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Die Apokalyptischen Reiter im Interview (September 2006)

Johnny Cash goes Reitermania
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Ich hab es jetzt nicht mehr genau im Kopf, wie lange mein erstes Interview mit den Apokalyptischen Reitern her ist. Drei Dinge sind mir nur noch im Gedächtnis: a) Es war für ein anderes Magazin, b) Das Interview fand ein paar Minuten nach der Abschiedsshow für den ehemaligen Drummer der Reiter in Weimar statt und c) Sänger Fuchs hatte damals noch lange Haare und spielte gleichzeitig Gitarre (was er live heute auch noch bei manchen Songs macht).

Zwischendurch habe ich den ein oder anderen von den Apokalyptischen Reitern mal hier, mal da auf einem Festival oder Konzert getroffen, doch meistens hat es nur für kurze Gespräche am Rande gereicht. Umso mehr habe ich mich auf den heutigen Abend gefreut, weil endlich genug Zeit zur Verfügung stehen sollte, um ein bisschen über Vergangenes und Gegenwärtiges zu erfahren.

 

Auch der Tag hätte nicht besser gewählt sein können. Das Album ist taufrisch auf dem Markt, die Reaktionen darauf sind super und just ist heute auch noch der erste Tag der „Riders On The Storm“-Tour. Viel mehr ging wirklich nicht. Die Mitteilung, dass das neue Album auf Platz 31 der Charts eingestiegen ist, lag noch ein paar Tage in der Zukunft. Doch von mir an dieser Stelle noch ein fettes „Herzlichen Glückwunsch“ zur gesamten Band.

 

Nachdem ich es mir dann mit Sänger Fuchs in der hinteren Ecke des Kesselhauses der altehrwürdigen Kulturbrauerei zu Berlin gemütlich gemacht habe und er sich mal wieder den ein oder anderen Glimmstengel von mir „geliehen“ hat, konnte ich das Diktiergerät anschalten. Was dabei auf Tonspur gebannt wurde? Lest es nach…

 

The-Pit.de: „Riders On The Storm“ steht seit knapp zwei Wochen in den Läden. Grund genug, sich natürlich dem neuen Machwerk zu widmen. Sänger Fuchs versucht dann auch gleich, mit eher wenigen Worten das Wesen des Albums zusammenzufassen. Wenigen Worten deshalb, weil für mich das Album sehr viele Facetten hat. Und um die alle aufzuzählen, würde das Interview wohl nicht ausreichen.  

 

Fuchs: Ich glaube einfach, dass das Album bodenständiger ist. Und sicherlich auch zeitnah. Die Texte haben eine gewisse Realitätsbezogenheit, die sie vorher in dem Maße nicht hatten. Ok für mich waren die Texte immer realitätsbezogen. Aber ich habe, so glaube ich, zum ersten Mal eine Sprache verwendet, die noch näher an den Leuten dran ist. Ich benutze ja gerne Metaphern oder solche Sachen, wo dann sicherlich nicht gleich jeder so den Zugang hat., der sich jetzt nicht gleich unbedingt damit beschäftigen will. Mittlerweile ist das so, dass ich denke, dass man noch schlechter weghören kann. Oder was zum Beispiel auch passiert ist, dass wir ganz konkret zu bestimmten Sachen Stellung bezogen haben. Wie in „Soldaten dieser Erde“ zum Beispiel.

 

The-Pit.de: …welcher eindeutig alle Kriege anprangert, die bedauernswerter Weise heute noch toben. Für mich nebenbei bemerkt einer der stärksten Reiter-Songs, die jemals geschrieben wurden. Sowohl musikalisch als auch oder besonders textlich.

Geht mit dem „nicht weghören können“ einher, dass bis auf wenige Passagen innerhalb eines Textes, alle Lyrics in deutscher Sprache verfasst wurden (vom Bonustrack der Digipackversion sehe ich jetzt mal ab, da es der Opener des Albums nur mit englischem Text ist)? Dürfte dann wohl meines Erachtens kein reiner Zufall sein.

 

 

Fuchs: Das hat halt einfach gepasst und sich auch komischerweise irgendwie im Laufe der Jahre so entwickelt, dass wir irgendwie immer mehr deutsche Sachen hineingepackt haben. Die Reaktionen, die da kommen sind einfach viel gewaltiger sag ich mal. Also wenn Leute zu dir kommen und sagen: „Der oder/und der Song ist totaler Wahnsinn, der spricht mir einfach irgendwie aus der Seele und hat mir irgendwie über eine schwere Zeit geholfen“, dann ist das geil. Und natürlich ist Deutsch auch die Muttersprache.

 

The-Pit.de: Mich hat es dann wirklich neugierig gemacht, was es denn mit der besagten englischen Version vom Album-Opener „Friede sei mit dir“ auf sich hat. Für mich das nach dem Versuch des Eroberns neuer Märkte aus.. 

 

Fuchs: Ja, das war mal ne Idee, um irgendwie mal zu kucken, was damit passiert. Wir hatten mit der „Samurai“ bereits einen US-Release, doch das hat überhaupt nicht funktioniert. Die haben´s überhaupt nicht kapiert. Obwohl es da auch fanatische Fans gibt, die z.B. Internetseiten erstellen. Ein Typ kommt extra her zur Tour. Der hat sich auch das Reiterlogo tätowieren lassen.

 

The-Pit.de: Na ja. Im Land der (un)begrenzen (Un)Möglichkeiten ist halt vieles anderes… 

 

Fuchs: …und ein schwieriger Markt…

 

The-Pit.de: …und oft ist es nur ein Frage, was gepuscht wird und was nicht. 

 

Fuchs: Ja klar und Nuclear Blast sind da einfach mal sooo klein (meint damit den Einfluss des Labels auf den Markt und legt zur Veranschaulichung einen winzigen Flaschendeckel auf den großen Backstagetisch).

 

The-Pit.de: Im Umkehrschluss hat man dann wiederum Bands, die von einer Scheibe richtig fett verkaufen und mit der anderen abrupt einbrechen. Da fragt man sich, wie loyal die Fanbasis wirklich ist dort drüben. 

 

Fuchs: So etwas gibt’s dort wahrscheinlich gar nicht.

 

The-Pit.de: Ganz meine Meinung. Doch ich will kurz zurück zu den Texten kommen. Um diese ging es ja eingangs. Wenn ich mir diese komplett durchlese, dann schwebt bei vielem ein melancholiegeschwängerter Sehnsuchtsgedanken mit. Nach was oder wem auch immer. Zwar gehen die meisten Stücke vom Drive her gut nach vorne los, sind aber trotzdem mit dieser Sehnsucht behaftet.  

 

Fuchs: Ja, das ist mit Sicherheit so. Es gibt zwei Grundthemen auf der Platte, welche sich durch alle Texte durchziehen. Das ist zum einen dieser Wunsch nach Freiheit und auf der anderen Seite ist dass auch dieses Positive, was wir vermitteln. Dieses „Mach was aus deinem Leben. Komm aus dem Arsch und lebe deine Träume. Nutze deine Talente“…so was in der Art vielleicht“. Dieser Sehnsuchtsgedanke ist auf jeden Fall vorhanden. Das Wegziehen, um die Welt ziehen. Abenteuer oder auch Ruhe und Frieden finden. Alles das.

 

The-Pit.de: Gerade vom Sound her finde ich „Riders On The Storm“ sehr erdig und mit einem warmen Sound versehen, der trotzdem fett aus den Boxen drückt.  

 

Fuchs: Das hat sicherlich einerseits damit zutun, dass wir mittlerweile halbwegs vernünftiges Equipment haben, was ja nach 10 Jahren Bandgeschichte endlich passieren musste, haha. Es war bisher immer so: die Vorbands kamen an und wir dachten dann dauernd ´geil, sowas wollen wir auch mal spielen´, haha. Aber ok, die gehen ja alle arbeiten. Mittlerweile geht es wie gesagt bei uns eigentlich.

Dann hatten wir natürlich auch den Studiowechsel (die jetzige Scheibe wurde im Principalv Studio aufgenommen). Wir wählten das Studio ja nicht umsonst, sondern weil dort ganz vielfältige Produktionen möglich sind. Die machen dort alles…von Volksmusik bis zur extremsten Metalcore-Band. Alleine die Anlage im Studio ist einfach fantastisch. Ich denke, wir werden das auch wieder nutzen. Es ist halt nicht so wie in einem regulären Studio. Die Studios, die wir kennen, haben einen kleinen Regieraum und einen kleinen Aufnahmeraum, wo gerade so das Schlagzeug rein passt. Das Principal ist eine Riesenanlage mit mehreren Studios und tausenden Instrumenten. Da steht sogar ein Flügel drin…also ein Originaler. So haben wir dann auch ein paar Stücke mit diesem originalen Flügel aufgenommen. Wenn du nachts um halb drei Lust hast Gitarre zu spielen, ist das dort einfach möglich. Ideale Arbeitsbedingungen.

 

 

The-Pit.de: Fühlt ihr es, wenn die Zeit für eine neue Platte reif ist und die Songs gut genug sind, um aufgenommen zu werden oder spricht dabei das Label ein Wörtchen mit und drängt auf ein neues Album? 

 

Fuchs: Nö, eigentlich nicht. Wir sind da völlig frei. Das ist auch absolut nicht der Fall, dass das Label da reinredet und sagt: „Los hier. Dass muss jetzt mal passieren“. Wir sind da schon die Chefs und wir bestimmen das. Wir bestimmen auch die Wahl des Studios oder sonst irgendwas. Klar kommt das Label schon mal mit einer gewissen Vorgabe an und meint, dass dieses und jenes vielleicht so oder so sein könnte. Dann scheißen wir drauf und machen unser Ding. Und das akzeptieren die dann auch. Es ist nicht wie bei einem Major oder so.

 

The-Pit.de: Nun ist ja der Zeitpunkt der Aufnahmen nicht kurz vor der eigentlichen Veröffentlichung. Das Label muss sich logischerweise mit Werbung und dem ganzen Kram auf den Release vorbereiten. Auch bei euch ist das nicht anders. Da liegt doch schon einiges an Monaten dazwischen, wo man eigentlich nur wartet. Wie… 

 

Fuchs: …EIN HALBES JAHR…

 

The-Pit.de: …empfindest du persönlich diese Zeit (obwohl ich mir die Antwort schon mit der vorhergehenden lauteren Aussage denken kann)? 

 

Fuchs: Das ist furchtbar, haha. Du wartest einfach nur. Das Album ist wie gesagt seit einem halben Jahr fertig. Du zählst die Wochen und denkst: ´wann kommt es denn nun endlich raus´? Im Endeffekt ist es ja so, dass die Songs für dich schon…ja…alt sind. Und dann gehst du das erste Mal auf Tour. Das Album steht in den Läden und die Leute hören die Songs dann erst zum ersten Mal. Das ist verrückt.

 

The-Pit.de: Das sagen ja wirklich viele Musiker, dass diese Zeit zwischen Aufnahme und Veröffentlichung reine Nervensache ist. Mit Spannung und dem Gedanken „Was kommt? Wie sind die Reaktionen?“ Und jeder wartet sehnsüchtig auf die Zeit, wenn dann die ersten Anzeigen erscheinen… 

 

Fuchs: Es ist halt…was soll ich sagen…also man lebt ja irgendwie davon und du bist ja in gewisser Weise auch davon abhängig, wie jemand das neue Album findet. Du versuchst natürlich künstlerisch frei zu bleiben und dir deinen Freiraum zu schaffen. Das ziehen wir ja schon konsequent seit 10 Jahren hammerhart durch, haha, Wir sagen zu uns, dass wir uns nicht einschränken und einfach unser Ding machen. Gedanken wie eingangs musst du im Kompositionsprozess einfach komplett ausschalten, um überhaupt kreativ zu sein. Sonst landest du irgendwann in der Motörhead-Falle und machst 20 Jahre den gleichen Scheiß. Wir hätten sicherlich auch noch drei weitere Alben im Stil von „All You Need Is Love“ machen können aber dann hätten wir uns sicherlich auch selber verarscht.

Trotzdem ist das alles so eine Sache. Du fragst dich natürlich: „Kommen die Leute zur Tour? Darfst du das noch eine Weile machen? Dieses Lodderleben…darfst du das noch weiterführen oder nicht, hahaha?“

 

 

The-Pit.de: Hörst du dir eigentlich noch regelmäßig die alten Scheiben von euch an? 

 

Fuchs: Selten. Komischerweise höre ich mir die alten Scheiben eigentlich nur an, wenn was Neues ansteht. Alte Scheiben sind irgendwie abgeschlossene Sachen. Für mich sind die Alben so eine Art Tagebücher. Sie stehen für eine ganz bestimmte Zeit oder auch einen Zeitgeist. Wenn man jetzt ein sehr melancholischer Mensch wäre, dann wäre das so ein Art „Revue passieren lassen“. Du hörst ja dann nicht nur die Musik, sondern hast auch dazu die Bilder im Kopf, von dem, was damals passiert ist.

 

The-Pit.de: Von den ersten beiden Scheiben habe ich noch die Originalpressungen zuhause. Mittlerweile gibt’s die Teile ja schon ne Weile neu gepresst und in ein Digipack gesteckt von Nuclear Blast. Sind die eigentlich neu eingespielt oder ist da nur die Verpackung neu? Irgendwie bin ich nie dazu gekommen, mal in die Aufnahmen reinzuhören.  

 

Fuchs: Nur mit neuen Covern. Die alten Cover durften wir nicht mehr verwenden. Weil es da rechtlche Probleme gab. Wenn du jung bist und keine Ahnung hast, dann fährst du halt zur Tankstelle, schlägst ne Zeitung auf und sagst: „Hey das Bild gefällt mir“. Und dann nimmst du das, haha.

 

The-Pit.de: Ab welchem Zeitpunkt machst du dir persönlich Gedanken über ein neues Album? Kommt das, wenn der erste Tourstress hinter dir liegt oder schon viel früher? 

 

Fuchs: Das ist eigentlich ein fortlaufender Prozess. Wir sind keine Band die sich verkrümeln, Kreativurlaub machen und dabei die neue Platte im Groben schreiben. Sich dann ein Studio mieten, vielleicht noch ein bisschen an den Texten feilen und fertig. Bei uns wird eher fortlaufend geschrieben. Immer und ständig. Und sobald genug Songs zusammen sind, passierts halt. Es gibt dann in der Regel eine Vorproduktion. Wir produzieren ja im Endeffekt selber und suchen uns dann ein gutes Studio, wo wir aufnehmen. Also es ist keiner da, der sagt: „Spiel anstatt des A mal ein G oder so.

 

The-Pit.de: Und das ist für euch kreativer und besser nehme ich an. 

 

Fuchs: Es ist freier. Du hast halt alles in der Hand. Anderseits kann es natürlich nicht schlecht sein, wenn du wirklich einen Produzenten hast. Ich will es mal so sagen: es ist auch nicht schlecht, wenn du Hilfe im Studio hast.

 

The-Pit.de: Bewegen wir uns doch ein wenig weg vom eigentlichen neuen Album und den ganzen Themen drum herum. Schließlich besteht für viele Reitermanics die Faszination besagter Reitermania nicht nur aus der Musik, sondern aus vielen einzelnen Teilen, die sich ineinander fügen.

Wann hast du für dich eigentlich gemerkt, dass diese Geschichte mit Reitermania usw. richtig ins Rollen gekommen ist?

 

 

Fuchs: Da gab es keinen bestimmten Zeitpunkt. Wir haben nicht zu uns selbst gesagt: „So Jungs, jetzt ist es soweit. Wir hängen unsere Jobs an den Nagel“. Es war ein schleichender Prozess.

 

The-Pit.de: Der ja anscheinend nicht mehr zu stoppen ist. Irgendwann vielleicht einmal, doch im Moment stehen die Zeichen gut, dass aus tausenden von Reiterfans nochmals eine doppelt oder dreifach so große Herde wird. Da drängt sich doch unweigerlich die Frage auf, wie es denn außerhalb von Deutschland um die Berittenen aussieht? 

 

Fuchs: Es ist sehr schwierig für uns. In Frankreich haben wir die zweitbesten Verkäufe. Komischerweise. Und ansonsten geht in Italien noch etwas. Österreich und Schweiz ganz klar. Aber dann wird’s wirklich schwierig. Wir werden im Dezember zum ersten Mal eine Europa-Headlinertour fahren und dann wirklich mal sehen, was passiert und ob das funktioniert. Zum Beispiel werden wir zwar nicht zum ersten Mal, doch zum ersten Mal mit einer eigenen Show in England spielen. Tja und dann werden wir wie gesagt sehen, ob das hinhaut.

 

The-Pit.de: Ich wünsche der Band auf alle Fälle alles erdenklich Gute. Bei Rammstein als deutsch singenden Act hat es ja auch funktioniert, im Ausland Fuß zu fassen. Sicherlich in einer anderen Größenordnung.

 

Wenn ich mir das ganze Universum der Apokalyptischen Reiter ansehe, dann schwebt immer ein Flair von etwas Besonderem mit. Wie muss ich mir die Vorbereitung für manche Aktionen vorstellen? Sitzt ihr da und grübelt, wie man Dinge wie einen Festivalauftritt zu etwas Einzigartigem machen kann (z.B. das mit der Hüpfburg auf dem Summer Breeze) oder läuft das spontan ab?

 

 

Fuchs: Beides. Oftmals kommt es spontan. So eine Hüpfburgsache kannst du natürlich nicht spontan machen, denn wenn du so eine Idee hast, dann musst du alles natürlich erst einmal besorgen . Es muss natürlich organisiert und dann auch finanziert werden. Aber es gibt Sachen, die sind völlig spontan. Zum Beispiel zwei oder drei Jahre zuvor auf dem Summer Breeze haben wir einfach Sonnenblumen ins Publikum geschmissen. Das war auf dem Weg zum Festival: „Kuck mal da…Feld…Sonnenblumen...anhalten….einpacken“. Dann haben wir auf dem Feld randaliert, den ganzen Bus vollgepackt. So was passiert oft spontan. Auch bei der Show ist immer ein Teil improvisiert. Ich weiß zum Beispiel heute auch nicht genau, was so richtig passiert. Die Hälfte der Songs sind ja im Prinzip Neue von der Scheibe, die haben wir noch nie live gespielt. Und die Show ist auch nicht wirklich geplant oder wirklich durchgeplant.

 

The-Pit.de: Das macht doch auch erst den Reiz eines Livegigs aus. Wer will schon gestylte Typen vorne stehen sehen, die sich nach genau abgezählten Schritten bewegen. Ich jedenfalls nicht. Und Reitershows waren eigentlich von Beginn an immer auch ein Stück pures Entertainment.

 

Lassen wir doch einfach mal die letzten Jahre vor dem geistigen Auge ablaufen. So ein Tag wie heute ist doch irgendwie ein guter Anlass dafür.

Von vielen Bands, die dem Underground entstiegen sind, hört man oft harsche Kritik am Selbigen. Da kommt zur Sprache, dass viele sehr enttäuscht seien, wie der sogenannte Underground auf den Erfolg der Band reagiert hat. Es taten sich viel mehr Neider auf als Leute, die der Band freundschaftlich auf die Schulter geklopft haben und sich mit ihr gefreut haben. Wie war das denn bei euch? Die Apokalyptischen Reiter sind ja immer sehr aktiv unter der Oberfläche gewesen und konnten nicht zuletzt durch Undergroundkontakte einiges an Gigs nicht nur im Inland spielen, ohne einen Tonträger auf dem Markt zu haben. Haben solche Beziehungen Bestand oder distanziert sich der ein oder andere wegen eures Erfolges jetzt von euch?

 

 

Fuchs: Ja aber das ist eine ganz normale Geschichte. Haben wir genau so erfahren. Das ist einfach diese Underground-Gestapo. Teilweise versteh ich die Leute auch, weil es halt Fans sind. Da ist es halt „ihre“ Band, die sie irgendwann entdeckt haben und die sie eben für sich haben wollen. Sobald die Band irgendwie bekannt wird, ist es Kommerz, es ist scheiße und alles nicht mehr wie früher. Da war alles besser. Ist natürlich Käse.

 

The-Pit.de: Wie wahr. Doch gegen so etwas kann man wohl nicht ankämpfen. Das wäre vergebliche Müh und vergeudete Zeit. Und im Fall der Apokalyptischen Reiter ein Glück, denn sonst wäre sicherlich keine so coole Scheibe entstanden wie die Letzte (und natürlich die Scheiben davor).

 

Wenn du die ganze Karriere der Reiter betrachtest, welcher Tiefpunkt schwirrt dir immer noch im Kopf herum?

 

 

Fuchs: Der Tiefpunkt war sicherlich die Zeit der großen Krankheit sag ich mal. Als Georg (Sir G.) Probleme mit den Gelenken hatte und bei mir dasselbe auftrat. Ich musste die Gitarre an den Nagel hängen und Georg konnte im Prinzip ein Jahr nicht Schlagzeug spielen. Wir haben uns ein Jahr mit Aushilfsdrummern sozusagen durchgequält. Das war schon echt ne heftige Zeit. Es stand nie zur Debatte, die Band aufzulösen. Aber na ja, es hat uns auch irgendwie zusammengeschweißt. Es haut dich so schnell nicht wieder was um. Irgendwie gibt es immer eine Lösung oder eine Möglichkeit.

 

The-Pit.de: Welche deiner Euphorien ist mittlerweile einer Ernüchterung gewichen, weil du jetzt die Animositäten der gesamten Maschinerie besser kennst? 

 

Fuchs: Keine, denn das muss man ganz klar trennen. Das geht gar nicht anders. Man muss die Maschinerie so akzeptieren wie sie ist. Du musst damit leben, weil du sie nicht ändern kannst. Du kannst natürlich gewisse Sachen für dich rausfinden. Du kannst sagen: „Die oder die Kontrolle, die bleibt eben bei mir. Oder das und das kannst du als Band tun. Was wir nicht machen können geben wir ab. Und ich sag mal so: du lernst immer wieder dazu. Von Scheibe zu Scheibe, von Tour zu Tour. Du lernst, wie es denn läuft und wie man es besser machen könnte oder wo sie dich gerade mal wieder abgerippt haben. Aber ansonsten…die Euphorie oder auch Stimmung ist immer noch dieselbe. Da gibt es keinen ganz normalen beruflichen Alltag. Nee, das gibt es einfach nicht.

 

The-Pit.de: Mal von der materialistischen Seite abgesehen, über die wir eh nicht groß reden müssen, weil die nicht riesig groß ist, welches war der größte Traum, der durch den Erfolg der Reiter für dich in Erfüllung gegangen ist? 

 

Fuchs: Ich kann um die ganze Welt fahren. Na vielleicht nicht die ganze Welt aber zumindest Europa. Das ist eigentlich der Traum. Und ich habe Leute getroffen, die ich als Kind oder als Jugendlicher sehr bewundert habe. Das ist auch ne sehr schöne Erfahrung.

 

Das ist doch ein hübsches Schlusswort oder nicht? Ich für meinen Teil dachte mir das so und habe das Interview damit beendet. Das Konzert danach war der absolute Hammer (nachzulesen an anderer Stelle dieser Page). Man merkt den Apokalyptischen Reitern auf und auch hinter der Bühne die positive Energie an, welche schon auf den Platten deutlich wird.

 

Metal will never die...und die Reitermania wird wohl noch viele Jahre andauern.

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