi meinte auch gleich: „Alles klar, das ist eine coole Sache“ und er war sofort bereit, sich den Job zu teilen. Dadurch kann man auch live viel geilere Sachen machen und wenn du die auf der Bühne siehst – die verstehen sich super. Auch sonst – die trinken ihr Käffchen zusammen, teilen sich ein paar Garnelchen, hängen auf Teneriffa zusammen ab, philosophieren, schnacken; das macht natürlich unheimlich viel aus.

The-Pit.de: Man sieht auch auf der Live-DVD „United Alive“ zum Beispiel, dass die Interaktion total entspannt ist und da alle auch Bock drauf haben.

Markus: Absolut und wenn du Kiske so ein bisschen kennst und weißt, wie er tickt und was er denkt mit seiner Spiritualität, dann weißt du, dass er niemals irgendwas machen würde, nur weil es ein paar Mark bringt – wenn der von etwas nicht hundert Prozent überzeugt ist, dann ist er ganz schnell wieder weg. Jetzt aber fühlt er sich wieder zurück in der Familie und alles ist cool. Natürlich gibt es auch mal Diskussionen, im Studio, über Songs und Setlists; es ist nicht so, dass wir uns immer gleich umarmen. Da sind heiße Gespräche dabei, denn wir sind nun einmal sieben Hitzköpfe, sieben Alpha-Hein-Mücks, die da aufeinanderprallen, aber auch da haben wir gelernt, sich eben nicht so aufzuheizen, dass man sich ärgert, sondern dass das zu was führt. Im hohen Alter (lacht) haben wir endlich gelernt, alles mal ’n büschen sutsche anzugehen und siehe da – es funktioniert. Und mit so einer Stimmung kann man halt auch ins Studio gehen und eine neue Platte machen. Falls bei einer Tournee was passiert, kannst du dich nach der Show immer noch aufs Hotelzimmer verpissen, aber wenn du im Studio zusammenarbeitest, eine Platte abliefern sollst und dann klappt was nicht – das ist wesentlich schwieriger. Dann kämpfst du dich da durch und musst im kreativen Prozess, der vielleicht nicht so funktioniert, trotzdem weitermachen und was vorlegen… Deswegen haben wir das so rum gemacht, quasi zur Sicherheit, aber es hat ja zum Glück alles super geklappt.

The-Pit.de: Ihr habt ja sowieso mehrere sehr gute Songwriter, die man auch fast immer heraushört. Bei „Cyanide“ auf dem neuen Album zum Beispiel dachte ich sofort, ohne zu gucken, wer den Song komponiert hat: Das ist ein Deris-Song! Und das stimmte ja dann auch. Wobei der Typ ohnehin eine Songwriting-Maschine ist.

Markus: Jaja, der wacht morgens auf und scheißt erst mal vor dem Frühstück ein paar Ideen aus (lacht). Aber stimmt natürlich: Er hat eben so seinen Stil, der auch super gut passt. Er hat ja so einen leichten, kommerziellen Pop-Einfluss und wenn wir bei Helloween das dann spielen, dann kommt am Ende so ein Helloween-Pop-Rock-Metal-Song heraus und das finde ich sehr geil.

The-Pit.de: Es ist ja auch nicht verwerflich, wenn bei einer Metalband manches hier und da ein bisschen poppiger klingt, das trägt letztlich nur zur Vielseitigkeit bei. Und ich finde auch die Gesangsaufteilung auf der neuen Scheibe sehr gelungen, denn sie wirkt sehr natürlich. Zum Beispiel bei „Best Times“ diese Hansen-Einschübe finde ich sehr cool.

Markus: Ja genau, der ist ja auch immer noch dazwischen und bringt Farbe rein, das ist total interessant. Ich war selber nicht in den Prozess involviert, wo entschieden wurde, wer was wann singt, da wir wegen dieser verkackten Pandemie in verschiedenen Studios arbeiten mussten. Und mit sieben Mann, Produzenten und was weiß ich da herumzuturnen, das ging halt nicht, deswegen war ich in diesem Fall nicht dabei. Aber es war natürlich megageil, wo ich das das erste Mal gehört habe und selber überrascht war und dann nur immer dachte: Oh, hm, ah, guck mal hier… (lacht)

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