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Enslaved im Interview (Dezember 2017)

Wer hat Angst vorm Saxophon?

Einen Wahnsinns-Output können Enslaved vorweisen – in 26 Jahren, die die Band nunmehr existiert, haben die Norweger allein 14 Studioalben herausgehauen, eine wahrhaft beeindruckende Bilanz. Und doch sind ihnen die Ideen noch längst nicht ausgegangen, wie das neue Meisterwerk „E“ beweist. Klar, dass der Fünfer mit dieser tollen neuen Scheibe im Gepäck wieder auf Tour geht – einer der ersten Termine findet in Hamburg statt, wo man erneut im für diese fantastische Formation eigentlich schon zu undergroundigen Logo gastiert. Vor der Show hatten wir die Möglichkeit, mit Gitarrist und Hauptsongwriter Ivar Bjørnson zu plauschen.

The-Pit.de: Hi Ivar, zunächst einmal Gratulationen zu eurem neuen Album „E“, das ich für eines der besten in eurer gesamten Discographie halte, wenn nicht sogar das bisher größte Highlight überhaupt. Es ist sehr progressiv, ein klassischer Grower. Ich habe 10 von 10 Punkten vergeben.

Ivar: Wow, Dankeschön.

The-Pit.de: Sicherlich hast du diese Frage schon x-mal beantwortet, trotzdem stelle ich sie noch mal: Was genau bedeutet „E“? Es handelt sich hier ja um eine Rune, die optisch allerdings mehr einem „M“ als einem „E“ gleicht.

Ivar: Richtig. Es stellt eine Rune dar, die Ehwaz genannt wird. Wir haben uns im Songwritingprozess sehr früh darauf fokussiert; der erste Song, der fertig geschrieben wurde, war „Sacred Horse“, denn die Rune bedeutet wörtlich übersetzt „Pferd“. Sie ist sehr alt, älter als die Wikinger, ich glaube, sie stammt noch aus der Bronzezeit. Die Menschen malten die Runen damals so, dass sie optisch dem ähnelten, was sie tatsächlich bedeuteten und dieses M sieht ein wenig aus wie ein Pferd mit einem Reiter darauf. Neben Pferd bedeutet es auch „vorwärts“, „Bewegung“ – die Symbiose des Individuums mit anderen Dingen in seiner Umgebung. Diese Reise begann, als die Menschen anfingen, sich zu organisieren, Kommunen, Gesellschaften bildeten und es nicht mehr nur um Instinkt und Überleben ging, sondern man anfing, auch ein wenig mehr zu reflektieren. Das taten wir auch bei diesem Album; wir reflektierten über diese Thematik, wie es wohl gewesen sein mag, diese Beziehung zu entdecken. In der Natur gibt es zahlreiche Beispiele dafür: Kleine Fische, die die Zähne von größeren Tieren reinigen etc. Hier aber geht es mehr um eine reflektierende Beziehung; als die Leute dies entdeckten, war es für sie etwas Heiliges, wie man vor allem bei Höhlenmalerei sehen kann, wo auch das Pferd mehr und mehr an Bedeutung gewann. Wenn man abstrakter denkt und das Pferd nicht nur als Pferd betrachtet, sondern als Konzept außerhalb von sich selbst, als etwas, auf das man sich verlassen kann, aus dem man einen Nutzen ziehen kann, aber dem man auch selbst etwas zurückgibt. Ich denke, eine Menge Dinge, die wir heutzutage als selbstverständlich betrachten, gehen darauf zurück.

Damit wollten wir arbeiten und dachten zunächst: Okay, „Ehwaz“, das ist ein cooler Titel, doch dann kam die Idee auf, dass wir ja Enslaved heißen und das E viel benutzen. Zunächst fand ich noch, dass das ein bisschen zu einfach wäre und auch als ich Grutle diesen Vorschlag unterbreitete, meinte er, dass das ja doch ein bisschen sehr kurz wäre. Doch je mehr wir darüber nachdachten, desto besser fanden wir es. Es ist eben sehr einprägsam und prägnant.

The-Pit.de: Ich musste bei dem Titel „Sacred Horse“ auch an Sleipnir, Odins achtbeiniges Pferd denken. Ihr habt das ja sehr häufig, dass ihr Nordische Mythologie und philosophische Ansätze kombiniert und was du gerade erzählt hast, hörte sich auch wieder sehr philosophisch an. – Doch zum Musikalischen: Ihr habt einen neuen Keyboarder und Cleansänger in der Band, Håkon Vinje, und als ich das Album zum ersten Mal hörte und er einsetzte, war ich nahezu sprachlos, denn der klingt ja fast wie Herbrand Larsen! Überhaupt singt er ziemlich viel auf dem Album und hat eine wirklich tolle Stimme. Da habt ihr einen echten Glückstreffer gelandet. Wie habt ihr ihn aufgegabelt?

Ivar: Da haben wir in der Tat richtig Glück gehabt. Es war purer Zufall: Wir kannten diese Band, Seven Impale, eine nach „purem“, Siebziger-mäßigem Prog klingende Combo. Wir haben gar nicht großartig darüber nachgedacht, denn Herbrand erzählte uns bereits letzten Sommer, also 2016, dass er noch dieses Jahr dabei sein würde, und dann im Dezember in Bergen, in unserer Heimatstadt, eine Art letzte Abschiedsshow mit uns spielen würde. Und bei diesem Gig buchte der Veranstalter Håkons Band Seven Impale als Opener für uns. Wir hatten damals entschieden, ernsthaft nach einem neuen Keyboarder/Cleansänger zu suchen, wenn Herbrand tatsächlich raus ist aus der Band, denn es wäre etwas zu ungeschickt oder heikel, quasi zwei Typen zur selben Zeit an derselben Position zu haben – ein bisschen ist so etwas ja wie eine Ehe (lacht). Grutle und ich hatten uns entschlossen, dass der neue Typ in erster Linie Keyboarder sein und die Gesangsleistung an zweiter Stelle stehen soll; mit Herbrand war es damals genau andersherum: Wir heuerten ihn vor allem wegen seines tollen Gesangs an, doch er ist eben auch ein großartiger Keyboarder. Ein Kerl, der alles kann, ein echter Studiomusiker – weswegen er ja auch die Band verlassen hat, weil er sich mehr auf seine Studioarbeit konzentrieren wollte, er produziert ja auch viele andere Bands. Und als wir nun Håkon mit seiner Band sahen, wussten wir sofort, dass das der Typ ist, den wir suchen. Also fragten wir ihn nach der Show, ob er Lust hätte, uns bei einigen Shows auszuhelfen, während wir nach einem permanenten Ersatz suchten. Dann jedoch stellte sich heraus, dass es ohnehin die letzte Show von Seven Impale für eine längere Zeit sein würde, weil ihr Sänger umzog. Da war die Sache dann klar. Was für ein Timing, völlig verrückt!

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