Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Eure Erben / Darkness im Interview (Juli 2011)

Wir haben sechs Saiten und dreizehn Töne…

Lacky beim Metalshock Festival 2010

Zum Thema

The-Pit.de: Bei zehn Shows spielst du wahrscheinlich lediglich im Tossehof in Gelsenkirchen, bei hundert Shows bist du jedes Wochenende unterwegs. Habt ihr euch auch vorher die Frage gestellt, wie viele Shows ihr im Jahr spielen könnt oder wollt?

Arnd: Ich bin Vertreter der Hunderter-Shows, was natürlich nicht so einfach ist, weil die Konkurrenz so groß ist und die Veranstalter zugemüllt und zugebombt werden. Man braucht für solche Sachen ein stabiles Management, um mehr als zehn Shows im Jahr zu spielen. Ich spiele jetzt seit dreißig Jahren Gitarre, und wenn man mal ganz zu den Wurzeln zurückkehrt, da bin ich damals auf einem Kiss-Konzert angefixt worden. Da wurde der Ur-Virus eingepflanzt; danach kamen natürlich die härteren Sachen wie Saxon und Maiden. Man kann natürlich darüber nachdenken, ob es nicht schlauer gewesen wäre, Abitur zu machen und zu studieren, jetzt einen Lehrstuhl zu führen oder so, aber dann denke ich an die ganzen guten Sachen, die ich mit der Musik erlebt habe. Ich würde es immer wieder tun.

The-Pit.de: Ich habe mir in Vorbereitung zum Interview noch das alte Video „Thrash Altenessen“ angeschaut. Könntest du dir vorstellen, dass man eine ähnliche Dokumentation heutzutage nochmals dreht?

Arnd: Nein, schau dir mal die Zeche an. Die Räumlichkeiten kenne ich seit 1984, seitdem hat man hier arg ausgekehrt. Ich find das hier sehr gediegen, ich kann hier gut mit meiner Freundin essen gehen, aber das ist kein Thrash mehr. Ja gut, du kannst hier sicherlich noch Konzerte veranstalten, aber die ganze Szene, die ganze Gegend hat sich… ich glaube, das ist einfach nicht mehr so dreckig, wie es früher einmal war, dieses Malocherimage, dieses Schmutzimage, was dem Ruhrgebiet anhaftet. Ich habe mir den Film vor einem halben Jahr auch einmal angesehen. Da waren wir alle Stolz drauf, und die Kiddies sagen heute: Boah, da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Allein schon die Wilhelm-Nieswandt-Allee, da war früher ein Zaun, da ging eine Einsenbahnstrecke her, da stehen jetzt Häuser, da ist jetzt der Kreisverkehr, da war früher ein Bahndamm; das ist alles schön, einerseits, aber andererseits ist der Charme das Gettos, das Verruchte der Zeche Carl nicht mehr da.

The-Pit.de: Wie beurteilst du den Trend, dass viele Fans bereit sind, fast 80 Euro auf den Tisch zu legen, um sich die Fab4 anzuschauen, bei den 5-Euro-Konzerten aber die Fanmenge recht übersichtlich bleibt?

Arnd: Wir müssen natürlich neidlos anerkennen, dass es gewisse Bands gibt, die sich einen ungeheuren Status erspielt haben. Da muss ich hier auch den Mille erwähnen: Der hat es verdient, da zu spielen, wo er steht. Gar keine Frage. Da kann es noch so viele Neider geben, der hat sich das erspielt. Mille nehme ich hier nur mal als Beispiel. Es gibt halt Bands, die stehen da, weil sie ein Recht darauf haben. Iron Maiden fliegen keinen Airbus, weil sie Tralala machen. Ich persönlich würde mich scheuen, 80 Euro für eine Karte auszugeben. Ich weiß in etwa, was eine PA, die Security und der Bühnenverleih kostet, und bei der Masse an Leuten finde ich das schon sehr happig. Da spielt der Kommerz schon gut auf der Flöte.

The-Pit.de: Ihr macht jetzt die Promo, nach dem Album ist vor dem Album – wo seht ihr euch in zwei Jahren?

Arnd: Ich würde mich da gerne sehen, wo der Mille ist, oder zumindest da, wo semiprofessionelle Bands sind. Von der Musik leben ist relativ schwierig, aber vielleicht einen Teil des Lebens davon bestreiten können, vielleicht zwei, drei Tage die Woche arbeiten, und der Rest ist für die Musik - dann wäre ich schon glücklich. Es wäre gut, wenn sich die Sache schon selber trägt. Realistisch ist das einfach schwer einzuschätzen. Deutschland ist ein klein wenig eingefahren. Das liegt daran, dass die restliche Gesellschaft im Underground - und das ist auch bei anderer Musik anzutreffen - einfach kränkelt. Da sehe ich das Heil eher im Osten oder Südamerika, weil die Leute einfach noch viel geiler und heiß auf die Thrash-Sachen sind. Es gibt in Südamerika auch gute Bands. Wir haben z. B. mit Terrorsquad gespielt, das ist sehr beachtlich. Ich sehe uns eher im Ausland erfolgreich. Es ist nur schwieriger, dort hinzukommen. Es gibt zur neuen CD keine negative Kritik, die den Gesang betrifft, aber es gibt natürlich negative Kritiken die sagen, dass sie Darkness besser fanden oder die Mucke im allgemeinen nicht so doll sei, aber kein schlechtes Wort über den deutschen Gesang. Ganz im Gegenteil: Die Russen und die Amerikaner mögen die deutsche Sprache, weil sie so hart und aggressiv klingt. Aber um nochmals auf die Frage zurückzukommen: Für mich selber sehe ich da Open End. Man weiß nie, was jetzt abgeht; es läuft schleppend, aber gut an mit der CD, es dürften mehr Konzerte kommen und ich denke, dass viel davon abhängt, wie häufig wir jetzt spielen und vor allem, mit wem wir spielen. Konzerte im Tossehof und so sind schön, die sind nett und machen Spaß, aber die bringen dir jetzt nicht so viel, als wenn du mit Sodom oder Kreator zusammen spielst oder mit irgendwelchen angesagten Ami-Bands. Live spielen macht natürlich immer Spaß. Mir sind letzten Endes aber zehn Leute, die voll abgehen lieber, als 500 Leute, die sich einen Scheiß dafür interessieren. Da hast du mit den zehn mehr Spaß und die machen mehr Randale als die 500. Wobei das natürlich schöner ist, wenn du ein großes Publikum hast.

The-Pit.de: So, wir sitzen jetzt hier schon gut neunzig Minuten. Ich stelle jetzt einfach mal die letzte Frage: Verrate uns doch bitte einmal deine persönlichen Top-5-Alben.

Arnd: Da gehört ganz klar „Strong Arm Of The Law“ von Saxon dazu, die erste Testament, „The Legacy“, „Reign In Blood“ von Slayer auf jeden Fall, „Unleashed In The East“ von Judas Priest und von Iron Maiden... ah, schwierig zu sagen, die „Somewhere In Time“. Das war von den üblichen Maiden etwas völlig anderes. Die haben damit ein Gefühl geschaffen. Das ist trotzdem Heavy Metal, aber mit dem Klangbild haben sie eine gewisse Atmosphäre geschaffen. Das ist ihnen danach nicht mehr gelungen und auch keinem anderen.

Nachdem das Aufnahmegerät ausgeschaltet war, saßen wir noch eine weitere Stunde zusammen, schwelgten in alten Zeiten und philosophierten über die Metalszene von heute. Und irgendwie hätten wir noch drei Stunden anhängen können und wären dennoch nicht fertig geworden…Danke, Arnd.

Seite
comments powered by Disqus

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“

Perfekter Tour-Abschluss, der mehr Zuschauer verdient hätte

Kurzweiliger Abend mit kleinem Vorgeschmack auf das kommende Album

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging