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Emil Bulls im Interview (Dezember 2017)

„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“

The-Pit.de: Wie ist „The Ninthe Wave“ entstanden, mir sagt dies eher was als Bild?

Christoph: Dies ist auch so ein Text, der weniger die inneren Dämonen beschreibt, sondern eher das Zeitgeschichtliche. Man sagt ja, die neunte Welle ist immer die Gefährlichste. Es kommt eher aus dem Nautischen, aber es gibt tatsächlich auch ein Bild davon. Der Text beschreibt auch dieses „Es ist fünf vor zwölf“-Gefühl und wenn wir nicht aufpassen, kommt diese Welle und macht uns platt. Mich haben aber auch schon viele darauf angesprochen, ob es hier um eine Frau geht. Inspiriert war es tatsächlich nicht durch eine Frau, aber ich habe es absichtlich so geschrieben, dass es offen bleibt und man dies reininterpretieren kann. Wer also gerade Trouble mit seiner Frau hat, kann sich den reinziehen. Ich mach das allerdings sehr gerne, dass ich meine Texte offen halte und nicht alles in Stein gemeißelt ist. Deswegen ist es auch interessant, wenn man nach den Shows mit den Leuten redet und sie von den Empfindungen dazu erzählen. Manchmal sind die Probleme komplett anders, als die, die mich inspiriert haben. Was wiederum sehr cool ist, wenn so viel Raum für Interpretationen da ist und sich so viele Leute wiederfinden.

The-Pit.de: In dem Song geht es auch ums Ertrinken oder Schwimmen. Rückläufig gesehen ging es in eurer Karriere scheinbar auch darum. Ihr habt sehr früh Erfolg gehabt und zwischendurch wurde es recht ruhig um euch, wie sieht man dies mit einem gewissen Abstand?

Stephan: Mehr oder weniger so, wie du es gerade sagst. Als wir angefangen haben, war die Musiklandschaft noch komplett anders. Da warst du als Band froh, wenn du eine eigene Homepage hattest und ein Gästebuch dazu. Bei uns ging es recht schnell, wir waren mit Anfang Zwanzig bei einem Majorlabel und sind einmal durch die gesamte Industrie gespült wurden, um dann festzustellen: Irgendwie schon eine komische Sache, jetzt haben wir fünf Jahre gekämpft und nichts ist mehr da. An dieser Stelle mussten wir uns halt fragen, ob wir überhaupt noch Bock haben. Das hatten wir, weil es bei uns auch zwischenmenschlich und auf der Bühne immer gut geklappt hat. Also wollten wir es nochmal wissen und nochmal angreifen. Es war damals richtig schwer ein Label zu finden, das sich zugetraut hat, diese verbrannte Band anzufassen. Seitdem könnte man fast schon meinen, dass es ein professionelles Arbeiten ist.

The-Pit.de: Wieviel Kraft kostet es, da wieder herauszukommen?

Christoph: Sehr viel Kraft, vor allem brauchst du sehr viel Geduld, Disziplin und krassen Kampfgeist. Wir waren damals sicher an einem Punkt, an dem jede Band aus Vernunft aufgehört hätte. Eigentlich sagt da jeder, ich renne einem utopischen Traum hinterher, all meine Kumpels studieren und gründen Familien, bloß ich hänge mit einer Band herum und spiele für einen Kasten Bier. Sicher ist dies jetzt übertrieben, aber es gab schon Phasen, wo man gezweifelt hat. Aber wie der Moik gerade sagte, dies war unser Herzblut und wir mussten einfach. Wir haben alles auf Reset geschaltet und unsere komplette Infrastruktur neu aufgebaut. Glücklicherweise haben wir eine zweite Chance bekommen. Wir haben uns auf den Hosenboden gesetzt und mit „The Black Path“ ein sehr ehrliches, ungestümes Album gemacht, was die Leute von einer Major-Band gar nicht so erwartet haben. Aber es hat gezündet und jede Menge neue Fans sind dazu bekommen. Mit der „Phoenix“-Platte konnten wir darauf aufbauen und die zweite Chance beim Schopfe packen. Ich glaube, wir schreiben seitdem auch viel bessere Musik, weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen. Und dies haben wir auf den letzten beiden Platten, selbst wenn die unterschiedlich klingen und wir mit dem Zahn der Zeit gehen, bewiesen. Man kann also auch nach zwanzig Jahren noch frische Musik machen, wenn man auf seine Fähigkeiten und sein Konzept vertraut. Und natürlich muss man ehrliche Musik machen. Insgesamt kann es gerne noch zwanzig Jahre so weitergehen. Eigentlich ist es ja unfassbar, dass so eine Band, die damals von null auf hundert gepusht wurde, dann fast komplett vom Fenster weg war, sich so raus gekämpft hat. Jetzt stehen wir siebzehn Jahre später da und sind erfolgreicher denn je. Was ein totales Geschenk ist, in unserem Fall aber verdient, weil wir uns das erarbeitet haben und nie aufgegeben haben. Deshalb genießen wir auch jede Show viel bewusster und bereiten dies intensiver vor. Gerade eine Tour wie jetzt, die erfolgreicher ist als alle anderen, ist einfach ein wahnsinnig geiles Gefühl, wo man jeden Abend dankbar ist.

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