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Fiddler's Green im Interview (Oktober 2004)

"Ich darf nicht zu hart werden, weil es ist ja Fiddler's .."

Fiddler's Green beim Summer Breeze

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Im Rahmen des Höhlenrock Festivals 2004 stand mir Peter von Fiddler's Green im Interview gegenüber.

The-Pit.de: Ihr hattet dieses Jahr viele Auftritte auf Festivals. Wie habt ihr diese erlebt und was waren die schönsten Momente für euch? 

Peter: Die Festivals waren vollkommen unterschiedlich. Das M'era Luna Festival war zum Beispiel ein Gothic Treffen, bei anderen waren nur Folkies. Und genau diese Abwechslung macht Spaß. Das geile ist, dass du auf dem M'era Luna spielst, aber auch zum Beispiel vor 20.000 Leuten auf dem Bardentreffen in Nürnberg. Das finde ich klasse, dass beides stattfinden kann.

The-Pit.de: Ist das bei euch noch eine Zitterpartie, ob ihr von den Leuten gut angenommen werdet, oder hat sich das inzwischen normalisiert? 

Peter: Das ist es eigentlich nicht mehr, weil wir auf den ganzen Festivals wirklich schon oft gespielt haben. Es wiederholt sich von Jahr zu Jahr. Und ich muss sagen, dass gerade das Wave Gotik Treffen in Leipzig immer spitze ist. Das ist eines der schönsten Konzerte im ganzen Jahr, wo man ja eigentlich sagen könnte: Fiddler's Green ist keine Gothic Band. Aber die Leute sind echt tolerant und das finde ich gut.

The-Pit.de: Und nach welchen Kriterien habt ihr eure Setlist auf Festivals ausgewählt ? 

Peter: Eigentlich will man immer das spielen, was uns Spaß macht, aber es ist klar, dass man wenn man auf dem M'era Luna steht schon mal das Gruftstück mit Dudelsack auspacken muss. Aber das gefällt uns persönlich auch, wir spielen es auch heute wieder. Ein bisschen passt man das schon ans Publikum an, aber nicht viel.

The-Pit.de: Wo habt ihr denn mehr Spielfreude ? Auf großen Festivals oder in kleinen Konzerträumlichkeiten ? 

Peter: Es ist wirklich beides geil. Ein gut organisiertes Festival mit einem guten Publikum, richtig groß, kann genauso gut sein wie ein Club Gig, wo du das Weiß in den Augen deiner Zuschauer siehst und wo es von der Decke tropft.

The-Pit.de: Ihr ward ja jetzt in Russland auf Tour. Wie haben die Leute dort eure Musik aufgenommen ? 

Peter: Wir waren jetzt das zweite Mal schon in Russland. Die Russen verstehen zu feiern und da wir Partymusik machen, geht das gut Hand in Hand.

The-Pit.de: Werden bestimmte Gruppen von eurer Musik angesprochen oder sollen bestimmte Leute angesprochen werden ? 

Peter: Das schönste ist immer, wenn uns die Musik gefällt. Stell dir vor, wir würden jetzt auf einmal eine weibliche Sängerin einführen und auch so eine Art Elfenrock machen. Dazu haben wir zu viel eigene Substanz. Ich hoffe, dass unsere Musik den Leuten auch weiterhin gefällt, aber wir richten uns nicht nach Trends.

The-Pit.de: Verletzt es euch dementsprechend auch nicht, wenn sich Leute negativ über eure Musik äußern ? 

Peter: Ne, aber ich muss auch sagen, dass wir gerade mit der letzten CD bei den Kritiken total gut weggekommen sind. Da darf man sich überhaupt nicht beklagen. Und jeder kann seine eigene Meinung haben und darf diese auch frei äußern. Das stört mich eigentlich nicht.

The-Pit.de: Ihr bringt ja im Februar 2005 eure Live DVD auf den Markt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen ? Habt ihr euch da auch an andere Bands gehalten oder war das schon länger geplant? 

Peter: Ne, das steht schon lange fest, dass wir das machen wollen und welchen besseren Anlass als das 1000. Konzert hätte man dazu finden können ? Und das haben wir nun auch gemacht.

The-Pit.de: Aber es war dann ja doch das 999. Konzert ... 

Peter: Ein Konzert vorher ist ausgefallen, weil ein mörderischer Sturm über das Gelände fegte und deshalb war es dann Nr. 999.

The-Pit.de: Das ist ja auch eine gute Zahl. 

Peter: Ja, eben. Vielleicht sogar die bessere Zahl ...

The-Pit.de: Und wird es Bonusmaterial auf der DVD geben ? 

Peter: Ja, das ist eigentlich das Beste, weil wir alles mitgefilmt haben, was nebenher passiert ist. Und es wird gigantisch werden. Es ist so viel Material, dass wir gar nicht wissen, wie wir es auf einer DVD unterbringen sollen. Und da ist echt witziges Zeug dabei, wo wir uns selber noch vollkommen ablachen müssen. Es ist echt gnadenlos.

The-Pit.de: Ist denn auch schon ein neues Album geplant ? 

Peter: Ja. Und zwar gibt es den Gedanken, dass wir etwas live mitschneiden werden. Denn bei der Technik heute stellst du da einfach einen Laptop hin und einen Wandler und wir schneiden dann einfach so lange mit bis ein gutes Ding dabei ist und werden es dann unbearbeitet rausbringen. Es darf keine Overdubs mehr geben. Das ist der Anspruch.

The-Pit.de: Also nicht bei einem Konzert, sondern bei vielen und ihr sucht euch dann das passende heraus ? 

Peter: Genau, wir müssen eigentlich immer mitschneiden bis es dann mal richtig geil war. Man macht ja immer kleinere Fehler, die man erst zur Hause hört. Oder wir lassen die ganz einfach drauf. Live ist live.

The-Pit.de: Schneidet ihr dann einfach so mit oder bereitet ihr das Publikum darauf vor, dass jetzt ein Live Mitschnitt erfolgt? 

Peter: Nö, das müssten war dann ja bei jedem Konzert sagen. Ohne Beeinflussung, ohne Ansage, einfach immer mitschneiden. Das ist auch nur ein Gedanke, vielleicht machen wir trotzdem wieder eine Studio - CD. Man weiß es nicht, aber es wäre mal witzig. Das haben wir auch noch nie gemacht.

The-Pit.de: Und inwiefern lasst ihr euren persönlichen Musikgeschmack in die Musik mit einfließen ? 

Peter: Bei uns ist es so: Wir machen 30% Traditionals im Proberaum und der Rest ist dann von mir. Da fließt natürlich schon mein persönlicher Musikgeschmack rein, aber der ist so vielseitig, dass es von der Ska- bis zur Reggae- oder Metalnummer alles gibt. Ich muss immer auf die anderen aufpassen. Ich darf nicht zu hart werden, weil es ist ja Fiddler's ... Klar, das muss dann schon passen, aber das geht bisher eigentlich ganz gut. Wir hatten ja auch das eine Lied mit Eric von Subway to Sally gemacht. Man kann da also schon mal so kurze Ausflüge machen.

The-Pit.de: Wo du es gerade ansprichst ... Ist es geplant noch einmal etwas mit anderen Bands oder Sängern zusammen zu machen? 

Peter: Also ich habe noch keine konkreten Pläne. Obwohl - ich hab jetzt den Justin Sullivan von der New Model Army mal gefragt, ob der Bock hätte, etwas zu machen. Wir hatten auch mal versucht den Shane MacGowan zu bekommen. Das ist der Sänger von den Pogues. Aber der war so besoffen ... Ich hatte den dann am Telefon und - ungelogen, ich sage es euch - der Mann ist so fertig, ich glaube der kann sich nicht mehr erinnern, dass da irgendjemand angerufen hat. Das ist ganz schwer, mit ihm etwas auszumachen. Wir haben dann versucht, ihn in Dublin irgendwo zu finden, aber es hat nicht geklappt. Wir haben dann angerufen und gefragt, ob er da ist, aber da war dann nur der Manager ... Ganz merkwürdig. Aber prinzipiell find ich das schon ganz witzig, so etwas zu machen.

The-Pit.de: Und wenn er dann mal nüchtern ist, macht er ja auch ganz geniale Sachen ... 

Peter: Ja, es wäre eine Ehre für uns. Denn ich finde Shane MacGowan ist auch ein sehr genialer Songwriter und was er gesungen hat ist einzigartig. Das kann nur er so.

The-Pit.de: Angefangen habt ihr auch so ein bisschen im Kielwasser von den Pogues, oder ? 

Peter: Ja, die Pogues waren eigentlich für mich der Grund, eine solche Band zu machen. Denn es war für mich damals der Hammer, dass Folk auch mal nicht so behäbig und langsam daherkommt, sondern echt diese Power hat. Und da muss ich sagen: Das waren eindeutig die Pogues. Da gibt es nichts zu rütteln.

The-Pit.de: Wie sieht denn die Konkurrenzsituation zu anderen Bands aus ? 

Peter: Ich weiß gar nicht, warum die anderen Bands da immer Streitigkeiten haben. Das ist bei uns ganz klasse. Auch zum Beispiel Schandmal - das sind alles wirkliche Freunde. Man hilft sich gegenseitig, spielt zusammen, zieht da an einem Strang und ich sehe es auch überhaupt nicht problematisch, weil die Bands einfach total unterschiedlich sind. Nehmen wir Subway to Sally, Fiddler's Green und uns. Das ist ein weltweiter Unterschied zwischen den Bands und deshalb nimmt man sich da auch nichts weg. Zum Glück.

The-Pit.de: Zu eurem neusten Album - habt ihr da ein neues Thema mit eingebracht oder neue Ideen ? 

Peter: Naja, wir haben jetzt auch mal ein Dudelsacklied, aber es hat auch saugeil zu dem Stück gepasst. Das ist vielleicht ein neues Element, das wir aufgenommen haben. Aber ansonsten ist unser Konzept ja eh breit gefächert. Da kannst du vorher noch 1000 Songs machen, bevor es langweilig wird. Denn es ist Ska dabei, Reggae, klassischer Folk ... Das ist also eigentlich in dem Sinne nichts Neues.

The-Pit.de: Die CD hat ja auch einen besonderen Namen. Wie ist "NU Folk" zu Stande gekommen? 

Peter: Es sind ja doch ein paar Abgeh-Stücke darauf, mit E-Gitarre, die ein wenig an Nu Metal erinnern. Und da dachten wir uns: Nennen wir es einfach NU Folk, weil es das ganz gut beschreibt, was wir gerade machen.

The-Pit.de: Ist denn ein Musikquerschnitt darauf, oder ein ganz neuer Musikabschnitt ? 

Peter: Ne, man treibt die Grenzen immer ein Stück weiter. Das Lid Silence ist ein bisschen traurig und langsamer als alles, was wir vorher gemacht haben, aber es gab auf der ersten CD auch schon das Hip Hurray und das war auch schon traurig. Insofern ist es immer ein bisschen das Herausschieben der Grenze.

The-Pit.de: Welche Grenze schiebt ihr jetzt immer weiter heraus und wann ist die Grenze auch wirklich erreicht ? 

Peter: Das ist eine ganz schwere Frage. Ich habe jetzt auch wieder angefangen, neue Songs zu schreiben und du weißt nie was kommt. Du sitzt da halb in der Küche mit deiner Gitarre und fängst einfach an. Ich mache mir nie vorher Gedanken darüber, dass ich irgendwelche Grenzen erreichen will. Du musst einfach schauen, was dabei rauskommt.

The-Pit.de: Womit fängst du an? Mit Texten, mit Musik oder teilweise Textideen und teilweise Musikideen? 

Peter: Zu 90% ist es immer erst auf der Gitarre. Aber ich habe jetzt wieder damit angefangen, viele englische Bücher zu lesen und da ist es oft so, dass ein Titel oder eine kurze Phrase schon ein Song werden kann und da weiß ich: Der nächste Song heißt so. Der muss so heißen. Das kann also auch so herum laufen.

The-Pit.de: Also hast du die inhaltlichte Idee, machst dazu die Musik und dazu dann wieder den Text ? 

Peter: Es ist manchmal wirklich so: Ich lese einen Titel und weiß dann genau, wie das Lied dazu sein muss. Aber meistens, wie gesagt, erst die Musik und dann der Text.

The-Pit.de: Welche Ideen inspirieren dich denn dabei ? 

Peter: Das kann alles sein. Es kann wirklich ein Wort sein: Du nimmst aus einem Buch ein Wort, was das ganze auslöst. Es kann ein Titel oder eine Kapitelüberschrift sein, was es auslöst. Oder ganz einfach: Du bist beim Duschen - oder noch schlimmer - auf dem Klo und da fällt dir dann ein Lied ein und du musst sofort deine Gitarre nehmen und das dann machen. Oder du sitzt an deiner Gitarre, nudelst vor dich hin und hast plötzlich ein Thema, wo du sagst: Oh ja, das ist es jetzt. Das weiß man dann eigentlich auch immer ziemlich genau.

The-Pit.de: Wenn du da dann vor dich hin nudelst - woran denkst du da, um die Ideen dann auch umzusetzen? 

Peter: An gar nichts. Du musst dich da auf dein Gefühl verlassen und das Denken komplett ausschalten. So ist es zumindestens bei mir. Die Arbeit kommt immer erst dann, wenn du eine Strophe und einen Refrain gefunden hast und der Song fertig gemacht werden muss. Da fängt dann wirklich die Arbeit an. Dann musst du so weiterdenken: Okay, ich bin jetzt in e-Moll. Jetzt schauen wir mal, was dazu passt. Aber am Anfang muss man gar nicht denken, sondern mehr mit den Gefühlen arbeiten.

The-Pit.de: Manche sagen, eure Musik hätte sich von früher bis heute komplett verändert. Gerade nach dem M'era Luna Auftritt meinten viele: "Hey, waren die nicht mal viel viel softer?" 

Peter: Eigentlich nicht. Gerade da war ich sehr heiser, weil ich so viel gesoffen hatte am Abend davor. Da hat der Albi ganz viele Folknummern singen müssen. Wir wollten eigentlich noch viel härter spielen, schneller, lauter, höher, weiter. Ging aber nicht, weil ich noch gerade so fünf Songs zu Ende krächzen konnte und dann war die Stimme auch komplett weg. Also insofern war der Auftritt da eigentlich ganz normal. Da war sehr viel Folk dabei. Albi musste, ich konnte ja nicht.

The-Pit.de: Aber von der ersten Platte bis jetzt hat ja doch schon eine ziemliche Entwicklung stattgefunden. 

Peter: Ja, es ist schon mehr E-Gitarre dazu gekommen und es kracht schon hin und wieder etwas mehr, aber wir hatten das Metallica Team auch schon auf der ersten CD.

Wir bedanken uns bei Peter für das interessante Interview!

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