Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Gojira im Interview (Oktober 2013)

Auch Death-Metaller können weinen

Interviewpartner Mario Duplantier in action

Zum Thema

Vor wenigen Stunden haben Gojira bei schweißtreibender Hitze eine der beeindruckendsten und intensivsten Shows des diesjährigen Wacken Open Air gespielt – mittlerweile ist es für die Franzosen kein Problem, auch ein größeres Publikum wie hier locker im Griff zu haben, wozu auch die aktuelle, hervorragende Scheibe „L’Enfant Sauvage“, die dem Quartett möglicherweise den endgültigen Durchbruch beschert, ihren Beitrag geleistet hat. Über dieses Album, über die Umweltschutzambitionen der Band und Weiteres spricht The-Pit.de mit Drummer Mario Duplantier, der meine Wenigkeit im Gibson-Bus im Backstage-Bereich empfängt. Es ist leider nicht allzu viel Zeit, was nicht nur schade ist, weil der Schlagwerker ein extrem freundlicher und bodenständiger Zeitgenosse ist, der sich sogar mehrmals dafür entschuldigt, dass sein Englisch so schlecht sei, sondern auch, weil es im Bus dank Klimaanlage angenehm kühl ist und man so gar keine Lust hat, sich eine Viertelstunde später wieder in die Affenhitze zu begeben.

The-Pit.de: Hey Mario, das war eine echt coole Show vorhin – mit jeder Menge Crowdsurfern.

Mario: Dankeschön! Wie war der Sound?

The-Pit.de: Da, wo ich stand, vorne links, war er sehr gut. Es hat echt Spaß gemacht. Aber lass uns ein wenig über euer aktuelles Album „L’Enfant Sauvage“ reden. Die Übersetzung hierfür lautet „Wildes Kind“ und auch wenn Joe (Duplantier; Sänger und Gitarrist sowie Bruder von Mario; Anm. d. Verf.) während der Show ja schon ein bisschen erklärt hat, was dahinter steckt – kannst du sonst auch noch ein paar mehr Details verraten?

Mario: Nun ja, Joe schreibt die Texte, von daher wäre er natürlich schon der beste Ansprechpartner dafür, aber ich werde es mal versuchen. Zunächst einmal wäre zu sagen, dass er in erster Linie uns selbst mit diesem Titel meint: Er, ich und die beiden anderen Jungs, wir fühlen uns wie „wilde Kinder“. Wir sind in einer Gegend von Frankreich aufgewachsen, die weit entfernt liegt von den großen Städten, und nun touren wir durch die Gegend, um Leute zu treffen, wir spielen Shows und geben Interviews – aber im Inneren sind wir doch sehr wild (lacht). Ich denke, er meint, dass wir etwas Wildes in uns erhalten müssen; das ist sehr wichtig, um die Energie aufrecht zu halten… Aber ich bin wirklich sehr schlecht darin, Texte zu erklären, es ist katastrophal (lacht).

The-Pit.de: Ich habe gehört, ihr habt es euch quasi ausgedacht, über Themen wie Umweltverschmutzung bzw. Umweltschutz zu schreiben, da ihr in der wunderschönen kleinen Stadt Bayonne (liegt ganz im Süden Frankreichs an der Atlantikküste; Anm. d. Verf.) aufgewachsen seid. Stimmt das?

Mario: Ja, das ist wahr. Wir hatten den Ozean, die Berge und Wald in unmittelbarer Nähe, was uns sehr geprägt hat und auch heute noch unsere wichtigste Inspiration bedeutet. Ich bin da auch nie weggezogen und lebe dort immer noch.

The-Pit.de: Für eine Death-Metal-Band ist es ja recht ungewöhnlich, über Themen wie Spiritualismus, die Natur und Umweltschutz zu schreiben, was euch allerdings auch sehr einzigartig macht. Natürlich auch in Kombination mit eurer Musik, die ebenfalls sehr eigenständig und sofort wiedererkennbar ist. Wie siehst du persönlich eure Entwicklung?

Mario: Erst einmal freut es mich selbstverständlich, dass du das so siehst. Wie du schon sagst, wir haben unseren Stil gefunden; wir haben sozusagen ein paar „Tricks“ für die Gitarre oder die Drums auf Lager. Ich weiß genau, was ich beim Schlagzeugspielen hören will, habe meine Grooves und Patterns usw. Wir haben die Death-Metal-Elemente aber inzwischen ein wenig zurückgesteckt, sind gewissermaßen etwas erwachsener geworden. Wir versuchen, ein bisschen offener zu sein, etwas melodischer. Inzwischen sind wir etwas weniger Death Metal als zu Beginn und eher atmosphärischer und organischer geworden. Letztlich versuchen wir einfach nur, kraftvoll zu klingen.

The-Pit.de: Hast du persönliche Favoriten auf dem Album oder ändert sich das?

Mario: Ich würde sagen, auf „L’Enfant Sauvage“ sind meine Favoriten „Mouth Of Kala“ und „Born In Winter“.

The-Pit.de: Ihr seid alle Mitglieder bei der Umweltorganisation Sea Shepherd, die ähnliche Missionen wie zum Beispiel Greenpeace machen. Wart ihr oder einer von euch schon mal mit auf so einer Mission?

Mario: Bisher nicht. Mein Bruder ist da besonders stark involviert und er will eigentlich mal gerne auf solch eine Mission mit, es fehlte ihm allerdings immer an Zeit. Aber er hat mir gesagt, dass er das auf jeden Fall noch machen wird. Wir finden, dass wir diese Organisation unbedingt unterstützen müssen, da es sehr wichtig ist, was sie tun.

The-Pit.de: Wie haben dein Bruder und du mit der Musik angefangen? Was hattet ihr so für Einflüsse, wie kamt ihr dazu, selbst Musik zu machen?

Mario: Nun, wir sind alle Fans insbesondere der Old-School-Bands wie Morbid Angel, Death oder Sepultura – selbst Metallica. Diese Gruppen bilden ein wichtiges Fundament unserer Musik, doch wie gesagt, wir versuchen stets, offen zu sein. Elektronische Musik, Popmusik oder indische Musik kann genauso ein Einfluss sein wie meinetwegen Meshuggah.

The-Pit.de: Meshuggah kommen einem bei euch natürlich immer in den Sinn wegen der vertrackten Rhythmen und Grooves.

Mario: Ja, aber weißt du, was witzig ist: Ich habe erst vor etwa vier Jahren angefangen, Meshuggah zu hören – vorher kannte ich die gar nicht. Wir haben zwar ein ähnliches Interesse an technischen Dingen und Polyrhythmik, aber das ist wohl eher Zufall, da wir vorher gar kein Meshuggah gehört haben.

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann