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HateDotCom im Interview (Februar 2015)

„Entscheidend ist aber am Ende, was dabei herauskommt, und genau das ist ungemein fruchtbar“

Die Show unlängst in Münster beim Metal Storm Festival hat es einmal mehr gezeigt: Entweder kommen die Gelsenkirchener HateDotCom auf CD wie die aktuelle „Dissociative“ gut an, dabei kann der eine oder die andere live nichts mit dem groovigen, aber modernen Sound anfangen oder halt umgekehrt – eine seltsame Schnittmenge. Endlich konnte auch mal ein Termin mit Gitarrist Jens deckungsgleich gezogen werden, denn unter Beschäftigungsmangel leiden weder die Band noch die The-Pit.de-Redaktion. Umso schöner, dass wir nun Vis-à-vis beisammen sitzen und er dazu auch noch in bester Plauderlaune zu sein scheint.

The-Pit.de: In eurer Band sind ein paar massive Änderungen passiert, die alte Scheibe „Fragments Of Scare“ ist ja noch viel Death-Thrash lastiger, auf der neuen CD seid ihr deutlich variabler. Wir würdest du eure Entwicklung generell beschreiben?

Jens: Die Änderungen hängen mit Sicherheit damit zusammen, dass ich neu in 2012 dazu gekommen bin. Die Band hat sich insofern verändert, als dass der alte Gitarrist raus ist und die anderen dann gesucht haben. Die haben mich dann irgendwie gefunden, ich habe die gefunden, das hat auch menschlich sofort gepasst, was nicht nur mir, sondern auch ihnen total wichtig war. Das muss auf der menschlichen Ebene passen, dann macht das Spaß. Für mich bedeutet „Band sein“, dass sich die fünf Leute auch verstehen. Ich habe nie Bock gehabt, in Bands zu spielen, die irgendwie untereinander nicht grün sind, die das nur wegen der Musik machen und auf der Bühne so tun, als ob sie zusammen wären und hinter der Bühne ist nachher alles total scheiße. Ich habe mir dann ein, zwei Songs von der „Fragments Of Scare“ herausgehört, wir haben dann geprobt, und dann sagen sie mir, dass sie eigentlich keinen Bock auf das alte Zeug haben. Und das ist ja eigentlich gut, dass wenn ich neu einsteige, ich gleich etwas Neues mitgestalten kann. Dann war das für alle klar, den alten Kram über Bord zu schmeißen. Das war im Prinzip eine Bauchentscheidung, zu sagen, dass es jetzt einer neuer Anfang ist und dass dann die Musik auch komplett neu ist. Damit ging dann aber auch einher, dass wir die alten Songs nie mehr live spielen. „Fragments Of Scare“ wird man dann so nicht mehr hören und ist somit zu Grabe getragen worden. Ich hatte mich im Vorfeld ja informiert und in die Songs reingehört, ich hätte auch diese Death-Thrash-Sache mitgemacht, ich kam ja auch von Agamendon und hatte dort Melodic-Death-Metal gespielt, bin da aber weg, weil ich musikalisch etwas Neues machen wollte. Wir sind ja nicht im Streit auseinander gegangen und gehen auch heute noch einen trinken. Der Roman hatte dann schon ein paar Songs am Start, die sie mir dann auch vorgestellt haben, was dann deutlich rockiger war, aber noch immer eine deutliche Thrash-Kante hatte. Das ging dann aber direkt mehr auf die Nase. Der Ausstieg des alten Gitarristen hatte mit den Effekt, dass sie sich vorher schon Gedanken darüber gemacht haben, was eigentlich gut für den Sänger ist. Dazu gehörte auch auszuprobieren, in welcher Tonhöhe er sich am wohlsten fühlt. Das hat dann dazu geführt, dass die Gitarren wieder höher gestimmt wurden, die alten Songs waren zu tief für den Tim. Wir waren dann nicht mehr auf C, sondern auf D, was für den Tim auch gleich besser war. Die Jungs hatten ja die ersten Songs, ich hab dann mal einen mitgebracht und es hat sich dann herauskristallisiert, dass es mir total Spaß macht, dass wir die Songs alle gemeinsam schreiben. Da kommt einer mit einem Riff an, der andere bringt einen fertigen Song mit, wir arrangieren den um, es ist aber nie so, dass man ankommt und sagt, dass es das ist. Das ist eine Gemeinschaftsproduktion, jeder bringt da was ein, man kann auch mal sagen, dass man etwas an einer Stelle versucht, was dann auch ausprobiert wird. Manchmal zoffen wir uns auch, aber wir hauen uns dann nicht auf die Schnauze. Entscheidend ist aber am Ende, was dabei herauskommt, und genau das ist ungemein fruchtbar. Zusammenfassend kann man schon sagen, dass die alten Songs nicht mehr die neuen HateDotCom sind, das merkt man ja auch am neuen Logo. Wenn schon neu, dann richtig (hätte man dann nicht auch einen neuen Bandnamen suchen sollen?; Anm. d. Red.). So ist dann der Dreh weg von der „Fragments Of Scare“ hin zur „Dissociative“ gekommen.

The-Pit.de: Das neue Album ist deutlich grooviger, beim Opener „Darkest Clouds“ habt ihr reichlich Stoner-Elemente verbaut, auch in „They’re Coming“ habt ich ein bisschen Stoner drin. Ich hab es im Review auch teilweise Richung Mustasch verortet. Könnt ihr mit der Stileinordnung Konform gehen?

Jens: Das ist jetzt keine Reißbrettproduktion, wo man sagt, dass das jetzt der Stil ist und alles so sein muss. Klar war ja, dass wir Death-Thrash nicht mehr machen wollten, allein Tim wollte schon melodischere Songs singen. Er ist ja auch weg von den Growls mehr hin zu Shout- und Screamgeschichten. Das entstand dann aus dem, worauf wir Bock haben und was wir gerne hören und spielen und was aus den Riffs wird. Wir wollten auf jeden Fall eine rockige Schiene. Bei „They’re Coming“ hat Roman das Riff mitgebracht, das fanden wir cool, ebenso bei „Darkest Clouds“. Da hat der Roman auch ein Faible für. Das haben wir dann eingebaut. Es ist also nicht so, dass wir den Melodic-Thrash-Irgendwas-Song brauchen und bauen den dann zusammen, sondern da ist etwas, was uns gefällt und das wird dann genommen. Ich sitze auch manchmal im meinem Homestudio, bastele vor mich hin und dann trifft mich plötzlich der kreative Geistesblitz. Manchmal wache ich auch auf und habe einen ganzen Song im Kopf. Dann ist alles unwichtig. Frühstück zur Seite, muss ich zur Arbeit? Schaffe ich das noch? Manchmal geht das so, manchmal hast du nur ein Riff, woraus man mehr machen kann. Wir haben keinen Bock, uns in irgendeiner Form zu verstellen. Ist natürlich schön, wenn es den Leuten gefällt, wir machen uns natürlich auch Gedanken, dass man sich das anhören kann und liefern keinen Murks ab, aber es ist nicht so, dass wir sagen, dass wir die nächste neue Neo-Thrash-Band sein müssen.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“