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Dipsomania im Interview (Mai 2014)

„…der Zug war dann Mitte der Neunziger auch abgefahren…“

Ein paar Tage ist es schon wieder, doch das ändert nichts daran, dass die Dorstener Thrasher Dipsomania in ihrer Heimat mit einem zünftigen Konzert ihr 25. Jubiläum feierten. Doch wie so häufig läuft nicht alles gerade rund bei dem jetzt wieder Quartett, und irgendwo pendeln sie sich ein zwischen damals und Anspruch von heute – nur den Spagat bekommen sie nicht wirklich hin. Oder doch nicht? Die aktuelle Situation beleuchten Gitarrist Thomas und Frontmann Dirk.

The-Pit.de: Lasst uns erst einmal die Dipsomania-Geschichte ein bisschen aufdröseln. Ihr habt euch 1988 zusammengetan und ein Jahr später die erste Demo aufgenommen. Wie war das damals?

Thomas: Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, weil damals noch Feuer im Kamin war, da waren wir richtig heiß. Wir sind damals zum Arbeiter in Wulfen-Barkenberg, das war bei uns in Dorsten halt die Ansprechperson, wenn man eine Demo aufnehmen wollte. Da sind auch Leute aus Marl und aus dem ganzen Kreis hingefahren. Da hieß es dann, dass wir beim Arbeiter das Wochenende vom Freitag bis Sonntag haben. Da haben wir dann auch gesagt, dass wir das natürlich sofort machen müssen. Das war Ende November, Anfang Dezember 1989, wo wir die Demo aufgenommen haben, und wir wollten die auf jeden Fall noch vor den Feiertagen in der Hand halten. Das haben wir auch hingekriegt. Da waren wir damals natürlich voll „in“ in der Szene, und zu den Arbeiter-Konditionen hatten wir dann 500 Demos, worauf wir natürlich mächtig stolz waren. Das Cover, die Songs, die wir vorher im Proberaum mächtig geübt hatten, das war natürlich eine wilde Zeit. Der hatte im Keller seine 50 Kopiermaschinen stehen, da musste man noch alle Tapes von Hand reinstecken. Die Leute von damals, die wissen das noch, die bekamen dann die Demotapes. Rückblickend kann ich sagen, dass wir alle Tapes losgeworden sind, alle 500, das war natürlich nicht schlecht. Wir haben 350 verkauft und 150 verschenkt, davon dann einhundert Stück in Russland. Wir haben damals ja alle noch auf der Zeche gearbeitet und sind ein Jahr später von der Gewerkschaft aus nach Russland gefahren. Dort haben wir viele Tapes verschenkt. Der Frank Albrecht vom Rock Hard hatte uns damals ein recht gute Demokritik gegeben, hatte uns mit Kreator und was weiß ich noch alles verglichen, da bekamen wir lokal einen richtigen Aufschwung. Da waren wir 1989, 1990 schon ziemlich angesagt. Als dann noch das Angebot kam, dass wir für drei Wochen nach Russland fahren können, da waren wir schon obenauf, gerade für uns Teenager. Das war schon eine aufregende Zeit.

Dirk: Da warst du auch angefixt, da warst du kurz davor, dass man alles in Sack hier hauen und nur noch Musik machen wollte. Du warst jung, hast dir überhaupt keine Gedanken gemacht, da hat es dich einen Scheißdreck interessiert, was mit der Arbeit oder Lehre ist. Mit der Lehre war ich gerade fertig, da ging die Post ab, da wolltest du nach vorne marschieren.

The-Pit.de: Als Demoband ward ihr ja recht aktiv, habt 1991 „Face To Face“ und 1994 „Dipsomania III“ nachgelegt. Wie hat sich das weiter entwickelt, nachdem ihr mit der ersten Demo offensichtlich recht erfolgreich wart?

Thomas: Wir hatten dann auch lokal ziemlich viele Konzerte. Wir haben hier in Dorsten gespielt, aber auch in Marl, in Recklinghausen, in Dortmund, auch in Wesel. Mit der „Face To Face“-Demo bekamen wir auch schnell einen Plattenvertrag angeboten, was für uns natürlich eine große Hausnummer war. Da waren wir schon eine lokale Größe. So 1992, 1993 hatte man nur noch die Arbeit und die Band, damals hatten wir auch zwei, dreimal die Woche geprobt, das macht heute keine Band mehr, glaube ich. Damals war das aber so. Wir waren auf jeden Fall ziemlich wild und wollten viel erreichen. Wir waren ein bisschen verbissen und auch ein wenig darauf gedrillt, weiter Erfolg zu haben. Der blieb dann aber aus, weil es dann doch nicht so lief, wie wir es uns wünschten. Dann setzte auch ein bisschen die Vernunft ein.

Dirk: Mandi war dann eigentlich der erste, der sagte, dass er aussteigen würde, fünf Mal in der Woche proben ginge nicht. So fing das einfach an. Man hat eigentlich die ganze Zeit daran gearbeitet, dass man nach oben kommt, und dann fängt es an zu bröckeln wie bei so vielen anderen Bands auch. Man kämpft darum, endlich ein wenig Erfolg zu haben, und wenn es dann soweit ist, dann fangen die eigentlichen Probleme erst an, wo keiner ein Rezept hat dir zu sagen, wie man das richtig macht. Da fehlt dann halt das Management oder jemand, der die Erfahrung hat, jemand, der dir sagt, dass man ruhig mal locker bleiben soll, dass man das mal so machen soll, dass man noch Zeit habe. Das hat bei uns ja nie einer gesagt. Du standst in deinem Keller im Proberaum, hast geballert, gebrezelt und Lieder über Lieder geschrieben, alles lief und war super, aber die Probleme, die dann gekommen sind, die hat dir niemand erklärt. Du kommst aus einer Kleinstadt, nicht irgendwo aus Essen oder so, du hast nicht die Möglichkeit, die Kreator hat, du hast eigentlich immer nur nach oben gekuckt und gedacht: Ey, wir sind eigentlich auch so weit. Aber Scheißdreck bist du in Wirklichkeit. Du kriegst das nicht alleine auf den Pin.

Thomas: Dazu kam dann ja auch das Fax zur „Face To Face“-Demo, da hätten wir den Plattenvertrag von Inline Music unterschreiben müssen. Damals hat uns der Dieter als Manager verlassen und ist seine eigenen professionellen Wege gegangen. Das hat uns auch getroffen. Dieter macht das ja jobmäßig, doch er hat diese Punkbands gemacht, wenn du heute "Positive Records" bei Facebook ankuckst. Wir hatten jedenfalls keinen mehr, der diesen ganzen Businesskram, von wegen Auftritt und neue Demo usw., machte. Da ist das Fahrwasser ein bisschen weg gebrochen. Wo wir jetzt hinschiffen, das war nicht mehr klar. 1994 nach der dritten Demo ist Michael Hinz, unser zweiter Gitarrist ausgestiegen, da standen wir schon an einem Wendepunkt. Wir haben das noch für ein, zwei Jahre versucht, aber das Ganze ist dann ein bisschen im Sande verlaufen. Wir kamen ja nicht aus einer Großstadt, der Zug war dann Mitte der Neunziger auch abgefahren.

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