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Dragonsfire im Interview (April 2015)

„…es geht nicht um Geld, es geht um Metal…“

Ursprünglich war das Interview Anfang Januar geplant, doch bei der Terminfestlegung konnte noch keiner auch nur annähernd erahnen, welch traurige Nachricht erst einmal alle Bandaktivitäten auf Eis legen würde. Viel zu klären also bei Dragonsfire, wobei natürlich zuerst einmal der Abschied durch den Tod von Frontmann Thassilo im Vordergrund steht.

The-Pit.de: Hi Jan, schön, dass du dir die Zeit nimmst. Wir hatten das Interview ja aus einem sehr traurigen Anlass verschieben müssen, denn euer Frontmann Thassilo ist ganz überraschend verstorben. Für euch muss das die absolute Schockstarre gewesen sein. Wie seid ihr als Band damit umgegangen?

Jan: Erst einmal fühlst du gar nicht viel, weil du das erst gar nicht glaubst. Wir hatten mittwochs noch miteinander telefoniert. Thassilo ist auch ein Kumpel gewesen, ein sehr guter Freund, bester Freund, wie auch immer. Wir telefonieren also miteinander und er meinte noch, dass es ihm überhaupt nicht gut gehe, er wisse noch gar nicht, ob er am Samstag proben kann. Wir müssen ja immer wieder gucken, wie wir was hinkriegen. Donnerstagabend ruft mir dann der Matthias an, dass Thassilo gestorben sei. Dann denkst du erst einmal so: „Was machst du für einen Scheißwitz? Das ist nicht lustig“. Man glaubt das ja erst nicht. Irgendwann später kommt meine Frau rein, der habe ich das dann gesagt, und da bekam es dann schon ein Prozent Greifbarkeit. So addiert sich das bis zum heutigen Tage zu einem vielleicht 30 bis 40 Prozent Erfassen. So nenne ich das mal. Es erfassen, es zu glauben, das so als „ist so“ hinzunehmen. Man hat irgendwie das Gefühl, dass er noch auf irgendeinem Roadtrip ist und in ein paar Monaten wieder zurückkommt, aber wir haben noch immer nicht wirklich begriffen, dass er gestorben ist. Selber fühlt man daher sehr ambivalent in die eine oder andere Richtung, und natürlich weint man auch Rotz und Wasser. Wir waren mit der Band und der Familie bei der Beerdigung, da gehst du dann durch dunkle Täler und bist emotional am Arsch. Irgendwann muss aber trotzdem der Punkt kommen, wo man den Arsch hochkriegt und wieder einen Schritt nach vorne macht. Egal, wie auch dieser Schritt aussieht. Man kann ja nicht den Rest seines Lebens auf einem Stuhl sitzen und „oh mein Gott, oh mein Gott“ sagen. Das ist ein harter Schritt, das Ganze zu kommunizieren, ist auch nicht so einfach; man überlegt sich sehr genau, was man will oder was man nicht will, weil einem auf einmal sehr klar wird, dass es auf einmal vorbei sein kann, auch mit einem selber. Das ist auf jeden Fall ein komisches, sehr schlecht zu beschreibendes Gefühl, welches ich selber zu der ganzen Geschichte habe. Ich denke auch, dass es für die Band ein…(bricht seine Worte ab)

The-Pit.de: Seid ihr nach einer ersten Phase der tiefen Trauer denn jetzt im Hier angekommen und habt ihr auch schon erste Schritte eingeleitet, darüber nachzudenken, wie es als Band Dragonsfire weitergeht? Ihr habt ja verlauten lassen, dass ihr weitermacht. Hat euch da auch die ganze Anteilnahme in der Metallerschaft geholfen?

Jan: Als der Thassilo gestorben ist, hat die Szene einem wirklich viel Kraft gegeben. Wir wurden toll unterstützt. Es war toll zu sehen, wie viele Leute wirklich Anteil nahmen und in welcher Form auch immer gesagt haben: „Wir sind da“. Das war schon irre. Das war auch bei der Beerdigung ein großer Kraftgeber, das hatte nichts mit der Bandentscheidung zu tun. Als wir danach zum ersten Mal zusammen gesessen haben, da hätte ich auch verstanden, wenn einer gesagt hätte: „Jungs, das ist mir alles zu krass, ich komme damit nicht klar, ich höre hier auf.“ Da hätten wir jede Entscheidung akzeptiert. Vielleicht hängt es auch ein stückweit mit den Leuten zusammen, dass man weitermacht, ich aber kann für mich ganz ehrlich sagen, dass es eine total egoistische Entscheidung war. Ich hab einfach gedacht, dass ich es dem Thassilo schulde, denn er hätte auch weitergemacht, denn wir haben uns oft über Scheiße unterhalten, und auch eben über solch eine Scheiße. Wir haben darüber gesprochen, wenn denn einer aufhören würde, und irgendwie war immer klar, dass man mit der Musik weitermacht. Als wir uns dann getroffen haben, gab es keinen, den man überzeugen musste, ganz im Gegenteil, allen inklusive mir selbst wurde schlagartig bewusst, wie wichtig das Ganze einem einfach ist. Dass die Band einem wichtig ist, dieses zusammen Musik machen einem wichtig ist, aber es ist ja nicht nur die Musik. Man reist jetzt zusammen zehn Jahre durch die Republik, erlebt diesen Rock’n’Roll-Geist, und das ist toll. Auf einmal wird einem klar, wie einzigartig das letzten Endes ist, je nach Konstellation, was du mit wem erlebst. Das ist schon irre und das ist auf einmal auf eine ganz andere Position von Wertschätzung aufgerückt. Das wird einem richtig bewusst und ich sage jetzt einfach mal etwas ganz Blödes: Die Fans haben sich immer auch bei uns unterschriebene CDs abgeholt, was auch wirklich klasse ist. Ich habe aber zu Hause selber keine unterschriebene CD, weil du dir ja denkst, die kannst du dir ja jeden Tag holen. Wenn ich eine haben will, na und? Ich sehe doch den ganzen Club jede Woche. Auf einmal merkst du in solch einem Moment: Nicht ansatzweise hast du das auf dem Schirm. Das ist ja auch ein Gedanke, der überhaupt nicht stattfindet. Und dann wirst du auf einmal richtig wach, man gewinnt einen ganz anderen Fokus.

Von der Band her war auf jeden Fall klar, dass wir weitermachen. Nicht falsch verstehen, aber ich glaube, Musik ist eine sehr egoistische Sache. Ich stehe da und lerne ein Instrument, ich interpretiere dieses Instrument so und so, ich spiele diese Noten, diesen Song, ich habe die Idee gehabt, und von daher ist das immer ein stückweit eine egoistische Entscheidung. Es ist natürlich auch sehr motivierend und Kraft gebend, dass du in der kompletten Band niemanden auch nur einen Millimeter hast überzeugen müssen. Da war keiner wankelmütig, ganz im Gegenteil, allen war direkt klar, dass „jetzt erst recht“ gilt. Wir sind keine Band im Dämmerschlaf, wir machen echt viel. Wir werden weitermachen. Die Wertschätzung dieser Band für einen selbst ist einfach noch mal auf ein ganz anders Niveau gekommen. Man überlegt natürlich zu Hause in alle Richtungen, was denn wen wohin treibt, ich selbst aber kann mir überhaupt nicht vorstellen, meine Sticks unter einem anderen Banner zu erheben. Das geht nicht darum, jetzt bei Iron Fate einen Song zu trommeln oder bei einer befreundeten Band einzuspringen, aber dauerhaft kann ich mir das nicht vorstellen. Eine Band ist fast wie eine Ehe, wie in guten und in schlechten Zeiten. Das ist halt momentan der Punkt, an dem man nicht klein beigibt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann