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Helloween im Interview (Juni 2021)

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Am 18. Juni bekamen Helloween-Fans etwas vorgesetzt, von dem sie lange Zeit nicht einmal zu träumen wagten: Nachdem sich der nun schon lange existierenden Besetzung Deris/Weikath/Gerstner/Großkopf/Löble die beiden ehemaligen legendären Mitstreiter Kai Hansen und Michael Kiske vor ein paar Jahren zu einer ausgiebigen Tournee angeschlossen hatten und somit das Line-Up auf sieben Personen erweiterten, folgte an jenem Tag auch ein Album in dieser Konstellation, das sich glücklicherweise auch noch als eine richtig starke Platte entpuppte. Da gab es natürlich eine ganze Menge zu besprechen und so klingelten wir beim sympathischen, witzigen und gut aufgelegten Bassisten und Gründungsmitglied Markus Großkopf durch, um ihm einige Infos zur Reunion, zum neuen Album, aber auch zu Anekdoten aus der Vergangenheit zu entlocken.

The-Pit.de: Moin Markus, wie geht es dir?

Markus: Moin. Gut, danke. Ich bin hier gerade am Schrauben, Machen und Tun, im Blaumann (lacht). Die Zeit kann man ja nutzen, um die Bude fit zu machen.

The-Pit.de: Ja, ich hänge derzeit natürlich auch viel zu Hause rum. Ich würde zunächst gerne einfach mal wissen: Schreibt sich dein Nachname eigentlich mit „ß“ oder mit „ss“? Denn auch auf deutschen Seiten wird der manchmal mit „ß“ und manchmal mit „ss“ geschrieben.

Markus: Eigentlich mit „ß“, aber außerhalb Deutschlands denken die sonst immer, das sei ein „b“, deswegen schreibe ich das immer international. (Mit gespielter Affektiertheit:) Mein Künstlername ist dann Großkopf mit „ss“ (lacht ausgiebig). Sonst sagen die nachher immer „Grobkopf“.

The-Pit.de: Hahaha, dann wäre das ja geklärt. Lass uns am Anfang mal ganz tief in der Vergangenheit wühlen: Wie bist du zum Bassspielen gekommen und was waren deine Einflüsse damals?

Markus: Das ist eine ganz lustige Geschichte: Ich hab beim Musikhören früher schon immer den Bass besonders rausgehört, auch als ich noch gar nicht selber gespielt hab. Ich bin aus einer Arbeiterfamilie und meine Eltern hatten nicht die dicke Kohle, um mit uns in einen teuren Urlaub zu fahren. Deswegen haben sie uns in ein Feriencamp von der Christlichen Jungend geschickt damals, da waren so 40 bis 70 oder 80 Kinder und das war sehr günstig, aber supergeil. Ich war da 13 oder 14 oder so und da waren irgendwann mal zwei Punks, die eine Band hatten und mit denen hing ich damals herum. Sie hatten keinen Bassisten, allerdings eine Anlage und einen Bass und haben das dann mal mitgebracht. Der Schlagzeuger konnte ganz gut bumm-tsss, der Gitarrist konnte seine drei Akkorde – und ich konnte noch gar nichts (lacht). Ich hab dann einfach mal ein bisschen auf dem Bass herumgezupft und mir selbst was beigebracht – und bums, war ich Bassist in einer Punkband (lacht). Ich hab dann recht schnell bemerkt, dass ich das nicht wieder los werde und dass ich das geil fand. Die Einflüsse waren damals die bekannten Punkbands wie die Ramones, Sex Pistols oder XTC, aber später kamen dann auch AC/DC, Kiss oder Ted Nugent hinzu, was musikalisch wesentlich interessanter war. Deren Platten hab ich rauf und runter gehört und dazu gespielt, und bin dann in diese Ecke geraten und das hat mich seitdem nicht wieder losgelassen.

The-Pit.de: Du bist ja nun inzwischen auch sehr virtuos, was damals bei Punk ja sicher nicht unbedingt nötig war.

Markus: Dankeschön (lacht). Aber es war eine gute Basis um einzusteigen und die Musik hat ja auch eine geile Energie – so was wie die Ramones höre ich auch heute noch gern.

The-Pit.de: Und schließlich entstanden dann Helloween, die mit Kai Hansen und dann Michael Kiske schnell unglaublich erfolgreich wurden. Wie kam es zur Reunion mit diesen Mitgliedern aus der erfolgreichsten Zeit? Es ist ja nun schon viele Jahre her, dass die beiden ausgestiegen sind.

Markus: Das hat tatsächlich Jahre der Vorbereitung und Überlegung erfordert. Ich hab Michi zwischendurch immer mal gesehen, aber Weikath und Kiske… da hatte es nun einmal sehr viel Krach gegeben. Da waren viele Wunden offen, die erst mal zugenäht werden mussten. Wir haben uns dann zufällig auf einem Festival mal alle getroffen, wo wir mit Avantasia gespielt haben (Funfact: Markus hat auf den ersten beiden Avantasia-Platten den Bass eingespielt; Anm.d.Verf.) und da war natürlich auch Michi dabei mit den ganzen anderen Sängern… Und es war ja der gute Tobi (Sammet – Avantasia-Mastermind; Anm.d.Verf.), der Michi überhaupt animiert hat, wieder live zu spielen. Gott sei Dank, das hat er gut gemacht (lacht). Jedenfalls hatte da auch Weiki die Gelegenheit, mit ihm zu schnacken und Kiske meinte dann auch irgendwann: „Eigentlich bin ich dir gar nicht mehr böse, ich hatte ja jetzt auch genug Zeit nachzudenken“ etc. und da hat man gesehen, da sind Sachen wieder zugeschweißt worden durch die Zeit, die alle Wunden heilt, oder schlicht durch die Entwicklung, die man im Leben so durchmacht. Trotzdem hat es noch ein bisschen gedauert, denn so etwas macht man nicht von heute auf morgen, nach dem Motto „Ey, lass mal morgen Abend treffen und ’ne Bluessession machen“ – so was funktioniert bei Helloween nicht (lacht). Das wurde langsam vorbereitet, wir haben uns da rangetastet und uns einfach die Zeit genommen, bis sie reif war und wir tatsächlich sagen konnten: „Okay, jetzt kann man das mal ernsthaft wieder versuchen, wo Dinge aus der Welt sind und Leute wieder miteinander reden.“

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