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Eure Erben / Darkness im Interview (Juli 2011)

Wir haben sechs Saiten und dreizehn Töne…

Emma im Essener Club Sounds (R.I.P.)

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The-Pit.de: Ist schon überraschend, was die Tape-Trading-Szene alles geschafft hat. Allerdings ist das Bandangebot heutzutage auch wesentlich größer…

Arnd: …ist natürlich nur hypothetisch und meine eigene Einschätzung, aber heute brauchst du nur einmal klicken und dann hast du tausend Leute erreicht, aber die tausend Leute haben von tausend anderen Bands auch schon etwas per Klick bekommen. Früher hast du Demos verschickt, von Hand oder per Schreibmaschine musstest du Anschreiben verfassen oder Infos kopieren, die Tapes eintüten. Das war mit sehr sehr viel Mühe verbunden, extrem viel Mühe und ganz viel Arbeit, wie normales Schaffen auf dem Bau. Du hast da gesessen und gemacht, das war damals schon ein hartes Stück. Das ist heute nicht mehr so, eindeutig mit weniger Herzblut. Du kannst heute eine Massenmail schreiben, klickst einmal und weg sind tausend Sachen. Das ist vielleicht der große Unterschied.

The-Pit.de: Ich gehörte damals auch zu den fleißigen Demotape-Bestellern, und es hat immer wieder Spaß gemacht, in den Briefkasten zu schauen, ob denn wieder etwas gekommen ist. Handgeschriebene Zeilen, da hast du natürlich einen anderen Bezug gehabt. Ihr habt dann also einen Deal eingesackt, drei Scheiben herausgebracht, doch dann ging es in die Brüche. Was war passiert?

Arnd: Genau, drei Scheiben. Im Prinzip ging es aber schon nach der zweiten Scheibe in die Brüche. Wir hatten schon in der Vorbereitung Probleme. Ist nicht böse gemeint, was jetzt kommt. Unser damaliger Sänger Olli († 1998 – R.I.P.) kam schon des Öfteren nicht zu den Proben, er hatte sich eigentlich schon anders orientiert und im Prinzip gar keinen Bock mehr auf die Sache, sich da noch einzubringen. Wir hätten die Sache damals kappen und anders orientieren sollen, wäre vielleicht besser gewesen. Weiß man heute nicht. Wir haben die zweite Platte geschrieben („Defenders Of Justice“, 1988; Anmerkung der Redaktion) und sind ins Studio gegangen, haben zuerst die Instrumentalsachen eingespielt. Als Olli dann singen sollte, ging das völlig in die Hose, er hatte zu sehr dem Alkohol zugesprochen. Er war total kaputt, als er singen wollte. Wir waren knapp 14 Tage im Studio und er war die letzten sechs Tage dran. Er war natürlich nicht vorbereitet, hat kaum einen Ton herausbekommen, kannte die Texte teilweise nicht, hatte Melodien nicht drauf oder kam sonstwie nicht zurecht. Wir haben in Stuttgart aufgenommen, und der Pierre (Gitarrist von 1986 bis 1989; Anmerkung der Redaktion) musste während der Aufnahmen ins Ruhrgebiet zurück, und als er zurückkam und sich das anhörte, meinte er nur, das es so gar nicht gehe und der Gesang gelöscht werden müsse. Wir brauchten neue Studiozeit – da hat es schon richtig geknallt. Mittlerweile war der Bruno auch schon nicht mehr dabei. Da gab es irgendwelche Differenzen, ich bekomme das nicht mehr zusammen, ich weiß es nicht, aber Bruno ist auch verschollen, einer der ganz wenigen, mit dem ich überhaupt keinen Kontakt mehr habe. Bei der zweiten Platte hatten wir schon den Thomas (Bassist von 1987 – 1988; Anmerkung der Redaktion) dabei, dann hatten wir ein paar Konzerte gespielt, und kurz nachdem die Platte raus war ist der Pierre ausgestiegen, da war auch schon ein Knacks drin. So stieg Jöter, der auch auf der ersten Erben-CD zu hören ist, ein, das hat aber - warum auch immer - auch nicht funktioniert. Dann kam eines zum anderen und wir wollten uns nach der zweiten Platte auflösen. Dann haben wir hier in der Zeche Carl ein sogenanntes volles Konzert gespielt. Eigentlich war es das letzte, doch dann haben wir uns doch eines Besseren besonnen und doch als Darkness in der dritten Besetzung weitergemacht, die man von der „Conclusion And Revival“ kennt, was ja dann Darkness im eigentlichen Sinne nicht mehr war. Für mich persönlich ist Darkness die Besetzung der ersten Platte, und die erste Platte ist die Scheibe, die am meisten Eier hat und Darkness am Besten widerspiegelt.

The-Pit.de: Die „Conclusion…“ war ja auch nicht mehr so griffig, da hat das Songwriting auch nicht mehr so gestimmt. Allein schon das Cover ist mehr als bescheiden.

Arnd: Wir hatten ein Coverentwurf mit ins Studio gebracht, welches wir auch haben wollten und die Plattenfirma meinte, dass es so gar nicht gehe. So würde sich das überhaupt nicht verkaufen. Es handelte sich um ein schwarzes Cover mit einem goldenen Streifen drin, und in weiß im goldenen Streifen hast du die Silhouetten von Erhängten gesehen, ganz klein, als Symbol von Tod und Wiederauferstehung. Laut Plattenfirma ging das gar nicht, doch ein Jahr später kam das schwarze Album von Metallica heraus. Dann hatten sie irgendwie 500 freie Dias angekauft, die wir durchforstet haben. Da war echte Scheiße dabei, da machst du dir kein Bild von. Da haben wir echt noch das Beste rausgesucht, und das ist dann das Cover geworden. Ein halbes Jahr später sagte der Bruder vom Lacky, dass es ein Sinclair-Cover sei. Wir sagten dann, das könne nicht sein, doch er zückte Heft Nummer keine Ahnung hervor (Band Nr. 400: Jenseits-Melodie; Anmerkung der Redaktion). Das ist nicht auf unserm Mist gewachsen. Wir haben es ausgewählt, aber nicht gewollt.

The-Pit.de: Danach war dann endgültig Schluss?

Arnd: Ja genau, dann war endgültig Schluss. Das ist sehr unruhig zu Bruch gegangen. Wir haben eine Tour mit Mucky Pup gespielt, aber da gab es arge Differenzen mit dem Ray (Vocals 1989 – 1990, † 2004, R.I.P.; Anmerkung der Redaktion), der halt sehr eigensinnig war. Da gab es dann sogar Handgreiflichkeiten, das ist echt unschön gelaufen, dann haben wir die Tour zu Ende gespielt und den wirklich letzten Gig Ende des Sommers 1989 irgendwo in Holland. Wir haben dann noch in Holland gepennt die Nacht, sind dann nach Hause gefahren, und das war es dann.

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